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Editorial

Liebe Leser_innen,

 herzlich Willkommen auf der neuen Internetpräsenz von KULT_online, dem Gießener Rezensionsmagazin für kulturwissenschaftliche Fachliteratur! Zwar heißt es landläufig, man möge eine Siegermannschaft nicht zerreißen, doch nach über 10 Jahren war ein Wechsel dringend nötig. Für Sie bedeutet das: ein schlankeres Design, ein übersichtlicheres Archiv, PDF-Dokumente einer jeden Rezension sowie allerlei 'Feintuning'. Wir freuen uns über und wünschen viel Spaß mit der aktuellen Ausgabe!

 

Abseits technischer Details diskutierten die Mitglieder von GGK/GCSC zum Jahreswechsel gleich dreimal aktuelle Fragen der Kulturwissenschaften: So wurde in Gotha eine 'Zwischenbilanz' zur materiellen Kulturforschung (Dezember 2013) gezogen, in Gießen der Status des Identitätskonzeptes in den Kulturwissenschaften bestimmt (Januar 2014) sowie zum Ende des Wintersemesters schließlich der neue Jahrgang des PhDnet inhaltlich begrüßt und eingeführt.

 

Unser aktuelles Rezensionskontingent stellt sich überaus vielfältig dar – mit Besprechungen zum 'Vorrang der Moral', zum 'Diagrammatischen' bei Descartes und Deleuze, zur Subjektbildung und zur Subjektdisziplinierung. Dennoch lassen sich wieder einige Schwerpunkte ausmachen, so geschehen mit vier medientheoretischen Arbeiten zum Feld der (gedruckten) Kommunikation: Von typographischen Merkmalen in der Kleist'schen Prosa, über Aspekte der buchkulturellen Wissensvermittlung im Mittelalter und der Frühen Neuzeit, bis hin schließlich zu elektronischen Formate, etwa dem Computer als Schreibmaschine oder dem Kommunikationsdienst 'Twitter' als gesamtgesellschaftlichem Phänomen.

 

Daneben widmen wir uns erneut dem ungebrochenen Boom von Erinnerungsdiskursen und Verantwortungsdebatten: Wie etwa wirken politische Lebenszeugnisse auf die Gesellschaft ein? Wie kann der Einzelne angemessen Verantwortung für historische Krisen und Katastrophen tragen? Und wie bekommen diese Krisen und Katastrophen im Rahmen kultureller Verarbeitungen die Patina der Alltäglichkeit? Unsere Rezensent_innen stellen Ihnen verschiedene Bücher vor, die sich an Antworten auf diese Frage versuchen.

 

Dass Sprache (wie Text) das Denken und damit die Weltanschauungen beeinflusst, ist lange bekannt. Konkrete Forschungen, etwa zur Verbindung von Metapher, Ideologie und Sprache, oder zur erzählerischen Auflösung kultureller Ordnungsmuster im Werke Kafkas erhellen jedoch nach wie vor das Forschungsfeld.

 

Das Fremde und Eigene in Sprache und Kultur bestimmt unseren letzten thematischen Block. In gleich zwei Rezensionen wird dem Fremdsprachenunterricht einmal empirisch fragend, einmal einführend beschreibend nachgegangen. Deutlich wird in beiden Besprechungen die ungeheure Relevanz des Fremdsprachenlernens, zumal mit Blick auf die Vielfalt der Kulturen. Eine Sammelrezension zu zwei Werken aus dem bundesdeutschen Integrationsdiskurs sowie eine Einführung in eine Einführung zur 'Wissenschaft vom Fremden' runden diese Ausgabe ab.

 

Ihnen ein produktives Sommersemester, ohne Krisen und Katastrophen!

 

Mit besten Grüßen,

Marcel Wrzesinski