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Bericht zur Exkursion "Der Zypernkonflikt (1974-2014) unter besonderer Berücksichtigung der Finanz- und Wirtschaftskrise"

Zypern, 04.- 10. Mai 2014. Exkursion von Stipendiat_innen der Hans-Böckler-Stiftung (HBS)


Ein Bericht von Manuel A.-A. Tabiou, Alexander Braun, Yasemin Natalie Eren, Julia Dittmann, Sabrina Genz, Nina Jennifer Graßnick, Jennifer Ch. Müller, Jenny Stiebitz, Bahar Ucar und Michael Wolfram


> Programm


Im Rahmen der Exkursion "Der Zypernkonflikt (1974-2014) unter besonderer Berücksichtigung der Finanz- und Wirtschaftskrise", organisiert von Dr. JENS BECKER (Hans-Böckler-Stiftung) und Dr. ACHIM ENGELBERG (Buchautor/Journalist, Berlin) diskutierten Stipendiat_innen aus den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit verschiedenen Expert_innen über die seit 40 Jahren andauernde Zypernkrise. Die Exkursionsgruppe unternahm eine einwöchige Rundreise über den südlichen, griechisch-zypriotischen sowie den nördlichen, türkisch-zypriotischen Teil der Insel und traf Angehörige beider Gruppen aus den Bereichen Wissenschaft, Politik und Kultur.

Gruppenphoto_groß.JPGDie Exkursion begann am Sonntag (04.05.2014) mit einem Briefing zum Exkursionsablauf und einer thematischen Einführung in den Zypernkonflikt durch die Organisatoren. Es folgte eine Diskussion über die politische und geographische Situation auf Zypern unter Bezugnahme auf die Monographie Mein Zypern von Joachim Sartorius, dem ehemaligen deutschen Diplomaten in New York, Istanbul und Nicosia bzw. früheren Generalsekretär des Goethe-Instituts.

 

 

Zwei Tourismen in Zypern

Nach der Fahrt von Larnaca in die geteilte Stadt Nicosia besuchte die Exkursionsgruppe am Montag (05.05.2014) die University of Nicosia und traf dort Wissenschaftler_innen.

 

YIANNA ORPHANIDOU (Nicosia) stellte unter dem Titel "Cyprus Tourism Industry" die Tourismus-Branche des südlichen Teils Zyperns vor. Aufgrund der Inselteilung muss seit 1974  zwischen zwei heterogenen Volkswirtschaften im Norden und Süden der Insel unterschieden werden. Bis in die 1990er Jahre war der Tourismus die größte Einnahmequelle für das Land. Diese Industrie wurde dann schließlich vom Bankensektor überholt. Das Finanzwesen ist auch aktuell, trotz angeschlagenem Bankensystem und der Finanz- und Schuldenkrise, der größte wirtschaftliche Faktor im Süden.

Anhand quantitativer Daten des Zeitraumes von 1980 bis 2002 stellte die Referentin die Entwicklung der Tourismus-Industrie dar. Aufgrund der britischen Kolonialzeit sei Zypern von der britischen Kultur sehr geprägt und ziehe daher viele Brit_innen an. Mit dem stetig prosperierenden Bankensektor investierten viele Russ_innen in das Land und demzufolge sei die Anzahl der russischen Tourist_innen angestiegen. Auch für Deutsche sei Zypern ein sehr beliebtes, wenn auch kostspieliges Urlaubsziel. Der Boom im Tourismus eröffnete Zypern das Tor zum Wohlstand. Es wurden viele Arbeitsplätze geschaffen und nach wie vor ist die Nachfrage nach Arbeitskräften in dieser Branche hoch. Etwa 70 bis 80% der Arbeitsplätze  sind in der Tourismusbranche verortet. Die dortigen Arbeitsverhältnisse werden von Gewerkschaften kontrolliert und bieten damit den Arbeitnehmer_innen einen soliden Schutz. Zwar ist der Tourismus für den Süden des geteilten Landes bedeutsam, jedoch stellt das Tourismusministerium nur 34 Millionen Euro jährlich.

Ergänzend zum Tourismus, wohl auch um die Attraktivität Zyperns zu erhöhen, beschäftigen sich Wirtschaftswissenschaftler_innen derzeit an der University of Nicosia mit den ökonomischen Einflussfaktoren und Auswirkungen des Glückspiels auf Zypern. Die Volkswirtschaft auf dem nördlichen Teil der Insel erzielt  bereits Gewinne aus der Glücksspielindustrie. Nun solle das Glückspiel auch im Süden ein Big Player der zypriotischen Industrie und eine Art Las Vegas in Europa geschaffen werden.

 

Kulinarisches Erbe

Mit seinem Vortrag "Hotels in Cyprus" unternahm GEORGE PANAYIOTOU (Nicosia) eine Reise durch die kulinarische Küche und Gastfreundschaft Zyperns.

Der Exkursionsgruppe wurden zunächst mit Halloumi dekorierte Kirschtomaten und ein Schluck von dem trüb-süßlichen Wein Commandaria gereicht. Der Referent kommentierte die Kostprobe mit den Worten: "You are drinking history."

Anfänglich folgte eine Einführung in das zypriotische Verständnis von Gastfreundschaft. In Zypern werde Besuch auf eine sehr traditionelle Art empfangen – in Anlehnung an das antike Konzept der Gastfreundschaft, der Philoxenia. Falls die Gastgeber_innen ein Paar sind, empfangen sie ihre Gäste zunächst gemeinsam mit einer Süßigkeit. Hier handelt es sich um eine Metapher, da die süße Speise zu einer süßen Unterhaltung führen solle.

Anschließend lieferte der Referent einige Hintergrundinformationen zu den gereichten kulinarischen Spezialitäten. So sei Zypern  der Geburtsort des europäischen Weines – des Commandaria. Die Geschichte dieses Weines, welcher derzeit im Südwesten des Landes hergestellt wird, reiche über 5.500 Jahre zurück. Der ebenfalls präsentierte Halloumi werde überall in Zypern serviert.

Eine weitere kulinarische Besonderheit, die PANAYIOTOU vorstellte, war der Cocktail Brandy Sour. Hinter dem Code "Sour" verbirgt sich ein Mischgetränk aus Brandy, Soda, eine Scheibe Zitrone und diversen Säften. Dieses beliebte Mischgetränk werde seit den 1960er Jahren in Zypern angeboten und sieht mit dem obligatorischen Zuckerring am Glasrand und aufgrund seiner Farbe wie gewöhnlicher Eistee aus. Die Legende zu diesem Getränk besagt, dass  König Faruk von Ägypten Brandy Sour deshalb präferierte, da er aufgrund eines Verbotes für Muslime in Ägypten nicht öffentlich Alkohol trinken durfte.

 

 

Wirtschaftskrise in Zypern und die Rolle der 'Anderen'

Anschließend referierte Dr. MARIOS CHRISTOU (Nicosia) zum Thema "Challenges of the Cyprus Economy: The Past, the Present and the Future".  Er betonte, dass es eines historischen Vorgriffs bedürfe, um Zyperns Ökonomie verstehen zu können. Im 20. Jahrhundert ist die Entwicklung Zyperns in drei größeren Epochen charakterisierbar. Bis 1960 war Zypern ein Land mit großem Agrarsektor, welches bis zum Abkommen von Zürich am 16. August 1960 als britische Kronkolonie galt. Kurz nach dem Rückzug der britischen Kolonialmacht, entbrannte in Zypern ein Bürgerkrieg zwischen türkischen und griechischen Zypriot_innen. Knapp elf Jahre (1963-1974) wurde Zypern von Erzbischof Makarios III. regiert. Die durch den Bürgerkrieg ausgelöste Fluchtwelle beider Bevölkerungsgruppen führte zu ethnisch relativ homogenen Gebieten. Gleichzeitig entwickelte sich die Agrarkultur Zyperns weiter und in den Städten Famagusta sowie Girne (Kerýnia) bildeten sich Hotel- und Tourismusanlagen. Deutlichen Vorsprung hatte dabei der türkisch-zypriotische Nordteil der Insel, da sich dort der Großteil der Agrarflächen sowie der aufstrebende Tourismussektor befanden. Die Landung türkischer Truppen im Nordteil der Insel im Jahr 1974 verfestigte schließlich die Spaltung des Landes in zwei Teile, und forderte zudem einen ökonomischen Tribut. Knapp ein Fünftel der zypriotischen Einwohner_innen wurde arbeitslos, es kam im Zuge der türkischen Besatzung des Nordteils zu enormen Flüchtlingsströmen. Fest steht, dass türkische und griechische Regierungskreise der jeweiligen Volksgruppe nahe gelegt haben, ihre Heimat zu verlassen und entsprechend entweder im Norden oder Süden ansässig zu werden. Laut Dr. CHRISTOU seien  drei Säulen, 1.) der Bankensektor 2.) der Realwirtschaftssektor sowie 3.) das Rechtssystem für die zypriotische Wirtschaft, wichtig. Gerade die weltweite Finanzmarktkrise und die fiskalpolitische Situation Griechenlands – die Troika aus IWF, World Bank und EZB – hätten dafür gesorgt, dass Zyperns Bankensektor quasi vom griechischen Schuldenschnitt im Jahr 2011 infiziert worden sei.

Der Referent resümiert, dass Prognosen über die Zukunft der zypriotischen Wirtschaft bis dato schwierig sind. Im Zuge der Finanzspritze der Troika, verpflichtete sich die zypriotische Regierung, einen straffen Austeritätskurs zu beschreiten. Vor allem Kürzungen im öffentlichen Sektor (z.B. Flughafen, öffentliche Verwaltung und Bildung), sowie eine Neujustierung des staatlichen Gesundheitsdienstes werden angedacht. Inwiefern ein solcher Kurs die Konsolidierung des Staatshaushalts vorantreibt und welche sozioökonomischen Auswirkungen der Abbau staatlicher Daseinsfürsorge mit sich bringt, kann in Griechenland bereits beobachtet werden.

 

Danach referierte Prof. Dr. ANDREAS TEOPHANOUS (Cyprus Center for European and International Affairs, Nicosia) zum Thema "The Role of Russia and the EU – Cyprus‘ International Situation". Er erörterte das Verhältnis von Zypern zur EU im Lichte der Bankenkrise und betonte, dass die starke Doppelausrichtung der zypriotischen Außenpolitik zwischen Ost und West dabei auf die Probe gestellt werde – vor allem seit dem Schuldenschnitt bei Griechenlands Staatsschulden. Zypern verfüge über historisch gewachsene Beziehungen zu Russland und die persönlichen und politischen Seilschaften dieser Zeit überdauerten das Ende der Sowjetunion. Ein zypriotisches Beispiel ist die außerordentlich starke und gut finanzierte kommunistisch geprägte Partei AKEL. In dem Maße wie sich das wirtschaftliche und politische System der Sowjetunion bzw. Russlands Anfang der 1990er Jahre wandelte, verschob sich auch der Schwerpunkt der bilateralen Beziehungen zur Republik Zypern. Waren es zuvor kommunistische Kader, die den Austausch zwischen Moskau und Nicosia prägten, sind es seit dem Fall des 'Eisernen Vorhangs' die kapitalstarken russischen Gewinner der geöffneten Planwirtschaft. Neben persönlichen Kontakten und verhältnismäßig wenig sprachlichen Barrieren trug zur Attraktivität Zyperns als Offshore-Bankenparadies für Russ_innen natürlich auch dessen EU-Beitrittsgesuch 1990 bei, welches im Rahmen von vorausgesetzten Reformen Rechtssicherheit und Anlegerschutz versprach. THEOPHANOUS hob hervor, dass es sich nicht um russische Oligarchen handle, die auf Zypern ihr Geld versteckten. Überdies sei London für solcherlei Vorhaben der attraktivere Ort.

Zur Zeit des ersten Beitrittsgesuchs Zyperns im Jahr 1990 war die maßgebliche Hoffnung, dass die Europäische Union sich stärker für die Wiedervereinigung der Insel engagieren werde. Während der Finanzsektor im Laufe des Jahrzehnts erstarkte, kamen auch wirtschaftspolitische Überlegungen hinzu. Von den anstehenden Reformen versprach man sich eine Stärkung der Institutionen, wie etwa der Finanzmarktaufsicht und der Zentralbank, sowie allgemein eine höhere Haushaltsdisziplin. Mittlerweile sei jedoch Ernüchterung eingetreten, da es keine nennenswerten politischen Fortschritte gebe, welche durch die EU unterstützt würden. Zusammenfassend endet THEOPHANOUS mit der These, dass Europa für eine monetäre Integration noch nicht bereit sei und dies zu internationalen Konflikten führen könne. In diesem Sinne gibt der Referent der kürzlich verstorbenen, ehemaligen englischen Premierministerin Margaret Thatcher recht und bezieht sich auf sie mit den Worten: "Thatcher was right, but Cyprus didn't follow this wise lady".

 

Nach der Diskussion von wirtschaftswissenschaftlichen Einschätzungen zur sozioökonomischen Lage in Zypern gab der griechisch-zypriotischen Maler und Autor ANDREAS KARAYAN Einblicke in die kulturelle Perspektive auf den Konflikt. Der international ausgebildete Künstler und Mediziner stammt aus einer kosmopolitischen Familie und beschreibt seine Identität als zuvorderst europäisch und dann zypriotisch. Auf den Zypernkonflikt bezogen zeigt der 71-Jährige sich optimistisch und macht deutlich, dass die Menschen auf beiden Teilen der Insel zusammen leben wollen. Seiner Ansicht nach tragen nationale und ökonomische Interessen dazu bei, die Grenze zwischen beiden Inselteilen aufrechtzuerhalten, die in den Köpfen der Menschen, vor allem der jüngeren Generation, mehrheitlich nicht mehr existiere. Vor allem Künstler_innen würden sich über die beiden Inselteile hinaus verständigen, wie zum Beispiel ein Treffen von griechisch-zypriotischen und türkisch-zypriotischen Künstler_innen in Schweden verdeutlichte. KARAYAN, der 2011 mit seinem Buch "The Moral Taste" einen zypriotischen Literaturpreis gewann und im Jahr 2013 sein aktuelles Buch "Immoral Tales" publizierte, verdeutlicht seine Perspektive auf das Verhältnis von Kunst und Politik, indem er sagt: "All my work is political. My breathing is political."

 

Wirtschaftsförderung und kulturelle Einheit in einem geteilten Land

Am Dienstag (06.05.2014), nach einem Gespräch "unter Dreien" in der Deutschen Botschaft, traf sich die Exkursionsgruppe mit dem Leiter des Goethe-Instituts BJÖRN LULEY (Nicosia). Zur politischen Situation auf Zypern erläutert LULEY, dass gegenwärtig ein Wandel hinsichtlich der Einstellungen zur Wiedervereinigung des muslimischen Nordteils und des griechisch-orthodoxen Südteils stattfinde. Die Kirche als bedeutender Wirtschaftsakteur verfügt in beiden Teilen über großen Landbesitz sowie Immobilien und der größten Brauerei. Beiden Glaubensvertretungen sei es wichtig, Zypern ökonomisch wieder aufzubauen und daher finde gegenwärtig eine langsame Annäherung statt. Einem ersten Treffen von Erzbischof und Mufti 2007 folgten weitere vertrauensbildende Maßnahmen, die ebenso von der UN gefordert werden.

Im Jahr 1999 unternahm der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan erste Versuche zur Vermittlung zwischen der Republik Zypern und der Türkischen Republik Nordzypern, die 2002 unter dem Titel 'Annan-Plan' mit dem Ziel der Wiedervereinigung der Insel vorgelegt wurden. Die kommunistische Partei AKEL und 75% der griechisch sprechenden Zypriot_innen lehnten den 'Annan-Plan' jedoch ab. Die AKEL benennt hierfür wirtschaftliche Gründe unter der Maxime "Lieber das halbe Zypern ganz, als das ganze Zypern halb." LULEY ist jedoch der Ansicht, dass eine Wiedervereinigung funktionieren könne. Am Goethe-Institut wurden die Erfahrungen aus Deutschland mit beiden Seiten kontrovers diskutiert.

 

Am Mittwoch (07.05.2014) referierte ALEXANDRA VIESSER (Nicosia), die Leiterin des Projektbüros der Europäischen Union (EU). In ihrem Vortrag "EU Projects in the North of Cyprus" überblickte sie die Arbeit des Projektbüros sowie die Details der EU-Projekte im nordzypriotischen Teil der Insel.

Nachdem Zypern 2004 der EU beigetreten war, wurde zwei Jahre später das Projektbüro im nordzypriotischen Teil Nikosias gegründet, vorrangig um das EU-Hilfsprogramm für die türkisch-zypriotische Bevölkerung zu koordinieren bzw. umzusetzen. Ziel ist es, im Konflikt zu vermitteln und durch wirtschaftliche Entwicklung des Nordens eine gute Basis für die Wiedervereinigung zu schaffen. Der Fokus liegt dabei in der Unterstützung folgender Bereiche: Infrastruktur, soziale und wirtschaftliche Entwicklung, Versöhnung, Kulturerbestätten sowie Bildungsprogramme. Nennenswerte Projekte im Bereich der Sanierung und Restaurierung der Kulturerbestätten sind das Bedestan Kulturdenkmal und die alte Markthalle in Nicosia.

VIESSER schloss ihren Beitrag mit der Einschätzung, dass die Arbeit des Projektbüros in Nicosia sehr komplex und außergewöhnlich sei, da sie in einem Gebiet stattfinde, welches bisher offiziell nur von der Türkei anerkannt wurde. Dies stellt die Projektmitarbeiter_innen immer wieder vor neue Herausforderungen: es gäbe keine vergleichbare Situation innerhalb der EU und könne somit oft nicht einfach auf bestehende Projektstrukturen zurückgegriffen werden.

 

Am Freitag (09.05.2014) besuchte die Exkursionsgruppe die in der UN-Pufferzone gelegene Vereinigung The Association for Historical Dialogue and Research (AHDR). Der Press Officer EVREN INANCOGLU berichtete über aktuelle Projekte zur Unterstützung der Verständigung zwischen den beiden Inselteilen.

Seit der Gründung der AHDR im Jahre 2003 engagieren sich ehrenamtlich Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, Sprachkenntnissen und Professionen in der Organisation. Die Vision von AHDR bestehe, so IVANCOGLU, darin, eine offene und tolerante Gesellschaft zu schaffen, die sich dem nötigen Dialog zwischen den beiden Kulturen annimmt sowie diesen einer ständigen Analyse und Reflexion unterzieht. Es sei wichtig, den geschichtlichen Hintergrund der Insel präzise aufzuarbeiten, zu diskutieren und zu vermitteln, um daraus für die Zukunft zu lernen. In der konkreten Arbeit erstellt die AHDR Konzepte für historische Fortbildungen, die von Pädagog_innen, Lehrer_innen und Erzieher_innen umgesetzt werden sollen. Kurz, die  Organisation generiert Fachwissen in den Bereichen Geschichte, Geschichtsschreibung und Geschichte als Schulfach, indem historische Ressourcen gesammelt und publik gemacht sowie Lehr- und Lernmaterialien für den Geschichtsunterricht entwickelt werden.

 

Fazit

Insgesamt stellt sich die geopolitische Situation auf der Insel Zypern als vielschichtiges politisches, wirtschaftliches und soziales Problem dar, dessen Lösung aufgrund der zunehmenden Verständigungsmaßnahmen der beiden Inselteile näher zu rücken scheint. Das Programm der Exkursion zur Zypernkrise unter Berücksichtigung der Finanz- und Wirtschaftskrise spiegelt die potentiellen Analyseebenen des Zypernkonfliktes wider und verdeutlicht die Mehrdimensionalität der Problemlage. Insgesamt handelte es sich bei der von der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) angebotenen Veranstaltung um eine ebenso intensive wie bereichernde Veranstaltung für junge Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler_innen mit transdisziplinärem Anspruch im Feld der Friedens- und Konfliktforschung.

 

Für die weiterführende Lektüre sei der Artikel Zerrissenes Zypern: Kleine Insel, große Mächte in den Blättern für deutsche und internationale Politik von JENS BECKER und ACHIM ENGELBERG empfohlen.

 


  

Programm

Sonntag 04. Mai 2014, Larnaca

 

Dr. Jens Becker (Hans-Böckler-Stiftung) und Dr. Achim Engelberg (Buchautor/Journalist, Berlin):

"Thematische Einführung in den Zypernkonflikt (1974-2014)"

 

Montag 05. Mai 2014, Nicosia

 

Victoria Kalogerou (University of Nicosia):

"Welcome Addresses"

 

Dr. Emilios Solomou (University of Nicosia):

"An Overview of the History of Cyprus"

 

Yianna Orphanidou (University of Nicosia):

"Cyprus Tourism Industry"

 

George Panayiotou (University of Nicosia):

"Hotels in Cyprus"

 

Dr. Marios Christou (University of Nicosia):

"Challenges of the Cyprus Economy: The Past, the Present and the Future"

 

Prof. Dr. Andreas Theophanous (Cyprus Center for European and International Affairs, University of Nicosia):

"The Role of Russia and the EU – Cyprus’ International Situation"

 

Hintergrundgespräch mit Andreas Karayan (Maler und Schriftsteller)

 

Dienstag 06. Mai 2014, Nicosia

 

Hintergrundgespräch zur Zypernfrage in der Deutschen Botschaft

 

Björn Luley (Goethe-Institut Zypern):

Vorstellung der Arbeitsbereiche des Goethe-Instituts auf Zypern

 

Mittwoch 07. Mai 2014, Nicosia (Lefkoşa) | Trachoni/Demirhan | Girne (Kerýnia)

 

Alessandra Viesser (Europäische Union):

"EU Projects in the North of Cyprus"

 

Führung über den Municipal Market, Nicosia

 

Führung durch die St. Nicholas Church, Nicosia

 

Gespräch mit Ismail Cemal (Chief of  the Eco Village Büyükkonuk/Komi Gebir)

 

Führung mit UNDP- und TCCH (TBC)-Vertreter_innen durch die Panagia Church (restored with EU funding under the Cultural Heritage Program), Trachoni/Demirhan

 

Transfer zum Hotel Anadol, Ziya Ritzki Caddes, Girne (Kerýnia)

 

Donnerstag 08. Mai 2014, Famagusta

 

Rundfahrt über den türkisch-zypriotischen Teil Zyperns:

 

Besichtigung der Abteiruine Bellapais

 

Besichtigung der Stadtmauer von Famagusta

 

Besichtigung der Moschee Lala-Mustafa-Paşa-Moschee (ehemals St. Nikolaos-Kathedrale)

 

Transfer zu den Karpaz Arch Houses in Karpas (Kırpaşa) Peninsula

 

Freitag 09. Mai 2014, Nicosia

 

Evren Inancoglu (The Association for Historical Dialogue and Research – AHDR:

"Aims and Values of the Association for Historical Dialogue and Research"

 

Mehmet Yaşin (Schriftsteller):

"Political, Historical Peace Keeping Developments in Cyprus in the Last Decades"

 

Samstag 10. Mai 2014, Nicosia

 

Dr. Jens Becker (Hans-Böckler-Stiftung) und Dr. Achim Engelberg (Buchautor/Journalist, Berlin):

"Abschlussreflexionen zum Zypernkonflikt (1974-2014) aus wissenschaftlicher, politischer und kultureller Perspektive"

 

© bei den Autor_innen und bei KULT_online
Fotos: Jennifer Ch. Müller und Bahar Ucar

Karte: www.openstreetmap.org (Creative Commons)