Benutzerspezifische Werkzeuge

Sektionen

Benutzerspezifische Werkzeuge

Information zum Seitenaufbau und Sprungmarken fuer Screenreader-Benutzer: Brotkrumen-Navigation | Direkt zur Navigation | vertikale linke Navigationsleiste | Website durchsuchen | Direkt zum Inhalt | vor rechter Kolumne mit zusaetzlichen Informationen | Aktionen/Tools: Drucken, Permanent Link, to the English version, zur deutschen Version | Fussbereich: Sitemap, Barrierefreiheit, Hilfe und Login fuer Redakteure

Artikelaktionen
  • Permanent Link

Kompetenzorientierung – didaktisches Leitprinzip (nicht nur) für den Spanischunterricht

Eine Rezension von Tanja Prokopowicz

Abendroth-Timmer, Dagmar; Bär, Marcus; Roviró, Bàrbara; Vences, Ursula (Hg.): Kompetenzen beim Lernen und Lehren des Spanischen. Empirie und Methodik. Frankfurt a.M.: Peter Lang, 2011 (Kolloquium Fremdsprachenunterricht. Bd. 41).

Unter Verweis auf die gestiegene Nachfrage nach Spanischunterricht leiten die Herausgeber des Sammelbandes die Notwendigkeit ab, die Spanischdidaktik stärker als Forschungsdisziplin in den Blick zu nehmen. Die Diskussion um den Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen (GeR) sowie die Implementierung der Bildungsstandards für Englisch und Französisch in der Mittelstufe führte zu einer Integration kompetenzorientierter Lehr-/Lernverfahren im Fach Spanisch. Die Vielzahl der zu erwerbenden Kompetenzen – kommunikative und interkulturelle Kompetenz, Methoden- und Medienkompetenz – erklärt, warum es sich um einen komplexen Gegenstandsbereich handelt, der zudem dem Konzept der Mehrsprachigkeit sowie der Hinführung zum autonomen Lernen Rechnung tragen muss. Die Beiträge, die durch eine enge Anbindung an die unterrichtliche Praxis charakterisiert sind, erlauben durch Thematisierung aktueller Forschungsprojekte einen Überblick über die Forschungslage. 


Der vorliegende Sammelband vereint ausgewählte Beiträge der Sektionen "Didáctica del Español como lengua extranjera: Particularidades – investigación – formación del profesorado" und "El español como lengua internacional – Horizontes de la enseñanza del español" des 17. Deutschen Hispanistentages (Universität Tübingen, 18.-21.03.2009).  Bemerkenswert ist zunächst die Makrostruktur des Bandes, der ein breites Themenspektrum abdeckt und den Gegenstandsbereich multiperspektivisch erfasst: Nach der Einleitung in die Kompetenzdiskussion werden unter I. die Bedingungen des kompetenzorientierten Spanischunterrichts thematisiert (S. 43-93), an die sich unter II. die (Weiter-)Entwicklung von Kompetenzen von Spanischlehrenden schließt (S. 97-142). Die Umsetzung kompetenzorientierten Spanischunterrichts ist Thema des dritten Kapitels (S. 145-208), das vierte Kapitel befasst sich schließlich mit der Evaluation von Kompetenzen (S. 211-256).

In der Einleitung (S. 9-40) wird zunächst der Kompetenzbegriff definiert als die Fähigkeit, "auf die Anforderungen einer neuen Situation [zu] reagieren" (S. 11), welche sich allein im Handeln niederschlägt. Ziel des Spanischunterrichts ist nicht die Vermittlung bestimmter Themen und Inhalte, sondern "die Befähigung zur sprachlichen Kommunikation in ganz unterschiedlichen Situationen." (S. 12). Die Herausgeber zeichnen zunächst die Entstehungsbedingungen des Lernziels 'kommunikative Kompetenz' nach. Dies ging mit der damaligen Aufwertung der Fertigkeiten Hören und Sprechen einher, wobei sich das heutige Verständnis von kommunikativer Kompetenz komplexer darstellt: Mit Einführung des GeR (2001) und der Bildungsstandards werden die vier Fertigkeiten nicht mehr als isolierte Teilkompetenzen betrachtet, sondern sprachliche Kompetenz umfasst vielmehr "funktional kommunikative Kompetenzen, interkulturelle Kompetenzen und schließlich Methodenkompetenzen." (S 13). Außerdem wird der zugrunde liegende Kompetenzbegriff mit dem Konzept der multiliteracy in Verbindung gebracht, das auf "die Persönlichkeits- und Autonomieentwicklung der Lernenden" abzielt (S. 19). Daran anknüpfend wird ein aufgaben- und diagnoseorientierter Ansatz propagiert, dessen übergeordnetes Lernziel wie folgt lautet: "Der Lernende muss […] befähigt werden, in komplexen und sich verändernden mehrsprachigen, interkulturellen und multimedialen Kontexten zu interagieren." (S. 16).

Im Folgenden stellt die Einleitung Modelle für den Spanischunterricht dar (S. 17ff.), die sich an den Besonderheiten des Faches orientieren: Vor allem die Tatsache, dass Spanisch häufig als dritte Fremdsprache unterrichtet wird, erlaubt eine steilere Progression. Lernende verfügen bereits über ein breites sprachliches wie nicht-sprachliches Vorwissen (z.B. in Form von Lernstrategien), welches den Spanischunterricht zudem in besonderem Maße für interkomprehensive Lehr-/Lernverfahren prädestiniert. Sämtlichen Modellen liegt die Aufgabenorientierung (enfoque por tareas) zugrunde, die als zentrales Lehr-/und Lernparadigma begriffen wird. So wird der Unterschied zwischen halboffenen bis offenen Aufgabenformaten gegenüber geschlossenen Übungsformaten herausgearbeitet (S. 19). Auch die Abgrenzung zwischen Lernaufgaben (zur bewussten Kompetenzentwicklung) und Testaufgaben (zum Ziel der Lernstandsermittlung) findet Erwähnung. Die Einleitung schließt mit einem Abriss über die Standards für die Lehrerbildung und Anmerkungen zur Ausbildung einer professionellen Handlungskompetenz durch reflexive unterrichtliche Praxis - jedoch nicht ohne Forschungsdesiderata zu formulieren, die die Herausgeber u.a. im Bereich der Entwicklung empirisch begründeter Kompetenzstrukturmodelle und der Stufung der Kompetenzentwicklung sowie der Erfassung, Messung und Evaluierung isolierter (Teil-)kompetenzen (S. 31 f.) sehen.

Aus der Vielzahl lohnender Beiträge sind unter inhaltlichen und methodischen Gesichtspunkten diejenigen von Claudia Frevel (S. 111-122) sowie Lena Christine Bellingrodt (S. 212-222) besonders interessant. Frevel berichtet aus ihrem Forschungsprojekt zur Ausbildung und Entwicklung professioneller Handlungskompetenzen bei Lehramtsstudierenden durch videogestützte Analyse von Unterrichtssequenzen. Sie geht der Frage nach, welche Auswirkungen eine reflexive Praxis auf das berufliche Selbstverständnis sowie auf das konkrete unterrichtliche Handeln haben können. Im Mittelpunkt der erhobenen Daten stehen videographierte Unterrichtssequenzen, die von den Probanden retrospektiv kommentiert werden. Anhand eines Fallbeispiels macht Frevel deutlich, wie gewinnbringend die kommentierende Analyse von Unterrichtsausschnitten für angehende Lehrende sein kann: Ihre Befunde sprechen deutlich für den Einsatz von Videographie in der Lehrerbildung als bewusstheitsförderndes Instrument und zum Aufbau einer professionellen Reflexionskompetenz. Lena Christine Bellingrodt geht in ihrem Beitrag der Frage nach der Entwicklung von Kompetenzbewusstheit durch den Einsatz von elektronischen Portfolios (ePortfolios) im Fremdsprachenunterricht nach. Sie verortet Portfolios zunächst in der Diskussion um Kompetenzorientierung, da sie sich gemäß des GeR und den darin enthaltenen Kann-Beschreibungen an dem orientieren, was Lernende (sagen/schreiben) können und nicht etwa an ihren sprachlichen Defiziten. Die Arbeit mit Portfolios dient dabei aber nicht nur als Mittel zur Bewusstwerdung in Bezug auf sprachliche Fertigkeiten, sondern vor allem als Mittel zur Bewusstmachung des Lernprozesses, wodurch lebensbegleitendes und autonomes Lernen angeregt werden können. Bellingrodt legt anhand ihres Datenmaterials (leitfadengestützte Interviews) dar, dass lernerseitig nicht nur ein tiefgehendes Verständnis der Kompetenzen erreicht wird, sondern ePortfolioarbeit sich zudem dazu eignet, selbstbestimmtes Lernen anzubahnen, indem der Lernzuwachs festgehalten und evaluiert wird.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Sammelband in der Einleitung einen hervorragenden Überblick zum Stand der aktuellen Debatte um Kompetenz- und Aufgabenorientierung gibt, der für Fremdsprachendidaktiker aller Fächer informativ sein dürfte. Positiv hervorzuheben ist des Weiteren, dass den Herausgebern der postulierte Dialog zwischen Theorie und Praxis gelingt, indem Beiträge ausgewählt wurden, die der Unterrichtswirklichkeit entsprechen. So ist der Band insbesondere für (angehende) Lehrende des Faches Spanisch von Interesse. 


Abendroth-Timmer, Dagmar; Marcus Bär; Bàrbara Roviró und Ursula Vences (Hg.): Kompetenzen beim Lernen und Lehren des Spanischen. Empirie und Methodik. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag, 2011. 258 Seiten, kartoniert, 39,80 €. ISBN: 978-3631587904


Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Dagmar Abendroth-Timmer / Marcus Bär / Bàrbara Roviró / Ursula Vences
Die Bedeutung des Kompetenzbegriffs für die Unterrichtsentwicklung und Forschung in der Spanischdidaktik 9

I.    Bedingungen des kompetenzorientierten Spanischlernens
Franz-Joseph Meißner
Spanischunterricht statistisch: Lernerkontingente, Lernererfahrungen, Lernhaltungen, Lernpläne 43
Adelheid Schumann
Soziolinguistische Varietäten und ihre Funktion für die Entwicklung kommunikativer Kompetenzen im Spanischunterricht 65
Britta Thörle / Bàrbara Roviró
Texte und ihre Bedeutung für die Ausbildung kommunikativer und interkultureller Handlungskompetenz im Spanischunterricht 79

II.    Kompetenzentwicklung von Spanischlehrenden

Olga Esteve
El desarrollo de las competencias docentes del profesorado de lenguas 97
Claudia Frevel
Ausbildung und Entwicklung professioneller Handlungskompetenzen: eine Untersuchung zur videogestützten Kompetenzentwicklung von angehenden Spanischlehrenden 111
Andreas Grünewald
Professionalisierung von Spanischlehrerinnen und -lehrern: Vermittlung fachdidaktischer und mediendidaktischer Kompetenzen im Lehramtsstudium 123

III.    Komptenzentwicklung von Spanischlernenden
Steffi Morkötter / Anna Schröder-Sura
Zur Förderung von Schreibkompetenz am Beispiel einer kompetenzorientierten Lernaufgabe 145
Eva Leitzke-Ungerer
Crossing-borders – Pasando fronteras: Kontaktsituationen und Kompetenzförderung im Fremdsprachenunterricht 161
Werner Imbach
Zeitgenössisches Theater im Spanischunterricht: vertane Chancen? 181
Ute von Kahlden
Den Prozess zum Lernort machen: Prozessorientierte Förderung der Kompetenz Sprechen im Spanischunterricht 195

IV.    Evaluation von Kompetenzen
Lena Christine Bellingrodt
Kompetenzbewusstheit durch Evaluation: ePortfolios im Fremdsprachenunterricht 211
Jochen Strathmann
Förderung des autonomen Lernens durch Lerntagebuch und Selbstevaluation 223
Giselle Zenga-Hirsch
Cómo evaluar en la clase de E/LE basándose en el concepto de competencia 243


Competence Orientation – A Pedagogical Paradigm (Not Only) for the Teaching of Spanish

As the number of Spanish learners has been increasing throughout the past years, the editors of the present anthology call for an intensified discussion in the research field of Spanish didactics. The introduction of both the Common European Framework of Reference for Languages (CEFR) and the learning standards for English and French in secondary schools prepared the way for competence-oriented teaching and learning arrangements in Spanish classes. The fact that numerous competencies are to be acquired – communicative and intercultural competence, method- and media-competence – may explain why we are dealing with a many-faceted field. It becomes even more complex if teaching approaches promoting plurilingualism or autonomous learning are taken into account. The contributions to this anthology offer an overview of the research area by presenting recent research projects with a practical orientation.


© bei der Autorin und bei KULT_online