Benutzerspezifische Werkzeuge

Information zum Seitenaufbau und Sprungmarken fuer Screenreader-Benutzer: Ganz oben links auf jeder Seite befindet sich das Logo der JLU, verlinkt mit der Startseite. Neben dem Logo kann sich rechts daneben das Bannerbild anschließen. Rechts daneben kann sich ein weiteres Bild/Schriftzug befinden. Es folgt die Suche. Unterhalb dieser oberen Leiste schliesst sich die Hauptnavigation an. Unterhalb der Hauptnavigation befindet sich der Inhaltsbereich. Die Feinnavigation findet sich - sofern vorhanden - in der linken Spalte. In der rechten Spalte finden Sie ueblicherweise Kontaktdaten. Als Abschluss der Seite findet sich die Brotkrumennavigation und im Fussbereich Links zu Barrierefreiheit, Impressum, Hilfe und das Login fuer Redakteure. Barrierefreiheit JLU - Logo, Link zur Startseite der JLU-Gießen Direkt zur Navigation vertikale linke Navigationsleiste vor Sie sind hier Direkt zum Inhalt vor rechter Kolumne mit zusaetzlichen Informationen vor Suche vor Fußbereich mit Impressum

Artikelaktionen

Hausmaschinen und Maschinen zuhause: Architektur und Technologie in den 1920er Jahren


Eine Rezension von Florian Sprenger

Eberhard, Katrin: Maschinen zuhause. Die Technisierung des Wohnens in der Moderne. Zürich: gta Verlag, 2011.

In ihrer Studie Maschinen zuhause. Die Technisierung des Wohnens in der Moderne nimmt Katrin Eberhard aus architekturtheoretischer wie kulturwissenschaftlicher Sicht den Wandel der Haustechnologien in den 1920er und 30er Jahren in den Blick. Anhand ausgewählter Bauten stellt sie dar, wie technische Infrastrukturen und Medien die häuslichen Räume des Sozialen transformierten und welche architektonischen Auswirkungen sie hatten. 


Mit verschiedensten Haustechniken, mit Türklingeln, Klimaanlagen, Aufzügen, Lautsprechern, Staubsaugern und Telefonen wandern zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur neuartige Technologien in den häuslichen Raum, sondern verändern grundlegend, was Architektur heißen kann. Von Architekten, aber auch von Architekturtheoretikern und Kulturwissenschaftlern wurden diese tiefgreifenden Transformationen desjenigen Orts, an dem Leitunterscheidungen von Innen und Außen oder Privat und Öffentlich ausgehandelt werden, bislang kaum bedacht. Katrin Eberhards Monographie Maschinen zuhause. Die Technisierung des Wohnens in der Moderne schickt sich an, eine angesichts der gegenwärtigen Entwicklung von smarten und ubiquitären Medientechnologien beständig größer erscheinende Leerstelle zu füllen und methodisch die Kluft zwischen Architektur- und Technikgeschichte zu überspringen.

In ihrer am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH Zürich entstandenen, schön gestalteten und mit zahlreichen Abbildungen versehenen Studie beschreibt Eberhard auf 250 Seiten panoramatisch das Wechselspiel architektonischer Lösungen und technischer, zumeist elektrischer Entwicklungen. Im Zentrum des Interesses stehen die "formalen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Maschinen auf die Architektur des Wohnens" (S. 237) und ihre Bedeutung für das architektonische Projekt der Moderne. In einer breiten Perspektive führt sie soziale, technische, epistemologische und gestalterische Felder zusammen, wobei der architekturtheoretische Fokus beständig gewahrt bleibt. Anhand zentraler Bauten aus den späten 1920er Jahren – der Villa Cavrois von Robert Mallet-Stevens in Nordfrankreich, des Lovell Health House von Richard Neutra in Los Angeles sowie des Huis Van der Leeuw von Johannes Andreas Brinkman und Leendert Cornelis van der Vlugt in Rotterdam – schlüsselt Eberhard eine breite Materialfülle aus Gerätschaften, Technologien, Baumitteln und Medien auf. Flankiert wird diese Auswahl durch Verweise auf einige projekthaft gebliebene Bauten.

Bei den besagten Gebäuden handelt es sich um avancierte und teure Prototypen, die neueste Technologien integrieren und auf deren Bedingungen reflektieren. Für eine architekturhistorische Perspektive bieten sie sich als Untersuchungsgegenstand an, weil viele der eingebauten Technologien im Gegensatz zu den elektrischen Infrastrukturen, die ihnen zugrunde liegen, noch nicht etabliert waren und sich damit ihre Schwellenstadien beobachten lassen. Die Besonderheit der untersuchten Bauten liegt aber weniger in ihrer technikgeschichtlichen Frontstellung als in einer modernistisch verpackten Konzeption des Wohnens mit Maschinen. Im Fall Le Corbusiers, dessen Idee der machine à habiter Eberhards Ausführungen beständig im Hintergrund begleitet, sind die technologischen Innovationen angesichts praktischer Mängel an der Bausubstanz nur Fassade und gerade deswegen interessant.
Besonders eindrücklich wird die technologische Entwicklung anhand der Küche in den USA im Vergleich mit Europa. In engem Wechselspiel kommen unterschiedliche Faktoren und Bedürfnisse je nach zugrunde liegenden theoretischen Ausrichtungen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Gelegentlich fragt sich der geneigte Leser, wie die Lage in den gewöhnlichen Wohnhäusern aussah. Ohne diese wäre die Elektrifizierung nicht möglich gewesen, weil erst sie den notwendigen Markt für Elektrizität und Geräte bildeten. Eine Schärfung dieses Verhältnisses zwischen 'fortschrittlicher' Architektur und Massenproduktion hätte die Argumentation des Buches sicherlich noch zugespitzt.

Eberhards Buch stellt sich der methodischen Herausforderung, dass Haustechnik kaum archiviert wird, und wenn, dann außerhalb des architektonischen Kontextes. Für Architekten gelten Haustechnologien bis in die Gegenwart häufig als vernachlässigenswert, obwohl sie, wie Eberhard zeigen kann, den Möglichkeitsraum gestalterischer Maßnahmen prägen. Oft ist daher Indizienarbeit eng an Bauplänen, wenigen erhaltenen Fotografien und Berichten nötig, aber auch Besuche in den untersuchten Häusern, deren Technik häufig Renovierungsarbeiten oder Zerstörung zum Opfer gefallen ist.
Das Buch liefert somit einen wertvollen Überblick über bislang kaum dargestellte Gegenstände und verknüpft sie mit drei Leitkonzepten: Komfort, Gesundheit und Kontrolle. Alle drei Konzepte bleiben auf die Bewohner bezogen und hätten sicherlich davon profitiert, (architektur-)historisch noch stärker rückgebunden zu werden, etwa in einer intensiveren Auseinandersetzung mit Reyner Banhams oder Michel Foucaults einschlägigen Bemerkungen. (Vgl. etwa Eberhards Satz "Der Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit ist längst erwiesen" (S. 136), der überspringt, wie Konzepte von Gesundheit auch durch Architektur geprägt werden.)
Eine theoretische Positionierung der Leitkonzepte innerhalb der Arbeit vor allem in Bezug auf das angesprochene Verhältnis zwischen Maschinenästhetik und tatsächlicher Technisierung hätte dazu beigetragen, das zugrundeliegende Konzept von Technik zu schärfen. Ihr kommt in Eberhards Darstellung zu selten ein eigensinniges oder gar eskalierendes Potential zu. An einer Stelle verrät Eberhard selbst eine Blickrichtung, die für die Frage nach der Technologie stellenweise den Blick etwas versperrt: "implizit steht dahinter der Mensch" (S. 188). Ein Eigensinn der Technik, der gerade architekturhistorisch bedeutsam ist, wie zuletzt etwa die Studie Andreas Bernards zur Geschichte des Fahrstuhls gezeigt hat, bleibt so außen vor.

Dieser Einwand hängt mit Eberhards Entscheidung zusammen, statt spezifischer Entwicklungsstränge ein breiteres Panorama zu präsentieren. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, der Komplexität der Herausforderungen, denen sich Architektur gegenübersieht, gerecht zu werden. Es bleibt aber stellenweise geradezu zwangsläufig im Allgemeinen, was sowohl Stärke wie auch Schwäche des Buches ausmacht. Die Alternative wäre eine genauere Differenzierung der Technologien (Beleuchtung, Wasser, Gas, Elektrizität) anhand ihrer architekturgeschichtlichen Implikationen gewesen.

Leider fällt der Blick auf die neuesten Entwicklungen sogenannter smart homes etwas kurz aus. Von der Gegenwart aus gewinnt schließlich die Geschichte der Haushaltstechnik an Dringlichkeit. Dass Kontrolle "in der Geschichte der Architektur eng mit Wahrnehmbarkeit verknüpft ist" (S. 183), könnte man gerade angesichts der gegenwärtigen Lage medialer Infrastrukturen in Frage stellen, die Daten sammeln und verarbeiten, ohne dass menschliche Akteure dabei die Hauptrolle spielen. Die Aufgaben von Haustechnologien liegen immer mehr in eigentätiger Kontrolle, Distribution und Regulation.

Doch all dies soll die Leistung der Studie nicht schmälern, aus einem weiten Feld eine anregende Auswahl zusammengebracht zu haben. Insofern man durchaus von einer Pionierarbeit sprechen kann, bleibt zu hoffen, dass die Annäherung von Architekturtheorie, Technikgeschichte und Kulturwissenschaft in Zukunft weitere Arbeiten inspiriert. Diese können mit Eberhards Maschinen zuhause nunmehr auf einer wichtigen Lektüre zentraler Bauten aus einer entscheidenden Phase der Haustechnisierung aufbauen.


Eberhard, Katrin: Maschinen zuhause. Die Technisierung des Wohnens in der Moderne. Zürich: gta, 2011. 257 Seiten, broschiert, 48€. ISBN 978-3-85676-276-6
 

Inhaltsverzeichnis


Geleitwort
Einleitung

1. Grundlagen des technisierten Wohnens
Drücken und Schalten
Verstecken und Zeigen
Haus und Maschine

2. Le Corbusiers "machine à habiter"
Die "Wohnmaschine" in den Schriften
Die gebaute "Wohnmaschine"

3. Komfort dank technischem Equipment
Arbeitserleichterung durch Maschinen
Mallet-Stevens' Villa Cavrois
Klima
Beleuchtung
Transport
Unterhaltung

4. Gesundheit und technisiertes Wohnen
Architektur, Technik und Reform
Neutras Lovell Health House
Luft und Lüftung
Ernährung
Ertüchtigung
Hygiene

5. Haustechnik und Kontrolle
Brinkman & Van der Vlugts Huis Van der Leeuw
Technologietransfer
Kommunikation
Raum
Zeit

Technik und Ästhetik – Abschließende Betrachtungen
Bibliographie
Register
Abbildungsnachweis


Housemachines and Machines at Home: Architecture and Technology in the 1920s

In her study Maschinen zuhause. Die Technisierung des Wohnens in der Moderne (Machines at Home: Mechanisation of Living in Modernity), Katrin Eberhard explores the transformations of home technologies during the 1920s and 30s from the perspectives of architectural theory and cultural studies. On the basis of selected buildings she describes how technical infrastructures and media changed the dwellings of the social, and examines the architectural consequences they prompted.


© beim Autor und bei KULT_online