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Muss die Soziologie dekolonisiert werden – und was bleibt dann von ihr übrig?

Eine Sammelrezension von Floris Biskamp

Gutiérrez Rodríguez, Encarnación; Boatcă, Manuela; Costa, Sérgio (Hg.): Decolonizing European Sociology. Transdisciplinary Approaches. Surrey: Ashgate, 2011.

Reuter, Julia; Villa, Paula-Irene (Hg.): Postkoloniale Soziologie. Empirische Befunde, theoretische Anschlüsse, politische Intervention. Bielefeld: transcript, 2009.

In den vergangenen Jahren erschienen zwei Sammelbände, die versuchen, den Graben zwischen Soziologie und postkolonialen Studien zu überbrücken. Der von Encarnación Gutiérrez Rodríguez, Manuela Boatcă und Sérgio Costa herausgegebene englischsprachige Band Decolonizing European Sociology hat einen gesamteuropäischen Anspruch, eine systematischere Struktur und vereint die prominenteren Autor_innen. Die von Julia Reuter und Paula-Irene Villa herausgegebene Sammlung Postkoloniale Soziologie wartet dagegen mit größerer thematischer Vielfalt auf und reflektiert die besondere Situation postkolonialer Studien in Deutschland. Dabei zeigt sich, dass die postkoloniale Kritik soziologischer Ansätze zu Übertreibungen neigt und mit grundlegenden Widersprüchen zu kämpfen hat, die in keinem der Bände schlüssig aufgelöst werden. Dennoch leisten beide einen wertvollen Debattenbeitrag zur postkolonialen Reflexion der Soziologie und zur soziologischen Bereicherung der postkolonialen Kritik.



Schon ihrer Grundanlage nach stehen Soziologie und postkoloniale Kritik in einem spannungsreichen Verhältnis. So liegt der Soziologie die Trennung von modernen und traditionalen Gesellschaften als Leitdifferenz zugrunde. In der stereotypen Variante geht damit die Vorstellung einher, dass die Moderne eine auf der abendländisch-christlichen Tradition beruhende, dynamische und fortschreitende Ordnung ist, während alle anderen Traditionen als statisch, alle anderen Gesellschaften als mehr oder minder erfolgreiche Nachahmung des westlichen Modells gelten. Gerade solche 'okzidentalistischen' (Fernando Coronil) Selbstbilder und 'orientalistischen' (Edward Said) Fremdbilder stehen jedoch im Fokus postkolonialer Kritik. Und während die auf die Erforschung westlicher Gesellschaften fokussierte Soziologie dazu neigt, den Kolonialismus und seine Folgen als vernachlässigbare Epiphänomene zu betrachten, hält ihn die postkoloniale Kritik für das zentrale Merkmal der europäischen Moderne, seine Verdrängung für ein grundlegendes Problem.
Entsprechend steht am Anfang der beiden vorliegenden Sammelbände eine doppelte Defizitdiagnose. So kritisieren Julia Reuter und Paula-Irene Villa einerseits, dass die "postkoloniale Reflexion der Soziologie ein thematisch ebenso weites wie – zumindest in der deutschsprachigen Community – bislang faktisch unbearbeitetes Feld darstellt" (PS, S. 8), problematisieren andererseits aber auch eine "postkoloniale Ignoranz gegenüber soziologischen Ansätzen" (PS, S. 29).
Jedoch wird dieses weitgehende gegenseitige Desinteresse von keinem der Bände als naturgegeben hingenommen. Beide verstehen sich als Intervention für ein produktives Zusammenführen soziologischer und postkolonialer Ansätze. Zentralen Stellenwert hat dabei ein in beiden Büchern veröffentlichter programmatischer Aufsatz von Manuela Boatcă und Sérgio Costa, in dem die Autor_innen darlegen, welche Forschungsschwerpunkte sie sich für eine postkoloniale Soziologie auf verschiedenen Ebenen vorstellen: In der Makrosoziologie gehe es darum, einen Begriff von Moderne zu entwickeln, der lineares Fortschrittsdenken und Ethnozentrismus vermeidet sowie den Kolonialismus und globale Machtdifferenzen mit bedenkt, auf der Mesoebene müsse die politische Soziologie ihren konventionellen nationalstaatlichen Fokus überwinden und mikrosoziologisch sei es entscheidend, an einem soziologischen Kulturkonzept zu arbeiten, das Brüche, Machtdynamiken und die Konstruiertheit von Kultur reflektiert.

Obwohl sich beide Bände diesem Forschungsprogramm verschrieben haben, unterscheiden sie sich in mehreren Punkten. Der 2010 bei Ashgate erschienene, von Encarnación Gutiérrez Rodríguez, Manuela Boatcă und Sérgio Costa herausgegebene englischsprachige Sammelband Decolonizing European Sociology. Transdisciplinary Approaches ist insgesamt das ambitioniertere Projekt. Dies betrifft sowohl die Prominenz der beitragenden Autor_innen als auch die besser erkennbare Systematik, mit der das Projekt einer postkolonialen Soziologie verfolgt wird.
Positiv fällt die Vielfalt der im Band referenzierten Theorien auf. Während sich vergleichbare Debatten in Deutschland oft auf die aus den angelsächsischen Humanities stammenden Postcolonial Studies (Edward Said, Homi Bhabha, Gayatri Spivak) konzentrieren, wird im vorliegenden Band der im lateinamerikanischen Kontext formulierten dekolonialen Kritik (Enrique Dussel, Walter Mignolo, Anibal Quijano, Arturo Escobar) sowie den aus der indischen Geschichtswissenschaft stammenden Subaltern Studies (Dipesh Chakrabarty, Partha Chatterjee, Ranjit Guha) ebenfalls erhebliches Gewicht eingeräumt.
Mehr als die Hälfte der in fünf Abschnitte unterteilten 15 Beiträge zielt auf die Ebene soziologischer Theorie und ihrer postkolonialen Reflexion, wobei die eingangs erwähnte soziologische Leitdifferenz von Moderne und Tradition im Mittelpunkt des Interesses steht. Dabei lassen sich grob zwei Varianten postkolonialer Kritik unterscheiden, eine radikalere und eine gemäßigtere. Die radikaleren Autor_innen (Gurminder K. Bhambra, Jan Nederveen Pieterse) stellen die Idee eines europäisch-nordamerikanischen Exzeptionalismus grundsätzlich infrage. Zwar bestreiten sie nicht die besondere Stellung, die westliche Gesellschaften innehatten und -haben, doch führen sie diese nicht auf endogene soziokulturelle Faktoren zurück. Vielmehr sei es vor allem die koloniale Expansion und die damit einhergehende Versklavung und Ausbeutung anderer gewesen, denen der Westen seinen Vorsprung zu verdanken habe. Eine Ausnahmestellung Europas wird einzig auf machtpolitischer und technischer Ebene zugestanden. Die Idee aber, dass die im Westen vollzogenen gesellschaftlichen und geistesgeschichtlichen Entwicklungen normative Vorzüge haben, wird nicht nur infrage gestellt und eingeschränkt, sondern rundheraus als (neo)koloniale, eurozentristische Ideologie abgelehnt, was überspitzt wirkt. Dies gilt beispielsweise für Gurminder K. Bhambras Diskussion von Anthony Pagdens These, Kosmopolitismus im modernen Kontext sei nur als Fortführung des Kant'schen Projekts vorstellbar. Bhambra kritisiert dies scharf als ein "parochial reading of cosmopolitanism which betrays the very ideals that the concept embraces" (DES, S. 41), verzichtet aber darauf näher auszuführen, worin der Eurozentrismus des Kant'schen Ansatzes besteht bzw. welche anderen, nichteuropäischen Denker_innen und Konzepte von Kosmopolitismus stattdessen fruchtbar gemacht werden sollten.
Die gemäßigteren Vertreter_innen (Göran Therborn, Gregor McLennan, Boaventura de Sousa Santos) dagegen teilen zwar die Zweifel an stereotypem soziologischen Denken, das die Modellhaftigkeit des westlicher Moderne und die Unilinearität der Geschichte als selbstverständlich erachtet, verwerfen aber nicht von vornherein die Idee, dass es einen normativ wünschenswerten Fortschritt gibt und dass gesellschaftliche und geistesgeschichtliche Entwicklungen im Westen zu diesem einen bedeutenden Beitrag geleistet haben. Wie groß dieser ist und worin er besteht, wird dann zu einer offenen Frage, deren Ergebnis nicht von vornherein feststeht.
Neben dieser theoretischen Diskussion finden sich auch einige Texte, die postkoloniale soziologische Ansätze an konkreteren Gegenständen exerzieren. Nilüfer Göle schreibt über die Infragestellung der säkularen Moderne durch muslimische Immigration nach Europa, Jin Haritaworn über deutsche Debatten zu 'migrantischer Homophobie'', Kien Nghi Ha über Integrationskurse für Migrant_innen in Deutschland, Sandra Gil Araújo über postkoloniale Migration in Spanien und Shirley Anne Tate über Race und Schönheitsideale. Bei diesen Texten wird wiederum deutlich, dass postkoloniale Ansätze zwar einen scharfen Blick für Exklusionen, Zuschreibungen und für Rassismen bieten, die dabei formulierte Kritik aber wiederum oft überspitzt wirkt. Dies wird beispielsweise deutlich, wenn Jin Haritaworns einen Forscher in die Nähe der Nürnberger Rassegesetze rückt, nur weil er Homophobie unter Deutschtürken untersucht und dabei Nationalität über die Nationalität der Großeltern definiert, oder wenn Kien Nghi Ha verpflichtende Deutschkurse für Migrant_innen in Deutschland recht unvermittelt in eine Linie mit kolonialen Erziehungsmaßnahmen stellt.

Die 14 Beiträge des 2009 bei transcript erschienenen, von Julia Reuter und Paula-Irene Villa herausgegebenen deutschsprachigen Bandes Postkoloniale Soziologie. Empirische Befunde, theoretische Anschlüsse, politische Intervention decken ein breiteres inhaltliches Spektrum ab, ihre Anordnung ist aber in keiner den Leser_innen nachvollziehbar gemachten Weise strukturiert. Zusammengehalten werden die Texte dadurch, dass sie auf verschiedene Weisen Bezug auf postkoloniale Ansätze nehmen und zum größten Teil von Wissenschaftler_innen verfasst wurden, die an deutschen Universitäten tätig sind.
Dem eingangs angesprochenen Beitrag von Boatcă/Costa haben Reuter/Villa noch einen weiteren, von ihnen selbst verfassten Aufsatz zur Seite gestellt, in dem sie ebenfalls programmatisch potentielle Forschungsschwerpunkte einer postkolonial reflektierten Wissen(schaft)ssoziologie, Kultursoziologie, Modernitätssoziologie, Soziologie der Globalisierung sowie Geschlechtersoziologie formulieren. Anders als Boatcă/Costa betonen sie auch die Defizite, die sich aus der in postkolonialen Kontexten mangelnden Rezeption soziologischer Ansätze ergeben. Dadurch werde nicht nur die reale Differenziertheit und Reflektiertheit soziologischer Debatten unterschätzt, es bestehe auch die Gefahr, die Analyse gesellschaftlicher Prozesse zugunsten kultureller und literarischer Forschung zu vernachlässigen.
Weitere eher theoretisch orientierte Beiträge finden sich in Form der deutschen Erstübersetzung eines Auszuges aus Gayatri Chakravorty Spivaks zentralem Werk A Critique of Postcolonial Reason sowie der Texte von Wolfgang Gabbert, Boike Rehbein und Kien Nghi Ha. Darüber hinaus werden postkoloniale Ansätze auf soziologische Forschungsbereiche bezogen – beispielsweise in Helma Lutz' Beitrag über postkolonial reflektierte Biographieforschung – oder mit etablierten soziologischen Theoretikern verbunden – wie in Nirmal Puwars Text über eine postkoloniale Lesart Bourdieus.
Es sind vor allem zwei Punkte, die diesen Sammelband positiv gegenüber dem englischsprachigen auszeichnen: Erstens wird dem Themenfeld Geschlecht und Intersektionalität mehr Aufmerksamkeit gewidmet; es ist Gegenstand des Textes von Ina Kerner und wird auch in anderen Beiträgen ausführlich diskutiert. Zweitens wird im Beitrag von María do Mar Castro Varela und Nikita Dhawan die besondere Problematik postkolonialer Studien im deutschen Kontext ausführlich thematisiert.

Beiden Bänden gemein ist, dass die meisten beitragenden Autor_innen im eingangs skizzierten konfliktreichen Verhältnis von Soziologie und postkolonialer Kritik tendenziell auf Seiten letzterer stehen. Auch wenn Boatcă/Costa ebenso wie Reuter/Villa betonen, dass es nicht um eine Abschaffung der Soziologie geht, und obwohl die oben angesprochenen gemäßigteren Autor_innen ebenfalls eine Stimme erhalten, häufen sich doch die Momente, in der die Kritik der Soziologie ins Bodenlose geht und das Kind mit dem Bade auszuschütten droht. Wenn das Projekt der Moderne von seinen "specifically European complexes such as rationalism, secularization, liberalism" (DES, S. 91) befreit würde, wie Pieterse es fordert, liefe man Gefahr, es zugleich auch seines normativen Kerns zu berauben. Der offensiv formulierte Verzicht auf diese normative Basis steht in deutlicher Spannung zu den starken normativen Claims, die von postkolonialer Seite formuliert werden und die in großer Nähe zum in Europa entscheidend vorangetriebenen Humanismus stehen. Auch der von Reuter/Villa vorgeschlagene Weg, nach dem die postkolonial gebrochene Soziologie "ohne die eine große (allgemeine) Theorie sozialer Emanzipation auskommen" muss, aber auf "die vielen fragmentarischen Emanzipations- und Kritikprojekte, welche sich im Rahmen laufender 'contrahegemonialer' Positionen verdichten," (PS, S. 40) bauen kann, entgeht dem Problem nur scheinbar. Denn wenn sie bestimmen wollten, welche fragmentarischen Projekte nun als Emanzipationsprojekte gelten können, bräuchten sie doch einen Begriff von Emanzipation. Ob sie zu dessen Formulierung auf die abendländische Tradition verzichten können, ist zu bezweifeln.
Trotz dieser Probleme leisten beide Bände einen bedeutenden Debattenbeitrag. Ihrer Einschätzung, dass die Soziologie einer postkolonialen Reflexion und die postkoloniale Kritik soziologischer Ansätze bedarf, ist unbedingt zuzustimmen. Forscher_innen, die diese Vermittlung anstreben, ist die Lektüre der beiden Bände zu raten.

(DES): Gutiérrez Rodríguez, Encarnación; Boatcă, Manuela und Costa, Sérgio (Hg.): Decolonizing European Sociology. Transdisciplinary Approaches. Farnham/Burlington: Ashgate, 2010.
(PS): Reuter, Julia und Villa, Paula-Irene (Hg.): Postkoloniale Soziologie. Empirische Befunde, theoretische Anschlüsse, politische Intervention. Bielefeld: transcript, 2009.


Gutiérrez Rodríguez, Encarnación; Boatcă, Manuela und Costa, Sérgio (Hg.): Decolonizing European Sociology. Transdisciplinary Approaches. Farnham/Burlington: Ashgate, 2010. 269 S., kartoniert, 43,99 Euro. ISBN: 978-0-7546-7872-4



Table of Contents


List of Tables vii

List of Contributors ix

Manuela Boatcă, Sérgio Costa and Encarnación Gutiérrez Rodríguez
Introduction: Decolonizing European Sociology: Different Paths towards a Pending Project 1

Part I Unsettling Foundations


Manuela Boatcă and Sérgio Costa
1 Postcolonial Sociology: A Research Agenda 13

Gurminder K. Bhambra
2 Sociology A fter Postcolonialism: Provincialized Cosmopolitanisms
and Connected Sociologies 33

Encarnación Gutiérrez Rodríguez
3 Decolonizing Postcolonial Rhetoric 49

Part II Pluralizing Modernity

Göran Therborn
4 Different Roads to Modernity and Their Consequences: A Sketch 71

Jan Nederveen Pieterse
5 New Modernities: What's New? 85

Nilüfer Göle
6 European Self-Presentations and Narratives Challenged by Islam: Secular Modernity in Question 103

Part III Questioning Politics of Difference

Gregor McLennan
7 Eurocentrism, Sociology, Secularity 119

Jin Haritaworn
8 Wounded Subjects: Sexual Exceptionalism and the Moral Panic on 'Migrant Homophobia' in Germany 135

Immanuel Wallerstein
9 The Perpetual Redrawing of Cultural Boundaries: Central Europe in the Light of Today's Realities 153

Part IV Border-ThinkingKien Nghi Ha

10 Integration as Colonial Pedagogy of Postcolonial Immigrants and People of Colour: A German Case Study 161

Sandra Gil Araújo
11 The Coloniality of Power and Ethnic Affinity in Migration Policy: The Spanish Case 179

Shirley Anne Tate
12 Not all the Women Want to be White: Decolonizing Beauty Studies 195

Part V Looking South

Franco Cassano
13 South of Every North 213

Boaventura de Sousa Santos
14 From the Postmodern to the Postcolonial – and Beyond Both 225

Heriberto Cairo
15 Critical Geopolitics and the Decolonization of Area Studies 243

Index 259


Reuter, Julia und Villa, Paula-Irene (Hg.): Postkoloniale Soziologie. Empirische Befunde, theoretische Anschlüsse, politische Intervention. Bielefeld: transcript, 2009. 336 S., broschiert, 28,80 Euro, ISBN: 978-3-89942-906-0


Inhaltsverzeichnis


Vorwort 7

Julia Reuter & Paula-Irene Villa
Provincializing Soziologie. Postkoloniale Theorie als Herausforderung 11

Gayatri Chakravorty Spivak
Kultur 47

Manuela Boatcă & Sergio Costa
Postkoloniale Soziologie: ein Programm 69

Miriam Nandi
Am I that Other? Postkoloniale Intellektuelle und die Grenzen des Postkolonialismus 91

Helma Lutz
Biographieforschung im Lichte postkolonialer Theorien 115

Susanne Schroter
Postkoloniale Dimensionen von Islamismus und islamischem Fundamentalismus. Beispiele aus Indonesien 137

Wolfgang Gabbert
Das Eigene und das Fremde im "globalen Dorf" –
Perspektiven einer kritischen Soziologie der Globalisierung 159

Nirmal Puwar
Bourdieu, postkolonial. Anmerkungen zu einem Oxymoron 181

Benedikt Kohler
Edward W. Saids postkolonialer Kosmopolitismus 193

Boike Rehbein
Eine kaleidoskopische Dialektik als Antwort auf eine postkoloniale Soziologie 213

Ina Kerner
Verhalt sich intersektional zu lokal wie postkolonial zu global? Zur Relation von postkolonialen Studien und Intersektionalitatsforschung 237

Kien Nghi Ha
Postkoloniale Kritik als politisches Projekt 259

Ceren Turkmen
Subalternitat, Differenz und Ethnisierung – Problematiken Postkolonialer Theorie im Kontext politischer Transformation 281

Maria do Mar Castro Varela & Nikita Dhawan
Mission Impossible: Postkoloniale Theorie im deutschsprachigen Raum? 303

Autorinnen und Autoren 331


Must Sociology Be Decolonized – And What Will Be Left of It?

Recent years have seen the publication of two edited volumes trying to bridge the gap between postcolonial studies and sociology. The English language volume Decolonizing European Sociology edited by Encarnación Gutiérrez Rodríguez, Manuela Boatcă, and Sérgio Costa has a European scope, a more systematic structure, and the more prominent authors. The German language volume Postkoloniale Soziologie edited by Julia Reuter and Paula-Irene Villa offers a broader variety in topics and reflects the specific situation of postcolonial studies in Germany. It becomes clear that the postcolonial critique of sociological approaches shows a tendency for hyperboles and faces fundamental problems, which none of the volumes manages to resolve plausibly. However, both make a valuable contribution to a postcolonial reflection of sociology as well as to a sociological enrichment of postcolonial studies.


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