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Über/mit/nach Paul Ricœurs Theorie der Zeitlichkeit. Zu Stefan Scharfenbergs Lesart von Paul Ricœurs Zeit und Erzählung

Eine Rezension von Elena Petrova

Scharfenberg, Stefan: Narrative Identität im Horizont der Zeitlichkeit. Zu Paul Ricœurs "Zeit und Erzählung". Würzburg: Königshausen & Neumann, 2011.

Das Werk Zeit und Erzählung des französischen Hermeneutikers Paul Ricœur ist in Deutschland selten wahrgenommen worden. Bei dieser Rezeptionslage ist eine kritische Untersuchung von Ricœurs Theorie äußerst willkommen, umso mehr, als sich selbige einer am wenigsten beachteten Seite – dem Konzept der narrativen Identität – widmet. Der Verfasser macht es sich zur programmatischen Aufgabe, den Begriff der narrativen Identität, welcher lediglich in den Schlussfolgerungen des dritten Bandes auftaucht, "zum systematischen Leitbegriff einer Analyse von Zeit und Erzählung zu erheben" (S. 18). Es steht außer Zweifel, dass man angesichts der großen intellektuellen und konzeptuellen Breite von Zeit und Erzählung eines solchen Leitbegriffs bedarf. Dass das Konzept der narrativen Identität dafür tragfähig sei, erscheint bereits angesichts der Vorgehensweise des Verfassers als fragwürdig; Es bedarf ausführlicher Prolegomena von mehr als 250 Seiten, bevor der Begriff der narrativen Identität in der Argumentation direkt aufgegriffen wird. Nichtsdestotrotz kann die Untersuchung als wertvoller und kritischer Kommentar aus fleißiger Hand allen Interessierten empfohlen werden.
 
> English Abstract     > Inhaltsverzeichnis

Allein die Länge macht es: die dreibändige Ausgabe von Paul Ricœurs Zeit und Erzählung in deutscher Sprache zählt über tausend Seiten. Darauf entfaltet Ricœur eine Untersuchung des Phänomens der Zeit, die an Gedankenintensität kaum zu übertreffen ist und Zeit in einem festen Zusammenhang mit dem Phänomen der Erzählung betrachtet. Diese Komplexität macht Ricœurs Zeittheorie zu einer Herausforderung, die in der Forschungspraxis selten angenommen wurde. Stefan Scharfenbergs Untersuchung stellt in dieser Hinsicht ein mutiges Unterfangen dar, dessen Stärke im Gegensatz zu seinen Vorgängern in einer systematischen Sicht auf das Werk Ricœurs liegen soll (S. 18-21). Die Vor- und Nachteile seiner Vorgehensweise lassen sich am besten begreifen, so man sie im Kontext der allgemeinen Rezeptionsproblematik von Ricoeurs Werk betrachtet.

1. Wie geht man mit Ricœurs Theorie kritisch um?

Der Verfasser schafft es, seine Kritikpunkte deutlich zu benennen und sie in den Verlauf der weiteren Argumentation als eine Art Reformulierung von Ricœurs Theorie zu integrieren. Dies zeugt von einem tiefen Einblick in Ricœurs Zeittheorie als Ganzes. So unterwirft Scharfenberg Ricœurs Aporetik der Zeitlichkeit einer eingehenden Analyse, die vor allem die Grundlagen der ersten Aporie der Zeiterfahrung erschüttert. Der Vorstoß in diesem Bereich erklärt sich daraus, dass Ricœur den Begriff der narrativen Identität aus der ersten Aporie ableitet, die er als eine gegenseitige Überdeckung von zwei Modi der Zeiterfahrung denkt: die phänomenologische und die kosmologische Zeit. Der Gegensatz zwischen diesen beiden Modi gibt Scharfenberg einen Anlass zur Kritik an Ricœurs Konzept. Ricœur vertrete einen unzulässigen Subjekt-Objekt-Dualismus, der sich insbesondere bei der Applikation auf Heideggers Zeittheorie als unzulänglich erweist (S. 95).

Daher unternimmt Scharfenberg eine Korrektur der ersten Aporie, bei der sie im heideggerschen Sinne als "permanente Wiederholung" der Gegenwart (S. 113) umdefiniert wird: "Die 'Aporetik der Zeitlichkeit', so lautet das Resultat der hier entwickelten Analysen zur Zeitlichkeit, besteht also nicht, wie Ricœur glaubt, in einer Inkompatibilität von endlicher 'subjektiver' und unendlicher 'objektiver' Zeit, sondern in der durch die ursprüngliche Medialität der Zeit begründeten permanenten Ekstatik der Gegenwart, nach der jede Erfahrung bzw. alles Handeln (verstanden im heideggerschen Sinne des Umgangs mit innerweltlich Seiendem) im Zeichen der Endlichkeit steht" (S. 114). Diesen Bezug auf Heideggers Hierarchie der Zeiterfahrung integriert Scharfenberg auch in seine Betrachtung der "Poetik der Erzählung" bei Ricœur (S. 252ff., 276ff.).

So konsequent diese Vorgehensweise auch ist, so bleibt es fraglich, ob eine solche Revision Ricœurs Aporetik der Zeiterfahrung vom Standpunkt der Philosophie Heideggers notwendig und sinnvoll ist. Einerseits bietet sie in ihrer kritischen Schärfe eine interessante Korrektur an Ricœurs Rezeption von Heideggers Zeitphilosophie, die einer solchen Polemik wert und für den Begriff der narrativen Identität zweifelsohne zentral ist. Es bleibt jedoch auch hier zu hinterfragen, inwieweit Scharfenbergs Argument von Ricœurs Subjekt-Objekt-Dualismus greift, fasst letzterer die beiden Modi der Zeiterfahrung doch als zwei Phänomene des Bewusstseins oder Denkschemata auf, und nicht in Termini einer Subjekt-Objekt-Dichotomie. Andererseits scheint die Ablehnung von Ricœurs Kritik an Heideggers Solipsismus und die Reintegration von Heideggers zeitphilosophischem Entwurf die Theorie Ricœurs aus ihrem inneren Gleichgewicht zu bringen. Der Gewinn an Schärfe im philosophisch-spekulativen Bereich könnte sich dabei insbesondere durch eine verminderte Applizierbarkeit für kultur- und literaturwissenschaftliche Analysen rächen.

2. Wie behandelt man Einflüsse auf Ricœurs Denken?

Was Scharfenbergs Kritik an Ricœurs Heidegger-Rezeption klar belegt, ist die Notwendigkeit, sich mit den Einflüssen anderer Theorien in Ricœurs Zeit und Erzählung auseinanderzusetzen. Fernab jeglichen Eklektizismuswerden sie von Ricœur kritisch und synthetisch in einen theoretischen Entwurft integriert. Daher muss jede Untersuchung zu Ricœurs Theorie zwangsläufig auf Ricœurs Rezeption von bestimmten Theorien und Konzepten eingehen. Scharfenbergs Untersuchung liefert dabei Beispiele für unterschiedliche Vorgehensweisen: Neben der kritischen Auseinandersetzung mit der Aporetik der Zeitlichkeit liefert das dritte Kapitel zur Poetik der Erzählung zahlreiche Beispiele für eine punktuelle Aufzeichnung der Einflüsse und referierende Wiedergabe von Ricœurs Thesen. Ein davon abweichendes Muster stellt die interessante Kontrastierung von Ricœurs und Genettes Lesart zu Marcel Prousts Recherche dar (S. 233-234). Jene beleuchtet Ricœurs Verhältnis zur strukturalen Narratologie deutlicher, als es auf den hundert Seiten davor der Fall war.

3. Kann man bewusst selektieren und trotzdem das Gesamtbild im Auge behalten?

Angesichts der Komplexität von Ricœurs Theorie ist die Spannung zwischen bewusster Selektion und der Aufrechterhaltung der Zusammenhänge substantiell. Jeder Kommentar zu Ricœurs Theorie lebt von dieser Spannung, denn er bietet die Gelegenheit zur Vertiefung in einem Bereich. Gleichzeitig darf er jedoch die Aufzeichnung der Bezüge innerhalb des Gesamtwerks nicht vermissen lassen. Bewusst zu selektieren und zusammenzufassen gehört dazu, und Scharfenberg geht diesen Weg, indem er den Begriff der narrativen Identität als einen Leitfaden wählt, der ihn über unterschiedliche Bereiche von Ricœurs Theorie begleiten soll. Auf diesem Weg misslingt es Scharfenberg trotz erstaunlich präziser und klarer Formulierung eigener Thesen und Kritikpunkte zu den einzelnen Punkten, den Begriff der narrativen Identität konsequent in seine Untersuchung einzubinden. Die starke Aufspaltung des Blickwinkels geht auch bereits aus dem Inhaltsverzeichnis hervor, das sich über 6 (!) klein bedruckte Seiten erstreckt und den Inhalt der Monographie in teilweise ein- bis zweiseitige Abschnitte einteilt, die bis zur Ebene Sechs durchnummeriert sind.

4. Wie hält man die Richtung auf die Auslegungspraxis aufrecht?

Die letzte und wohl schwierigste von allen Aufgaben von Ricœur-Rezeption ist die, dem offenen Charakter von Ricœurs Theorie im Hinblick auf die Interpretationspraxis gerecht zu werden. Zeit und Erzählung legt ein beredtes Zeugnis davon ab, da Ricœur neben der Errichtung der theoretischen Konstruktion drei Romananalysen unternimmt, an denen er die Qualität der Zeiterfahrung in der Literatur konkret zeigen möchte. Vor diesem Hintergrund ist fragwürdig, ob es für eine Untersuchung seiner Theorie genügt, die Analysen ausführlich zu kommentieren; alternativ ließe sich versuchen die Thesen mit Beispielen zu belegen. Scharfenberg gelingt es nur punktuell, wenn er seine Erweiterung von Ricœurs Theorie durch "eine Typologie in Bezug auf die Relation zwischen der Identität der Figur und der des Lesers" mit einigen literarischen Beispielen belegt (S. 353 ff.); oder eben in einem weiteren Kapitel die Rezeption von Goethes Werther anspricht (S. 361).

Fazit

Die Untersuchung Scharfenbergs kann als eine verlässliche Einführung in die philosophischen Implikationen von Ricœurs Theorie dienen. Dank der systematischen Betrachtung der Beeinflussung derselben durch andere Theorien und Konzepte, werden darüber hinaus wertvolle Hinweise für die Interpretation gegeben. Die Untersuchung zeichnet sich durch eine eigenständige Vision von Ricœurs Theorie aus, bei der einzelne Kritikpunkte und Korrekturen deutlich benannt werden. Die Notwendigkeit von Kürzungen wird dem Leser bereits angesichts des Inhaltsverzeichnisses klar, welches äußerst unübersichtlich ausfällt. Seinen Theorieentwurf mit Beispielen aus der Auslegungspraxis zu belegen, überlässt der Autor in einer professoralen Geste den anderen.

Scharfenberg, Stefan: Narrative Identität im Horizont der Zeitlichkeit. Zu Paul Ricœurs "Zeit und Erzählung". Würzburg: Königshausen & Neumann, 2011. 476 S., kartoniert, 74,80 Euro. ISBN: 978-3-8260-4039-9


Inhaltsverzeichnis

Einleitung     13

1. Die Aporetik der Zeitlichkeit    22

1.1    "Subjektive“ Zeit — das augustinische Konzept der distentio animi    23

1.1.1    Ontologische Negation und empirische Affirmation der Zeit    23
1.1.2    Die Wahrnehmung des Vorübergehenden    24
1.1.3    Die dreifache Gegenwart als distentio animi    25
1.1.4    Die Modi der Zeiterfahrung und die Dialektik der Gegenwart    28
1.1.5    Die Ewigkeit    31
1.1.6    Zur Kritik der augustinischen Zeitkonzeption    31

1.2    "Objektive“ Zeit — die aus der Bewegung generierte Zeit bei Aristoteles    35

1.2.1    Bewegung und Zeit    35
1.2.2    Zum Status des Jetzt    37
1.2.3    Die Dialektik von Jetzt und Gegenwart    38

1.3    Kants kritizistische Begründung der Transzendentalität der Zeit    40

1.3.1    Empirische Realität und transzendentale Idealität der Zeit — die transzendentale Ästhetik 40
1.3.2    Die Transzendentalität der Zeitbestimmung - der Schematismus    45
1.3.3    Schematisierte Kategorien — die Grundsätze des reinen Verstandes    47
1.3.3.1    Die Zeitreihe - die "Axiome der Anschauung“ 48
1.3.3.2    Der Zeitinhalt - die "Antizipationen der Wahrnehmung“ und die Kontinuität der Größen 49
1.3.3.3    Die Zeitordnung - die "Analogien der Erfahrung“ 52
1.3.3.3.1    Der Grundsatz der Beharrlichkeit der Substanz    53
1.3.3.3.2    Sukzession - das Gesetz der Kausalität    55
1.3.3.3.3    Gleichzeitigkeit - der Grundsatz des Zugleichseins nach dem Gesetz der Wechselwirkung bzw. Gemeinschaft    56
1.3.3.4    Der Zeitinbegriff — die Postulate des empirischen Denkens    58
1.3.4    Resümee: Die Transzendentalität der Zeit und die Endlichkeit der Erfahrung    59

1.4    Das Zeitigen der Zeitlichkeit — Heideggers Konzeption der Zeitlichkeit als Horizont des Seinsverständnisses    62

1.4.1    Vom Bewusstsein zum Dasein    63
1.4.2    Das In-der-Welt-sein    64
1.4.3    Die Sorge    67
1.4.4    Der Tod und das Dasein     68
1.4.5    Die vorlaufende Entschlossenheit als "eigentliches“ Sein zum Tode und die ursprüngliche Schuld     71
1.4.6    Sorge und Zeitlichkeit    76
1.4.7    "Alltägliche“ und "eigentliche“ Zeitigung    78
1.4.8    Die Geschichtlichkeit    81
1.4.8.1    Die Wiederholung    84
1.4.8.2    Geschichtlichkeit, Geschichte und Historie    85
1.4.9    Innerzeitigkeit - die Zeit als "Behälter“    88
1.4.10    Die "vulgäre“ Zeitauffassung    92
1.4.11    Resümee: Der Horizont der Zeitlichkeit    94
1.4.11.1    Kritik der ricoeurschen Heidegger-Darstellung    94
1.4.11.2    Die Medialität der Zeitlichkeit für das In-der-Welt-sein    96
1.4.11.3     "Handeln“ als "Umgang“ mit innerweltlich Seiendem im Zeichen der Endlichkeit 98

1.5 Resümee: Die Medialität der Zeit und der Status der Gegenwart    100

1.5.1    Jenseits von "subjektiver“ und "objektiver“ Zeit     100
1.5.2    Transzendentalität und Medialität der Zeit    102
1.5.3    Die Gegenwart    104
1.5.3.1    Das Schema der Gegenwart    105
1.5.3.2    Ungleichzeitige Gleichzeitigkeit - die Gegenwart als Ekstase    106
1.5.3.3    Die Ekstatik der Gegenwart und die Wiederholung    110
1.5.4    Schluss: Die "Aporetik der Zeitlichkeit“    113


2    Die präfigurierte Handlungswelt und die historische Zeit (Mimesis I)    115


2.1    Die symbolische Präfiguration der kulturellen Sphäre    115
2.1.1    Die Semantik der Handlung    116
2.1.2    Handlungsimmanente Symbolik    117
2.2    Die historische Zeit    121
2.2.1    Der Kalender — die gezählte Zeit    123
2.2.2    Zeitgenossenschaft und Generationenfolge — zur Synchronie und Diachronie in der sozialen Sphäre      124
2.2.3    "Geschichtlichkeit“ bei Ricoeur und Heidegger    128


3    Die Poetik der Erzählung (Mimesis II)    136


3.1    Die narrative Konfiguration            136
3.1.1    Die Frage nach den konstitutionellen Merkmalen der narrativen Konfiguration 136
3.1.2    Mimesis und Mythos — die Begründung des Strukturmodells der Narration im Rekurs auf die aristotelische Poetik    137

3.2    Hermeneutik und Strukturalismus (Systematischer Exkurs)    142

3.2.1    Der strukturalistische Ansatz    143
3.2.1.1    Methodische Prämissen    143
3.2.1.2    "Synchronie“ und die Frage nach der Geschichte    144
3.2.1.3    Ricœurs Problematisierung des Strukturalismus    145
3.2.2    Der "Umweg“ der Hermeneutik    147
3.2.2.1    Der "lange Weg der Interpretation der Zeichen“    147
3.2.2.2    Das "Objektive“ und das "Existenzielle“    151
3.2.3    Von der "Struktur“ zur "Rede“ — der "Mechanismus der Sprache“ und die Hierarchie der sprachlichen Ebenen    152
3.2.3.1    Das Wort als Vermittler zwischen langue und parole    153
3.2.3.2    Der Satz    154
3.2.3.2.1    Der Satz als semantische Einheit    154
3.2.3.2.2    Die "geregelte Polysemie“            155
3.2.3.2.3    Satz und Referenz    157
3.2.3.2.4    Emergenz, Panchronie und geschichtliche Prägung    158
3.2.3.3    Der Diskurs    161
3.2.4    Verstehen und Erklären     163
3.2.4.1    Vom Verstehen zum Erklären    163
3.2.4.2    Vom Erklären zum Verstehen    165
3.2.4.3    Die Interpretation als integraler Zusammenhang von Verstehen und Erklären    168
3.2.5    Zur Komplementarität von Hermeneutik und Strukturalismus    170
3.2.5.1    Interdependenz von Hermeneutik und Strukturalismus    170
3.2.5.2    Das Primat der Hermeneutik gegenüber dem Strukturalismus    171
3.2.5.3    Geschichte und Interpretation    173
3.2.5.3.1    "Diachronie“ versus "Geschichte“ 173
3.2.5.3.2    "Zeit der Überlieferung“, "Zeit der Interpretation“ und "Zeit des Sinnes“ 176

3.3    Strukturale Narratologie 178

3.3.1 Der Ansatz der strukturalen Narratologie    178
3.3.2 Die Narration als Gegenstand in der strukturalen Analyse    180
3.3.2.1    Paradigma und Syntagma, narrative Elemente und Diskurs 180
3.3.2.2    Vom synchronen Paradigma zum diachronen narrativen Syntagma — strukturale Erklärungsmodelle    182
3.3.2.2.1    Propps Analyse des russischen Zaubermärchens    182
3.3.2.2.2    Bremonds Inventarisierung narrativer "Rollen“    185
3.3.2.2.3    Die Aktanten-Logik bei Greimas  186
3.3.2.2.4    Die Exklusion der narrativen Zeit bei Barthes    189
3.3.2.2.5    Todorovs Analyse der Kausalität 191
3.3.2.2.6    Zusammenfassung der strukturalen Erklärungsansätze    192

3.4    Von der logifizierten Narration zur Erzählung als "Synthesis des Heterogenen“ — der narrative Diskurs im Sinne Ricœurs 192

3.4.1    Strukturale Narratologie versus Texthermeneutik der Erzählung — zur Ambivalenz des "Diskurs“-Begriffes 193
3.4.2    Die Konstitutionslogik des narrativen Diskurses    195
3.4.2.1    Zum Verhältnis von parole und langue im narrativen Diskurs 195
3.4.2.2    Die Erzählung als "Synthesis des Heterogenen“    197
3.4.2.3    Konfigurative Synthesis versus Synthesis des Sinns 200
3.4.2.4    Zu Ricœurs Adaption der aristotelischen Poetik     203
3.4.3    Konsequenzen für die Betrachtung des narrativen Diskurses (Mimesis II) im Zusammenhang der dreifachen Mimesis 205

3.5    Narrativer Diskurs und Zeitlichkeit 206

3.5.1    Erzählzeit und erzählte Zeit — "Spiele mit der Zeit“    207

3.5.1.1    Von der Gegenwart des Diskurses zur zeitlichen Totalität der Erzählung    207
3.5.1.1.1    Die Produktionsästhetik des narrativen Diskurses    207
3.5.1.1.2    Autor und Erzähler    210
3.5.1.1.3    Die fiktive Vergangenheit der Fiktion    213
3.5.1.1.4    Die erzählte Zeit als interpretierte Zeit    218
3.5.1.2    Erzählzeit und erzählte Zeit innerhalb der "Welt des Textes“    222
3.5.1.2.1    Variationen des Verhältnisses von "Erzählzeit“ und "erzählter Zeit“    223
3.5.1.2.1.1    Dauer    224
3.5.1.2.1.2    Ordnung 226
3.5.1.2.1.3    Frequenz 227
3.5.1.2.2    Von der Quantifizierung zur Qualifizierung der narrativen Zeit    228
3.5.1.2.2.1    Erzähltechnik versus Zeiterfahrung    228
3.5.1.2.2.2    Ricœurs Lesart zu Marcel Prousts Recherche    230
3.5.1.2.2.3    Kontrastierung der Lesarten der Recherche bei Genette und Ricoeur    233
3.5.1.2.3    Resümee: Von der Quantität zur Qualität der erzählten Zeit    234
3.5.1.3        Erzählperspektivik und Zeitlichkeit — die zeitlichen Implikationen des Verhältnisses zwischen Erzähler und Figur    236
3.5.1.3.1    Die Typologie der Erzählperspektiven bei F. K. Stanzel    237
3.5.1.3.2    Fiktive Gegenwart von Erzähler und Figuren — zu Ricœurs Kritik an Stanzels Modell 240

3.5.2        Handlungsfigur, Handlung und fiktive Zeiterfahrung    242

3.5.2.1        Figur und Handlung    243
3.5.2.1.1    Subordination der Figur unter die Handlung bei Aristoteles und in der strukturalen Narratologie    243
3.5.2.1.2    Aufwertung der fiktiven Subjektivität in der nicht-strukturalistischen Erzähltheorie 246
3.5.2.1.3    Ricœurs Konzeption der wechselseitigen Konstitution von Figur und Handlung    248
3.5.2.2        Die zeitlichen Implikationen des Verhältnisses von Figur und Handlung    249
3.5.2.2        Die zeitlichen Implikationen des Verhältnisses von Figur und Handlung    249
3.5.2.2.1    Dynamische Identität der Figur und Zeitlichkeit    249
3.5.2.2.2    Die Modi narrativer Wiederholung — Ricœurs Rekurs auf die Hierarchie der Modi des Zeitigens bei Heidegger     252
3.5.2.3        "Fabeln von der Zeit“    255
3.5.2.3.1    Die fiktive Zeiterfahrung in Thomas Manns "Der Zauberberg“    255
3.5.2.3.1.1    "Der Zauberberg“ als "Zeitroman“    255
3.5.2.3.1.2    Der Prozess der "Entzeitlichung“ und Castorps zentrale Zeiterfahrungen 257
3.5.2.3.1.3    Fiktive Zeiterfahrung und erzählte Zeit im Zauberberg    263
3.5.2.3.2    Zum Status der fiktiven Zeiterfahrung in den "Fabeln von der Zeit“    270
3.5.2.3.2.1    Kritik der ricœurschen Qualifizierung der zeitlichen Implikationen der "Fabeln von der Zeit“    271
3.5.2.3.2.2    Zum Begriff der "fiktiven Zeiterfahrung“    274
3.5.2.3.2.3    Fiktive Zeiterfahrung und die heideggersche Hierarchie der Modi der Zeitlichkeit 276
3.5.2.3.2.4    "Fabeln von der Zeit“ als radialste Variante narrativer Wiederholung    279
3.5.2.4        Die fiktive Zeiterfahrung - zwischen Repetition und Wiederholung    281
3.5.2.4.1    Zur Ambivalenz des Begriffes der "Wiederholung“ bei Ricœur    281
3.5.2.4.2    Repetition und Wiederholung    283
3.5.2.4.3    Figur, Handlung und Zeitlichkeit    284
3.5.3 Zusammenfassung: Die zeitlichen Implikationen der "Welt des Textes“    285

4 Sinnkonstitution der Erzählung, Refiguration und narrative Identität (Mimesis III)    289

4.1    Lektüre und Refiguration    290
4.1.1    Lektüre als "Suche nach Kohärenz“    290
4.1.2    Problematisierung der ricœurschen Lektüre-Theorie    292

4.2    Die Interpretation von Erzählungen als Dialektik von Erklären und Verstehen    294
4.2.1    Zur Analogie zwischen Text- und Handlungsinterpretation    295
4.2.1.1    Text und narrative Handlungskonfiguration    295
4.2.1.2    Text- und Handlungsinterpretation    297
4.2.2    Dialektik von strukturalem Erklären und hermeneutischem Verstehen    299
4.2.2.1    Strukturales Erklären    299
4.2.2.1.1    Autoexpikativität der Erzählung     299
4.2.2.1.2    Handlung und Kontext — die "geregelte Kontingenz“    300
4.2.2.1.3    Erzählen als Erklären    302
4.2.2.2        Narratives Verstehen    304
4.2.2.2.1    Intentionalität der Handlung und teleologische Interpretation    304
4.2.2.2.2    Kausalität und Teleologie    305
4.2.2.2.3    Narratives Verstehen als teleologisches Urteilen    308
4.2.2.2.4    Narratives Verstehen als praktisches Verstehen - die Transzendentalität der Handlungssemantik    310
4.2.2.3    Zusammenfassung: Interpretation als Dialektik von Erklären und Verstehen    311

4.3    Erzählung als Synthesis des Heterogenen und Interpretation    312
4.3.1    Ereignis und Geschichte    312
4.3.2    "Wettstreit“ zwischen episodischer und konfigurativer Zeitdimension    314
4.3.3    Zwischen Affirmation und Subversion - zur Korrelation zwischen Handlungsdiskurs und Interpretation    317
4.3.3.1 Affirmation der Suche nach Kohärenz    318
4.3.3.1.1    Narrative Handlungsschemata    318
4.3.3.1.2    Narratives Verstehen und kulturelle Handlungswelt    320
4.3.3.1.3    Handlungsschemata und Interpretation            323
4.3.3.1.4    Interpretation als Erinnerung des Bekannten    328
4.3.3.1.5    Zusammenfassung: "Mehr erklären heißt besser Verstehen“    329
4.3.3.2    Subversion der Suche nach Kohärenz    330
4.3.3.2.1    Konfigurationsverlust    330
4.3.3.2.2    "Fabeln von der Zeit“ als Modell    331
4.3.3.2.3    "Fabeln von der Zeit“ und Interpretation    333
4.3.3.2.4    Subversion der Suche nach Kohärenz als Wiederholung existenzialer Unbestimmtheit 335
4.3.3.3    Zusammenfassung: Zur Korrelation zwischen Qualität des Handlungsdiskurses und Interpretation    335

4.4    Refiguration und narrative Identität    336
4.4.1    Zum Begriff des "Selbst“    337
4.4.1.1    Selbigkeit und Selbstheit    337
4.4.1.2    Die "Sorge“ als "Selbst“      339
4.4.1.3    Personale Identität als Dialektik von Selbigkeit und Selbstheit    342
4.4.1.4    "Selbst“ und Erzählung — die narrative Identität    343
4.4.1.5    Exkurs: Zur Problematik der "Gemeinschaft“ bei Ricœur    347
4.4.2    Der Prozess der Identifikation    348
4.4.2.1    Die Erzählung als Identifikationsangebot    348
4.4.2.2    Narrative Identität der Handlungsfigur und Identifikation    349
4.4.2.2.1    Zur Konstitution der narrativen Identität der Handlungsfigur    349
4.4.2.2.2    Analogie der Konstitution narrativer Identität in Bezug auf Handlungsfigur und Selbst 350
4.4.2.3    Zur Heterogenität narrativer Identitätsmodelle    351
4.4.2.3.1    Stabile Identität der Figur und Identifikation    351
4.4.2.3.2    Identitätsverlust der Figur und Identifikation    353
4.4.2.3.3    Zusammenfassung: Identität der Handlungsfigur und Identifikation    356

4.5    Resümee: Die Interpretation als Refigurationsvorgang und die narrative Identität    358
4.5.1    Zum Begriff der "Refiguration“    358
4.5.2    Refiguration des Selbst - Applikation und narrative Identität    359

5 Narrative Identität im Horizont der Zeitlichkeit — der Kreislauf der Mimesis (Mimesis I-III)    364


5.1 Die Frage nach der narrativen Identität im Kontext der Geschichtlichkeit    364

5.2. Geschichte und Erzählung    366
5.2.1 Referenz und Refiguration    366
5.2.2    Vergangenheit und historische Erzählung    369
5.2.2.1    Die epistemologische Problematik des Nachvollzuges der historischen Vergangenheit     369
5.2.2.1.1    Zur Gegenwärtigkeit der Vergangenheit - das Paradox der Spur    370
5.2.2.1.2    Modi des Nachvollzuges des Vergangenen    375
5.2.2.1.2.1    "Identischer“ Nachvollzug im Zeichen des Selben    375
5.2.2.1.2.2    Nachvollzug im Zeichen des Anderen    377
5.2.2.1.2.3    Analoger Nachvollzug - zum Status der Repräsentanz    379
5.2.2.2    Die historische Erzählung — Erzählen als Erklären    383
5.2.3    Die "Oberkreuzung“ von historischer und fiktionaler Erzählung    385
5.2.3.1 Fiktionalisierung der Historie    386
5.2.3.2    Historisierung der Fiktion    388
5.2.3.3 Resümee: "Überkreuzung“ von Geschichte und Fiktion — die "poetisierte“ Geschichte    389

5.3 Zeitliche Aporetik und narrative Identität    391


About Stefan Scharfenberg's  way of reading Paul Ricœurs's  "Time and narration"

The work “Time and narration” of the French hermeneutics scholar Paul Ricœur has scarcely been recognized in Germany. Taking into consideration its limited status of acceptance a critical analysis of Ricœur's  theory is extremely welcome, especially because this analysis is dedicated to one of the least considered parts  – the concept of the narrative identity. The author's main purpose is to raise the concept of the narrative identity which only appears in the conclusions of the third volume, “to a systematic leading concept of an analysis of time and narration” (page 18). There is no doubt that such a leading concept is needed, given the substantial intellectual and conceptual  broadness of time and narration. In view of the approach of the author it seems to be questionable whether such concept of the narrative identity is stable for this; it requires detailed Prolegomena of more than 250 pages before the notion of the narrative identity is directly used.  Nevertheless the analysis can be recommended as a valuable and critical comment for all who are interested in it.


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