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Bericht zur Tagung "Soziologie im Dialog - Wo stehen wir heute?"

Kooperationsprojekt der Johannes Kepler Universität Linz und der Universität Paderborn.
Universität Paderborn, 27.- 28. Oktober 2011

Ein Bericht von Jennifer Ch. Müller


> Konferenzübersicht
 
Tagung: Soziologie im Dialog
Auf der Tagung "Soziologie im Dialog – Wo stehen wir heute?", organisiert von KRISTINA BINNER, MARIA DAMMAYR (beide Johannes Kepler Universität Linz), JULIA GRUHLICH und LENA WEBER (beide Universität Paderborn) diskutierten junge Wissenschaftler_innen der Sozialwissenschaften über die mögliche Ausrichtung gegenwärtiger soziologischer Arbeit. Im Call for Papers hatten die Organisatorinnen betont, dass es aktuell an einer kontroversen Diskussion um das Selbstverständnis und die Aufgaben der Soziologie mangele. Die Tagung sollte somit die Zuwendung zu denkbaren Selbstverständnissen und möglichen Aufgabenbereichen der Soziologie ermöglichen. Vorbereitend hatten die Organisatorinnen drei Themenkomplexe zu (1) Theorie = Ideologie? (2) Selbstverständnis und Aufgaben der Soziologie und (3) Soziologie zwischen Institutionalisierung und Umstrukturierungen gebildet.
  

Theorie = Ideologie?

Die Tagung begann am Donnerstag, dem 27.10.2011 mit dem Vortrag "Das schwierige Selbstverständnis einer kritischen Soziologie im Postfordismus. Paradoxien und Ambivalenzen einer Ratlosigkeit" von LUTZ EICHLER (Erlangen). Der Referent analysierte darin die Reichweite und die Grenzen von Kapitalismuskritiken am Beispiel der Monographie Soziologie – Kapitalismus – Kritik von Klaus Dörre, Stephan Lessenich und Hartmut Rosa. Eichler verortete die Beiträge der drei Autoren zunächst im Sinne einer Soziologie der Kritik.
Dörres Theorie kapitalistischer Landnahme fordere die Wiederaufnahme der Sozialkritik. Lessenich verbinde eine funktionale Kritik des Kapitalismus und des Staats mit einer genealogischen Kritik, während Hartmut Rosa eine Erneuerung der Künstlerkritik anstrebe. Als zentrale Probleme des Kapitalismus beschreibe Dörre die ungleiche Verteilung von Mehrwert, Lessenich sehe das Verhältnis von Staat und Gesellschaft als Problem an und Rosa verorte die Problemursache im Dauerwettbewerb.
Gruppenbild
Im Folgenden prüfte Eichler, ob die Autoren ihren Anspruch einer Fundierung der Kritik einlösen können und machte bei allen drei Autoren Probleme im Maßstab der Kritik aus. Dörre bestehe zwar auf einer politischen Ökonomie, kümmere sich aber nicht um die Grundsatzfragen von Werttheorie, Geldbegriff und Mehrwerttheorie. Letztlich fordere Dörre nur eine gerechtere Verteilung und bliebe damit hinter Marx zurück, der die Möglichkeit gleicher Verteilung von Mehrwert als nicht verwirklichbar ansieht. Bei Rosa kritisierte Eichler, dass die vorgenommene Berufung auf die Autonomie der Menschen nicht einfach angenommen werden könne, sondern begründet werden müsse.
Im zweiten Schritt fragte Eichler nach dem Vorgehen der Theorien bezüglich der soziologischen Gretchenfrage des Verhältnisses von Handlung und Struktur. Bei Lessenich machte er die Struktur eines Vexierbildes aus: Die Theorie antworte entweder mit totalem Strukturalismus oder mit totaler Freiheit des Einzelnen. Dies hänge letztlich am unklaren Machtbegriff Foucault'scher Prägung. Dörre verfalle in eine binäre Unterscheidung von Tätern und Opfern des gesellschaftlichen Prozesses, während bei Rosa keine handelnden Akteure mehr auftauchten, sondern alle einem anonymen Prozess der Beschleunigung unterworfen seien. Obwohl Eichler selbst Rosas Version wohl am nächsten stand, forderte er, die Akteure bei der Aufrechterhaltung der Verhältnisse habitustheoretisch und sozialpsychologisch zu be(ob)achten. Insgesamt konstatierte Eichler drei Defizite aktueller Kapitalismuskritik: ein normatives, ein ökonomietheoretisches und ein sozialpsychologisches Defizit.
In dem zweiten Vortrag "Bleierne Systeme? Systemtheorie zwischen Selbstauflösung und Dogma" ging NICKLAS BASCHEK (Hamburg) der Frage nach, wie systemtheoretisch orientierte soziologische Arbeit heute aussehen kann. Er benannte "Dogmatismusgefahren" bei den Luhmannianern André Kieserling, Uwe Schimank und Armin Nassehi, welche Theorievergleiche der Literaturwissenschaft überantworten, Spezialisierung statt Grand Theories fordern bzw. systemtheoretische Soziologie heute nur empirischer Art sehen wollen. Niklas Luhmann selbst habe, so Baschek, am Ende seines Lebens hingegen vielmehr zur Verflüssigung statt zur Verfestigung der eigenen Theorie beigetragen, indem er sie in die Nähe des radikalen Konstruktivismus rückte. Bascheks Frage lautete also, wie heute universalistische, aber undogmatische Gesellschaftstheorie systemtheoretischer Art gemacht werden könne, wenn man den radikalen Konstruktivismus zu Grunde legt. Er selbst will den Begriff des Politischen neu formulieren und dabei das Spannungsverhältnis zwischen der Politik und dem Politischen in den Blick nehmen. Zudem verwies er darauf, dass die Krise in der Luhmannschen Systemtheorie unterforscht sei und dass die Konzentration auf das gesamtgesellschaftliche Bezugssystem gerichtet werden müsse. Die Systemtheorie als Grundlagenforschung müsse an den Grundlagen der Gesellschaft forschen.
Martin Griesbacher
In dem anschließenden Vortrag über "Methodologien soziologischer Zeitforschung" bemängelte MARTIN GRIESBACHER (Graz) zunächst die Kluft zwischen Theorie und Empirie in der Soziologie, obwohl doch eine sinnvolle empirische Forschung eine Vorstellung ihres Gegenstandes benötige. Die zentrale Griesbacher'sche Forderung war, die Superiorität einer einzigen Theorie zu vermeiden. Bezugnehmend auf die bislang "gescheiterte Disziplin" der soziologischen Zeitforschung – welche Zeitpunkte, Zeitspannen und Zeitverläufe in ihrer sozialen Dimension analysiert und mit der 'sozialen Zeit' eine aktive Größe etabliert hat, die als Arbeits-, Familien, Frei- und Eigenzeit allerdings subjektiv zu verstehen sei –, plädierte er außerdem dafür, dass Forscher_innen Zeitdiskurse in ihren Forschungen berücksichtigen, Theorien transparent anwenden und praxisorientiert einsetzen und forschungspraktische Folgen ihrer Theorien reflektieren sollten.


Selbstverständnis und Aufgaben der Soziologie

Am Freitag, dem 28.10.2011 wurde die Tagung mit dem Vortrag "'Heißt das noch Verantwortung?' Über die unscharfe Grenze zwischen soziologischer und sozialer Praxis" von MARKUS BAUM und MATTHIAS DUMKE (beide Aachen) fortgesetzt. Die beiden Vortragenden fragten, wie berechtigt die Besorgnis bezüglich des pragmatischen Umgangs mit Theorien sei. Sie begreifen Soziologie als sprachlich verfasste soziale Praxis und thematisierten zunächst die sprachkritische Wende in der Philosophie und forderten mit Wilhelm von Humboldt, dass die Kritik an Erkenntnis eine Kritik an den Erkenntniswerkzeugen sein müsse. Nach Humboldt sei die Sprache nicht ein Mittel, die Wahrheit darzustellen, sondern das Mittel, die unerkannte Wahrheit zu entdecken – also das Mittel zur Welterschließung. Den Begriff der Welterschließung betrachteten die Vortragenden anschließend im Zusammenhang mit der Metapher. Die Metapher als Mittel der Welterschließung eröffne die Möglichkeit, kaum oder nicht Sagbares auszudrücken. Die Vortragenden bezogen die Wirkung der Kraft der Metapher nun auf die Sozialwissenschaften und fragten nach der Bedeutung von Texten, etwa des Leviathan von Thomas Hobbes, für die Gesellschaft. Auch heute konstruiere die Soziologie beispielsweise mit der Metapher der Parallelgesellschaft die soziale Realität mit. Der aus der Geometrie stammende Begriff der Parallele werde hier mit dem aus der Soziologie stammenden Begriff der Gesellschaft verknüpft und bringe ein Unbehagen zum Ausdruck. Die Soziologie konstituiere damit u. a. fremdenfeindliche Diskurse mit.
Die zentrale These der Vortragenden ergab sich aus dem Vergleich von soziologischer Forschungspraxis mit der Heisenberg'schen Unschärferelation: So wie der im Experiment erfolgende Zugriff auf einen Gegenstand diesen verändere, so verändere die Soziologie das Sprechen über die Gesellschaft und den Gegenstand, den sie untersucht. Die Forderung der Vortragenden lautete folglich, Soziologie als soziale Praxis zu verstehen. Dabei müsse die weltstiftende und bedeutungstragende Funktion der Metapher berücksichtigt und der/die Soziologe_in als praktische_r Akteur_in verstanden werden, so wie dies beispielsweise Luc Boltanski anerkenne. Im Umgang mit soziologischer Theorie müssten Wissenschaftler_innen also die eigene Verantwortung ernst nehmen und reflektieren.

Milena Jostmeier
MILENA JOSTMEIER (Dortmund) stellte in ihrem Vortrag die empirischen Ergebnisse aus dem Metaprojekt MANTRA vor, das sich mit der wissenschaftlichen Begleitung der Arbeit von Verbundprojekten aus Wissenschaft und Anwendungskontexten befasst. Jostmeier betrachtet in ihrer Forschungsarbeit die Strategien ko-evolutionärer Wissensproduktionen in Verbundprojekten und fragt nach der Möglichkeit von transdisziplinärer Forschung als Innovationsmotor durch gegenseitige Lernprozesse. In Interviews mit in den Verbundprojekten engagierten Wissenschaftler_innen hat Jostmeier herausgefunden, dass "Abbildung und Gestaltung" parallel durch diese einerseits und Verbundpartner_innen andererseits erfolgen können, dass sie sequenziell von Wissenschaftler_innen übernommen werden oder dass beides ineinander konvergiert, sodass Abbildung nicht mehr von Innovation zu trennen ist. Die Hightech-Strategie der Bundesregierung habe im Bereich der globalen Herausforderungen fünf Bedarfsfelder im Blick: (1) Klima, Energie, (2) Gesundheit, Ernährung, (3) Mobilität, (4) Sicherheit, (5) Kommunikation. Das Zieldreieck der transdisziplinären Arbeits- und Innovationsforschung bestehe in der Entwicklung anwendungsorientierter Gestaltungsmodelle in der Sphäre der Wirtschaft, der Verbreitung in der Sphäre der Politik und des wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts in der Wissenschaftssphäre.
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ALEXANDER BRUNKE (Erfurt) formulierte in seinem Vortrag "Soziologie und die Beschwerden des Alltags" die Forderung nach einer Phänomenologie der Beschwerde und fragte dabei nach dem Verhältnis der Soziologie zu den Akteuren. Unter Rückgriff auf die pragmatische Soziologie nach Luc Boltanski, deren bedeutender Beitrag zur sozialen Ordnung in der Erschaffung eines Werkzeugkastens zur Analyse praktischer Normativität liege, schlussfolgerte der Vortragende, dass Kritik und Rechtfertigung als allgemeine Bestandteile sozialen Handelns gelten und sozialwissenschaftliche Bedeutungsmuster offenkundig in die Gesellschaft diffundieren. Nach Referenzen auf Robin Celikates sowie die von Eichler vorgestellten Soziologen Dörre, Lessenich und Rosa forderte Brunke abschließend eine Reduzierung der theoretischen Vorannahmen und eine Zunahme von offener empirischer Forschung. Wie sich an den Beschwerden des Alltags zeigen lässt, werde die normative Dimension vor allem bei Auseinandersetzungen sichtbar und sozialer Wandel sei immer auch normativer Wandel.

Soziologie zwischen Institutionalisierung und Umstrukturierungen

In ihrem Vortrag "Transformation der Hochschulbildung" stellt JENNIFER CH. MÜLLER (Gießen) die empirischen Ergebnisse einer Studie zum Bildungsbegriff von Studierenden der Sozialwissenschaften vor. Angeregt von Äußerungen über Bildung, die Studierende zuletzt während des so genannten "Bildungsstreiks" einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben, hat Müller den Bildungsbegriff unter Studierenden der Sozialwissenschaften empirisch erhoben und anschließend mit vom empirischen Material evozierten bildungstheoretischen Schriften von Immanuel Kant, Wilhelm von Humboldt, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und den zentralen Dokumenten des Bologna-Prozesses verglichen. Ihre erste Hypothese, dass Studierende der Sozialwissenschaften aufgrund der Mehrdimensionalität ihrer Disziplin zwischen 'Bildung' und 'Ausbildung' unterscheiden würden, sah die Vortragende durch ihre Studie bestätigt, da die Studierenden der Aufwandsdimension von Bildungsprozessen einen deutlich höheren Stellenwert beimaßen als der Ergebnisdimension und egalitäre Bildung als gelungenes Studium bewerteten – beides Präferenzen, die den aktuellen arbeitsmarktorientierten Studienverlaufs- und Regelstudienzeitplänen entgegenstehen. Ihre zweite Hypothese, dass die Modularisierung der sozialwissenschaftlichen Studiengänge den Bildungsbegriff und die Studienstrategien der Studierenden verändert habe, musste Müller hingegen verneinen, da in Bildungsbegriff und Studienstrategien keine Unterschiede zwischen erforschten Gruppen aus den modularisierten Bachelor-Studiengängen auf der einen Seite und auslaufenden Magister- und Diplomstudiengängen auf der anderen Seite feststellbar waren. Die Beantwortung ihrer dritten Frage: nach der Relevanz der sozialen Herkunft beziehungsweise der Milieuzugehörigkeit der Studierenden in diesem Kontext müsse vorerst aufgeschoben werden, da die erhobenen soziodemographischen Variablen von zwölf Probanden in Verbindung mit deren wenigen Äußerungen über bildungsbiographische Entscheidungen nicht ausreichten, um Effekte der sozialen Herkunft auf den Bildungsprozess hinreichend erfassen zu können.
Katharina Knüttel
Der abschließende Vortrag widmete sich "Paradigmen und Macht im akademischen Feld". "Wovon hängt die Entscheidung für die Orientierung an einer Denktradition ab?" fragte KATHARINA KNÜTTEL (Bochum) in ihrem Titel und stellte zunächst fest, dass regelmäßig von der Soziologie gesprochen werde, obwohl diese vielmehr ein Konglomerat aus sehr vielen verschiedenen theoretischen Ansätzen und empirischen Methoden sei. Sie grenzte sich zuerst von dem Vorwurf des Eklektizismus ab und erläuterte den Begriff des Paradigmas als gemeinsam geteilte Vorannahmen im Feld. Als erstes Makrokonzept zur Beantwortung ihrer Leitfrage nannte sie den Foucault'schen Begriff von Macht. Das zweite Makrokonzept besteht in der strukturellen Machtdimension der gesellschaftlichen Institutionen. Sie bezog sich dabei auf eine Definition von Raimund Hasse und Georg Krücken, die davon ausgehen, dass gesellschaftliche Institutionen Regelhaftigkeiten bewirken, indem sie gewisse Strukturmerkmale und Verhaltensweisen unterstützen und andere eher ausschließen. Das dritte Makrokonzept benannte Knüttel mit der Überschrift "Den Willen durchsetzen". Damit ist gemeint, dass insbesondere die statusniedrigeren Wissenschaftler_innen, die mit wissenschaftlicher Qualifikation befasst sind, bei der Besprechung von Projekten, in Diskussionen und Vorträgen, bei Lehrplanungen et cetera ihre Deutungs- und Organisationsmacht durchsetzen sollten. In der soziologischen Analyse solcherlei Prozesse müssten rhetorische Mittel, Kompetenzdarstellungs- und Kompetenzzuschreibungsprozesse in den Blick genommen werden. Zur Reflexivität in der Soziologie bemerkt Knüttel, dass schon Émile Durkheim die Reflexivität in Die Regeln der soziologischen Methode und Max Weber in der Schrift Wissenschaft als Beruf als soziologische Aufgabe beschrieben haben. Knüttel konstatierte nach dem ersten Werturteilsstreit zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dem zweiten Werturteilsstreit/Positivismusstreit in den 1960er Jahren aktuell eine Ausdifferenzierung der Soziologie. Sie fragte, wem im eigenen Feld überhaupt Reflexivität offen stehe und wie Reflexivität heute eingelöst werden könne. Unter kritischer Bezugnahme auf das von Macht durchzogene Feld der Universität und Wissenschaft forderte sie, dass Wissenschaftler_innen sich nicht auf eine Perspektive festlegen sollten.

Fazit

Programmplakat
Insgesamt stellt sich die heutige Soziologie aus Sicht der early career researchers also als kritische und vielfältige, Theorien reflektierende und ihre praktischen Auswirkungen bedenkende Disziplin dar – falls nicht schon in der gegenwärtigen soziologischen Praxis, so doch als normative Forderung für deren Zukunft. Die für die Tagung ausgesuchten Beiträge deckten ein breites Themenspektrum ab und sind von den Organisatorinnen im Hinblick auf die erwünschten kontroversen Debatten über die Konstitution des Fachs sehr gut ausgewählt worden. Die Vortragenden bezogen sich in Vorträgen und Diskussionen regelmäßig aufeinander und bereiteten somit eine gute Grundlage für die durchweg konstruktiven Debatten. Leider musste der Vortrag "Potenziale postkolonialer und dekonstruktivistischer Perspektiven in der qualitativen Forschung" von YVONNE BERGER (LMU München) entfallen, so dass die genannte Perspektive nur in Ansätzen berücksichtigt wurde. Nichtsdestotrotz handelte es sich bei der Tagung "Soziologie im Dialog – Wo stehen wir heute?" um eine sehr bereichernde Veranstaltung von jungen Wissenschaftlerinnen für junge Wissenschaftler_innen und Interessierte.
 

Konferenzübersicht:

Theorie = Ideologie?
Lutz Eichler (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg): "Das schwierige Selbstverständnis einer kritischen Soziologie im Postfordismus. Paradoxien und Ambivalenzen einer Ratlosigkeit"

Nicklas Baschek (Universität Hamburg): "Bleierne Systeme? Systemtheorie zwischen Selbstauflösung und Dogma"

Martin Griesbacher (Universität Graz): "Methodologien soziologischer Zeitforschung. Über die Ergänzung, Unvereinbarkeit und Redundanz theoretischer Perspektiven"

Selbstverständnis und Aufgaben der Soziologie
Markus Baum und Matthias Dumke (Rheinisch-Westfaelische Technische Hochschule Aachen): "'Heißt das noch Verantwortung?' Über die unscharfe Grenze zwischen soziologischer und sozialer Praxis"

Milena Jostmeier (Technische Universität Dortmund): "Transdisziplinäre Arbeitsforschung. Überlegungen zur Rolle der Wissenschaft in Verbundprojekten mit dem Anwendungskontext"

Alexander Brunke (Universität Erfurt): "Soziologie und die Beschwerden des Alltags"

Soziologie - Zwischen Institutionalisierung und Umstrukturierungen
Jennifer Ch. Müller (Justus-Liebig-Universität Gießen): "Transformation der Hochschulbildung - empirische Ergebnisse zu Bildung und Studium in den Sozialwissenschaften"

Katharina Knüttel (Ruhr-Universität Bochum): "Paradigmen und Macht im akademischen Feld: Wovon hängt die Entscheidung für die Orientierung an einer Denktradition ab?"
 

© bei der Autorin und bei KULT_online
Fotos: Lena Weber
Tagungsplakat und Programm von den Veranstalterinnen


aktualisiert am 16.11.2011