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Editorial

Liebe Leser_innen,

 

nach dem weltmeisterlichen Gejubel (und Getaumel) in den letzten Tagen entlassen wir Sie gerne mit einer vollen, thematisch dreigeteilten KULT_online-Ausgabe in den Sommer. Außerordentlich arbeitsreich gestaltet sich dabei nach wie vor der 'Umzug' unseres Archivs: Rückblickend bis Ausgabe 20 können Sie bereits in alten Jahrgängen stöbern. Das komplette Archiv im neuen Design wird zur Jubiläumsausgabe im Oktober 2014 online sein. Bleiben Sie gespannt!

 

'Kultur' drückt sich aus in Praktiken und Diskursen, verfestigt sich in Artefakten und Medien. Dem relativ neuen Feld der digitalen Phänomene widmen sich gleich zwei Autor_innen: Neben Fragen von Körperlichkeit in Computerspielen, geht es um das Veränderungspotenzial kommunikativer Kulturtechniken wie des Lesens, Schreibens und Erzählens. Daneben loten unsere Rezensent_innen anhand von Bänden zu erzählerischen Zwischenräumen (intermediale Text-Bild-Beziehungen) sowie Amerika als performativ-wiederholender Fiktion die Reichweite kulturwissenschaftlicher Arbeiten aus.

 

Widerstand und Widerständigkeit, gemeinhin als wirkungsvolle ‚Protagonisten‘ sozialen Fortschritts verstanden, beschäftigen uns in der zweiten thematischen Sektion der vorliegenden Ausgabe. Die weltweiten, und speziell europäischen Grenzen und Grenzregime sind der Gegenstand eines Ausstellungsbandes, den unsere Rezensentin experimentell bespricht. Daran schließt die philosophische Einordnung eine Monographie zum Verhältnis von kapitalistischer Moderne und künstlerischer Kritik an. Diese eher offenen Beiträge konkretisieren drei Bücher mit regionalem Fokus: So wird die Film- und Subkultur in Deutschland, Österreich und dem ehemaligen Jugoslawien auf ihre soziale Homogenität befragt. Die Wirkmacht subkultureller Praktiken im öffentlichen Raum zeigt sich hier ebenso wie im Falle muslimischer Jugendlicher: Diese werden in einer weiteren Monographie als "konservative Avantgarde" im europäischen Kontext verstanden. Deutlich politischer fällt schließlich ein Band aus, der sich den Klischees der sowjetischen "Tauwetter"-Periode widmet – unser Rezensent berichtet entsprechend.

 

Der letzte Schwerpunkt widmet sich kulturwissenschaftlichen Einführungen, Handbüchern und Theorien. Bilder und Objekte als Quellgattungen des historischen Arbeitenden, das Forschungsfeld "Phantastik" als grenzüberschreitendes Phänomen, ein resümierender Band über klassische Emotionstheorien, schließlich eine pointierte Einführung in das heiß umkämpfte Feld des kulturellen Erbes. Nicht unbedingt den Rahmen, dennoch aber den Schlusspunkt setzt eine Rezension zu Dirk Baeckers Theorie der Kultur: Hier werden wir Teilchen des Sozialen als produzierende und beobachtende Instanz gesellschaftlicher Zusammenhänge ausgewiesen.

 

In diesem Sinne: Ein aufmerksames Nachdenken und Beobachten in der vorlesungsfreien Zeit!

 

Mit besten Grüßen
Marcel Wrzesinski