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Viktorianer in der Postmoderne: Eine Einführung

Eine Rezension von Nele Gerkens

Kirchknopf, Andrea: Rewriting the Victorians. Modes of Literary Engagement with the 19th Century. Jefferson, NC/London: McFarland & Company, 2013.

Unter Einbeziehung verschiedener theoretischer, methodologischer und ideologischer Debatten hat Andrea Kirchknopf das aktuelle Phänomen des Post-Viktorianismus in seinen politischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Kontexten verankert. Damit macht sie dieses Forschungsfeld zeitgenössischer Re-Imaginationen des 19. Jahrhunderts einem breiteren Publikum zugänglich und liefert eine für Einsteiger sorgfältig zusammengestellte Einführung in den Themenkomplex. Die analysierten 'Rewritings' werden als Identitätsnarrationen betrachtet und sind als Beispiele zur Illustration der jeweiligen theoretischen Untersuchungen zur literarischen Szene sowie anderen Diskursen und Kontexten direkt in die theoretischen Überlegungen eingebettet.

 

> English Abstract     > Inhaltsverzeichnis


Andrea Kirchknopfs Monographie Rewriting the Victorians: Modes of Literary Engagement with the 19th Century baut auf ihrer Dissertationsschrift und vier früheren Artikeln bzw. Vorträgen auf. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das emergierende Forschungsfeld des Neo-Viktorianismus – sie bevorzugt den Terminus Post-Viktorianismus – einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Daher fasst sie in ihrem Buch die bisherige Forschung zu diesen zeitgenössischen Auseinandersetzungen mit dem 19. Jahrhundert zusammen und stellt systematisierend die verschiedenen theoretischen und methodologischen Ansätze vor, die bislang in diesem Bereich vorherrschend sind. Die analysierten Romane sind bekannte und populäre 'Rewritings' (also intertextuelle, adaptive Bearbeitungen) von viktorianischen Quelltexten, die bereits als Klassiker des post-viktorianischen Kanons angesehen werden können. Kirchknopf untersucht 'Rewritings' wie Peter Careys Oscar and Lucinda, Colm Tóibíns The Master oder eine Adaptionskette von Charlotte Brontës Jane Eyre als "narratives of identity" (S. 2). Hierbei konzentriert sie sich vor allem auf Fragen der Selbstzuschreibung sowie auf Thematisierungen von nationalen und kulturellen Identitäten. Sie ordnet die Analysen dabei von vornherein verschiedenen sozialen und politischen Kontexten zu. Ihr interdisziplinärer Ansatz erlaubt es der Autorin, die Relevanz post-viktorianischer Fiktion auch anhand von Filmadaptionen, kulturellen Mementi und Themenparks zu verdeutlichen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Kirchknopfs Diskussion der "literary scene" (S. 2) und damit einhergehende kritische Überlegungen zu Autorschaft, Starkult, Literaturkritik oder Originalität.

Im ersten Kapitel diskutiert die Autorin die verwendete Terminologie und legt post-viktorianisch als den passendsten Begriff für sich fest; die enge Verbindung zwischen Postmoderne und den von ihr untersuchten 'Rewritings' viktorianischer Werke bzw. Diskurse wird so deutlich. In einer überzeugenden Argumentation lehnt sie damit andere Begriffe wie retro-viktorianisch und das inzwischen in der Forschung am weitesten verbreitete neo-viktorianisch ab. Gleichzeitig bestimmt sie damit den Umfang und die Zusammenhänge, die im Verlauf ihrer Monographie eine Rolle spielen werden. Im zweiten und dritten Kapitel stellt Kirchknopf dann anhand von Beispielanalysen die ideologischen Strukturen dar, die eine Diskussion zeitgenössischer fiktionaler Revisionen rahmen. Das vierte Kapitel hingegen beinhaltet die historisch ausgerichtete Untersuchung einer adaptiven Kette von Romanen. Im fünften Kapitel setzt sie diese Diskussion fort, indem sie die Serialisierung von Adaptionen betrachtet. Sie endet schließlich mit einer kurzen Analyse der sogenannten Dickensiana, einer "adaptive map" (S. 3) von literarischen und filmischen Bearbeitungen zu Charles Dickens' Leben und Werk sowie dem Themenpark Dickens World.

Grundsätzlich schafft es die Autorin, das gewählte Forschungsfeld konzise und dennoch umfassend vorzustellen. Zudem gelingt es ihr, die relevanten Diskurse und Bezugssysteme deutlich zu machen. Zwar ist für Einsteiger in die Thematik dieses Buch entsprechend empfehlenswert, doch sind die terminologischen Argumentationen und Klärungsversuche für interessierte Laien möglicherweise verwirrend. Demgegenüber ist Kirchknopfs Betrachtung wirtschaftlicher, kultureller und politischer Dimensionen in jedem Fall begrüßenswert und erkenntnisreich. So bezieht sie beispielsweise auch die Betrachtung von Buchcovern als Teil der Vermarktungsstrategien mit ein, und erwähnt das post-viktorianische Phänomen im Zusammenhang mit Filmen, Kunst, aber auch Einrichtungsgegenständen. Die enge Verbindung zwischen Post-Viktorianismus, Literaturkritik und Cultural Studies ist sorgfältig herausgearbeitet und treffend. Ebenso betont Kirchknopf die aktuell zu beobachtende Rückkehr des Autors, die sich im Post-Viktorianismus ganz besonders deutlich zeigt: "Considering the cultic status of authors in the Victorian era […] the post-Victorian rewriting of nineteenth-century authors could also be read as a symbolic move of reinstating the importance of authorship", so die Autorin treffend (S. 65).

Bei der Korpusauswahl in Rewriting the Victorians wäre es wünschenswert gewesen, dass die Autorin auch Romane berücksichtigt, die noch nicht aus verschiedenen Perspektiven analysiert wurden. Ihre Wahl von populären und bereits hinlänglich erforschten Werken ist im Kontext ihres Zielpublikums verständlich, festigt den neo-/ post-viktorianischen Kanon, führt aber das Forschungsfeld selbst nicht wesentlich weiter. Kirchknopfs Fokus auf post-viktorianische Romane als Identitätserzählungen hat Potential, doch leider sind die Analysen recht kurz gehalten, sodass ihre interessanten Ansätze nicht genug Raum finden und wenig weitergehende Erkenntnisse gewonnen werden können.
Zusammenfassend stellt also die Monographie das post-viktorianische Phänomen in verschiedenen Kontexten sehr gut dar und verweist auf die Relevanz des Post-Viktorianismus für diverse Forschungsrichtungen. Dass das Buch dabei nicht über den Charakter einer gelungenen Einführung in die Thematik hinausgeht, ist dem Anspruch der Autorin (vgl. S. 1-2; 5; 9-10) und dem damit verbundenen Untersuchungskorpus sowie den komprimierten Romananalysen geschuldet.


Kirchknopf, Andrea: Rewriting the Victorians. Modes of Literary Engagement with the 19th Century. Jefferson, NC/London: McFarland & Company, 2013. 225 S., Taschenbuch, 41.30 Euro. ISBN: 978-0-7864-7134-8.


Inhaltsverzeichnis

 

Acknowledgements … vii
Preface … 1

Introduction to Post-Victorian Fiction: State of the Art … 5

1 From Victorian to Post-Victorian: Definitions, Terminology and Contexts …17

2 Post-Victorian Fiction and the Literary Scene … 48

3 Post-Victorian Fiction in Its Political and Social Context … 77

4 Jane Eyre Tailor-Made: A Case Study of the Jane Eyre, Wide Sargasso Sea, Charlotte Adaptive Chain of Novels … 107

5 The Way We Adapt Now: Endings, Novel Series and Adaptive Maps …147

Conclusion: Ways Forward in Researching Post-Victorian Fiction …186
Chapter Notes …193
Works Cited … 202
Index … 215

 

Victorians in Postmodernism: An Introduction

 

By taking into account various theoretical, methodological and ideological debates, Andrea Kirchknopf situates the contemporary phenomenon of post-Victorianism within its political, social, cultural, and economic contexts. Thus she makes this field of research, which is focussed on studying contemporary re-imaginings of the 19th century, accessible to a wider audience and provides a carefully compiled introduction to this topic. The rewritings analysed in her book are regarded as narratives of identity and are directly placed within the respective theoretical surveys of the literary scene and other discourses and contexts, where they serve as illustrative examples.


© bei der Autorin und bei KULT_online