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Machtvolle Bilder

Eine Rezension von 

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Alice Pechrigl, Anna Schober (Hrsg).: Hegemonie und die Kraft der Bilder. Klagenfurter Beiträge zu Visuellen Kultur Band 3. Köln: Herbert von Halem Verlag, 2013.

 

In ihrem Tagungsband „Hegemonie und die Kraft der Bilder“ versammeln Alice Pechrigl und Anna Schober vielfältige Stimmen, die dem Themenkomplex von Bildern und Machtetablierung aus verschiedensten Perspektiven begegnen. Ziel der Herausgeberinnen ist es dabei, einen Betrag zur weitergehenden Theoretisierung des Problemfeldes abseits von Einzelstudien zu leisten. Das Ergebnis ist ein zwar skizzenhaftes, aber inspirierendes Kaleidoskop von Texten, das dem Forschungsfeld vor allem aus kulturtheoretischer Perspektive neue Anstöße gibt.



> Inhaltsverzeichnis           > English Abstract            

 

 

In der Kunstgeschichte ist die Verbindung von Bildern und Macht seit langem thematisiert worden. In den Kulturwissenschaften dagegen ist die dezidierte Beschäftigung mit Bildwerken erst seit relativ kurzer Zeit sowie mit dem „Pictorial Turn“ in größerem Stil aufgekommen. Die Herausgeberinnen des vorliegenden Sammelbandes, der aus einer gleichnamigen Konferenz hervorging, beklagen im Vorwort, dass trotz einiger „sehr differenzierte(r) empirische(r) Untersuchungen zum Zusammenhang von hegemonialen Machtverhältnissen … bislang eine Theoretisierung der Funktion von Bildern für ein Sich-Ergeben bzw. die Konstituierung von Hegemonie“ (S. 11) ausstehe.

 

Dieser Forschungslücke wollen die Organisatorinnen mit einem interdisziplinären Austausch begegnen. Dabei betonen sie, dass die vertretenen Positionen sich nicht auf Einzelbilder, sondern auf die Verbindungen zwischen zahlreichen Bildereignissen und Einzelbildern beziehen (S. 15). Zudem soll es um „Wechselwirkungen zwischen  Vorstellungsbildern, Sprachbildern und Bildern im Sinne der ‚eikones‘“ gehen (S. 19).

 

Zu diesem Zweck haben die Herausgeberinnen zehn Aufsätze von Wissenschaftler/innen unterschiedlichster Fachrichtungen (zum Beispiel der Geschichte, Soziologie, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft oder Philosophie) versammelt, die sich auf unterschiedlichste Weise mit der Beziehung von Bildern und Machtverhältnissen sowie deren wechselseitiger Konstituierung  beschäftigen.

 

Am überraschendsten erscheint dabei der Aufsatz der studierten Soziologin, Philosophin und Sozialpsychologin Iris Därmann, die seit 2011 als Professorin für Kulturwissenschaftliche Ästhetik in Berlin lehrt. Unter dem Titel: „Theorieszenen. Transformationsanalysen zum bellizistisch-agonalen Imaginären bei Platon, Thomas Hobbes, Charles Darwin und Sigmund Freud“ untersucht sie keine physischen Bilder, sondern geistige Bildszenen, mit denen die im Titel aufgezählten Autoren ihren theoretischen Ausführungen größere Plastizität und Glaubwürdigkeit zu verleihen suchten. Dabei arbeitet Därmann auf überraschende und schlüssige Weise heraus, wie solche oft sehr lebendig beschriebenen und mythologisch unterfütterten Szenen (etwa Göttersagen bei Platon oder der postulierte Krieg von allen gegen alle bei Hobbes über die Jahrhunderte) immer wieder genutzt werden, um die dogmatisch formulierten Gesellschaftstheorien ihrer jeweiligen Autoren emotional zu unterfüttern. Dabei bedienen sich alle untersuchten Texte bellizistischer Motive. Die vielleicht anregendste Erkenntnis aus dieser Untersuchung ist, wie mythologische, letztlich fantasierte geistige Bilder paradoxerweise genutzt werden, um die „Realität“ eines Textes zu steigern (S. 48; 65).

 

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Marc Ries, Philosoph und seit 2010 Professor für Soziologie und Theorie der Medien in Offenbach am Main, in seinem Essay „Zur Faszination atopischer Bilder“.

 

Unter atopischen Bildern versteht der Autor Bilder, „die als ihren Gegenstand die Undarstellbarkeit einer Krise, eines Konflikts, eines Traumas haben“ (S. 142). Als Beispiel hierfür benutzt er eine fotografische Luftaufnahme des Hindukusch, die im Jahr 2009 in mehreren Zeitungen als Illustration für die Lage im Afghanistankrieg gebraucht wurde. Das Foto, das einen Ausschnitt des Gebirges aus der Vogelperspektive zeigt, wirkt flächig und merkwürdig abstrakt - Ries nennt es eine „ornamental-skulpturale Komposition, eine pure Textur, ein Bild ohne referenzielle Spur“ (S. 145). Erst die jeweiligen Bildunterschriften deuten das Bild politisch und geben damit die Deutung dem Leser vor. In der Frankfurter Allgemeinen heißt es etwa: „‘Afghanistan – Wer das Schlachtfeld am Hindukusch von oben sieht, versteht besser, warum am Boden die Regeln, die über andere Kriege aufgestellt wurden, nicht ohne weiteres gelten‘“ (S. 142 f.).

 

Ries zeichnet im Folgenden die Entstehung des Bildes als Auftragsarbeit für eine Bildagentur nach, wo es als Bild ‚unspezifischer Kategorie‘ geführt war und so an Zeitschriften verkauft wurde. Eigentlich, so erklärt der Autor, sei das Bild vieldeutig und gerade dadurch faszinierend. Erst durch die Beigabe von Text wird ihm eine spezifische Aussage zugeschrieben, die es letztendlich seiner Komplexität beraubt (S. 153 ff.). Man kann damit Ries ‚atopische Bilder‘, die als Fotos das Undarstellbare abstrahieren, geradezu als Gegenmodell zu Därmanns imaginären, aber konkret bebilderten ‚Theorieszenen‘ sehen.

 

Ein enger gefasstes Beispiel für die Verbindung von Bildern und Macht liefert Astrid Deuber-Mankowsky, Professorin für Medienwissenschaft, in ihrem Text „Freiheit der Rede und Politik der Bilder“. Ihr Artikel konzentriert sich hauptsächlich auf die Plakate, die die österreichische SPV für die Volksinitiativen „Gegen den Bau von Minaretten“ (2009) und „Für die Ausschaffung von kriminellen Ausländern“ (2010) entworfen hat. Beide Plakate verfolgen mit einfachen Mitteln die Absicht, Migrant/innen in einem negativen Licht darzustellen. Sie sind verletzend und zielen bewusst auf den Tabubruch. Dies wird von den Rechtspopulisten mit der Redefreiheit gerechtfertigt. Sie geben vor, den Mut zu haben, etwas auszusprechen oder zu verbildlichen, das von der Mehrheitsgesellschaft unterdrückt und zensiert werde. Diese Aussage entlarvt Deuber-Mankowsky jedoch als irreführend. Letztendlich dienen die verletzenden Bilder der Machterhaltung einer Mehrheit und der rassistischen Diskriminierung schwächerer Minderheiten (S. 193).

 

Dies sind nur einige Beispiele aus dem vielfältigen Bündel von Positionen, das dieser inspirierende Sammelband den Leser/innen darbietet. Dabei müssen die referierten Ideen aufgrund der relativen Kürze der Einzelessays vergleichsweise oberflächlich bleiben. Doch bieten sie spannende Denkanstöße, die für Leser/innen verschiedenster Fachrichtungen Anregung zum Weiterdenken und bewussten Sehen sein können. 

 

 

Alice Pechrigl, Anna Schober (Hrsg).: Hegemonie und die Kraft der Bilder. Klagenfurter Beiträge zu Visuellen Kultur Band 3. Köln: Herbert von Halem Verlag, 2013. 257 Seiten, kartoniert, 30 Euro, ISBN 978–3–86962–072–5.



Inhaltsverzeichnis

 

Anna Schober/ Alice Pechriggl

Hegemonie und die Kraft der Bilder ... 9

Gustavo Castagnola

The Stuff Dreams and Nightmares Were Made of. Perón, Evita and the Struggle for Hegemony in Argentina, 1955 – 1973 ... 26

 Iris Därmann

Theorieszenen. Transformationsanalysen zum bellizistisch-agonalen Imaginären bei Platon, Thomas Hobbes, Charles Darwin und Sigmund Freud ... 44

Klaudija Sabo

Das Wiederaufleben nationaler Mythen in der Kunst Serbiens ... 69

Michael Walter

Zur Bildpolitik der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ... 88

Beate Hofstadler

Das Dilemma mit den Identifizierungen: Zum Imaginären und dem Politischen ... 123

Marc Ries

Zur Faszination atopischer Bilder ... 142

David Eugster

Bilder für den Markt: Die Kampagne „Inserate erschließen den Markt“ der Schweizer Werbeindustrie um 1966 ... 157

Astrid Deuber-Mankowsky

Freiheit der Rede und Politik der Bilder. ... 184

Tobias Lander

Bilder lügen nicht – Pressebild und Kontextdetermination in Allan Kaprows Layout für die Zeit vom 20. März 1981 ... 202

Andreas Langenohl

Picturing the Post-Dialogic Constellation: Iconic Pretexts tot he Swiss Referendum on the Construction of Minarets in 2009 ... 228

Autorinnen und Autoren 

 

 

Powerful Images

 

In their conference proceedings fpr “Hegemonie und die Macht der Bilder“ Alice Pechrigl and Anna Schober gather various authors to tackle the topic matrix of images and their relation to the establishment of power from diverse angles. The aim of the editors is to contribute to the further theorization of the research field apart from exemplary case studies. The outcome of this endeavour is a rather sketchy, but nevertheless inspiring kaleidoscope of texts that provide new impulses to the field of research, especially from a perspective of cultural studies and theory.



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