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Fremdsprachenunterricht als Forschungsgegenstand

Eine Rezension von Julia Fritz

fritz doffDoff, Sabine (Hg.): Fremdsprachenunterricht empirisch erforschen. Grundlagen – Methoden – Anwendung. Tübingen: Narr, 2012.

Das Interesse an empirischen Fragestellungen in der Fremdsprachendidaktik ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Auch für das Verfassen wissenschaftlicher Qualifizierungsarbeiten werden entsprechende Methodenkenntnisse zunehmend vorausgesetzt. Der Sammelband Fremdsprachenunterricht empirisch erforschen. Grundlagen – Methoden – Anwendung liefert differenzierte Einblicke in das Feld der empirischen Fremdsprachenforschung und veranschaulicht anhand ausgewählter Methoden die verschiedenen Phasen des Forschungsprozesses. Neben theoretisch fundierten Darstellungen zur Planung empirischer Arbeiten, führt der Band in wichtige Instrumente der Datenerhebung sowie Methoden für deren Analyse und Auswertung ein. Mittels detaillierter Anwendungsbeispiele aus der Praxis zeigen die Autoren Möglichkeiten der Umsetzung qualitativer sowie quantitativ ausgerichtete Forschungsprojekte.


> English Abstract     > Inhaltsverzeichnis                                                                      
 

Studierende, die in der Vergangenheit nach Beiträgen zu Forschungsmethodik und -instrumenten in der Fremdsprachendidaktik suchten, fanden diese vor allem in Gestalt vereinzelter Aufsätze oder Unterkapitel in Sammelbänden und neueren Handbüchern. Oft blieb nur der Blick in benachbarte Wissenschaftsdisziplinen als Grundlage für empirische Arbeiten. Insofern leistet das von Sabine Doff, Professorin für Fremdsprachendidaktik Englisch an der Universität Bremen, herausgegebene Studienbuch wertvolle Pionierarbeit und kann als das erste seiner Art betrachtet werden. Als Einführung richtet sich der Band zwar insbesondere an Studierende, er dürfte aber auch für Referendare/innen und Doktoranden/innen interessant sein, die sich mit empirischen Fragestellungen im Bereich der Fremdsprachenforschung auseinandersetzen.

Das Gesamtkonzept und die Struktur des Buches erläutert die Herausgeberin in einem einführenden Teil anhand vier zentraler Prämissen. Gegenstand des 2. Kapitels bilden methodologische Grundsatzüberlegungen zu forschungsethischen Aspekten (Kapitel 2.1) sowie zur reflexiven Qualität empirischer Bildungsforschung (Kapitel 2.2). Die folgenden Kapitel widmen sich in einem Dreischritt methodischen Fragestellungen der verschiedenen Phasen im Forschungsprozess: Untersuchungsdesign (3. Kapitel), Datenerhebung (4. Kapitel) und Datenanalyse (5. Kapitel). Im 6. Kapitel werden abschließend die mitwirkenden Autorinnen und Autoren in knapper Form vorgestellt.

Bemerkenswert ist der Stellenwert forschungsethischer Überlegungen: Gerhard Bach & Britta Viebrock nehmen in ihrem Beitrag diese bislang vernachlässigte Debatte in umfassender Weise in den Blick. Die Autoren betonen die Notwendigkeit einer kritischen Reflexion des eigenen Forschungshandelns und stoßen mit der Eingangsfrage „Was ist erlaubt?“ eine längst fällige Diskussion in der Sprachlehr- und -lernforschung an. Da es im Bereich der Fremdsprachenforschung noch an entsprechenden Ethik-Codices mangelt, erfordert dies von Forschenden in besonderem Maße einen verantwortungsvollen Umgang mit ethischen und moralischen Fragen. Anhand dreier fiktiver Fallbeispiele zeigen Bach & Viebrock zunächst exemplarisch ethische Problemstellungen auf, die entlang des Forschungsprozesses auftreten können. Eingebettet werden diese in einen theoretischen Abriss über Dimensionen, Ebenen und Prinzipien des Ethikkonzepts im Spannungsfeld von Wissenschaft und Forschung. Dabei verweisen sie auf weiterführende Literatur aus dem englischsprachigen Raum, wo dieser Diskurs bereits auf eine längere Tradition zurückblickt. Britta Viebrock veranschaulicht am Beispiel des Selbstbildes einer Lehrerin, welche negativen Auswirkungen und Konsequenzen für Forschungsteilnehmer/innen entstehen können. Mit der Frage, ob die Ethik-Diskussion Forschung und Wissenschaft gefährde, werden die Darstellungen abschließend um eine kritische Perspektive erweitert.

Der Methodik-Teil des Studienbuches zeichnet sich besonders durch die sinnvolle Verbindung von theoretischen Grundlagen- und illustrierenden Anwendungsbeiträgen aus. Für alle, die sich im Rahmen empirischer Forschungsarbeiten mit methodischen Fragen qualitativer Interviews beschäftigen, sei auf den Beitrag von Matthias Trautmann (Kapitel 4.4.1) hingewiesen. Anhand dreier Formen (narratives Interview, problemzentriertes Interview sowie Experteninterview) unterstreicht er die Eignung qualitativer Interviews zur Rekonstruktion subjektiver Sichtweisen, Erfahrungen und individueller Wahrnehmungsmuster. Dabei zeigt er Anwendungsfelder der einzelnen Formen auf und geht gleichzeitig auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten der verschiedenen Zugänge ein. Welche Herausforderungen bereits bei der Planung des Interviews an die Forschenden gestellt werden, verdeutlicht Trautmann anhand wesentlicher Elemente der Datenerhebungsphase: von der Rekrutierung geeigneter Interviewpartner/innen bis zur Auswahl der Auswertungsstrategie. Auch für die Durchführung und Auswertung von Interviews verweist er auf wichtige Aspekte, die in einer knappen Zusammenschau nachvollziehbar erklärt werden. Trautmann schließt mit einem Überblick über Stellung, Möglichkeiten und Grenzen qualitativer Interviews in der deutschen Fremdsprachenforschung.

Dem Band gelingt es, die Vielfalt methodischer Herangehensweisen in dem Kontinuum zwischen qualitativem und quantitativem Forschungsparadigma abzubilden. Auch wenn Julia Settinieri in ihrem Grundlagenbeitrag zu statistischen Verfahren (Kapitel 5.1.1) auf charakteristische Merkmale quantitativer und qualitativer Forschung eingeht, wäre es durchaus sinnvoll gewesen, dieses wichtige Spannungsfeld zentraler zu platzieren. Wünschenswert für zukünftige Publikationen wäre ein Überblick über den aktuellen Diskurs, die Ziele sowie die Gütekriterien der Fremdsprachenforschung. Für (angehende) Fremdsprachenlehrkräfte werden die Ideale lebenslangen (entdeckenden bzw. forschenden) Lernens sowie des reflective practitioners zwar betont, zentrale Methoden wie Aktionsforschung und Beobachtung lässt der Band jedoch vermissen.

Insgesamt bietet das Studienbuch einen äußerst lohnenswerten Einblick sowie interessante Perspektiven zu zentralen Gegenstandsfeldern der Fremdsprachenforschung. Insbesondere für jene, die sich mit einer der exemplarisch dargestellten Methoden auseinandersetzen, liefert es wertvolle Grundlagen sowie Anregungen für deren Umsetzung in der Forschungspraxis.


Doff, Sabine (Hg.): Fremdsprachenunterricht empirisch erforschen. Grundlagen – Methoden – Anwendung. Tübingen: Gunter Narr Verlag, 2012. 325 S., broschiert, 24.99 Euro. ISBN: 978-3-8233-6721-5


Inhaltsverzeichnis

 

1. Einführung … 9

„More than methods“ – Vier Prämissen zur empirischen Erforschung von Fremdsprachenunterricht (Sabine Doff) … 11

 

2. Grundsatzüberlegungen … 15

2.1 Was ist erlaubt? Ethik in der Fremdsprachenforschung (Gerhard Bach & Britta Viebrock)…17

1 Kontext: Krisen und Konsequenzen … 17

2 Forschung im Wirkbereich von Forscher/in, Institution und Disziplin: Verantwortung und Selbstverantwortung … 20

3 Dimensionen des Ethikkonzepts und ethischen Handelns … 21

4 Makroebene: Ethik reflektieren … 25

5 Mikroebenen: Forscherethos und ethical decision-making … 27

6 Zur Kritik an der Forschungsethik-Diskussion … 30

2.2 Was ist gute empirische Unterrichtsforschung? Ein Plädoyer für die vergessene reflexive Qualität von Wissenschaft (Daniel Tröhler) … 34

1 Einführung … 34

2 Der Kalte Krieg, die Wissenschaft, die Technologie und das Bildungssystem … 37

3 Bildungspolitik und Bildungsforschung im Kalten Krieg … 39

4 Wie empirisch ist empirische Bildungsforschung? ... 41

5 Forschung oder Dienstleistung … 44

 

3. Fokus Untersuchungsdesign … 49

3.1 Experimentelle Fremdsprachenforschung … 51

3.1.1 Grundlagenbeitrag (Nicole Marx) … 51

3.1.2 Anwendungsbeitrag: Latein und Englisch – eine empirische Studie zur Kognatenerkennung (Katrin Siebel & Nicole Marx) … 71

3.1.3 Bibliographie … 80

3.2 Historische Fremdsprachenforschung … 82

3.2.1 Grundlagenbeitrag (Sabine Doff & Tim Giesler) … 82

3.2.2 Anwendungsbeitrag: Historische Forschung am Beispiel des Englischunterrichts für Kaufleute im 19. Jahrhundert (Tim Giesler) … 99

3.2.3 Bibliographie … 110

 

4. Fokus Datenerhebung … 113

4.1 Fragebogenkonstruktion im Kontext des schulischen Fremdsprachenlernens … 115

4.1.1 Grundlagenbeitrag (Wolfgang Zydatiß) … 115

4.1.2 Anwendungsbeitrag: Fragebogenentwicklung und -pilotierung im Rahmen des Dissertationsprojekts „Bilinguale Module“ im Mathematikunterricht“ (Katharina Prüfer)…136

4.1.3 Bibliographie … 147

4.2 Tests als Untersuchungsgegenstand und Forschungsinstrument in der Fremdsprachenforschung…150

4.2.1 Grundlagenbeitrag (Claudia Harsch) … 150

4.2.2 Anwendungsbeitrag: (Sprach-)Tests in der Praxis: Die Studie „Development Of North Rhine-Westphalian CLIL Students“ (Dominik Rumlich) … 169

4.2.3 Bibliographie … 179

4.3 Datenerhebung durch Lautes Denken und Lautes Erinnern in der fremdsprachendidaktischen Empirie … 184

4.3.1 Grundlagenbeitrag (Petra Knorr & Karen Schramm) … 184

4.3.2 Anwendungsbeitrag: Videobasiertes Lautes Erinnern als Instrument zur Untersuchung fremdsprachlicher Gruppenaushandlungsprozesse (Diana Feick) … 202

4.3.3 Bibliographie … 312

4.4 Führen und Auswerten qualitativer Interviews … 218

4.4.1 Grundlagenbeitrag (Matthias Trautmann) … 218

4.4.2 Anwendungsbeitrag: Experteninterviews in der Fremdsprachenforschung: Anwendungsspezifische Planung, Durchführung und Auswertung (Annina Lenz) … 232

4.4.3 Bibliographie … 243

 

5. Fokus Datenanalyse … 247

5.1 Statistische Verfahren … 249

5.1.1 Grundlagenbeitrag (Julia Settinieri)…249

5.1.2 Anwendungsbeitrag: Anwendungsbeispiele statistischer Verfahren zur Analyse von Lernersprachdaten (Urŝka Grimm) … 271

5.1.3 Bibliographie … 283

5.2 Von der Rekonstruktion zur Integration: Wissenssoziologie und dokumentarische Methode in der Fremdsprachenforschung … 286

5.2.1 Grundlagenbeitrag (Andreas Bonnet) … 286

5.2.2 Anwendungsbeitrag: Die dokumentarische Methode als Instrument zur Analyse von literarischer Anschlusskommunikation (Elisabeth Bracker) … 306

5.2.3 Bibliographie … 316

 

6. Autorinnen und Autoren…320

 

Empirical research on foreign language acquisition

In recent years, the interest in methods of empirical research has been consistently increasing. Methodological knowledge is all but a prerequisite for writing academic papers. The anthology Fremdsprachenunterricht empirisch erforschen. Grundlagen – Methoden – Anwendung provides profound insights into the issues of foreign language research by illustrating the different stages of the research process with selected methodical examples. The publication offers theoretically based depictions for the planning of empirical studies and elaborates important instruments of data collection and analysis. By presenting detailed examples of implementation the authors highlight the potential of qualitative and quantitative research projects.



© bei der Autorin und bei KULT_online