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Editorial

Liebe Leser_innen von KULT_online,

etwas schmaler, aber gleichbleibend interessant, wartet die aktuelle 37. Ausgabe wieder mit 14 Beiträgen zu kulturwissenschaftlichen Neuerscheinungen auf Sie. In seinem zehnten Jahr steht für KULT_online zudem ein 'Kleiderwechsel' an, schon die nächste Ausgabe (Nr. 38, April 2014) präsentiert sich im neuen 'Gewand'. Seien Sie gespannt!

Im November letzten Jahres tagte man an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) unter dem verheißungsvollen Titel "The Diagrammatic Practice of the Micropolitical": Zentral war der mikropolitische und partizipatorische Ansatz nicht nur für Form und Funktion des Symposiums, sondern auch für unsere Konferenzbeobachterin.

Gleich ein Bündel von Texten verschreibt sich in dieser Ausgabe disziplinären Standortbestimmungen und -erweiterungen. In einer Sammelbesprechung etwa werden die Vorzüge eines begrifflich offenen Verständnisses von "Fantastik" für die Etablierung der diesbezüglichen Forschung erörtert. Journalistisches Schreiben kann hingegen gewinnbringend durch das bislang eher seltene geschichten-erzählende Berichten aufgewertet werden, so die Autor_innen. Ähnlich wenig etabliert, doch durch ungeheures Potential gekennzeichnet, ist der Forschungszweig der "Science and Technology Studies" (STS) im Rahmen sozial- wie kulturanthropologischer Grenzen – resümiert unser Rezensent. Einen systematischen Einblick in die Bildungsforschung liefert schließlich ein Band zu vergleichenden Analysen von Bildungspolitik und Bildungssystemen.

Den Einzelfall im Blick haben drei weitere Autor_innen: Anhand von Strategien der Gesundheitsvorsorge und Seuchenbekämpfung im Süden Nordamerikas des 18. Jahrhunderts werden Ähnlichkeiten trotz kultureller Unterschiede expliziert – eine erfreuliche Lektüre findet unser Rezensent. Ein Jahrhundert später, und weit weg im 'alten' Europa, spürt eine Monographie den Identitätserzählungen "post-viktorianischer" Vorstellungen nach. Auch wenn der dortige Fokus auf Romane Erfolg verspricht, scheinen identitäre Aushandlungsprozesse der Gegenwart wesentlich von einer ganzheitlichen Betrachtungsweise abzuhängen. An dieser versucht sich ein Sammelband zum Spannungsfeld israelischer Identitäten, wobei die 'Grenze' von unserem Rezensenten als zentraler Topos herausgearbeitet wird.

Sicherlich sind (nationale) Identitäten eng mit politischen Diskursen, ethischen Debatten und Erzählungen darüber verwoben. Ein interdisziplinärer Sammelband fügt diesem Komplex noch den Faktor der Emotionalität hinzu, und wartet mit der Idee einer transepochalen Emotionsgeschichte auf. Nicht Gefühl, sondern Performance bringt demgegenüber eine aktuelle Monographie gegen den Politikbegriff in Stellung. Schließlich bildet die Ebene der Narration das Scharnier, um einerseits Nationalität in Geschichte, Medien und Kunst zu verbinden; andererseits werden neue Gedanken zu einer 'critical ethical narratology' vorgestellt.

Dass die Kulturwissenschaft auch popkulturelle Analyse oder Sujets nicht scheut, zeigen aktuelle Arbeiten zum Männlichkeitsdiskurs von Vampir-Geschichten in TV-Serien oder zur neuen Popularität von "erfundenen Religionen" der Nachkriegszeit.

Ihnen eine anregend-fordernde Lektüre und ein gutes 2014!

Mit besten Grüßen,
Marcel Wrzesinski