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Fantasietiere und forschendes Lernen. Projekte im Fremdsprachenunterricht

Eine Rezension von Katrin Biebighäuser

Wicke, Rainer E.: Aufgabenorientiertes und projektorientiertes Lernen im DaF-Unterricht. Genese und Entwicklung. München: iudicium, 2012.

Aufgabenorientierung ist in der Fremdsprachendidaktik derzeit das Schlagwort, wenn es um effektiven Unterricht geht, der von Lernern die Anwendung der Fremdsprache in authentischen und für sie relevanten Anwendungssituationen fordert. Zur Entstehung und Entwicklung des Konzeptes im angloamerikanischen und bundesrepublikanischen Raum hat Rainer E. Wicke jetzt diese Monographie vorgelegt. Sie stellt zudem exemplarische Projekte aus seiner langjährigen Praxisarbeit dar. Da Wicke sich vor allem auf Projekte aus seinem Kontext bezieht, kann das Buch keine komplette Übersicht des aufgabenorientierten Ansatzes in Deutschland bieten, wie der Titel vielleicht glauben macht. Es bietet allerdings schöne Modellprojekte, die Lehrenden neue Impulse für ihren Unterricht liefern können. 


Rainer E. Wicke hat jahrelang als Lehrerfortbilder und Lehrer gearbeitet und verfügt damit sowohl über theoretische wie auch praktische Berufserfahrung im Bereich des Fremdsprachenunterrichts. Nun legt er mit Aufgabenorientiertes und projektorientiertes Lernen im DaF-Unterricht. Genese und Entwicklung seine Dissertation vor. Sein Anliegen war, zu untersuchen, "welchen Veränderungen der Fremdsprachenunterricht seit Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung erster Formen des aufgabenorientierten und projektorientierten Lernens unterworfen wurde" (S. 9).
Dieses Ziel versucht Wicke zu erreichen, indem er zum einen hermeneutisch vorgeht und Quellen zur Entwicklung des kommunikativen Ansatzes und der Rolle authentischer Aufgaben im Fremdsprachenunterricht auswertet. Zum anderen untersucht Wicke die Einflüsse des Hessischen Instituts für Lehrerfortbildung (HILf) zur Weiterentwicklung des kommunikativen Fremdsprachenunterrichts, da seiner These nach "von dem HILf  wichtige Impulse zur Gestaltung eines schülerzentrierten, handlungs- und projektorientierten Lernens im Fremdsprachenunterricht ausgingen" (S. 12).

Im ersten Kapitel untersucht Wicke, welche Faktoren "in unterschiedlichen Ländern und Regionen die Einführung des pragmadidaktischen Konzeptes beeinflussen" (S. 10). Dabei beschränken sich die untersuchten Länder auf den angloamerikanischen Raum und die Bundesrepublik Deutschland. Hier zeigt der Autor überzeugend und gelungen die unterschiedliche Schwerpunktsetzung der Argumentation zur Einführung des kommunikativen Unterrichtes. Diese war in den USA und Großbritannien vor allem funktional gestaltet und ging von britischen Linguisten aus, wobei Hymes (1971) die Urheberschaft des Begriffes kommunikative Kompetenz zugesprochen wird.
Die angloamerikanische Diskussion um kommunikative Kompetenz werde immer wieder als Ursprung des kommunikativen Ansatzes gesehen; Wicke zeigt aber auf, dass es parallel dazu auch in der Bundesrepublik Entwicklungen im Bereich des kommunikativen Fremdsprachenunterrichtes gegeben hat. Diese wurden maßgeblich von Hans-Eberhard Piepho geprägt, dessen Bezug zu Habermas (vgl. S. 20) sowie zur angloamerikanischen Debatte der Autor herausarbeitet.
Wicke erklärt die differierenden Intentionen des kommunikativen Ansatzes in den USA und Deutschland mit bildungspolitischen Entscheidungen der Bundesrepublik. Durch die Einführung des verpflichtenden Fremdsprachenunterrichts für alle Schüler und Schulformen in den sechziger Jahren habe sich der Erwerb einer Fremdsprache den lebensweltlichen Bedürfnissen der Lerner aller Bildungsschichten anpassen müssen.
Hieraus resultierend wurde die kommunikative Kompetenz in Westdeutschland von Piepho stärker soziologisch betrachtet: Sie sollte die Emanzipation der Lerner stärken und vor allem die kritische Artikulation eigener Ansichten und Bedürfnisse befördern.

Die Arbeit von Wicke ist zwar auf das Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF) ausgerichtet, allerdings verweist er immer wieder auf den Englischunterricht, aus dem maßgebliche Entwicklungen Eingang in die Diskussion für DaF gefunden haben.
Im anschließenden zweiten Kapitel beschreibt Wicke die Fortentwicklung des kommunikativen Ansatzes im Konzept des aufgabenorientierten Lernens. Hier stellt er ebenfalls einen angelsächsisch-bundesdeutschen Vergleich an, allerdings innerhalb der Englischdidaktik.
Im dritten Kapitel folgt dann der Überblick über die Entwicklungen im Fach Deutsch als Fremdsprache. Konkret auf den DaF- Unterricht bezogen sieht Wicke die Weiterentwicklung hin zum kommunikativen Fremdsprachenunterricht vor allem geprägt durch die Goethe-Institute sowie die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, die nach Wicke mit ihrem Jugendmagazin erstmals authentische Materialien in DaF-Klassenzimmer auf der ganzen Welt brachten. Außerdem sieht Wicke auch die seit 1970 gegründeten Institute an einzelnen deutschen Hochschulen und das HILf, Fachgebiet Neue Sprachen, als wichtig für die Entwicklung das Faches Deutsch als Fremdsprache an (S. 111).

Im Anschluss stellt Wicke anhand seiner eigenen Praxiserfahrungen in Kanada und Tschechien Projekte eines aufgabenorientierten DaF-Unterrichts vor. Er beschreibt zum einen kleine Unterrichtseinheiten, in denen aus zerschnittenen Tierbildern von den Schülern neue Tiere generiert werden. Im Anschluss werden die fiktiven Lebensgewohnheiten der Tiere dann von den Schülern konstruiert und mit den Bildern auf ein Plakat gebracht. Zum anderen finden sich auch größere Projekte bei Wicke, so wird beispielsweise eine Spurensuche zu deutscher Kultur innerhalb der Heimatstadt der Studierenden vorgestellt.
Auch die Genese des aufgabenorientierten Ansatzes innerhalb dieser Länder wird vom Autor nachgezeichnet. Systematisch schildert er die Bedeutung verschiedener Akteure, wirtschaftlicher Überlegungen und politischer Rahmenrichtlinien für die Situation in Kanada und Tschechien. Es wird deutlich, dass, obwohl beide Länder über sehr unterschiedliche Lerntraditionen verfügten, in beiden Ländern die Entwicklung des aufgabenorientierten Ansatzes gelang. Dabei hebt Wicke immer wieder die Bedeutung des HILf hervor, da dieses für die Weiterbildung der an deutschen Schulen im Ausland tätigen Lehrer die zentrale Weiterbildungsinstitution gewesen sei.

Es ist ein wenig kurz gegriffen, dass Wicke das HILf derart stark fokussiert. Er begründet dies mit der herausgehobenen Bedeutung des HILf, welche er mit dem Zitat von Legutke/Schocker-von Ditfurth (2003, 3) belegt, die das HILf als "eine[n] der zentralen Knotenpunkte eines internationalen Netzwerkes" bezeichnen, das sich dem kommunikativen Fremdsprachenunterricht widmete. Die Verdienste des HILfs möchte ich nicht schmälern, allerdings sprechen Legutke und Schocker-von Ditfurth hier von einem, nicht von dem Knotenpunkt des Netzwerkes. Zum anderen findet sich dieses Zitat in der Festschrift für Christoph Edelhoff, der als Leiter des Fachbereichs Neue Sprachen im Hessischen Institut für Lehrerfortbildung tätig war. Es ist damit womöglich vorrangig Würdigung des Jubilars und weniger Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen.

Damit bleibt das Buch im zweiten Teil eine Zusammenstellung der Aktivitäten und Erfahrungen Wickes im Bereich des aufgabenorientierten Deutsch-als-Fremdsprach-Unterrichts.
Nichtsdestotrotz bietet der Band durch die konsistente Darstellung der didaktischen Entwicklungslinien des DaF-Unterrichts für Alberta/Kanada und Brno/Tschechien einen Einblick in die Genese des aufgabenorientierten Unterrichts in diesen beiden Regionen. Darüber hinaus erhalten Praktiker durch die aufgezeigten Projekte interessante Impulse für die eigene Unterrichtstätigkeit.


Wicke, Rainer E.: Aufgabenorientiertes und projektorientiertes Lernen im DaF-Unterricht. Genese und Entwicklung. München: Iudicium, 2012. 292 S., EUR 42,00. ISBN 978-3-86205-089-5


Inhaltsverzeichnis


Einleitung 9

1.    Die Entwicklung des kommunikativen Ansatzes in der Fremdsprachendidaktik 16
1.1.    Die Entwicklung im angelsächsischen Raum 16
1.2.    Die Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland 20
1.3.    Die Diskussion des kommunikativen Ansatzes im angelsächsischen und im bundesdeutschen Raum – Unterschiede und Gemeinsamkeiten 27

2.    Das aufgabenorientierte Lernen – eine Weiterentwicklung des kommunikativen Ansatzes 29
2.1.    Die Entwicklung des aufgabenorientierten Lernens in der angelsächsischen Literatur 29
2.2.    Definitionen des Task Based Language Learning in der angelsächsischen Literatur 32
2.3.    Von der Lehrwerksanalyse zur Übungstypologie – die Entwicklung des aufgabenorientierten Lernens in der Bundesrepublik Deutschland 39
2.3.1.    Neue Wege durch Classroom Discourse-Listen und Baukästen 39
2.3.2.    Die Entstehung von Medienverbünden 54
2.4.    Die Weiterentwicklung des aufgabenorientierten  Lernens im handlungsorientierten und schülerzentrierten Projektunterricht 63
2.4.1.    Formen aufgaben-und projektorientierten Lernens in der Lehrerfortbildung 63
2.4.2.    Das Projekt Airport – ein Modell 70
2.4.3.    Literarische Texte und aufgabenorientiertes Lernen  im Fremdsprachenunterricht Englisch 73
2.4.4.    Der Einsatz von Ganzschriften im kommunikativen Englischunterricht 89
2.4.5.    Dramenpädagogische Arbeit im Englischunterricht 99
2.4.6.    Geschichtenerzählen im Fremdsprachenunterricht 103

3.    Die Entwicklung im Fach Deutsch als Fremdsprache 108
3.1.    Anfänge, Lehrwerke und Übungstypologie 108
3.2.    Die Neuorientierung in der methodisch-didaktischen Diskussion des DaF-Unterrichts 129
3.2.1.    Impulse aus der Fort- und Weiterbildung zur Landeskunde des Goethe-Instituts 129
3.2.2.    Neue Ansätze in der Literaturdidaktik 134
3.2.3.    Die Umsetzung der rezeptionsästhetischen Literaturunterrichts in der Praxis an kanadischen Schulen 138
3.2.4.    Literarische Texte und aufgabenorientiertes Lernen im Regelunterricht DaF an tschechischen Schulen 147
3.2.5.    Das Jugendmagazin als Instrument der interkulturellen Kommunikation 154

4.    Die Umsetzung eines kommunikativ-pragmatischen Deutsch-als-Fremdspracheunterrichts an kanadischen Schulen – eine Fallstudie 167
4.1.    Der Stellenwert der deutschen Sprache in Alberta 168
4.2.    Entwicklung des aufgabenorientierten Lernens im DaF-Unterricht kanadischer Schulen 172
4.3.    Die Entwicklung von praxisorientierten Beratungsinstrumenten im Bereich des aufgabenorientierten Lernens 175
4.3.1.    Das Ich-Buch als Vorläufer eines Sprachenportfolios 175
4.4.    "Deutsch um die Ecke" – erste Ansätze zur Öffnung des DaF-Unterrichts nach außen an kanadischen Schulen 182
4.5.    Der Aufbau von direkten Kontakten zu deutschsprachigen Ländern Europas aus der Ferne 196

5.    Aufgabenorientiertes Lernen in Vorbereitungs- und Fortbildungsmaßnahmen der ZfA 215

6.    Der Perspektivenwechsel im DaF-Unterricht 228

7.    Curriculare Entwicklungsarbeit in der Tschechischen Republik 235
7.1.    Voraussetzungen für die Arbeit mit dem Rahmenlehrplan DaF der KMK am Beispiel Tschechiens 235
7.2.    Kommunikativ-interaktionale Ansätze als Gegenstand der Lehrerfortbildung in Tschechien 240
7.3.    Die Umsetzung des aufgabenorientierten Lernens in der schulischen Praxis in Tschechien 245
7.3.1.    Aufgabenorientiertes oder Kooperatives Lernen? 245
7.3.2.    Die Politik der kleinen Schritte Mikroprojekte im Regelunterricht 248
7.3.3.    Makroprojekte als wesentlicher Bestandteil des aufgabenorientierten Lernens 256

8.    Ergebnisse, Perspektiven und offene Fragen 265

9.    Literatur / Materialien 271


Fantasy Animals and Explorative Learning: Projects in Second Language Acquisition

The concept of Task-Based Language Learning (TBLL) is very popular in all second-language acquisition pedagogies because it enables the learner to use the new language in authentic and relevant situations. With this book, Rainer E. Wicke gives an overview of the development of the concept of TBLL in the Anglo-American discussion as well as in Germany. In addition it presents some projects from his work as a language teacher which illustrate the use of TBLL. The book does not give a complete overview of TBLL in German as a foreign language, but describes some inspiring projects for the foreign language classroom.


© bei der Autorin und bei KULT_online