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Entwicklungstendenzen einer Erfolgsgeschichte: Intersektionalität gestern, heute und morgen

Eine Rezension von Lisa Bach

Lutz, Helma; Herrera Vivar, Maria Teresa; Supik, Linda (Hg.): Framing Intersectionality. Debates on a Multi-Faceted Concept in Gender Studies. Surrey: Ashgate, 2011.

Der Band Framing Intersectionality. Debates on a Multi-Faceted Concept in Gender Studies (2011), herausgegeben von Helma Lutz, Maria Teresa Herrera Vivar und Linda Supik, bietet einen Überblick über die Geschichte des zur Zeit viel diskutierten Forschungsparadigmas der Intersektionalität. Er zeichnet dessen Werdegang von der Etablierung innerhalb der US-amerikanischen Rechtswissenschaft bis hin zu gegenwärtigen Debatten auf den Gebieten der Männlichkeit, Transkulturalität und Heteronormativität nach und stellt zukünftige wissenschaftliche Potentiale des Konzeptes vor. Angefangen mit Kimberlé W. Crenshaws Gründungstext veranschaulichen insbesondere Beiträge aus den Gender Studies und den Sozialwissenschaften die Entwicklung der Intersektionalität, zeigen jedoch auch deren Konfliktpotenziale auf. Der Sammelband stellt somit – wie sein Titel intendiert – einen umfassenden Rahmen sowohl für einen Einstieg in das Thema als auch für eine weiterführende Lektüre bereit.


Das Konzept der Intersektionalität ist eine gegenwärtig über viele Disziplinen hinweg diskutierte Forschungsperspektive. Benannt wurde es im Jahre 1989 durch die Rechtswissenschaftlerin Kimberlé W. Crenshaw in ihrem Aufsatz "Demarginalising the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Anti-discrimination Doctrine, Feminist Theory, and Anti-racist Politics" (vgl. S. 25-42 des hier besprochenen Sammelbandes). Der Sammelband Framing Intersectionality. Debates on a Multi-Faceted Concept in Gender Studies, herausgegeben von Helma Lutz, Maria Teresa Herrera Vivar und Linda Supik, widmet sich genau diesem Thema und präsentiert mit Hilfe diverser Beiträge insbesondere aus den Sozialwissenschaften und Gender Studies ein wissenschaftliches Rahmenwerk der seit über 20 Jahren anhaltenden Debatte. Basierend auf den Ergebnissen der Konferenz "Celebrating Intersectionality? Debates on a Multi-Faceted Concept in Gender Studies", die im Januar 2009 an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main stattfand, stellen die Herausgeberinnen eine Auswahl an Texten zusammen, die deutsche, europäische sowie internationale Stimmen zur Intersektionalität berücksichtigt.

In ihrer Einführung beleuchten Lutz, Herrera Vivar und Supik einleitend den grundlegenden Gedanken sich überlagernder Unterdrückungsmechanismen als Vorläufer bzw. Grundgedanken der Intersektionalitätstheorie. Darauf aufbauend schildern sie die Ausbreitung des Konzeptes in Europa und weisen auf ähnliche Ideen hin, die sich im Gegensatz zur Intersektionalität jedoch nicht dauerhaft durchsetzen konnten. Nach einer Bestandsaufnahme gegenwärtiger intersektionaler Fragestellungen in Europa und den USA aus geographischer sowie disziplinärer Sicht wird in der Einleitung die Frage gestellt, ob Intersektionalität als Forschungsperspektive die Zukunft der Gender Studies darstellt. Diese inhaltliche Triade, die – vereinfacht gesagt – mit Hilfe des Gestern, Heute und Morgen von Intersektionalität deren Erfolgsgeschichte, Möglichkeiten und Grenzen herausarbeitet, findet sich auch im Hauptteil der Publikation wieder.

Der erste Teil beschäftigt sich – sozusagen als Blick auf die Vergangenheit – mit der initialen Erwähnung des Intersektionalitätskonzepts sowie möglichen Begründungsmustern für dessen Erfolg. Der gegenwärtige Fokus der Debatte wird mit Hilfe der Forschungsgebiete der Männlichkeit, der Transnationalität sowie der Heteronormativität im zweiten Teil genauer definiert und zeigt auf diesem Wege wichtige intersektionale Anwendungsfelder auf. So schärft der intersektionale Ansatz in der Männlichkeitsforschung beispielsweise den Blick für die Komplexität nicht-hegemonialer Männlichkeiten, indem z.B. durch die Untersuchung der Kategorie des Alters bis jetzt vernachlässigte Themenfelder erschlossen werden können. Abschließend werden im dritten Teil – im Sinne zukünftiger Entwicklungen von Intersektionalität – sowohl Stärken und Schwächen erörtert als auch kritische Fragen an das Konzept gestellt, um anhand dieser auf mögliche Konfliktpotentiale, wie z.B. die Auswahl potentieller Analysekategorien, hinzuweisen. Der letzte Beitrag schließt mit einer aktuellen Reflexion Kimberlé W. Crenshaws über den von ihr eingeführten Begriff den Kreis zum ersten Artikel des Bandes und rundet diesen inhaltlich ab.

Lutz, Herrera Vivar und Supik legen einen Sammelband vor, der Intersektionalität nicht nur theoretisch, geographisch und disziplinär verortet, sondern die Forschungsperspektive außerdem in ihren Entwicklungen von den Anfängen bis hin zu gegenwärtigen Fragestellungen darstellt. Besonders hervorzuheben ist die gelungene, überblicksartige Einleitung sowie die Textauswahl der Herausgeberinnen, die es Leser_innen verschiedenster Disziplinen ermöglicht, sich im Rahmen der insgesamt 13 Beiträge mit Intersektionalität in all ihren Facetten auseinanderzusetzen. Der Band beschönigt dabei nicht oder weist einzig und allein auf positive Aspekte seines thematischen Gegenstandes hin, sondern hebt durch das Berücksichtigen kritischer Positionen die tatsächlichen Potentiale von Intersektionalität umso deutlicher hervor. So wird zwar auf die generelle Verwendung von Kategorien als mögliches Problemfeld verwiesen, jedoch gleichzeitig das theoretische Leistungsvermögen des Forschungsparadigmas als geeignetes Werkzeug zur Untersuchung vielschichtiger sozialer Ungleichheitsdimensionen betont.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass der besprochene Sammelband für verschiedenste Zielgruppen, die an einer Beschäftigung mit Intersektionalität interessiert sind, einen idealen Rahmen bereit hält. Nicht nur diejenigen, die auf der Suche nach einem einleitenden Leitfaden sind, wird die Textauswahl zufriedenstellen, sondern auch alle, die ihr Wissen bezüglich intersektionaler Themenfelder ergänzen, ausbauen oder vervollständigen wollen. Für Literatur- und Kulturwissenschaftler_innen eignen sich die interdisziplinär relevanten Artikel, da sie grundlegende Informationen und Definitionen rund um Intersektionalität zusammenführen und durch ihre kritische Reflexivität, die unterschiedliche Schattierungen des Konzeptes auch innerhalb seiner Anwendung unterstreicht, eine optimale Basis für eine Implementierung von Intersektionalität innerhalb kulturwissenschaftlicher Kontexte bieten. Natürlich kann der Band auf nicht ganz 250 Seiten nicht den vollständigen intersektionalen Diskurs der vergangenen zwei Jahrzehnte präsentieren. Er ist jedoch eine gelungene Bestandsaufnahme dieser Debatte und eine äußerst empfehlenswerte Lektüre, um Intersektionalität in ihrer Tragweite zu begreifen.


Lutz, Helma; Maria Teresa Herrera Vivar und Linda Supik (Hg.): Framing Intersectionality. Debates on a Multi-Faceted Concept in Gender Studies. Surrey: Ashgate, 2011. 241 S., broschiert, 33,99 Euro. ISBN: 978-1-4094-1899-3


Inhaltsverzeichnis

List of Contributors vii
Preface xi
Acknowledgements xiii

Helma Lutz, Maria Teresa Herrera Vivar and Linda Supik
Framing Intersectionality: An Introduction 1

Part I: Intersectionality’s Transatlantic Travels: Geographies of the Debate

Kimberlé W. Crenshaw
1 Demarginalising the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Anti-discrimination Doctrine, Feminist Theory, and Anti-racist Politics 25

Kathy Davis
2 Intersectionality as Buzzword: A Sociology of Science Perspective on What Makes a Feminist Theory Successful 43

Myra Marx Ferree
3 The Discursive Politics of Feminist Intersectionality 55

Part II: Emerging Fields in Intersectionality: Masculinities, Heteronormativity and Transnationality

Mechthild Bereswill and Anke Neuber
4 Marginalised Masculinity, Precarisation and the Gender Order 69

Jeff Hearn
5 Neglected Intersectionalities in Studying Men: Age(ing), Virtuality, Transnationality 89

Dubravka Zarkov
6 Exposures and Invisibilities: Media, Masculinities and the Narratives of Wars in an Intersectional Perspective 105

Kira Kosnick
7 Sexuality and Migration Studies: The Invisible, the Oxymoronic and Heteronormative Othering 121

Ann Phoenix
8 Psychosocial Intersections: Contextualising the Accounts of Adults Who Grew Up in Visibly Ethnically Different Households 137

Part III: Advancing Intersectionality: Potentials, Limits and Critical Queries

Nira Yuval-Davis
9 Beyond the Recognition and Re-distribution Dichotomy: Intersectionality and Stratification 155

Paula-Irene Villa
10 Intersectionality is Always More: Intersectionality, Subjection and the Body 171

Gudrun-Axeli Knapp
11 Intersectional Invisibility: Inquiries into a Concept of Intersectionality Studies 187

Nina Lykke
12 Intersectional Analysis: Black Box or Useful Critical Feminist Thinking Technology? 207

Kimberlé Crenshaw
Postscript 221

Index 235


Developmental Tendencies of a Success Story: Intersectionality's Past, Present, and Future

The volume Framing Intersectionality: Debates on a Multi-Faceted Concept in Gender Studies (2011), published by Helma Lutz, Maria Teresa Herrera Vivar, and Linda Supik, provides an historical overview of the currently popular research paradigm of intersectionality. It traces the development of intersectionality from its establishment within US law studies up to present debates on masculinity, transculturality, and heteronormativity and introduces future research potential. Beginning with Kimberlé W. Crenshaw’s foundational text, the book assembles, in particular, articles from gender studies and social sciences which illustrate the achievements of intersectionality and highlight possible areas of conflict. Hence, the collection lives up to its title in offering a comprehensive framework of intersectional research able to serve as an initiation into the topic, and also as a platform for additional readings.



© bei der Autorin und bei KULT_online