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Geschichtsvergessenheit in der »Identitätseventkultur« – über Funktionen und Fehler von ›Erinnerungsfilmen‹

Eine Rezension von Astrid Matron

Lüdeker, Gerhard: Kollektive Erinnerung und nationale Identität im Film. Nationalsozialismus, DDR und Wiedervereinigung im deutschen Spielfilm nach 1989. München: et+k, 2012.

Obwohl es eine Fülle an Einzeluntersuchungen zu so genannten Geschichts- oder Erinnerungsfilmen gibt, sind systematische Analysen filmischer Vergangenheitskonstruktionen nach wie vor rar. Der Literatur- und Medienwissenschaftler Gerhard Lüdeker will diese Lücke schließen und entwirft in seiner Dissertation eine Systematik in der Untersuchung zweier prägender deutscher Erinnerungsdiskurse des 20. Jahrhunderts: die Zeit des Nationalsozialismus sowie die politische Zäsur des Mauerfalls und der folgenden Wiedervereinigung.
Leider referiert der Autor zunächst zu ausführlich gängige Theoriemodelle zu nationaler Identität und kollektiver Erinnerung, ohne die Begrifflichkeiten ausreichend zu problematisieren. Auch vermag seine kulturpessimistische These einer zu schnelllebigen Zeit, innerhalb derer nur noch geschichtslose Identitätsentwürfe gegeben würden, nicht ganz zu überzeugen. Dennoch liefert Lüdeker anhand seiner präzisen Filmanalysen schlüssige Untersuchungsergebnisse, die vor allem auf einen zunehmenden Normalisierungsdiskurs sowohl innerhalb der NS- als auch DDR-Zeit-Filme hinweisen. 


Gerhard Lüdekers vorliegende Arbeit will einen Beitrag leisten zur Theoretisierung nationaler Identität und dem Konzept kollektiver Erinnerung in Bezug auf Filme als Gedächtnismedium. Nun ist dazu schon viel geschrieben worden, wenngleich auch eher in Einzelfallanalysen oder Überblicksdarstellungen. Der Autor setzt sich folglich zum Ziel, systematisch und modellhaft aufzuzeigen, "wie Filme nationale Identität konstruieren und wie man sich ihnen analytisch nähern kann" (S. 16). Er sieht sich damit in direkter Folge von Anton Kaes' Deutschlandbilder (1987) als "letzte[r] zusammenhängende[r] Darstellung nationaler Identität im deutschen Film" (ebd.) und versucht einen ebenso "polyperspektivischen Zugang" (S. 149), was der Vielschichtigkeit des Mediums Film Rechnung trägt. Bevor sich die Studie ihrem so formulierten Ziel widmet, steht den zwei Analysekapiteln jedoch ein langwieriger theoretischer Aufbau voran, der nahezu die Hälfte der Gesamtseitenzahl einnimmt, ohne immer auf die zentralen Fragen hin zugespitzt zu sein.

Zunächst unternimmt Lüdeker eine ausführliche Bestimmung des kollektiven Identitätsbegriffs und seines Sonderfalls der nationalen Identität und greift dabei zurück auf gängige Modelle diskursiver Nationenkonstruktion von Anderson (Imagined Communities, 1984), Gellner (Nationalismus und Moderne, 1991) und Hobsbawm (Nations and Nationalism since 1780, 1990). Vergangenheit und Erinnerung an diese werden im Folgenden als zentrale Elemente der Konstitution von kollektiven Gemeinschaften herausgestellt. Theoretisch bezieht der Autor sich auf Konzepte und Begrifflichkeiten von Jan und Aleida Assmann sowie hinsichtlich der Medien des kollektiven Gedächtnisses auf neuere Ansätze nach Astrid Erll. In seiner Zusammenführung der Konzepte folgert Lüdeker und führt im folgenden Kapitel aus, dass Film als ein Massenmedium mit der Fähigkeit zu ständiger Aktualisierung, Umgestaltung und Neuinterpretation von vergangenen Ereignissen prädestiniert ist für kollektive Sinnstiftungsangebote. Leider wird hierbei der Begriff des 'Erinnerungsfilms' als gesetzt übernommen; was genau eine Produktion zu einem 'Erinnerungsfilm' macht (viele Filme spielen schließlich in der Vergangenheit), ließe sich auch im Hinblick auf Erll stärker problematisieren.

In seinem ersten Analysekapitel zum Nationalsozialismus im Film benennt Lüdeker fünf unterschiedliche thematische Schwerpunkte bzw. Narrationen: Soldatenschicksale, Opferschicksale der Juden, Widerstand aus dem Volk, Täterdarstellungen und schließlich deutsche Opfererzählungen von Krieg und Vertreibung.  Hierbei kommt der Autor zu der Feststellung, dass sich die deutschen NS-Erinnerungsfilme entlang gesellschaftlich verankerter Normalisierungs- und Opferdiskurse bewegen und diese stark figurenzentriert erarbeiten, dabei jedoch keine "einheitliche Tendenz in der diachronen Abfolge" (S. 149 f.) erkennen lassen. Gefahr sieht er in einer sich entwickelnden Schlussstrich-Mentalität, die sich gerade in der zunehmenden Marginalisierung oder gar Auslassung des Holocaust wahrnehmen lasse.

Für Filme über die DDR und die Wiedervereinigung hingegen macht Lüdeker – wie schon einige Autoren vor ihm – mehrere konsekutiv ablaufende Phasen aus, die von Verlusterfahrungen, Konsolidierungsversuchen, Nostalgie und damit einhergehender Aussöhnung mit der Vergangenheit geprägt sind. Der Autor erwähnt aber auch Filme innerhalb dieses Spektrums, die sich der Sinnstiftung durch Verklärung oder Konsolidierung verweigern, etwa Die Stille nach dem Schuss (2000) oder Die Unberührbare (1999/2000). Das Kapitel schließt mit einem von Lüdeker ausgemachten vorläufigen Höhepunkt eines Täter-Opfer-Diskurses mit Versöhnungsabsicht, das Untersuchungsbeispiel ist hier Das Leben der Anderen (2006). Gerade nachfolgende Fernsehproduktionen orientieren sich narratologisch und ästhetisch an diesem Film. Lüdeker sieht in den unterschiedlichen Identitäts- und Geschichtskonstruktionen dieser Filme die Möglichkeit, gleichzeitig die "beschädigte Ost-Identität" zu reparieren und "eine gesamtdeutsche Identität" herzustellen (S. 269). Insgesamt konstatiert er ein differenziertes Bild des Umgangs mit DDR-Vergangenheit und Wiedervereinigung und grenzt sich so folgerichtig ab von früherer Literatur, die eine gröbere Schwarz-weiß-Rasterung vornimmt (bspw. Leonie Naughtons That Was the Wild East, 2002). Dennoch verweist er auch auf eine zunehmende Schematisierung der Filmerzählungen vorrangig in Fernsehproduktionen, die mit stereotypen Figurenzeichnungen und immer gleichen Authentifizierungsstrategien aufwarten. In diesem Zusammenhang stellt er zum Ende die eher rhetorische Frage, "ob Massenkompatibilität und Identitätsarbeit mit einem breiten Wirkungsspektrum automatisch mit einem Verlust an Qualität einhergehen muss" (S. 273).

Die Divergenzen, die sich aus seinen Untersuchungen zwischen NS-Erinnerungsfilmen und DDR-Erinnerungsfilmen ergeben, erklärt Lüdeker primär mit dem "negative[n] Gründungsmythos" des geteilten Deutschland (Ende des Nationalsozialismus) und dem "positiven Gründungsmythos" des wiedervereinten Deutschland (Mauerfall und Ende des DDR-Regimes) (S. 276), wobei auch die entsprechende eher passive bzw. eher aktive Rolle des Volkes relevant sei. Filme über die NS-Zeit setzen verstärkt auf eine Entlastung der Mehrheit des Volkes durch die Kopplung der Schuldfrage an bestimmte Personen/Gruppen, wobei eine Konzentration auf die deutsche Sichtweise vorliegt und der Holocaust als ein 'globaler Erinnerungstopos' in den Hintergrund tritt (vgl. S. 191 f.). In Filmen zur DDR und ihrem Ende wird hingegen der Veränderungswille des Volkes von innen heraus stark gemacht und so das Bild eines aktiven und positiven Kollektivhandelns gezeichnet.
Erstaunliches Ergebnis bezüglich der Konvergenzen zweier unterschiedlicher Erinnerungsdiskurse ist jedoch, dass sowohl Filme über den Nationalsozialismus als auch über das (Ende des) DDR-Regime in den letzten Jahren zu einer "positiven Ausdeutung eines dunklen Kapitels der deutschen Geschichte" tendieren (S. 278 f.). Seine vorab formulierte These, dass es ein schmaler Grat zwischen 'Normalisierung' von Erinnerung und Geschichtsvergessenheit sei (vgl. S. 15), wird durch die Untersuchungsergebnisse bestätigt.

Kollektive Erinnerung und nationale Identität ist klar als wissenschaftliche Qualifikationsarbeit erkennbar, der gerade für die Veröffentlichung eine weniger kleinteilig untergliederte, aufgelockerte Form gut getan hätte.  So detailliert Lüdeker auch die Komplexe nationale Identitätsstiftung, mediale Vergangenheitskonstruktion und den Zusammenhang beider in Bezug auf den so genannten Erinnerungsfilm aufarbeitet, erscheinen die Begrifflichkeiten doch zu wenig problematisiert. Arg pessimistisch und dem umfassenden Filmkorpus nicht gerecht werdend wirkt auch die Annahme, dass mediale Erinnerungsarbeit in der heutigen Zeit einer "Identitätseventkultur" (S. 145) eigentlich nur noch auf eine Loslösung von der Geschichte und eine ahistorische Identitätsstiftung abzielte. Im Hinblick auf die präzisen und umfangreichen Filmanalysen wäre eine andere Gewichtung und engere Verknüpfung von Theorie- und Analysekapiteln wünschenswert gewesen, da der Autor mit seinen Untersuchungen aufschlussreiche Ergebnisse zu einzelnen Filmen wie auch allgemeinen Tendenzen im filmischen Diskurs zu NS-Zeit und DDR/Wiedervereinigung liefert.


Lüdeker, Gerhard: Kollektive Erinnerung und nationale Identität im Film. Nationalsozialismus, DDR und Wiedervereinigung im deutschen Spielfilm nach 1989. München: edition text+kritik, 2012. 318 S., broschiert, 39,00 Euro. ISBN: 978-3869161808


Inhaltsverzeichnis


Einleitung … 9

1 Nationale Identität … 19
1.1 Kollektive Identität … 19
1.2 Kollektive Identität als Sinnsetzung … 23
1.3 Nation, nationale Identität und Nationalismus … 26
1.3.1 Zur Konstruktion der Nation … 26
1.3.2 Zur Konstruktion von nationaler Identität … 35
1.3.3 Zur Konstruktion des Nationalismus … 46

2 Nationale Identität und kollektive Erinnerung … 48
2.1 Kollektive Erinnerungen und kollektives Gedächtnis … 50
2.2 Kommunikatives und kulturelles Gedächtnis … 51
2.3 Speicher- und Funktionsgedächtnis … 58
2.4 Erinnerungsdiskurse und Identitätsdiskurse … 58
2.5 Erinnern und Vergessen als Modi der Vergangenheitsaneignung in Erinnerungsdiskursen … 60
2.6 Vergangenheitserzählungen … 62
2.7 Mythen … 67
2.8 Orte … 73
2.9 Kollektive Erinnerung und nationale Identität im Zusammenhang … 74

3 Nationale Identität in Erinnerungsfilmen … 77
3.1 Film als Gedächtnismedium … 77
3.2 Eigenschaften des Gedächtnismediums Film … 80
3.3 Erinnerungsfilme … 82
3.4 Zur Transformation von Vergangenheit in Erinnerungsfilmen … 84
3.4.1 Filmisches Erzählen … 85
3.4.2 Mnemotechnische und filmische Transformation von Vergangenheit … 93
3.5 Erinnerungsfilme und nationale Identität … 98
3.6 Nationale und transnationale Erinnerungsfilme … 99
3.7 Nationale Identität in verschiedenen Klassen von Erinnerungsfilmen … 102
3.8 Zur Analyse von nationaler Identität in Erinnerungsfilmen … 106

4 Identitätsdiskurse nach 1989 in Deutschland … 109
4.1 1989 und die Folgen: der Normalisierungsdiskurs und seine Gegner … 110
4.2 Nationalistische Tendenzen: die Neue Rechte … 115
4.3 Grundlagen der Inklusion: vom Umgang mit nationalen Symbolen … 117
4.3.1 Grundsteinlegung der Berliner Republik … 117
4.3.2 Die Umgestaltung Berlins zu einem spätmodernen Erinnerungsort … 118
4.4 NS- und DDR-Erinnerungsdiskurse … 122
4.4.1 Debatten über den Nationalsozialismus … 123
4.4.2 Vom Umgang mit der DDR-Vergangenheit … 137
4.5 Ausblick: die spätmoderne Identitätseventkultur in Deutschland … 142

5 Der Nationalsozialismus in deutschen Erinnerungsfilmen nach 1989 … 149
5.1 Soldatenschicksale: Die Wiederbelebung des Landser-Films durch Stalingrad … 151
5.1.1 Figurative Gegensätze: gute Soldaten und böse Nazis … 153
5.1.2 Emotionale Anteilnahme an den Leidtragenden:
der einfache Soldat als Opfer … 154
5.1.3 Vergangenheitsbewältigung durch Schlussstrichmentalität? … 157
5.2 Jüdische Schicksale: Vergangenheitsverklärung im heritage cinema … 160
5.2.1 Heritage cinema … 162
5.2.2 Aimee & Jaguar … 163
5.2.3 Das Verhältnis von Selbst und anderen auf der Ebene der Figurenkonstellation … 164
5.2.4 Der narrative Aufbau und die filmische Rekonstruktion der Vergangenheit … 167
5.2.5 Die Inszenierung der NS-Vergangenheit zwischen Nostalgie und dramatischer Matrize … 169
5.2.6 Der Gegenwartsbezug der abgeschlossenen Vergangenheit: Offenheit durch Inklusion der anderen … 170
5.3 Widerstand: Sophie Scholl als moralische Leitfigur … 173
5.3.1 Sophie Scholl – Die letzten Tage … 175
5.3.2 Zeitlosigkeit durch abstrakte Inszenierung … 176
5.3.3 Die emotional dichte Verhörpraxis des Films … 177
5.3.4 Die Moral im Film: Freiheit vs. Kontrolle … 179
5.3.5 Erinnerung als Identitätsdidaktik … 180
5.4 Täterbilder: Der Untergang als Katharsis und mythischer Neuanfang … 183
5.4.1 Vorläuferfilme … 184
5.4.2 Die Authentifizierung der Bunkererfahrung … 185
5.4.3 Untergangsperspektiven … 187
5.4.4 Das Täterbild ist eigentlich eine Opfererinnerung … 189
5.4.5 Hitler als ernstzunehmende Witzfigur? … 190
5.4.6 Täter-Opfer-Inversionen und eine ahistorische Identitätskonstruktion … 191
5.5 Opferbilder: Bombenkrieg, Flucht und Vertreibung als TV-Event … 193
5.5.1 Opfernarrationen im Fernsehfilm … 194
5.5.2 Opfer-Protagonisten vs. Täter-Stereotype … 196
5.5.3 Heroische oder traumatische Opfer? … 197
5.5.4 Die Authentifizierung der Opfernarrationen … 198
5.5.5 Perspektivwechsel in der Erinnerungskultur, historischer Reduktionismus und Popularisierung von Geschichte … 199
5.6 Der deutsche NS-Erinnerungsfilm nach 1989 im internationalen Vergleich … 202

6 DDR und Wiedervereinigung im deutschen Spielfilm nach 1989 … 206
6.1 Diskurse ohne Gegenüber: die Spielfilme der letzten DEFA-Regisseure … 209
6.1.1 DDR-Überläuferfilme … 210
6.1.2 Die Architekten … 211
6.1.3 Monoton graue Bilder für eine monotone und graue Welt … 211
6.1.4 Figurenkonstellationen: Desintegration familiärer und beruflicher Strukturen … 212
6.1.5 Das Ende des utopischen Sozialismus und der Anfang von nichts … 214
6.2 Einschub: die Ostkomödie … 216
6.2.1 Go Trabi Go – Stereotype und Klischees statt Politik … 216
6.2.2 Wir können auch anders – als Komödie kaschierte Deutschlandkritik … 218
6.2.3 Das Potenzial der Ostkomödie als Unterhaltungskino und verdeckt kritischer Deutschlanddiskurs … 219
6.3 Konsolidierung oder Skepsis: DDR-Erinnerung im Familienmelodram … 221
6.3.1 Ursprünge und Kennzeichen des Familienmelodrams im Film … 221
6.3.2 Staatsschicksal als Familienschicksal in Nikolaikirche … 223
6.3.3 Der Eiserne Vorhang als Liebeskiller in Das Versprechen … 225
6.3.4 Ästhetisierung und Authentisierung von Zeitgeschichte als Familiengeschichte … 226
6.3.5 Figurenkonstitutionen und Figurenkonstellationen: Generationenunterschiede, Identitäten und Ost-West-Gegensätze in der Familie … 227
6.3.6 Identitätskonstruktionen: Konsolidierung oder Skepsis … 230
6.4 Vergangenheitsbewältigung im Ostalgie-Film … 234
6.4.1 DDR-Erinnerung als Coming-of-Age-Story … 237
6.4.2 Die Konstruktion der DDR-Kultur in Sonnenallee … 241
6.4.3 Die Rekonstruktion der DDR-Kultur in Good Bye, Lenin! … 242
6.4.4 Ost-West-Versöhnung im Ostalgie-Film durch Verallgemeinerung und Meta-Erinnerung … 243
6.5 Die Wiedervereinigung als Verlusterfahrung in Die Stille nach dem Schuss und Die Unberührbare … 246
6.5.1 Narrationen scheiternder Identitätsfindungsprojekte: Vereinsamung in der DDR und nach dem Mauerfall … 247
6.5.2 Subjektivität, emotionale Anteilnahme und Figurenkonstellationen … 250
6.5.3 Die Stille nach dem Schuss, der Neue Deutsche Film und die DEFA … 251
6.5.4 Die Unberührbare: singulär und traditionsverbunden … 253
6.5.5 Mythendekonstruktionen bei Roehler und Schlöndorff … 255
6.6 Der Täter-Opfer-Erinnerungsdiskurs seit Das Leben der Anderen … 259
6.6.1 Das Leben der Anderen: Täter-Opfer-Metamorphosen … 260
6.6.2 Staatsfeind DDR: die nachträgliche Perspektive auf einen Unrechtsstaat … 261
6.6.3 Feindbilder als Identitätskonstruktionen im gegenwärtigen filmischen DDR-Erinnerungsdiskurs … 264
6.7 Topoi und Tendenzen filmischer DDR-Erinnerungsdiskurse … 269

7 Fazit … 274
7.1 Film und nationale Identitätskonstruktionen … 274
7.2 Differenzen und Konvergenzen in der filmischen Erinnerungsarbeit an DDR und Nationalsozialismus … 276
7.3 NS-Erinnerung als mediale Erinnerung … 279
7.4 Normalisierung und Anti-Normalisierung in NS-Erinnerungsfilmen nach 1989 … 281
7.5 Opfererinnerung und Ahistorizität … 282
7.6 Vom kritischen Realismus zur realistischen Fiktion in der filmischen DDR-Erinnerung nach 1989 … 285
7.7 Wohin entwickelt sich die nationale Identität in Deutschland? … 290

8 Filmverzeichnis … 294

9 Literatur … 299


Identity and Historical Amnesia in an Event Culture – on Function and Failure of 'Memory Movies'

While analyses of individual history and memory movies have become quite popular in recent years, in-depth methodical approaches to the field of film and memory studies are still rare. With his dissertation, Gerhard Lüdeker means to fill this gap and, thus, conducts a systematical analysis of memory movies focusing on two outstanding collective memory discourses in twentieth-century Germany: the Nazi period and the Fall of the Wall leading to the reunification of the two German states.
In the first part, the author elaborates well-known theoretical concepts of collective identity and media of collective memory in detail, and, in consequence, does not significantly enhance the field of film and memory studies. The work culminates in cultural pessimism about contemporary society, which, in his opinion, only offers ahistorical identity concepts. However, Lüdeker offers thorough film analyses that point to an increasing discourse of normalization, detectable in recent movies on the Nazi and reunification periods.



© bei der Autorin und bei KULT_online