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Justus-Liebig-Universität Gießen
 
> AUSGABE 19 (2009) Brief Drucker

Die Fibel zum Buch- und Druckwesen im kaiserlichen China

Buch- und Druckwesen im kaiserlichen China
Eine Rezension von Hehn-Chu Ahn

Walravens, Hartmut (Hg.): Buch- und Druckwesen im kaiserlichen China sowie in Zentralasien, Korea und Japan. Eine annotierte Bibliographie. Stuttgart: Anton Hiersemann Verlag, 2007 (Bibliothek des Buchwesens Bd. 18).

Die Bibliographie von Hartmut Walravens bietet nicht nur einen umfassenden Überblick über Publikationen zum Thema des Buch- und Druckwesens im kaiserlichen China, sondern behandelt darüber hinaus in Auszügen die Forschungslandschaft zu Zentralasien, Korea und Japan. Insbesondere die lesenswerten Annotationen vom Verfasser mit kurzer Inhaltsangabe und Bewertung der Arbeit bereichern dieses Standardwerk überaus. Der Berichtszeitraum reicht bis zum Jahr 2006 und umfasst mehr als 2000 Titel. Im Ganzen ist das Werk für den westlichen Leser konzipiert, da die Mehrheit der Schriften in einer mitteleuropäischen Sprache verfasst worden sind. Gleichwohl sind die einschlägigsten Veröffentlichungen aus Ostasien ebenso in diesem Band zu finden.

Für jeden Interessierten, der sich im weitesten Sinne mit dem Buch- und Druckwesen in Asien beschäftigt, sowie für das Fachpublikum stellt die Bibliographie von Hartmut Walravens eine unerlässliche und hilfreiche Einführungslektüre in das weite Forschungsgebiet dar. Walravens langjährige Tätigkeit als Direktor der Abteilung für überregionale bibliographische Dienste in der Staatsbibliothek zu Berlin sowie seine fundierten Kenntnisse über Japan und China kommen besonders in den Annotationen zum Tragen. Angesichts der historischen Bedeutung des ostasiatischen Druckwesens für die Buchkultur im Allgemeinen war eine Publikation von diesem Format schon lange fällig. Dieses gleich mit Erscheinen zum Standard avancierte Werk schließt endlich eine klaffende Forschungslücke im deutschsprachigen Raum.

Die Bibliographie legt mit über 2000 Titeln den medialen, geographischen sowie historischen Schwerpunkt auf das Buch- und Druckwesen im kaiserlichen China, wobei Zeitungen und populäre Graphik in Ostasien bis in die Gegenwart schlaglichtartig ebenso behandelt werden, "um Kontinuitäten deutlich zu machen" (S. 2). Das heterogene Material umfasst hauptsächlich westliche populärwissenschaftliche Publikationen bis zum Jahr 2006. Die Literaturliste wurde aber um die wichtigsten ostasiatischen Titeln bzw. Beiträgen aus der Forschung erweitert.

Der Aufbau des Buches erfolgt im ersten Schritt über Länder (China, Zentralasien, Korea, Japan, Südost -und Südasien). Die nächste Binnendifferenzierung wurde über verschiedene Sachgruppen vorgenommen, die wiederum von kurzen Einführungen in die jeweilige Thematik (Papier, Kalligraphie, Typendruck, ...) eingeleitet werden. Die Anordnung der Bereiche ist weiter nach den Kriterien Einschlägigkeit und Chronologie unterteilt worden, d.h. es wird mit den aktuellen und grundlegenden Titeln begonnen. Die Literaturangaben sind weitgehend um chinesische Schriftzeichen für Name und Titel ergänzt worden, um Recherchearbeiten zu erleichtern. Dabei wurden die gängigen Transkriptionssysteme Wade-Giles (mit Korrelationstabelle ins Pinyin-System, das in der Volksrepublik Standard ist) für chinesisch, Hepburn für japanisch und McCune-Reischauer für koreanisch herangezogen. Das Herzstück der Bibliographie bilden die kurzen Annotationen mit Evaluationen, die interessante Einzelbeobachtungen enthalten und gleichzeitig den beeindruckenden Kenntnisstand des Verfassers erahnen lassen. Denn die (verhältnismäßig wenigen) Werke, die weder im Original noch in Kopie von ihm durch Augenschein geprüft wurden, sind markiert.

Im Allgemeinen ist die Handhabung des Buches dank des schlüssigen Aufbaus, aber vor allem wegen der umfangreichen Register (nach Personennamen, Titeln sowie Annotationen/Sachbegriffen) einfach. Im Vergleich zu den Verzeichnissen fällt jedoch das Glossar kurz aus. Lediglich die wichtigsten Fachausdrücke werden erläutert. Angesichts der Bedeutsamkeit des Werkes ist man zudem als Leser über die vielen redaktionellen Schwächen doch betroffen und würde sich bei der nächsten Auflage ein intensiveres Redigieren der Texte wünschen. Mit den 44 Faksimilia von bedeutenden Ausgaben der Primärliteratur erweitert sich aber erfreulicherweise die bibliographische Zusammenstellung um einen visuellen Aspekt, der den vielen Bücher auch ein Gesicht gibt.

Da der kulturelle und technische Einfluss Chinas auf Korea, Japan und Südostasien seit jeher groß ist, ist die Aufnahme der Nachbarländer sinnvoll. Allerdings ist in den Kapiteln, die sich nicht mit China befassen, ein qualitatives Gefälle festzustellen. Wie der Autor im Vorwort bereits betont, wurde in diesen Bereichen stärker ausgewählt, und bei den genannten Titeln handelt es sich "lediglich um Fingerzeige" (S. 2). Zum Abschluss werden etwa in einem Kapitel mit insgesamt sieben Seiten Vietnam, Indien und der islamische Orient zusammenfasst, um Materialien für weitere "vergleichende Studien" (S. 2) zu liefern. Walravens geht es zwar nicht darum, diese Gebiete umfassend mitzubehandeln, trotzdem stellt sich der Verdacht ein, in diesem Fall die eigene Hausbibliothek katalogisiert zu haben. Von dieser Ahnung muss der Exkurs zum Thema der japanischen Farbholzschnitte ausgenommen werden. Denn hier wird das bibliographische Standardwerk von William Green aus dem Jahre 1993 um weitere und neue Publikationen aus Mitteleuropa aktualisiert.

Fazit: Die vorliegende Bibliographie stellt eine wertvolle und die aktuellste Ergänzung neben den bestehenden Standardwerken wie dem Tsien Tsuen-hsuin. China. An annotated bibliography dar. Die Klassifikation nach Ländern und Sachgebieten sowie die hilfreichen Register sind übersichtlich und informativ, so dass der Leser leicht das gewünschte Interessensgebiet nachschlagen kann. Das Verdienst des Autors, nicht nur für den deutschsprachigen Raum, kann nicht genug herausgestellt werden. Das Werk ist für jeden Wissenschaftler wie Laien überaus nützlich, der die Literatur in vornehmlich westlicher Sprache zur Buch- und Druckgeschichte Ostasiens erschließen möchte.


Hartmut Walravens (Hg.): Buch- und Druckwesen im kaiserlichen China sowie in Zentralasien, Korea und Japan. Eine annotierte Bibliographie. Stuttgart: Anton Hiersemann Verlag, 2007 (Bibliothek des Buchwesens Bd. 18). 847 S. mit 44 Abbildungen, kartoniert, 228 Euro. ISBN: 978-3-7772-0709-4


Inhaltsverzeichnis

Abkürzungen
Vorwort
China
1. Buchwesen - Allgemeines
China und Europa
Terminologie des Buch- und Druckwesens
2. Buchkunde
Buch- und Leserforschung
Jadebücher
Tun-huang u.a.
3. Einband, Restaurierung
4. Papier
Papierschnitte
5. Tusche, Schreibgerät
6. Schrift, Schriftentwicklung
7. Kalligraphie, Manuskripte
Studien über einzelne Kalligraphien und Werke
Sammelwerke zur Kalligraphie
Reproduktion einzelner Werke
Moderne Kalligraphien
Dokumente
8. Siegel
9. Abklatsche
Sammlungen von Abklatschen
Reproduktionen von Abklatschen
10. Erfindung und Entwicklung des Buchdrucks
Westlicher Druck chinesischer Zeichen
11. Buchdruck nach Dynastien
T’ang, Wu-tai, Sung
Yüan u.a.
Ming
Ch’ing
12. Typendruck
13. Kupferdruck
Schlachtenkupfer
Castiglione und Hsi-yang-lou
14. Graphik – Holzschnitt und Buchillustration
Hui-chou als Druckzentrum
Einzelne Werke
Ch’eng shih mo-yüan
Chu-p’u hsiang-sheng
Chü-p’u
Erh-shih-szu hsiao
Christliches
Fan-ch’a t’u
Fang shih mo-p’u
Hsi-hsiang chi
Hsi-hu shih ching
Hsi-yu-chi
Hsin-pien tui-hsiang szu yen
Huang Ch’ing chih-kung t’u
Hung-hsüeh yin-yüan
Hung-lou-meng
Keng-chih t’u
Ku shih hua-p’u
Kuei-fan t’u-shuo
Lieh-nü-chuan
Lun-yü chi-chieh
Mei-hua hsi-shen p’u
Mien-hua-t’u
Hsin-pan
O-Shan t’u-chih
P’i-p’a-chi
Pi-shu shan-chuang t’u
San-fen shih-lüeh
San-ts’ai t’u-hui
Shan-hai-ching
Sheng-chi t’u
Shui-hu-chuan
Su-ê p’ein
Sung Yüan chiu-pen-shu ching-yen-lu
Szu-k’u ch’üan-shu
T’ui-pei-t’u
Wan-shou sheng-tien
Yin-chih-wen t’u-cheng
Yü-chih Pi-tsang-ch’üan
Die 40 Ansichten des Yüan-ming-yüan
Yüan-yeh
Yung-lo ta-tien
Naturhistorische und technische Illustration
Pen-ts’ao – Literatur
Gartenkunst
T’ein-kung k’ai-wu
Ying-tsao fa-shih
Lu Pan ching
Yüan-hsi chi’i-ch’i t’u-shuo
Alben
Die Einführung chines. naturhistor. Illustration in Europa
15. Moderne Drucke
16. Farbendruck
Spielkarten
Neujahrsbilder
Einzelne Werke
Chieh-tzu-yüan hua-chuan
Hsi-hsiang-chi
Kaempfer-Drucke
Nan-hsün
Pi-shi t’u-k’ao
Shih-chia ju-lai ying-hua shih-chi
Shih-chu-chai shu-hua p’u
Gedichtpapiere
17. Sondermaterialien
Karten
Enzyklopädien
Almanache
Papiergeld
Buddhistische Werke
Taoistische Werke
Christliche Werke
Zeitungen
18. Buchhandel, Verlagswesen
19. Zensur
20. Bibliotheken, Sammlungen, Bibliographie
Terminologie
Sammlungen
Das drehbare Bücherregal in China
21. Katalogisierung, Klassifikation
22. Bibliophilie
23. Varia
24. Nationalitäten
Mandschus
Na-hsi
Lolo
Yao
Zentralasien
Hsi-hsia
Tibet
Bhutan
Mongolei
Korea
Japan
Buchwesen
Papier
Schrift, Kalligraphie
Druck
Einband
Graphik
Nagasaki
Kupferdruck
Verlagswesen
Bibliotheken, Sammlungen
Sondermaterialien
Buddhismus
Christliches
Zeitungen
Karten
Varia
Farbholzschnitte – Ukio-e
Einzelne Künstler
Bairei, 1844-1895
Eishi, 1756-1829
Harunobu, 1718-1770
Hiroshige, 1797-1858
Hokusai, 1760-1849
Kiyochika, 1847-1915
Kunisada, 1786-1865
Kuniyoshi, 1797-1861
Sharaku, fl. 1794-1795
Shunshô, 1726-1792
Utamaro, 1753-1806
Yoshitoshi, 1839-1892
Zeshin, 1807-1891
Surimono
Shunga
Südost- und Südasien
Vietnam
Sonstiges Südostasien
Indien
Orient
Die Abbildungen
Verzeichnis der Abbildungen
Abbildungen (Nr. 1-44)
Register

Namensregister
Titelregister
Register der Annotationen
Transkriptionstabelle Chinesisch
Glossar
Zeittafel – China

The Primer for Printing and Publishing in Imperial China

This bibliography by Hartmut Walravens not only offers a general review of Western research on printing and book-arts in imperial China, but also deals to some extent with the current state of research in Central Asia, Korea, and Japan. The author's highly readable annotations which include brief abstracts and evaluations greatly enrich this benchmark work. The reference period extends to the year 2006 and covers a total of 2000 titles. While primarily intended for Western readers, with a majority of titles written in central European languages, the work does contain relevant literature from East Asia.


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