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Zunehmende Digitalisierung der Kulturwissenschaften: methodische und wissenschaftliche Aspekte

Eine Rezension von Andrea Hopf

Klawitter, Jana; Lobin, Henning; Schmidt, Torben (Hg.): Kulturwissenschaften digital. Neue Forschungsfragen und Methoden. Frankfurt/New York: Campus, 2012.

Der 2012 erschienene Sammelband verdeutlicht anhand seiner Beiträge die Interaktion zwischen Mensch und digitaler Welt, die in unterschiedlichen Disziplinen der Kulturwissenschaften beobachtet werden kann. Die Beiträge fokussieren den Veränderungsprozess der Fragestellungen aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung und der zunehmenden Digitalität von Inhalten im Bereich der kommunikativen Kulturtechniken aus sprach-, didaktik- und geschichtsbezogenen Wissenschaftszweigen. Dies spiegelt sich in der Veränderung bzw. Erweiterung der zu untersuchenden Bereiche, Methoden oder auch Theoriekonzepte wider. Die Autoren behandeln in ihren Beiträgen die Wirkung der aktuellen technologischen Entwicklung, beispielsweise hinsichtlich der Vernetzung oder auf die kulturelle Praxis des Umgangs mit Informationen.
 


Der von Jana Klawitter, Henning Lobin und Torben Schmidt herausgegebene Sammelband bietet in zwei Themenblöcken einen guten und praxisleitenden Überblick über die neuen Forschungsfragen und Methoden auf dem Gebiet der Kulturwissenschaften. Einem Vorwort und einer Einführung folgen sieben Kapitel im Umfang von jeweils rund 20 Seiten. Die Einführung skizziert den Digitalisierungsweg der Kulturwissenschaften und betont dabei den Wendeprozess, der unaufhaltsam "mittelfristig zu neuen Gewichtungen und Schwerpunktsetzungen im Gefüge der Kulturwissenschaften führen wird" (S. 12). 

Die ersten beiden Beiträge, die dem thematischen Block 'Geschichtswissenschaft und Literaturwissenschaft' zugeordnet sind, behandeln den Bereich der interpretierenden Praktiken in Such- und Findprozessen. Dabei rücken die archivarischen Methoden und deren direkte Rückkopplung auf Archivpolitiken im Institutionenkontext in den Fokus. Dies erweist sich u.a. dann von Bedeutung, wenn es um die Frage nach möglicher Beeinflussung, z.B. aufgrund individueller Ordnungssystematiken bzw. individueller Entscheidungsprozessen, der Interpretation von Sammlungszusammenhängen geht. Eine ähnliche Fragestellung verfolgt der zweite Beitrag, in dem die Edition der polnisch-deutschen Printausgabe der 'Chronik des Gettos Lodz / Litzmannstadt' mittels der Methode 'Dichte Beschreibung ' analysiert wird. Im Zuge der Digitalisierung von Literatur erweis sich dieser Ansatz als "adäquate Methodik transkriptiver Prozesse des Suchens und Auffindens" (S. 69). Im nächsten Beitrag, der die Medialisierung des Erzählens behandelt, werden Forschungsprojekte vorgestellt, die Aspekte zum Themenbereich 'Veränderung der Kulturtechniken des Erzählens aufgrund der digitalen Medien' präsentieren. Dabei steht die Suche nach Methoden, die solche Sachverhalte klären können, im Fokus.

Der thematisch zweite Teil des Buches ('Sprachlehrforschung, Psychologie und Linguistik') beginnt mit einem Beitrag, der die multimedialen Bildschirmdaten in der virtuellen Welt Second Life analysiert. Der Frage nach der Beeinflussung des Lernprozesses der deutschen Sprache wurde mit der 'Qualitativen Inhaltsanalyse' nachgegangen. Die Besonderheit der Studie liegt in der Transkription des kompletten Bildschirmgeschehens, inklusive der "para- und nonverbale[n] Aspekte der Kommunikation" (S. 102). Der nächste Beitrag behandelt die Evaluation von Lesbarkeit auf mobilen Lesegeräten (E-Book-Reader) mithilfe des Eye-Tracking-Verfahrens. Die Studie, auf die sich dieser Beitrag stützt, ist im Bereich der Korpuslinguistik angesiedelt. Es wurden englische Mehrworteinheiten, die aus vier Wörtern bestehen, im Hinblick auf die aufkommende Internetsprache untersucht. Dabei wurden die Unterschiede im Gebrauch solcher Mehrworteinheiten in vier unterschiedlichen Internetgenres (Foren, Blogs, kommerzielle Homepages und Wikis) (S. 136) beleuchtet. Der abschließende Buchbeitrag widmet sich der Analyse von Gliederungskonstruktionen wissenschaftlicher Texte für softwarebasierte logische Verarbeitung. Dazu wurden 32 Lehrbücher in deutscher Sprache berücksichtigt. Bei der Untersuchung wurde  auf das eigens entwickelte Methodensetting des "Korpusaufbaus und der Korpusaufbereitung" (S. 157) zurückgegriffen.

Die Skizzen des vorliegenden Sammelbandes geben viele Einblicke in das Forschungsfeld im Bereich der kommunikativen Kulturtechniken. Die Strukturierung und Gestaltung der Einführung ist besonders gut gelungen: So ist durch Verweise ein Nachschlagen zwischen Einführung und den Kapiteln möglich, was wiederum zur Verdeutlichung der Zusammenhänge der einzelnen Themenbereiche führt. Dem Sammelband gelingt es zu zeigen, dass die Forschung zur Digitalisierung der Kulturwissenschaften neben den methodischen Aspekten auch die Seite des wissenschaftlichen Gegenstandes berücksichtigt hat. Abschließend kann das Buch allen empfohlen werden, die sich für neue Erkenntnisse aus der kulturwissenschaftlichen Forschung mit Blick auf kommunikative Kulturtechniken interessieren. Angesichts des transdisziplinären Methodenzuganges können die Beiträge viele wichtige Anregungen liefern und in diesem Sinne die wechselseitige interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kulturwissenschaften und anderen Wissenschaftszweigen vorantreiben. Für die Debatte zu neuen Forschungsfragen und Methoden auf dem Gebiet der Kulturwissenschaften liest sich der Sammelband mit Gewinn.


Klawitter, Jana; Lobin, Henning; Schmidt, Torben (Hg.): Kulturwissenschaften digital. Neue Forschungsfragen und Methoden. Frankfurt/New York: Campus, 2012. 187 S., EUR 34,90. ISBN: 978-3593395951


Inhaltsverzeichnis

Vorwort..........8

Kulturwissenschaftliche Forschung – Einflüsse von Digitalisierung und Internet..........10

I. Geschichtswissenschaft und Literaturwissenschaft..........32

Sammlungsordnungen und Wissenskonstruktion im Kontext von Institutionengeschichte..........34
Dichte Beschreibung als Analysemethode im Kontext der Editionsphilologie...........56
Die Medialisierung des Erzählens – narratologische und intermediale Erzähltext- und Medienanalyse..........74

II. Sprachlehrforschung, Psychologie und Linguistik..........94

Fremdsprachenlernen in der virtuellen Welt – Gewinnung und Analyse von Videodaten..........96
Eye Tracking as a Method to Assess the Readability of Visual Display Units..........118
Korpuslinguistische Analyse von Mehrworteinheiten in englischsprachiger Internetkommunikation..........136
Linguistische Annotationen für die Analyse von Gliederungsstrukturen wissenschaftlicher Texte..........156

Autorinnen und Autoren..........178


Increasing Digitalization of Cultural Studies: Methodological and Scientific Aspects

This anthology, published in 2012, illustrates the interaction between humans and the digital world, which can be repeatedly seen in various disciplines of cultural sciences. The articles focus on the process of change which was initiated by the progressive digitalization and increasing digitality of content in the areas of cultural technique and didactical, historical, and linguistic sciences. This is reflected in the change and expansion of the field to be examined, and is also apparent in methods and theoretical concepts. In their contributions the authors discuss the effects of the current technological development, such as networking and how the practices of handling information have changed.


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