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Hybridität Revisited: Karriere, Kritik und Alltag eines Starkonzepts

Eine Rezension von Johnny Van Hove

Ha, Kien Nghi: Unrein und vermischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen "Rassenbastarde". Bielefeld: transcript Verlag, 2010.

Ha, Kien Nghi (Hg.): Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond. Berlin: Assoziation A, 2012.

Das Konzept der Hybridität ist kaum noch wegzudenken aus den Kulturwissenschaften. Die 2010 erschienene Monografie Unrein und vermischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen »Rassenbastarde« des Kultur- und Politikwissenschafters Kien Nghi Ha schildert in kritischer Auseinandersetzung mit zeitgenössischen kulturwissenschaftlichen Rezeptionstendenzen in Deutschland die lange Karriere dieses Konzepts in der europäisch-deutschen Geistesgeschichte. Der Autor plädiert hier überzeugend für die Repolitisierung und Rekontextualiserung des modischen Begriffs. Im vom Ha editierten Sammelband Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond von 2012 wird dieser Appell eindrucksvoll und ergiebig anhand der vietnamesisch-asiatischen Diaspora in Deutschland in die Tat umgesetzt, besonders vor dem Hintergrund rassistischer Fremdzuschreibungen und ermächtigender Selbstbestimmungen. 


Hybridität ist bei Kulturwissenschaftler_innen in aller Munde. Je nach Diskurslage wird das Konzept als Interkulturalität, Transkulturalität, Kosmopolitismus, third space, Kontaktzone und so weiter mobilisiert und diskutiert. Bei so viel Faszination darf gefragt werden, wie die steile Diskurskarriere des Hybriden erklärt werden kann. Wo kommt das Konzept überhaupt her und welches Potential – akademisch, politisch, alltäglich – kann diesem kulturwissenschaftlichen Starbegriff noch zugetraut werden? Diese und weitere dringende Fragen stellt sich Kien Nghi Ha, der als Autor der Monographie Unrein und vermischt: Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen »Rassenbastarde« sowie als Herausgeber des Sammelbandes Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond das Konzept der Hybridität sowohl aus theoretischer Distanz (Unrein und Vermischt) als auch aus handfester Nähe (Asiatische Deutsche) diskutiert. Beide Bücher verbindet eine gelungene, kritische Annäherung an hybride Prozesse und sie stellen einen klugen Appell zur politischen und kontextualisierten Reorientierung des Konzepts dar.

Der Kultur- und Politikwissenschaftler Ha hat bereits zuvor zwei lesenswerte Bücher vorgelegt, die das Thema Hybridität aufgreifen: Ethnizität und Migration RELOADED: Kulturelle Identität, Differenz und Hybridität im postkolonialen Diskurs (2004) und Hype um Hybridität. Kultureller Differenzkonsum und postmoderne Verwertungstechniken im Spätkapitalismus (2005). Aufbauend auf diesen Arbeiten fokussiert Ha in Unrein und Vermischt, die Veröffentlichung seiner 2009 vorgelegten Dissertation, die sich historisch wandelnden Vorstellungen von dem Hybriden in der europäischen und deutschen Geistesgeschichte, von der griechischen Antike bis zu zeitgenössischen Diskursen (vgl. S. 25). Zur Umsetzung dieses ambitionierten longue durée Vorhabens liest Ha die Hybridität in Anlehnung an Michel Foucault und postkoloniale Theorien als eine sich ständig wandelnde Diskursformation, die von gesellschaftlichen und kolonial-rassistischen Dominanzverhältnissen durchzogen ist (vgl. S. 28). Als Textbasis für die Arbeit benutzt Ha einen breiten, heterogenen Korpus aus dem europäischen und deutschen philologischen und literarischen Kanon, wie Wörterbücher, Lexika, philosophische Schriften und themenzentrierte Fachliteratur (vgl. S. 36). Es wundert allerdings, dass diese Auswahl manchmal deutlich erweitert wird. Ha integriert beispielsweise Filme (wie 300), politische Traktate (wie Hitlers Mein Kampf) und Zitate U.S.-amerikanischer Machthaber (wie Thomas Jefferson) in seinen Korpus, die ein wenig deplatziert wirken in einer europäisch-deutschen Begriffskarriere und Fragen über die Stringenz der Auswahlkriterien aufwerfen. Obwohl der selbstreflexive Autor diesem Einspruch von vornherein mit dem Hinweis auf den Streifzugcharakter (vgl. S. 38 und 179) seiner Arbeit entgegenwirkt sowie auf die unvermeidlich "subjektiven Präferenzen" in der Textselektion hinweist (S. 54), hätte eine etwas konsequenter begründete und ausgeführte Quellenselektion Has Arbeit doch mehr Präzision und Transparenz verliehen.

Im ersten Kapitel beschreibt der Autor die kulturwissenschaftliche Rezeption des Hybriden in der BRD, die allzu häufig ein "Lob der kulturellen Vermischung in den Mittelpunkt stellt" (S. 90) und dadurch eine "enthistorisierende Perspektive" auf den Begriff begünstigt (S. 84). Der Autor argumentiert überzeugend, dass das Loslösen des Begriffs aus gesellschaftlichen Macht- und Dominanzverhältnissen eine grundlegende Missdeutung der postkolonialen Urtexte zum Thema Hybridität ist, besonders Homi Bhabhas Location of Culture (vgl. S. 89). Außerdem bemängelt Ha, dass die konkrete Diskussion hybrider Kulturen und Prozesse, trotz des umfangreichen und differenzierten Begriffsapparats, zu häufig in recht schwammigen und banalen Beschreibungen verhaftet bleibt (vgl. S. 88).

Gerade diese wissenschaftlichen Rezeptionstendenzen sind für den Autor unverständlich, da die Begriffskarriere des Hybriden unübersehbar auf konkrete Marginalisierungen und Dominanzverhältnisse hinweist. In den drei Hauptkapiteln seiner Arbeit beschreibt Ha diese lange Geschichte der Herabwürdigung vor dem Hintergrund der jeweils herrschenden Wissensordnungen. Der Autor beginnt in der Antike, einer Zeit, in der das Hybride als "Mischling" und "Bastard" gedeutet und zur Metapher des "bösartigen Anderen" wurde (S. 115). Diese Traditionslinie hat sich aufgrund der Zentralität des athenischen Zivilisationsmodells tief in das europäische Selbst- und Fremdbild eingeschrieben. Im christlichen Mittelalter personifizierte das Hybride "die Untugenden der Schande und Sünde" (S. 123). In der verwissenschaftlichten Neuzeit wiederum mutiert das Hybride zum Inbegriff "einer heimtückischen Gefahr", die in rassenkonstruktivistischen Dimensionen erfasst wurde, wie Ha unter anderem anhand von Kants philosophischen Werken herausarbeitet (S. 125). Diese Rassifizierungen und Dämonisierungen setzen sich im kolonialen 19. und 20. Jahrhundert umso stärker durch, je mehr das Hybride die sichtbare Rassenschranke zu unterlaufen drohte, wie sich besonders in den Theorien der Rassenhygiene während der mörderischen NS-Zeit zeigt. Diese rassenhygienischen Diskurse blitzen auch regelmäßig in der heutigen BRD auf. Dies belegt Ha mit einer Reihe von Fällen aus dem akademischen und politischen Alltag, unter anderem mit einem Zitat des ehemaligen bayerischen Innenministers und Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber, der 1988 über die Bedrohung einer "durchmischte[n] und durchrasste[n]" Gesellschaft sprach (S. 191).

Angesichts dieser stigmatisierenden Vorgeschichte ist der momentane "Hype um Hybridität", wie der Autor die zeitgenössische Faszination für das Hybride nennt, besonders bemerkenswert, auch weil dieser Hype kaum die Überwindung alter Deutungsmuster bedeutet. Hybrid als Adjektiv und Präfix wird in der spätmodernen Version eher universell einsetzbar, argumentiert der Autor, und ist somit zu "einer Spielform des postmodernen anything goes" geworden, zum Marker "unbegrenzter Flexibilität, Innovations- und Wandlungsfähigkeit" (S. 217). Als solches geht das Konzept der Hybridität nicht selten mit essentialisierenden Aufladungen und exotischen Kommodifizierungen des Anderen einher – eine Umkehrung des potentiell subversiven Bhabha'schen Hybriditätsverständnisses. Dass Hybridität allerdings nicht nur als "verkäufliches Kulturprodukt und aneigbare Lifestyletechnik in einer transkulturellen Konsumwelt" (S. 239) auftreten muss, zeigt Ha in seiner Diskussion des popkulturellen Phänomens des "Kanaken" und "Kanak Sprak" im Abschlusskapitel seines Werkes. Mit diesem versuchten türkisch-deutsche Kulturschaffende Ende der Neunziger sich selber anhand von umgewerteten kolonial-rassistischen Adressierungen neu zu stilisieren und zu positionieren (S. 272).

Die Fortsetzung der kritischen Diskussion von Hybridität findet paradigmatisch in dem von Ha herausgegebenen Sammelband Asiatische Deutsche statt, in dem sich mehr als vierzig Autor_innen und Diskutant_innen dem Thema der asiatischen Diaspora im Allgemeinen und der Vietnamesischen im Besonderen widmen. Dies geschieht anhand von vielfältigen textuellen Streifzügen wie Bildessays, wissenschaftlichen Aufsätzen, Interviews, Reportagen und Transkripten von Podiumsdiskussionen, die bei dem 2010 im Berliner Hebbel Theater am Ufer organisierten "Dong Xuan Festival" stattfanden (aus dem heraus dieser Band entstanden ist). Der Begriff der Hybridität fällt zwar kaum – er wird durch den Begriff Diaspora ersetzt – aber dennoch sind es sehr häufig die "Prozesse der kulturellen Hybridisierung" (S. 20), wie Ha in der Einleitung schreibt, die zur Diskussion stehen. Dies wird auch in den theoretischen Aufsätzen von Yumin Li, Ruth Mayer und Trinh T. Minh ha deutlich. Entlang der kritischen Argumentation in Unrein und Vermischt werden diese hybridisierenden Prozesse mit geschichtlichen und politischen Kontexten verlinkt. Dabei fällt die ausnahmslos hohe inhaltliche Qualität der Beiträge auf, die hier wegen ihrer Fülle nur ansatzweise beschrieben werden kann.

"Rassismus Sucks – Eine Einleitung" eröffnet den Sammelband und lenkt die Aufmerksamkeit von Anfang an auf die Grundsatzerfahrung der asiatisch-vietnamesischen Diaspora in der BRD: Diskriminierung und Marginalisierung. Abgesehen von Has Einleitung sowie seinem Aufsatz zur chinesischen Präsenz in Berlin und Hamburg bis 1945 (S. 282-286), fokussiert besonders Hannah Eitel anti-asiatische Verhaltensweisen in der BRD, und zwar bei der Polizei. Anhand von gut belegten Vorfällen schildert sie den (meist ungeahndeten) institutionellen Rassismus auf Seiten von Ordnungskräften: Misshandlung (S. 122), rassistische Kriminalisierung (S. 121) und Passivität bei rassistischen Angriffen, wie diejenigen im Rahmen des Pogroms in Rostock-Lichtenhagen 1992 (S. 128). Letztere Vorfälle, ihr Vorlauf und ihre Effekte auf die vietnamesische Diaspora werden eindrucksvoll in den Interviews mit zwei Augenzeug_innen dokumentiert (Biplap Basu und Mai-Phuong Kollath). Auch in Uta Beths und Anja Tuckermanns erhellendem Überblick über die Lebens- und Arbeitsgeschichte der zunächst häufig gelobten, dann verpönten vietnamesischen Vertragsarbeiter_innen in der DDR sowie der Boat People in der BRD (die ab den späten 1970ern zunehmend den ökonomisch-politischen Bedingungen Vietnams entfliehen) können rassistische Ressentiments kaum übersehen werden (vgl. S. 110-113).

Stereotypen stehen im Mittelpunkt der Beiträge über die mehrheitsgesellschaftliche Wahrnehmung der asiatischen Diaspora in Deutschland. Anhand der Krimiserie Soko Leipzig sowie der Repräsentation von Asiat_innen im deutschen Film arbeiten die Texte von Mita Banerjee und Sun-ju Choi die beängstigende "Fusion aus ost- und westdeutschen Stereotypen" heraus (S. 60), die zwischen Kriminalisierung (S. 62-65), undurchdringlichen Familiengeflechten (S. 261), übersexualisierten Frauen (S. 260) und asexuellen Männern (S. 263) oszillieren. Aus dem Transkript einer Podiumsdiskussion zwischen Tamara Hentschel, Thúy Nonnemann, Günter Piening und Alke Wierth kann außerdem noch die "Fiktion" des vietnamesischen "Musterschülers" (S. 143) zu dieser Liste hinzugefügt werden, die dank des ehemaligen Berliner Finanzministers und Bestsellerautors Thilo Sarrazin (Deutschland schafft sich ab) zur Prominenz aufstieg. In den Aufsätzen von Yasemin Shooman, aber vor allem Naika Fouroutan werden diese stereotypen Vorstellungen kontextualisiert, und zwar als infames Ausspielen von guten Migrant_innen gegen schlechte, das zur weiteren Diffamierung der muslimisch-türkischen Gemeinschaften dient (S. 321).

In den Beiträgen zum heterogenen Innenleben der vietnamesischen Diaspora fallen die konfliktträchtigen Verhandlungen zwischen den Generationen ins Auge, die besonders im Podiumsgespräch zwischen Uta Beth, Pham Thi Hoai, Anja Tuckermann und Petra Isabel Schlagenhauf offen angesprochen und ausgetragen werden (S. 187-189). Die sich ständig verwischenden Bruchlinien zwischen lokalen und transnationalen Bewegungsräumen der Diaspora sind ein zentrales Thema: In den ergiebigen Aufsätzen von Antonie Schmitz und Huy Dao werden diese räumlichen Grenzwanderungen sowohl anhand von vietnamesischen Nagelstudios als auch in einem transnationalen Vergleich zwischen vietnamesischen communities in Kalifornien und Berlin gezeigt. Selbstbestimmungsversuche werden in den Aufsätzen von Noa Ha und Joshua Kwesi Aikins über den Preußenpark bzw. über Straßenumbenennungen in Berlin verhandelt sowie in den zahlreichen Bildporträts und Selbstbeschreibungen eigener Festivals und Kunstprojekte wie dem Asian Film Festival Berlin.

Asiatische Deusche ist eine gelungene Textkompilation, auch wenn die Qualität der Bilder nicht immer optimal ist und die Transkription der Diskussionen manchmal etwas lang geraten. Trotz dieser kleinen Mängel ist dieser Band in jedem Fall wichtig. Am Beispiel der asiatisch-vietnamesischen Diaspora wird handfest und vielschichtig konkretisiert, was Vermischung und Hybridität bedeutet. Der Sammelband könnte somit einen wichtigen Schritt zur Repolitisierung und Rekontextualisierung des Hybriden in den Kulturwissenschaften darstellen, wie Unrein und Vermischt es ausgiebig fordert. Durch die Perspektive der vietnamesischen Diaspora verliert Hybridität seine theoretische Unschuld und befremdliche Abstraktion, zumindest ein wenig, und wird auf konkrete Realitäten zurückgeführt.


Ha, Kien Nghi: Unrein und vermischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen »Rassenbastarde«. Bielefeld: transcript Verlag, 2010 (Postcolonial Studies 6). 280 S., broschiert, €29,80. ISBN: 978-3837613315


Inhaltsverzeichnis

Danksagung 9

Einleitung 13
Fragestellungen und Diskursverständnis 17
Forschungsstand und Quellenlage 30
Vorgehensweise und Aufbau der Studie 38

Postkoloniale Kritik und Hybridität 43
Selektive Rezeptionstendenzen kultureller Hybridität in der BRD 65
Ein Fallbeispiel: Das Erlanger Transdifferenz-Konzept 95

Konjunkturen und Leerstellen: Etymologische und philosophische Bedeutungskontexte 109
"Bastarde" und "Barbaren": Vermischung als Symptom von Kulturverfall und Gesellschaftskrise 112
Neuzeitliche Diskursüberschneidungen: "hybrid" >< "Bastard" 120

Hybridität als "Rassenvermischung" im kolonialen Wissenschaftsdiskurs 129
Hybridität im historischen Kontext "aufklärerischer" Rassendiskurse der westlichen Moderne 130
Die heimliche Unheimlichkeit des "Bastards" 139
Rassistische Differenzierungsprobleme: "Bastarde" als Phänomen
der Pathologisierung und Dämonisierung 148
"Bastarde" als Kategorie der Eugenik und "Rassenhygiene" im 20. Jahrhundert 159
Wissenschaftliche Kontinuitätslinien der deutschen "Rassenhygiene" nach 1945 178

Hype um Hybridität in der Spätmoderne 195
Hybride Revolution – Das postmoderne Versprechen einer unentdeckten Terra Nova 196
Hybridität als kulturelle Dominante im postmodernen Spätkapitalismus 211

Umkämpfte Hybridisierungen: Zwischen Konsumkultur und postkolonialem Signifying 229
Popkulturelle Verwertungen und die Warenförmigkeit von Otherness 229
"Germany 12 Points!" – Hybridität als nationale Modernisierung und kulturelle Fremdaneignung 247
Postkoloniales Signifying – Der "Kanake" als anti-rassistische Allegorie? 259

Bibliographie 281


Ha, Kien Nghi (Hg.): Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond. Berlin: Assoziation A, 2012. 237 S. + Liste der Autor_innen und Gesprächspartner_innen, broschiert, €18. ISBN: 978-3862414093 Zur Verlagshomepage...


Inhaltsverzeichnis

Beyond Nations – Denken jenseits von Grenzziehungen

Danksagung 8
Kien Nghi Ha: Rassismus Sucks – Eine Einleitung 9
Trinh T. Minh ha: Eine akustische Reise 23
Ruth Mayer: Asiatische Diaspora: Begriffe, Geschichte, Debatten 43
Mita Banerjee: Von Fröschen und Hunden: Soko Leipzig und das (V)erkennen der vietnamesischen Diaspora in Deutschland 57
Urmila Goel, Jee-Un Kim, Nivedita Prasad und Kien Nghi Ha im Gespräch: Selbstorganisation und (pan-)asiatische Identitäten: Community, People of Color und Diaspora 72
Alisa Anh Kotmair: Gedenkbilder – Auf den Spuren der vietnamesischen Diaspora in Berlin 94

Vietnamesische Diaspora – Lokale und transnationale Dimensionen

Uta Beth und Anja Tuckermann: Geschichte, Arbeit und Alltag vietnamesischer Migrant_innen 99
Gedenkbilder: Angelika Nguyen 118
Hannah Eitel: Der Staat macht mit – Institutioneller Rassismus in der Polizei 120
Biplap Basu und Mai-Phuong Kollath im Gespräch 133
Tamara Hentschel, Thúy Nonnemann, Alke Wierth und Günter Piening im Gespräch: Eine Integrationsdebatte der anderen Art – Von der illegalisierten »Zigarettenmafia« zum »Musterschüler«? 140
Yumin Li: Zuhause-Sein als soziale Praxis – Eine Einzelfallanalyse vietnamesisch-deutscher Beheimatungsprozesse 154
Gedenkbilder: Indira Hong Giang Berghof 168
Uta Beth, Pham Thi Hoai, Anja Tuckermann und Petra Isabel Schlagenhauf im Gespräch: Vietnamesisch-deutsche Communities und zweite Generation 170
Hanna Hoa Anh Mai: Spiegel im Spiegel 190
Antonie Schmitz: Jenseits der Maniküre – Soziale und kulturelle Praktiken in vietnamesischen Nagelstudios in Berlin 197
Huy Dao: Transnationale Politik von Geschichte, Erinnerung und Lokalität – Vietnamesische Communities in Kalifornien und Berlin 212
Kien Nghi Ha: Zwischen Nationalgalerie und Dong Xuan Center – Eine Begegnung mit dem Künstler Kanh Vo

Verbindungen und Ausblicke

Feng-Mei Heberer: Mein Körper, mein Selbst – zur filmischen Verhandlung asiatisch-amerikanischer weiblicher Subjekterfahrung 229
Gedenkbilder: Nya Luong 244
Kimiko Suda und Sun-ju Choi: Asian Film Festival Berlin – »Imagined Kinships and Communities« 246
Sun-ju Choi: Sichtbarkeit und (Re)Präsentation von Asiat_innen in deutschen Filmen 258
Noa Ha: Preußenpark – Community-Picknick am Rande der deutschen Parkordnung 270
Gedenkbilder: Bé Điểm Nguyễn-Xuân
Kien Nghi Ha: Chinesische Präsenzen in Berlin und Hamburg bis 1945 280
Joshua Kwesi Aikins: Berlin Remix – Straßenumbenennungen als Chance zur postkolonialen Perspektivumkehr 288
Yasemin Shooman: Vom äußeren Feind zum Anderen im Inneren – Antimuslimischer Rassismus im Kontext europäischer Migrationsgesellschaften 305
Naika Fouroutan: Innerdeutsche Grenze Islam? Zu desintegrativen Folgen der
Integrationsdebatte 321
Gedenkbilder: Baly Nguyen

Autor_innen und Gesprächspartner_innen 338


Hybridity Revisited: Career, Critique, and Everyday Reality of a Star Concept

It's hard to imagine the study of culture anymore without the concept of hybridity. The monograph
Unrein und vermischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen »Rassenbastarde« (Impure and Mixed: Postcolonial Border Crossings through the Cultural History of Hybridity and Postcolonial "Racial Bastards"), published in 2010 by Kien Nghi Ha, describes the long career of this concept in the European and German history of ideas. The author, who is a scholar within the fields of cultural studies and political sciences, makes a convincing case for a renewed politicization und contextualization of this trendy term. In a collection of essays from 2012 edited by Ha, Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond (Asian Germans: Vietnamese Diaspora and Beyond), this call is put into practice within the context of the Vietnamese-Asian diaspora in Germany in the most productive and impressive fashion, particularly against the background of racist stereotyping and empowering self-definitions.


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