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Bild, Film, Mimik und mehr - visuelle Phänomene zum Nachschlagen

Eine Rezension von Stephanie Nickel

Petersen, Thomas; Schwender, Clemens (Hg.): Die Entschlüsselung der Bilder. Methoden zur Erforschung visueller Kommunikation. Köln: Halem, 2011.

Die visuelle Kommunikation ist ein Forschungsfeld größter Heterogenität in Bezug auf die Provenienz ihrer Vertreter wie auch der Forschungsmethoden. Der vorliegende Sammelband vereint Ansätze aus Kommunikationswissenschaft, Medienforschung, Psychologie, Publizistik, Geschichte sowie Germanistik. Dabei unterscheidet er zwischen qualitativen und quantitativen Verfahren wie auch Materialgenese und -analyse. Hat sich der Charakter des Sammelbandes erst einmal erschlossen, ist er eine Fundgrube von Ideen und Methoden mit verblüffender Detailtiefe. 


Bildlichkeit boomt. Visualität und Visualisierung bestimmen weitestgehend den Lebensalltag. Nicht nur empirische Kulturwissenschaften müssen dieser Häufung Rechnung tragen und dabei ihre Forschungen um diesen Aspekt in Methode und Analyse erweitern. Eine Orientierung bietet das vorliegende Handbuch, welches sich auch als Vermittler versteht.

Das Sammelwerk gliedert sich in eine ausführliche, fachhistorisch fundierte Einleitung (I) – die als Einführung in die Visuelle Kommunikation verstanden werden kann und bereits für sich stehen könnte – und drei Schwerpunkte: qualitative, interpretative Ansätze (II), quantitative Bildinhaltsforschung (III) sowie Wirkungs- und Rezeptionsforschung (IV). Letztendlich geht es aber einerseits um Bildinhalt (II und III), andererseits um Bildwirkung (IV). Hat man diese nicht gerade offensichtliche Struktur verstanden, erschließt sich der Handbuchcharakter mit einem verblüffenden Facettenreichtum und einer Detaildichte, die trotzdem Überblick und Übertragbarkeit zulassen.

Ein Beispiel hierzu lässt sich im Beitrag des Co-Herausgebers Clemens Schwender zur Bewegtbildanalyse (S. 87-101) finden: Auf nicht mal einer Seite kann Schwender den Kameraperspektiven technisch erläutern und funktional übertragen. Darüber hinaus stellt er die Übertragbarkeit auf Fotografien und Zeichnungen her und plausibilisiert zudem den Kamerastandpunkt  als "metaphorischen Punkt der subjektiven Sichtweise" (S. 88). Der Artikel schult den Lesenden in prägnanter Kürze zu Kameraeinstellungen und filmisch erzeugten Distanzen sowie ihrer Wirkung und Wahrnehmung (vgl. S. 89-93). Dabei geht er auf alle entscheidenden Parameter der Erstellung des bewegten Bildes ein.

In ihrem Artikel Laborstudien: Fragebogen und visuelle Stimuli (S. 294-311) zeigen Frank Schwab und Astrid Carolus - beide Vertreter_Innen der Psychologie - den Prozess einer Fragebogenstudie auf und benennen deren Teilschritte (Auswahlverfahren, Fragebogengestaltung, Durchführung der Studie und Teilnehmerverhalten) mit ihren möglichen Fehlerquellen. Dabei orientieren Sie sich an dem Anspruch nach "maximale[r] Fehlerfreiheit der Messwerte" (S. 297). Nach diesem Überblick zeigen Schwab und Carolus die kognitiven Prozesse der Urteilsbildung von Probanden auf, die zur lesbaren Selbstauskunft führen. Es wird deutlich, dass der Urteilsprozess des Probanden durch die Art der Fragestellung und Wortwahl des Forschers beeinflusst wird und emotionalen Reaktionen unterliegt. Mit ihrem Beitrag wollen Schwab und Carolus vor allem für die Sozialwissenschaften bzw. die Erforschung Visueller Kommunikation einen Beitrag zur Fehlervermeidung leisten. Man könnte den Aufsatz als einen Appell an den empirischen Forscher verstehen, auch bei quantitativen Erhebungen den anderen stets mitzudenken und eine Studie nicht ohne Selbstreflexivität bzw. Sprachgefühl zu konzipieren. Mit diesem Beitrag aus der Psychologie (aber auch anderen) erhält der Sammelband eine erfreulich kommunikative Note und lässt echtes Interesse an Interdisziplinärität spüren.

Das Sammelwerk ergänzt die bisherigen einschlägigen Publikationen zur Visuellen Kommunikation: Während die bisherigen Monographien auf kulturelle Bedeutung von Bildern abhoben (Die kulturelle Bedeutung von Bildern (1997) von Andreas Schelske), theoretische Konzepte herausstellten (Jürgen Raab: Visuelle Wissenssoziologie (2008)), entwarfen (Roswitha Breckner: Sozialtheorie des Bildes (2010)) oder die Thematik im Fach verorteten (Visuelle Kommunikationsforschung (2012) von Katharina Lobinger), ist hier ein Werk zu finden, das den Facettenreichtum von Erhebungs- und Analysemethodik in maximaler interdisziplinärer Weite vertritt. In dieser breiten Aufstellung werden Methoden in einer Detaildichte vorstellt, die es erlaubt sie für Projekte zu prüfen und eigene Facetten zu entwickeln. Hierfür finden sich im jeweiligen Aufsatz Verweise auf zentrale theoretische Grundlagen und relevante Basisliteratur. Die Literaturverzeichnisse der einzelnen Beiträge befinden sich gebündelt im Anhang. Die Sortierung der Bibliographien nach Beiträgen und damit auch grob nach methodischem Ansatz  trägt zur Einheitlichkeit des Sammelbandes bei. Allerdings stört diese Sortierung bei der Nutzung des Werkes als Handbuch. Das straffe Register (Sach- und Personenregister in einem) bietet gute Orientierung. So lässt sich das Buch nach der ersten Hürde des Erschließens seiner Systematik und über das Register effizient nutzen.

Das Ziel, sich an Leser jeder Qualifikationsstufe zu richten und möglichst im Ganzen gelesen zu werden (Petersen und Schwender in der Einleitung, S. 26), wird in der Praxis nicht immer erreicht: Gerade Beiträge, die sich mathematischer oder technischer Argumente bedienen, schrecken durch Fachbegriffe oder Formeln ab (z.B. Kap. 11 Untersuchung der mimischen Kommunikation: Das Facial Action Coding System als Forschungsmethode S. 223-245). Das ist schade, denn gerade in der Vermittlung zwischen Methoden, respektive Disziplinen, liegt die Stärke der Visuellen Kommunikation und auch des Handbuchs als Vermittler.

Trotz dieser Wermutstropfen lohnt die Lektüre nicht nur für Themen- und Methodeninteressierte, die sich einen Überblick über die Visuelle Kommunikation verschaffen wollen, sondern auch allgemein zur Ideengenese und -schärfung bei eigenen Projekten.


Petersen, Thomas und Clemens Schwender (Hg.): Die Entschlüsselung der Bilder. Methoden zur Erforschung visueller Kommunikation. Ein Handbuch. Köln: Herbert von Halem Verlag, 2011. 503 S., gebunden, 36 Euro. ISBN: 978-3-86962-043-5


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 17

II. Die Erforschung des Bildinhalts – qualitative, interpretative Ansätze 27

1. Ikonografie und Ikonologie, visuelle Kontextanalyse, visuelles Framing (Marion G. Müller) 28
1.1 Ikonografie und Ikonologie 29
1.2 Visuelle Kontextanalyse 45
1.3 Visual Framing 53

2. Ikonologische Kontextanalyse (Annekatrin Bock, Holger Isermann und Thomas Knieper) 56
2.1 Der Prozess der Bildkommunikation 57
2.2 Die ikonologische Kontextanalyse 63
2.3 Exemplarische Analyse 64
2.4 Fazit 70

3. Comicanalyse: Bilder, Wörter und Sequenzen (Martin R. Herbers) 72
3.1 Comics in Alltag und Wissenschaft 72
3.2 Die Comicforschung: Disziplinen, Stoßrichtungen und Problemfelder 73
3.3 Zur Definition von Comics: Theoretische Basis und methodische Anforderungen 75
3.4 Die Methode der Comicanalyse 78

4. Bewegtbildanalyse (Clemens Schwender) 87
4.1 Der Kamerastandpunkt 88
4.2 Einstellungsgrößen 89
4.3 Kameraperspektive 93
4.4 Einstellungsdauer 95
4.5 Einstellungsübergang 96
4.6 Kamerablickwinkel 97
4.7 Bewegung 98
4.8 Bewegung der Kamera 99
4.9 Das Schnittprotokoll 100

5. Die Analyse von Text-Bild-Beziehungen in dokumentarischen
und journalistischen Filmen (Karl N. Renner) 102
5.1 Theoretischer Hintergrund 102
5.2 Syntaktische Korrelationen von Sprache und Bild 105
5.3 Semantisch-inhaltliche Zusammenhänge 111
5.4 Pragmatisch-funktionale Zusammenhänge 120
5.5 Ausblick 125

6. Analyse der Filmmontage (Andrea Gschwendtner) 127
6.1 Fokus der Analyseperspektive auf Bild- oder Tonmontage 128
6.2 Grundbausteine der Bildmontage 129
6.3 Zeitdarstellung durch Montage 130
6.4 Raumkonstruktion durch Montage 132
6.5 Bewegungsmontage 134
6.6 Blicke und Blickdramaturgie 135
6.7 Schnittrhythmus 137
6.8 Dramaturgie und Spannungsaufbau 138
6.9 Ausblick 143

III. Die Erforschung des Bildinhalts - Quantitative Verfahren 144

7. Quantitative Bildinhaltsanalyse (Elke Grittmann und Katharina Lobinger) 145
7.1 Das Bild im Kommunikationsprozess 147
7.2 Grundlagen und methodisches Vorgehen der quantitativen Inhaltsanalyse 149
7.3 Bildspezifische Kategorienbildung 152
7.4 Formale Bildkategorien 152
7.5 Inhaltliche Kategorien, Bildinhalte 156
7.6 Wertende Kategorien 159
7.7 Theoriegeleitete quantitative Bildinhaltsanalysen 160
7.8 Fazit 161

8. Quantitative Bildtypenanalyse (Elke Grittmann und Ilona Ammann) 163
8.1 Theoretische Grundlagen 165
8.2 Die Methode der quantitativen Bildtypenanalyse 168
8.3 Fazit 177

9. Die Erforschung der Rolle des Begleittextes im Fotojournalismus der Tagespresse (Ansgar Koch) 179
9.1 Formale Merkmale redaktioneller Bearbeitung in Bezug auf den Begleittext 181
9.2 Formale Merkmale redaktioneller Bearbeitung in Bezug auf das Bild-Text-Verhältnis 185
9.3 Inhaltliche/funktionale Aspekte des Begleittextes in Bezug auf das Foto 189
9.4 Elemente des Text-Bild-Bezuges als Grundlage zur Bestimmung von Stichprobe und Zähleinheit 194
9.5 Resümee 195

10. Die Korrespondenzanalyse zur Auswertung und Visualisierung inhaltsanalytischer Daten (Peter Hautz und Flavia Bleuel) 197
10.1 Geschichte der Korrespondenzanalyse 198
10.2 Kategoriale Daten - ein Beispiel 199
10.3 Kontingenzanalyse vs. Korrespondenzanalyse 201
10.4 Terminologie der Korrespondenzanalyse 201
10.5 Ablauf und Interpretation einer Korrespondenzanalyse 209
10.6 Stärken, Schwächen und Empfehlungen 218
10.7 Statistische Begriffe 219

11. Untersuchung der mimischen Kommunikation: Das Facial Action Coding System als Forschungsmethode (Frank Schwab und Dagmar Unz) 223
11.1 Beobachtung als Forschungsmethode 224
11.2 Analyse nonverbalen Verhaltens 226
11.3 Das Facial Action Coding System 231
11.4 FACS als Forschungsmethode in der Medieninhalts- und -wirkungsforschung 243

12. Automatische, computergestützte Bilderkennung (Martin Stommel und Jan Müller) 246
12.1 Grundlagen der automatischen Bildanalyse 248
12.2 Verfahrensbeispiele 250
12.3 Fazit 262

IV. Rezeptions - und Wirkungsforschung 264

13. Möglichkeiten und Grenzen des Laborexperiments in der visuellen Kommunikationsforschung (Thomas Petersen und Clemens Schwender) 265

14. Fokussierte Interviews (Dagmar Hoffmann) 273
14.1 Methodische Grundprinzipien des fokussierten Interviews 275
14.2 Forschungsdesign 281
14.3 Arten des Einsatzes des fokussierten Interviews 285
14.4 Modifikationen und Grenzen des Verfahrens 286
14.5 Beispiel für fokussierte Einzelinterviews 288

15. Laborstudien: Fragebogen und visuelle Stimuli (Frank Schwab und Astrid Carolus) 294
15.1 Verschiedene Befragungstypen 295
15.2 Fehlervermeidung in der Fragebogenforschung 297
15.3 Antworten: Kognitive Prozesse und ihre Kommunikation 299
15.4 Beurteilungen auf Skalen 302
15.5 Urteilsverzerrungen 303
15.6 Schriftliche (meist postalische) Befragung 305
15.7 Online-Befragung 306
15.8 Projektive Verfahren 306
15.9 Visuelle Stimuli: Materialauswahl 307
15.10 Zusammenfassung 310

16. Die Erforschung von Erfahrungen durch die thematische und strukturelle Codierung von Erzählungen (Michelle C. Hilscher und Gerald C. Cupchik) 312
16.1 Das Interview 314
16.2 Ermitteln von Kategorien 317
16.3 Codieren der Interviewtranskripte 319
16.4 Statistische Analyse von narrativen Trends 319
16.5 Abschließende Bemerkungen und Zusammenfassung 321

17. Auswahltests: Card-Sorting und die Q-Sort-Methode (Clemens Schwender) 323
17.1 Card Sorting 323
17.2 Ein Anwendungsbeispiel von Card-Sorting 325
17.3 Q-Sort 327
17.4 Ein Anwendungsbeispiel von Q-Sort 329
17.5 Card-Sorting und Q-Sort

18 Zeitverlaufstudien: RTR, CRM (Marcus Maurer) 334
18.1 Funktionsweise und Varianten 335
18.2 Anwendungsgebiete 339
18.3 Analysestrategien: Aggregatdatenanalysen 340
18.4 Analysestrategien: Individualdatenanalysen 342
18.5 Experimentelle RTR-Designs 343
18.6 Reliabilität und Validität von RTR-Messungen 345
18.7 Fazit 347

19 Eyetracking (Stephanie Geise und Peter Schumacher) 349
19.1 Eyetracking als apparative Methode 350
19.2 Die Entwicklung der Blickverlaufsanalysen 350
19.3 Physiologische und wahrnehmungspsychologische Grundlagen der Methode 351
19.4 Technische Grundlagen und Funktionsweise der Methode 356
19.5 Umsetzung der Methode im Forschungsprozess 361
19.6 Grenzen und Chancen von Eyetracking 370

20. Peripher-physiologische Verfahren während und nach der Bildbetrachtung. Physiologische Messungen: Herzrate, Hautleitfähigkeit und verwandte Verfahren (Dennis Küster und Arvid Kappas) 372
20.1 Herzrate 374
20.2 Hautleitfähigkeit 377
20.3 Elektromyografie 379
20.4 Ausblick 380

21. Quantitative, repräsentative Verfahren (Thomas Petersen) 384
21.1 Methodische Grundprinzipien der Repräsentativumfrage 386
21.2 Die Bedeutung der Repräsentativumfrage im Bereich der visuellen Kommunikation 389
21.3 Drei Arten des möglichen Einsatzes von Bildvorlagen und Nutzungsmessungen 392
21.4 Optische Stimuli als Mittel der Kommunikation in der Umfrageforschung 395
21.5 Möglichkeiten und Grenzen der Bildwirkungsforschung mit Repräsentativumfragen 401
21.6 Das Prinzip des kontrollierten Feldexperiments 402
21.7 Tests zur Wiedererkennung und Beurteilung von Bildvorlagen 406
21.8 Die experimentelle 'Zerlegung' von Bildvorlagen zur Identifikation von Wirkungskomponenten 412
21.9 Panelstudien zum Test visueller Kommunikation unter realen Bedingungen 416
21.10 Ansätze zur Untersuchung von Bewegtbildern in Repräsentativstudien 419

Literatur 423

Autorinnen und Autoren 483

Register 492


Image, Film, Facial Expression and more – Visual Phenomena for Reference

Visual Communication is a field that has the greatest of heterogeneity in its disciplines as well as in its research methods. This anthology brings together approaches from communication science, media anthropology, psychology, journalism, history, and German philology. It concentrates on qualitative and quantitative research as well as on the genesis of material and its analyses. As soon as the reader has grasped the concept of the volume, it serves as a source rich in ideas and methods and of amazing depth.


© bei der Autorin und bei KULT_online