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Bericht zur Tagung: "Bürgerschaft von Jugendlichen in einer globalisierten Welt"

Gießener Graduiertenzentrum Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, (Sektion soziale Ungleichheit und Geschlecht), Justus-Liebig-Universität Gießen, 15. - 16. Juni 2015


Ein Bericht von

> Konferenzübersicht

 

BJ Poster-page-001-1.jpgMit der Tagung „Bürgerschaft von Jugendlichen in einer globalisierten Welt“ sollte jugendliches Engagement und ihre damit einhergehenden Positionierungen in Gesellschaften analysiert werden. Der Begriff der Bürgerschaft wurde als zentrale Kategorie gewählt, da er im Kontext der Jugendforschung bereits Fragen nach der Person als Rechtssubjekt aufwirft. Zudem hinterfragt er die Positionierung einer Person in einer Gesellschaft und deren Handlungsoptionen. Damit sollte die Thematik der Bürgerschaft von Jugendlichen aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert werden. Hierauf bezog sich auch die Organisatorin SILKE JAKOB in ihrem  Einführungsvortrag, welcher als Auftakt für die zweitägige Veranstaltung stand.

 

Hintergrund der Tagung

 

Ausgehend von der Beobachtung des eigeninitiierten, gesellschaftspolitischen Engagements von Kindern und Jugendlichen stellte sich die Frage der Bürgerschaft insofern, als dass Jugendliche einerseits genau durch eigene Initiativen ihre Stellung als aktive Teilhaber_innen der Gesellschaft verdeutlichen, andererseits gerade durch Gesellschaft beschränkt werden. Teilhabe in der Gesellschaft ist nur möglich, wenn die jeweilige Personengruppe, in diesem Fall die jüngere Generation, als Teilhaber an Gesellschaft anerkannt wird. Die Bedeutung von Anerkennung wird kontrovers diskutiert, was nicht zuletzt auf die neue Kindheitsforschung der 1980er Jahre zurück zu führen ist (vgl. Honig 2009). Hier taucht die Frage des ungleichen Machtverhältnisses zwischen Generationen auf, was als vergleichbar zur Genderdebatte gelesen wird (Alanen 1994). Damit ergibt sich „Kind“ als potentielle Ungleichheitskategorie.

 

Zweitens wurde ebenfalls in den 1980er Jahren die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet. Konventionen der Vereinten Nationen verweisen immer auf die Identifizierung einer Gruppe, deren Menschenrechte diesbezüglich als weitläufig missachtet gelten. Diese sind unabhängig von einer Kultur, Religion oder Region und können als emanzipatorische Komponenten dienen, um die jeweilige vorherrschende Norm zu überdenken.

 

Festzuhalten ist somit, dass Kinder und Jugendliche einerseits Akteur_innen sind, welche durch ihr Handeln die Gesellschaft mitbestimmen; andererseits, so die Kritik, gehören sie einer Personengruppe an, die als ungleich behandelt gilt. Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen, die auf der zweitägigen Tagung diskutiert wurden: Wie beeinflussen Gesellschaften und dessen Konstruktionen von Kindheit deren Teilhabe? Wie sind Konstruktionen von Kindheit vor der Folie der UN-Kinderrechtskonvention zu lesen? Welche Rolle spielen Faktoren wie die Nutzung neuer Medien, die Ausweitung des Informationsangebots, oder die nationalen und internationalen rechtlichen Rahmenbedingungen für die Partizipation von Kindern und Jugendlichen?

 

Schüler_innen mit dabei


Die Tagung, eröffnet durch Grußworte des Prodekan THOMAS BRÜSEMEISTER (Justus-Liebig-Universität, Gießen), verfolgte diese und weitere Fragen durch elf Vorträge von Wissenschaftler_innen und Nachwuchswissenschaftler_innen. Zudem waren Herr Manns und Frau Tevolde, aktive Schüler_innen des Schülersprecherrates Gießen am Dienstag vor Ort, um über ihre dortige Tätigkeit zu berichten.

 

Zugänge zum Tagungsthema ergaben sich innerhalb der Beiträge hauptsächlich durch drei Felder: der nationalen und internationalen Beispiele, der pädagogischen Bezüge sowie der globalen Differenzen von Bürgerschaft.

 

Nationale und internationale Beispiele


Zunächst stand der Bezug auf nationale und internationale Beispiele des Engagements von Jugendlichen sowie des globalen Lernens und dessen Bedeutung von Bürgerschaft im Mittelpunkt mehrerer Vorträge. So zeigte etwa MANFRED LIEBEL (Freie Universität, Berlin), dass soziale Bewegungen von unten, und damit durchaus auch von arbeitenden Kindern in Südamerika, definiert und gestaltet werden – ein Indiz für deren Status im Rahmen der Bürgerschaft.

 

Pädagogische Bezüge


Ein weiterer Ansatz um Bürgerschaft von Jugendlichen näher zu kommen bestünde darin, pädagogische Settings wie die Schule zu nutzen: So ließe sich die Frage nach gesellschaftlicher Rahmung als Unterstützung von Teilhabe der jüngeren Generation erörtern. Diesbezüglich bot der Vortrag des Gießener Schülersprecherrats, der durch LUCA MANNS und SALINA TEVOLDE vertreten wurde, eine eindrucksvolle Chance, die Möglichkeiten und Grenzen von Teilhabe als ein Recht von Bürger_innen im institutionellen Kontext Schule näher zu beschreiben.

 

Bürgerschaft im nationalen und globalen Bezug


Neben der Mikro- und Mesoebene, Individuum und Institution, wurde auch die Makroebene des Gesellschaftlichen im Diskurs um Bürgerschaft von Jugendlichen diskutiert. Der diesbezüglichen Debatte im nationalen und globalen Gefüge ging JOSEFINE SCHERLING (Pädagogische Hochschule, Kärnten) in ihrem Vortrag zu Kinderrechten im Kontext von Global Citizenship nach.

 

Ergebnisse und Dokumentation


Die zweitägige Tagung, die sich durch einen sehr dichten inhaltlichen Zugriff auszeichnete, diente lediglich als Auftakt zum Diskurs von Bürgerschaft von Jugendlichen. Eine erste Ergebnispräsentation und Dokumentation der Tagungsbeiträge erfolgt durch die Veröffentlichung eines Tagungsbandes (Budrich Verlag, Frühjahr 2016). Zudem wird gegenwärtig an der Initiierung eines wissenschaftlichen Netzwerkes gearbeitet, um das Tagungsthema „Bürgerschaft von Jugendlichen in einer globalisierten Welt“ anschließend weiter zu bearbeiten.

 

 

Konferenzübersicht


Montag, 15.6.2015

Thomas Brüsemeister (Gießen) / Silke Jakob (Gießen): Grußworte

 

Bernd Overwien (Kassel): Globales Lernen zwischen Bildung und politischer Aktion

 

Silke Jakob (Gießen): Engagement als Bürgerschaft ?

 

Heike Dierckx und Fatima El Amin (Gießen): Zwischen Akzeptanz und Ausgrenzung – Kinder und Jugendliche vertreten ihre gesellschaftspolitischen Ziele (Lateinamerika und Afrika)

 

Manfred Liebel (Berlin): Kinderbewegungen im Globalen Süden als Bürgerschaft von unten

 

Stefan Hoffmann (Frankfurt): Eigeninitiierte Partizipation in Burundi

 

Dienstag, 16.6.2015

Amina Fraij und Natalie Fischer (Kassel): Bürgerschaftliches Engagement und Partizipation Jugendlicher – die Bedeutung von Vertrauen zu pädagogisch tätigen Erwachsenen

 

Benjamin Bunk (Erfurt): Erfahrung(en) im Ausland: Perspektiven globalen Lernens auf ein Jugendphänomen

 

Christophe Lerch (Gießen): Die ‚Organisation‘ Jugendliche ohne Grenzen – Engagement von Flüchtlingen für Flüchtlinge

 

Luca Manns und Salina Tevolde: Der Stadtschülerrat Gießen und Partizipation

 

Kerstin Dietzel und Judith Zadek (Magdeburg): „Die Zukunft hängt davon ab, was ich heute tue“

(in Anlehnung an Gandhi) Schülerkonferenz zu Kinderrechten in Magdeburg 2014

 

Josefine Scherling (Kärnten): The Child’s Right to participate as a Global Citizen – Kinderrechte im Kontext von Global Citizenship am Beispiel des Rechts auf (politische) Partizipation

 

 

© bei der Autorin und bei KULT_online

 

Die Redaktion weist darauf hin, dass eine_r Organisator_innen Mitglied des Graduiertenzentrums ist, in dessen Rahmen auch dieses Rezensionsmagazin publiziert wird.