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Verstrickungen im diskursiven Netz von Zugehörigkeit(en) – Die Entdeckung muslimischer Subjektivitäten in Deutschland zwischen Fremdbestimmung und Selbstermächtigung

Eine Sammelrezension von Andrea Härtel

Tezcan, Levent: Das muslimische Subjekt. Verfangen im Dialog der Deutschen Islam Konferenz. Konstanz: Konstanz University Press, 2012.

Spielhaus, Riem: Wer ist hier Muslim? Die Entwicklung eines islamischen Bewusstseins in Deutschland zwischen Selbstidentifikation und Fremdzuschreibung. Würzburg: Ergon-Verlag, 2011.

Das muslimische Subjekt ist begehrt – als Gegenstand zahlreicher Mediendarstellungen und (populär-)wissenschaftlicher Publikationen ebenso wie als Akteur im Feld deutscher Sicherheits- und Integrationspolitik. Doch wo kommt dieses Subjekt so plötzlich her, was macht es aus und wo gehört es eigentlich hin? Mit einem kritischen, an Michel Foucaults Gouvernementalitätskonzept respektive Judith Butlers Subjektivationstheorie geschärften Blick gehen der Soziologe und Politikwissenschaftler Levent Tezcan und die Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus diesen Fragen jeweils nach. Während Tezcan in seiner 2012 erschienenen essayistischen Abhandlung Das muslimische Subjekt. Verfangen im Dialog der Deutschen Islam Konferenz die gegenwärtige deutsche Islampolitik in ihrer Form eines gouvernementalen 'Kulturdialogs' als strategische Bevölkerungspolitik herausstellt, fokussiert Spielhaus in ihrer 2011 veröffentlichten empirischen Studie Wer ist hier Muslim? Die Entwicklung eines islamischen Bewusstseins in Deutschland zwischen Selbstidentifikation und Fremdzuschreibung die Ambivalenzen, die in dem Prozess muslimischer Subjektivierung und Vergemeinschaftung hervortreten.  

 
Nicht mehr 'der Ausländer' oder 'der Türke' ist primärer Bezugspunkt der gegenwärtigen Debatte um Migration und Integration in Deutschland – es ist das muslimische Subjekt, das zunehmend die öffentliche Diskussion zu Fragen der demographischen Entwicklung, der Stadtplanung, der Schulbildung und insbesondere der Sicherheit bevölkert. Zahlreiche Medienbeiträge, populärwissenschaftliche Abhandlungen und wissenschaftliche Studien befassen sich mit der Sichtung, Bestimmung und Bewertung der muslimischen Bevölkerung in Deutschland, warnen vor islamistischen Bedrohungen und der Gefahr einer Islamisierung des deutschen Bestandes an Werten, oder aber vor einer Panikmache populistischer Islamkritiker_innen bzw. einer Zunahme islamfeindlicher Tendenzen. Höchste Zeit also, dass von wissenschaftlicher Seite eben dieses Phänomen der Islamisierung des Migrations- und Integrationsdiskurses näher in den Blick genommen wird. Höchste Zeit, von der Frontstellung 'panischer Islamkritiker_innen' und 'defätistischer Multikulturalist_innen' Abstand zu nehmen und zu (hinter-)fragen, was für ein Subjekt da eigentlich auftritt, von was für einer gesellschaftlichen Position aus es spricht bzw. zum sprechen gebracht wird und was für eine Rolle die (vermeintliche) Religionszugehörigkeit bei der Selbst- und Fremdwahrnehmung als Muslim_in spielt.

Diesen Fragen zur Entstehung und Ausformung muslimischer Subjektivitäten in Deutschland widmen sich zwei Veröffentlichungen der vergangenen beiden Jahre auf recht unterschiedliche Weise: Die in der Konstanz University Press 2012 erschienene essayistische Abhandlung Das muslimische Subjekt. Verfangen im Dialog der Deutschen Islam Konferenz des Soziologen und Politikwissenschaftlers Levent Tezcan und die 2011 im Ergon-Verlag publizierte empirische Studie Wer ist hier Muslim? Die Entwicklung eines islamischen Bewusstseins in Deutschland zwischen Selbstidentifikation und Fremdzuschreibung der Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus. Beide Autor_innen waren als Wissenschaftler_innen von 2006 bis 2009 an der ersten Phase der Deutschen Islam Konferenz (DIK) beteiligt und sind mit den politischen Diskussionen rund um den Islam vertraut. Während Tezcan diese Erfahrungen zum Gegenstand seiner Analyse macht und in einer anschaulichen Darstellung der vielfältigen Spannungslinien in und um die DIK auch die eigene Verfangenheit im gouvernementalen 'Kulturdialog' sichtbar macht, legt Spielhaus mit einer überarbeiteten Version ihrer 2008 an der Humboldt-Universität zu Berlin eingereichten Dissertation eine so materialreiche wie differenzierte Studie zum 'Muslimsein' in Deutschland und zu Prozessen muslimischer Vergemeinschaftung auch jenseits des staatlich-politisch gelenkten Diskurses vor.

Im Fokus von Tezcans Reflexionen steht die innerdeutsche 'Islampolitik', die im aktuellen Diskurszusammenhang selten als solche benannt, jedoch insbesondere im Rahmen der 2006 vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ins Leben gerufenen Deutschen Islam Konferenz nichtsdestoweniger intensiv betrieben wird. Wie Tezcan vor dem Hintergrund eines kenntnisreichen historischen Rückblicks auf die deutsche Islampolitik zu Beginn des 20. Jahrhunderts überzeugend darlegen kann, ist die gegenwärtige Islampolitik dabei nicht vorrangig beschäftigt mit muslimischer Religiosität, sondern zielt ab auf "die Konstruktion eines gesellschaftsfähigen, aufgeklärten, deutschen muslimischen Subjekts" (S. 7). Die Gesellschaftsfähigkeit dieses Subjekts entscheidet sich an der so diffus umrissenen wie nachdrücklich gestellten Wertefrage und erfordert eine aktive Positionierung im Integrationsdiskurs – 'Zwischen Moschee und Minirock', wie die zeitgemäße Metapher des Kulturdialogs feuilletonistisch verkündet wird (S. 12ff.). Diese gesellschaftspolitische Ausrichtung deutscher Islampolitik zeigt sich nach Tezcan sowohl in den Zielen, der Aufgabenbestimmung als auch der organisatorischen Struktur der DIK, so dass der staatlich angestoßene 'Dialog mit den Muslimen' nicht als wohlwollendes Entgegenkommen zur Klärung religionspragmatischer Fragen zu verstehen ist, sondern als politische Technik, mit der die Regierung die Islampolitik als Bevölkerungspolitik ausrichtet, als "Modus der Integration einer Bevölkerungsgruppe [...], die von ihrer Religionszugehörigkeit her definiert wird" (S. 40).

An dieser Stelle ist man am Kern von Tezcans Argumentation angelangt. Als "Strategie der Bevölkerungspolitik" teilt die gegenwärtige Islampolitik über alle kontextbedingten Unterschiede hinweg überraschende gemeinsame Grundlinien mit ihren kolonialistisch geprägten historischen Vorläufern (S. 22f.). Und als solche erweist sich der regierungsinitiierte Kulturdialog als Teil eines 'Islamdispositivs', in dem Ideen, Programme, Apparate, Techniken aufgeboten werden, um das begehrte gesellschaftsfähige Subjekt "praktisch wirksam zum Sprechen zu bringen" (S. 7) und so – im Sinne gouvernementaler Selbstführung – gegen innermuslimische gesellschaftsgefährdende Tendenzen in Stellung zu bringen (S. 53f.). Genau in dieser Konstellation liegt für Tezcan das "Zwitterhafte" der DIK begründet: Als Einrichtung der Religionsintegration und Bevölkerungsintegration in einem, die zwar die staatskirchenrechtlichen Belange der 'Integration des Islam' als Religion berücksichtigt, jedoch primär auf die 'Integration von Muslimen' als risikobehafteter Bevölkerungsgruppe abzielt (S. 45 und S. 65f.).

Die von Tezcan verwendete Begrifflichkeit ist unverkennbar, wenn auch nicht immer explizit Foucaultschen Ursprungs und das diskurstheoretische Instrumentarium ermöglicht dem Autor einen gewinnbringenden analytischen Zugriff auf die gegenwärtigen Entwicklungslinien muslimischer Subjektivität im staatlich-politischen Kontext. Gerade deshalb wäre eine systematische Einführung und gegenstandsbezogene Ausführung der verwendeten Konzepte instruktiv gewesen. So weist der Text bisweilen selbst etwas 'Zwitterhaftes' auf, wenn analytische Ausführungen im Foucaultschen Vokabular unvermittelt neben nonchalant formulierten Betrachtungen stehen, in denen etwa der muslimische Mann im Sinne einer 'zweiten Beschneidung' "bestimmte kulturelle Werte wie eine kulturelle Vorhaut abgeben [muss], um zur Gemeinschaft der Mündigen zu gehören" (S. 106). Insbesondere in der Auseinandersetzung mit den in der DIK vertretenen Moscheevereinen und -verbänden scheint sich der Autor – dem Untertitel seiner Abhandlung folgend – gelegentlich selbst im Meinungsstreit des Regierungsdialogs zu 'verfangen', wenn er sich als Teil eines 'Wir' positioniert, dessen Bezugsrahmen unreflektiert bleibt (siehe etwa S. 128). Der vielversprechende Ansatz einer Abkehr von einheitlichen Subjekten in abgeschlossenen "Seinsbezirken" wie Religion, Bildung oder Schicht, hin zu spezifischen Konstellationen von Praktiken (S. 134 und S. 170), wird hingegen leider nicht weiter verfolgt. Eine tiefergehende Beschäftigung mit Theorien der Subjektivierung hätte zudem den Blick schärfen können für die Vielfalt möglicher 'muslimischer' Subjektpositionen, die von Tezcan zwar postuliert, jedoch nur vereinzelt ausgeführt wird.

Dieser Vielfalt muslimischer Subjektivitäten im Diskursfeld 'Islam in Deutschland' spürt Riem Spielhaus in einer umfangreichen Studie zur Entwicklung eines deutsch-islamischen Kollektivbewusstseins nach. Ausgehend von der Beobachtung der zunehmenden Präsenz einer nicht nur politisch, medial und zum Teil akademisch zugeschriebenen, sondern auch vielfach selbst beanspruchten 'muslimischen Gemeinschaft' stellt sich für Spielhaus "die Frage nach dem 'Muslimsein' und den Grenzen der muslimischen Gemeinschaft(en) in Deutschland" im thematischen Dreieck von Vergemeinschaftung, Zugehörigkeit und Sprecherschaft (S. 17). Dabei nimmt sie zwei Phänomene der vergangenen Jahre näher in den Blick und zum Gegenstand ihrer empirischen Forschung: Zum einen den 1999 erfolgten institutionellen Zusammenschluss Hamburger Moscheen zur Schura Hamburg – dem "Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg e.V." – als politische Interessenvertretung in der Öffentlichkeit und gegenüber staatlichen Einrichtungen (Kap. 4). Zum anderen die im Zuge der Terroranschläge vom 11. September 2001 vermehrt erfolgenden Selbstpositionierungen als Muslime von Personen des öffentlichen Lebens, deren Religionszugehörigkeit in ihrer Arbeit als Politiker_in, Künstler_in, Wissenschaftler_in etc. zuvor keine Rolle gespielt hatte (Kap. 5). In beiden Forschungsfeldern macht Spielhaus nur scheinbar gegenläufige Entwicklungslinien der Ausdifferenzierung und Vereinheitlichung aus, die in den gegenwärtigen Debatten um Zugehörigkeit(en) zu einer religiös, kulturell, räumlich oder anderweitig verstandenen muslimischen Gemeinschaft oder 'community' zu verorten sind (Kap. 3). Von besonderem Interesse ist dabei für Spielhaus die Frage, inwiefern die innermuslimisch geführte Diskussion um Zugehörigkeit und die individuelle Selbstwahrnehmung und -positionierung als Muslim_in von dominanten Islamdebatten und -politiken beeinflusst wird, die so "das Wechselspiel von Selbstidentifikation und Fremdzuschreibung" (S. 184) anleiten und (mit-)bestimmen.

Dieses Wechselspiel wird insbesondere in Bezug auf den von Spielhaus im öffentlichen Diskurs ausgemachten "Identitätswandel" deutlich, in dessen Zuge sich Personen vermehrt als Muslim_innen, jedoch nicht notwendigerweise als gläubige bzw. praktizierende Menschen zu Wort melden und so "eine Art säkulare, äußerst kritische, aber dezidiert muslimische Position" vertreten (S. 132). Von 2004 bis 2008 hat die Islamwissenschaftlerin 37 Interviews mit insgesamt 31 solcher "Protagonisten des muslimischen Lebens in Deutschland" (S. 75) durchgeführt und zusammen mit öffentlich zugänglichem bzw. publiziertem Quellenmaterial diskursanalytisch ausgewertet. Darunter waren so prominente Persönlichkeiten wie Lale Akgün, Seyran Ateş, Navid Kermani und Cem Özdemir, die als "hörbare Stimmen" die Auseinandersetzungen um Zugehörigkeit(en) vor dem Hintergrund und in Reflexion ihres eigenen öffentlich erklärten 'Muslimseins' prägen. Was bewog diese Personen dazu, sich öffentlich als Muslime zu bekennen? Spielhaus macht im Prozess der Herausbildung muslimischer Identifikationen bei den Befragten ein Zusammenspiel reaktiver und aktiver Aspekte aus: Die Konfrontation mit islamistischem Extremismus und Terrorismus führte insbesondere in der Kombination mit erlebten Stereotypisierungen und Diskriminierungen zu dem Bedürfnis, das negative Bild des als homogen angesprochenen muslimischen Kollektivs zu korrigieren und "persönlich die Vielfalt der Muslime sichtbar zu machen" (S. 182). So wird die Neupositionierung als Muslim_in nicht im Rahmen einer religiösen oder spirituellen Wandlung, sondern als politische Entscheidung verstehbar, die den Versuch birgt, "die Kontrolle über die Definition der eigenen Identität, des Selbstbildes zu behalten bzw. wieder zu erlangen" (S. 177). Der Ärger über ein überwiegend reduktionistisches Bild des Islam ebenso wie über die Dominanz extremistischer muslimischer Positionen resultiert nicht etwa in einer Abgrenzung gegenüber der angetragenen 'Zurechnungsgemeinschaft', sondern im Gegenteil in einer bewussten Hinwendung mit dem Ziel der kritischen Ausdifferenzierung eines 'deutschen Muslimseins'.

Die Ambivalenzen, die mit der Annahme einer diskursiv zugewiesenen, vorrangig negativ besetzten muslimischen Kollektividentität verbunden sind, lassen sich für Spielhaus anhand von Judith Butlers Theorie der Subjektivation nachvollziehen: Die Positionierung in einem fremdbestimmten Diskurs bedeutet demnach nicht nur eine Unterordnung unter potentiell verletzende Benennungen und Zuschreibungen, sondern zugleich die Möglichkeit der Erlangung von Handlungsfähigkeit insbesondere in der Form von Sprecherschaft, der "Verleihung einer Stimme an diejenigen, die sich gleichzeitig vom Diskurs dominiert und eingeengt fühlen" (S. 180). So reflektiert etwa Navid Kermani die eigentümliche Situation, als Muslim (und nicht etwa als Islamwissenschaftler oder Schriftsteller) zunehmend Aufmerksamkeit und Gehör zu finden, in dieser "Rolle als Muslim" jedoch in der Möglichkeit der Darstellung von Widersprüchen erheblich eingeschränkt zu sein (S. 157). Hat die 'Identitätsfalle' einmal zugeschnappt, so Kermani sinngemäß, ist es schwierig, sich der kollektiven Zugehörigkeit zu 'den Muslimen' zu entziehen und in der imaginierten kulturellen Purität in Frage zu stellen (S. 158 und S. 164).

Immer wieder gelingt es Spielhaus, solche Verstrickungen im diskursiven Netz von Zugehörigkeit(en) aufzuzeigen und so den Blick zu öffnen für die Vielfalt (er-)lebbarer muslimischer Subjektivitäten in Deutschland zwischen Fremdbestimmung und Selbstermächtigung. Ihre Studie bildet damit eine wertvolle Ergänzung zu Tezcans Darstellung der identitätspolitischen Grabenkämpfe in und um die DIK. Was beide Veröffentlichungen gleichermaßen überzeugend herausstellen, ist die politische Relevanz, welche die religiöse Zugehörigkeit eines als 'muslimisch' verstandenen Kollektivs – sei es als Chiffre zur Adressierung integrationspolitischer Bestrebungen oder als Identitätsmarker im Prozess einer politischen Bewusstwerdung und Gemeinschaftsbildung – im Verlauf der letzten Jahre im öffentlichen Diskurs als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Bevölkerungsgruppen in Deutschland gewonnen hat. In diesem spannungsgeladenen Diskursfeld bleibt die von Spielhaus aufgeworfene Frage "Wer ist hier Muslim?" richtungsweisend im wissenschaftlichen Bemühen, eine sich fortlaufend (aus-)bildende deutsch-muslimische Gemeinschaft in ihren Selbstverständnissen und politischen Interessensbekundungen zu beschreiben, ohne sie dabei auf die (religiöse) Forschungskategorie 'Muslim' festzulegen.


Tezcan, Levent: Das muslimische Subjekt. Verfangen im Dialog der Deutschen Islam Konferenz. Konstanz: Konstanz University Press, 2012. 177 Seiten, 3 s/w Abb., Festeinband mit Schutzumschlag. 24,90 Euro. ISBN: 978-3-86253-022-9


Inhaltsverzeichnis

Vorwort ...7

1. Einleitung ...11

2. Historischer Rückblick: Deutsche Islampolitik zu Beginn des 20. Jahrhunderts ...21

Mission und Staatsräson auf den Kolonialkongressen von 1905 und 1910 ...24
›Kulturwert des Islam‹ ...26
Aspekte der Islamgefahr ...27
Carl Heinrich Becker und die ›Europäisierung des Islam‹ ...30

3. Dialog als Form. Wie der Staat einen Teil seiner Bürger ›islamisiert‹ ...35

Dialog als politische Technik ...38
Integration des Islam und Integration der Muslime ...42
Organisationsstruktur des Dialogs ...46

4. Akteure des Dialogs ...53

Der Dialog des Innenministeriums ...55
Die muslimische Auslese: Organisationen und Individualisten ...64
Zwischenbetrachtung ...99

5. Themen des Dialogs ...103

Vom Wert des ›Wertekonsenses‹ ...103
Bekenntniskonflikte ...108
Sozial oder Religiös? Der Deutungskampf um Schulprobleme ...124
Sieg der ›sozialen Ursachen‹: Praktische Empfehlungen der AG 1 ...137

6. Exkurs: Einbürgerungstest als Mittel der ›Verbindlichkeit‹ ...143

7. Vom theoretischen Wertekonsens zur praktischen Arbeit an der muslimischen Pastoralmacht ...155

Die zweite Phase der DIK ...155
Pastorale und staatliche Macht ...159

8. Schlussbetrachtungen ...163

Das Kriegsmodell im Zentrum ...166
Das Kriegsmodell in der Peripherie ...167

Literaturverzeichnis ...171
Abbildungsnachweise ...177


Spielhaus, Riem: Wer ist hier Muslim? Die Entwicklung eines islamischen Bewusstseins in Deutschland zwischen Selbstidentifikation und Fremdzuschreibung. Würzburg: Ergon-Verlag, 2011. 225 Seiten, Kartoniert. 29,00 Euro. ISBN: 978-3-89913-848-1


Inhaltsverzeichnis

Vorwort ...9

Einleitung ...11

1 Ansätze der Forschung zu Muslimen in Deutschland ...23

1.1 Feindbild Islam ...28
Kritik an der Kulturkampfthese ...30
Religiöse Antagonismen als Identitätspolitik ...31
Die Islamisierung des Islams ...32

1.2 Integration als Paradigma der Forschung zu Islam in Europa ...33
Religiosität – ein Hindernis für Integration und Partizipation? ...34
Islamische Organisationen zwischen Segregation und Binnenintegration? ...35
Wahrnehmung von Moscheen als Migrantenvereine ...40

1.3 Studien zu islamischen Vereinen und deren Zusammenschlüssen ...41
Repräsentativität und Struktur islamischer Verbände ...42
Religion ohne Hierarchie und Lehrmeinung? ...43
Für den Islam oder für die Muslime sprechen? Autorität, Aktivismus und Repräsentation ...45
Islamische Vereine und politische Milieus ...47
Islamische Vereine zwischen Ausgrenzung und Abgrenzung ...48

1.4 Studien zu Formen und Intensität der Religiosität von Muslimen ...50
Ansätze zur Typisierung von Religiosität ...51

1.5 Vom Ausländer zum Muslim ...53
Neoethnisierung ...56

2 Annäherung an das Forschungsfeld ...59

2.1 Der innermuslimische Diskurs in Deutschland ...59
Diskurs in deutscher Sprache ...62
Bedeutung diskursiver Ereignisse ...63
Regeln des Diskurses ...67

2.2 Quellengrundlagen ...72
Die Forscherin im Feld ...72
Teilnehmende Beobachtungen ...74
Publizierte Gespräche, Interviews und Texte ...75
Die Interviews ...75
Auswahl der Interviewpartner ...76
Entstehung der Interviews ...77

3 Debatten um Zugehörigkeiten ...81

3.1 Von der Diaspora zur religiösen Minderheit ...81
Annahmen zur Übereinstimmung von Raum, Kultur und Gemeinschaft ...82
Gemeinschaft als Diskurs ...85
Was macht eine muslimische Gemeinschaft aus? ...87

3.2 Wer ist eigentlich Muslim? ...90
Die Definition von Muslimsein durch staatliche Behörden ...90
Akademische Definitionen von Muslimsein ...95
Von der Minderheit zur Gemeinschaft? ...101

3.3 Fazit: Fremdsein als Gemeinsamkeit ...102

4 Die Entstehung der Schura Hamburg ...105

4.1 Ort und Verortung der Hamburger Moscheen ...108
Von Kiez-, Stadtteil- und Stadtmoscheen ...108
Topographische Annäherung an Hamburgs Moscheen ...111

4.2 Geschichte der Hamburger Moscheelandschaft ...115
Gründungsphase (vor der Arbeitsmigration) ...115
Diversifizierung ...116
Bildung einer politischen Interessenvertretung ...118
Gründung der Schura Hamburg ...124

4.4 Fazit: Vergemeinschaftung zur Vertretung im politischen Feld ...127

5 Muslim werden ...131

5.1 Zum Muslim gemacht ...133
»Die Mehrheitsgesellschaft sieht mich als Teil dieser Community« – Die Annahme der Fremdzuschreibung ...134
»Da habe ich nie meine Zustimmung zu gegeben« – In einer Zurechnungsgemeinschaft mit Terroristen ...141
»Selbst bestimmen, was Muslimsein heißt« – Das Bild korrigieren ...144
»Ich bin eine von denen« – Solidarische Positionierung ...147
»Wer Differenzierung einfordert, steht unter dem Verdacht der Verharmlosung« – Islamdebatte und innermuslimische Selbstkritik ...148

5.2 Was heißt hier Muslim? ...152
»Don’t panic, I’m Islamic« – Das Konstrukt vom »guten Muslim« ...154
»Wir brauchen da noch einen Muslim.« – Die Frage der Sprecherschaft ...156
»Wie ein Parlament der Muslime« – Ein Vorschlag zur Lösung der Vertretungsfrage ...160

5.3 Deutsch und Muslimisch ...163
»Muslime sind beinahe normale Leute« – Gesetz und Tests zur Einbürgerung ...166
»Wir Muslime sind auch Deutsche« – Affirmation einer Zugehörigkeit ...170
»Endgültig in die Ecke gedrängt« – Eine Kollektividentität, die Unbehagen bereitet ...172
»Man ist ja nicht nur Moslem!« – Multiple Identitäten ...173

5.4 Fazit: Von Zuweisungen und Ermächtigung durch Subjektwerdung ...176

6 Schlussbetrachtung: Die religöse Wende ...183
Ausblick: Der Boom in der Forschung über Muslime ...189
»The trouble with community« ...191
Die Ergebnisse im Kontext der Islam- als Regionalwissenschaft ...193
Kultur- und Gemeinschaftskonzepte in den Islamwissenschaften ...194

Erläuterungen zur Umschrift ...199
Bibliographie ...201
Primärquellen ...201
Sekundärquellen ...207
Abkürzungen ...225

Entanglements in the discursive net of belonging(s) - The discovery of Muslim subjectivities in Germany between heteronomy and self-empowerment

The Muslim subject is much in demand – as a topic of numerous media representations and (popular) scientific publications as well as a protagonist in the field of German security and integration policy. But where is this subject coming from so abruptly, what are its characteristics, and where does it actually belong? With a critical eye, sharpened on Michel Foucault's concept of governmentality and Judith Butler's theory of subjectivation, respectively, the sociologist and political scientist Levent Tezcan and the Islamic studies scholar Riem Spielhaus each pursue these questions. While Tezcan, in his essayistic piece of 2012, Das muslimische Subjekt. Verfangen im Dialog der Deutschen Islam Konferenz exposes the current German Islam policy – in its form of a governmental 'Cultural Dialogue' – as a strategic population policy, Spielhaus' empirical study Wer ist hier Muslim? Die Entwicklung eines islamischen Bewusstseins in Deutschland zwischen Selbstidentifikation und Fremdzuschreibung – published in 2011 – focuses on the ambivalences emerging in the process of Muslim subjectivation and collectivization.


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