Der 2008 von der Universität Konstanz herausgegebene "Studienqualitätsmonitor 2007" (Tino Bargel, Peter Müßig-Trapp und Janka Willige:
Studienqualitätsmonitor 2007. Studienqualität und Studiengebühren. HIS: Forum Hochschule 1/2008) bescheinigt den Lehrenden an den deutschen Universitäten eine sehr hohe fachliche, aber eine nicht annähernd so gute didaktische Qualifizierung. Auch Beratung und Feedback durch die Lehrkräfte schneiden in der Beurteilung der Studentinnen und Studenten nicht gut ab. Dementsprechend werden auch Leistungsnachweise und Prüfungen von vielen Studierenden als schwer zu bewältigend eingestuft. Der von Birgit Hawelka, Marianne Hammerl und Hans Gruber herausgegebene Sammelband
Förderung von Kompetenzen in der Hochschullehre setzt genau hier an. Das in diesem Band durch praxisorientierte Aufsätze dokumentierte hochschuldidaktische Curriculum der bayerischen Universitäten berücksichtigt alle für Lehre und Lernen relevanten Kompetenzfelder. Der Sammelband gliedert seine Beiträge in die Kernbereiche Lehr-Lern-Konzepte, Präsentation und Kommunikation, Evaluation der Lehre, Fach- und Methodenberatung für Studierende sowie mündliche und schriftliche Prüfungen. Die Aufsätze bieten Hochschullehrenden eine knappe theoretische und empirische Grundlage, auf deren Basis Umsetzungsmöglichkeiten konkreter Methoden und Konzepte praxisorientiert, aber fachunabhängig vorgestellt werden. Die Beiträge werden durch Tipps für die Praxis und, wo möglich, auch Merk- und Checklisten komplettiert.
Die ersten, durchweg überzeugenden und innovativen Aufsätze aus der Rubrik
Lehr-Lern-Konzepte basieren auf neueren Erkenntnissen der Lernforschung und zeigen neue Wege in der Hochschuldidaktik auf, die zu einer größeren Studierendenaktivität führen sollen. In diesem Kapitel stellt der Beitrag von Birgit Hawelka "Problemorientiertes Lehren und Lernen" die lerntheoretische Grundlegung der neueren Hochschuldidaktik dar. Er kann damit als Grundlegung des ganzen Bandes gelten. Die Autorin grenzt sich bewusst von alten Lehrformen ab. Diese vermitteln, so ist es ihrer fundierten Darstellung zu entnehmen, strukturierte Wissensbestände zumeist in Frontalsituationen mit dem Ziel, Lernstoff zu maximieren, Lehrkapazitäten optimal auszunutzen und Prüfungen vorzubereiten. Problem dieser Lehr-Lern-Prozesse ist es, dass auf diese Weise 'träges Wissen' produziert wird, das nicht anwendungsfähig ist und das in späteren Berufssituationen oft nicht in adäquate Handlungen umgesetzt werden kann. Die Autorin schlägt als Lösung für diese augenfällige Diskrepanz das problemorientierte Lernen vor. Differenziert erläutert sie die theoretischen Hintergründe dieser Lernform, beschreibt Umsetzungsmöglichkeiten und gibt Anregungen für Hochschullehrende, die diese Methode erproben wollen.
Nicht jeder der folgenden Aufsätze berücksichtigt allerdings die hochschuldidaktische Lehr-Lern-Forschung in gleichem Maße. Dies gilt unter anderem für den Beitrag von Christiane Alberternst "Rhetorik für die Hochschullehre". Sehr ausführlich und differenziert beschreibt die Autorin die Kriterien für eine gute Rede von der Ideensammlung bis zum Vortrag und gibt diverse Tipps zum Umgang mit Unwägbarkeiten. Leider wird aber, außer dass die Bedeutung von inhaltlicher Beschränkung, kurzen Sätzen und eines eingängigen Redestils erläutert wird, kaum auf die Aufnahmefähigkeit von Zuhörern eingegangen. Die Autorin macht keinen Unterschied zwischen einer Vorlesung und einem Vortrag auf einem Kongress. Während letzterer sicherlich im von der Autorin beschriebenen Stil ausgeführt werden muss, ist es im Sinne des Verstehens und Erinnerns in Vorlesungen durchaus sinnvoll, Studierende aktiv in die Veranstaltung mit einzubeziehen. Hinweise und Vorschläge dieser Art vermisst der Leser/die Leserin.
Die Selbständigkeit von Studierenden auch in Beratungssituationen will der Aufsatz "Beratungskompetenz" von Josef Strasser steigern, indem er Beratung als Problemlösung auffasst. Vielfältige Aspekte von Beratungskompetenz werden erörtert, und der Autor weist zu Recht darauf hin, dass Beratung trainiert werden muss, um sich auf die immer wieder neuen Beratungssituationen einstellen zu können. So kann dieser Beitrag wohl vor allem als Anregung verstanden werden, das eigene Beratungsverhalten selbstkritisch mit den von Josef Strasser genannten Kriterien zu vergleichen und sich im Fall großer Diskrepanzen für eine Weiterbildung anzumelden.
Der Aufsatz von Florian H. Müller und Christina Bayer zum Thema "Prüfungen: Vorbereitung – Durchführung – Bewertung" beschreibt die Funktionen von schriftlichen und mündlichen Prüfungen und legt dezidiert Hindernisse auf dem Weg zu einer gerechten Bewertung dar. Er endet mit einer Checkliste, was bei der Prüfungsvorbereitung zu beachten ist. Allerdings bleibt dieser Beitrag sehr allgemein. Es fehlen Vorschläge für die Ausgestaltung von Prüfungen. Hinweise, wie Anwendungssituationen von Wissen auch in Prüfungssituationen geschaffen werden können, um der Entstehung von 'trägem Wissen' vorzubeugen, bleibt der Text leider schuldig.
Fazit: Der Sammelband
Förderung von Kompetenzen in der Hochschullehre ist Hochschullehrenden, die eigene didaktische Defizite erkannt haben bzw. die Bereitschaft besitzen, diese zu diagnostizieren, und die selbständig Wege zu einer besseren Vermittlung suchen, ans Herz zu legen. Vielfältig sind die Vorschläge, zahlreich die in vielen Aufsätzen vorgestellten methodischen Hinweise und Tipps. Allerdings bleibt zu vermuten, dass einige derjenigen, die mit diesem Band arbeiten werden, im Wesentlichen keine grundsätzlichen Veränderungen an ihrer Lehre vornehmen, sondern bisherige Konzepte optimieren und variieren. Hier wäre eine durchgängigere Berücksichtigung der Lernforschung wie im Kapitel der Lehr-Lern-Konzepte wünschenswert gewesen, die eine noch deutlichere Abkehr von der Dozenten- zur Studierendenorientierung ausgewiesen hätte.
Birgit Hawelka, Marianne Hammerl und Hans Gruber (Hgg.): Förderung von Kompetenzen in der Hochschullehre. Theoretische Konzepte und ihre Implementation in der Praxis. Kröning: Asanger, 2007. 258 S., kartoniert, 24, 00 €. ISBN 978-3-89334-473-4 InhaltsverzeichnisVorwort iii
Lehr-Lern-Konzepte
Silke Weisweiler und Isabell Braumandl Zeit für die Lehre: Effektives Zeit- und Selbstmanagement 3
Jörg A. WendorffAktivierende Methoden der Seminargestaltung 17
Florian H. Müller Studierende motivieren 31
Birgit HawelkaProblemorientiertes Lehren und Lernen 45
Hans GrubenGruppenarbeit 59
Regina H. Mulden und Stephanie LaubenbacherStudierendenzentrierte Gestaltung von Hochschullehre 71
Präsentation und Kommunikation Christiane AlberternstRhetorik für die Hochschullehre 85
Marion Rosskogler und Marianne HammerlModerationstechniken 107
Silke Schworm und Thomas NegerPräsentieren und Referieren 125
Birgit Hawelka und Jörg A. WendorffMedien in der Hochschullehre 137
Jörg A. WendorffE-Learning in der Hochschullehre 151
Evaluation der Lehre Christiane AlberternstFeedback geben – Feedback holen 165
Birgit HawelkaEvaluation von Lehrveranstaltungen 181
Fach- und Methodenberatung für Studierende Josef StrasserBeratungskompetenz 195
Bettina Wiesmann und Thomas SchmuckerStudierende ziel- und lösungsorientiert beraten 209
Mündliche und schriftliche Prüfungen Florian H. Müller und Christina BayerPrüfungen: Vorbereitung – Durchführung – Bewertung 223
Gabriele Thelen und Christina BayerSeminararbeiten bewerten 239
Autorinnen und Autoren 251
Sachregister 255
Förderung von Kompetenzen in der Hochschullehre is a volume of collected papers edited by Birgit Hawelka, Marianne Hammerl, and Hans Gruber that documents advanced training for university educators at Bavarian universities that have developed a joint curriculum for Didactics. The curriculum is meant to nurture competencies and increase the career satisfaction of university educators. The syllabus covers all central topics directly affecting the duties of teaching, advising, and exam administration. The papers are rooted in theory, but also provide a variety of suggestions, tips, and practical applications. This volume will therefore specifically appeal to university educators who wish to augment their professional competencies and broaden their instructional repertoires.
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bei der Autorin und bei KULT_online