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Hybride Grenzgängerin

Eine Rezension von Juliane Schöneich (Osnabrück)

Metzger, Anneka: Zur Rede Stellen. Die performativen Textinstallationen der Lyrikerin Barbara Köhler. Bielefeld: Aisthesis, 2011.

Anneka Metzger untersucht in ihrer Dissertation Barbara Köhlers Textinstallationen als Beispiel für experimentelle intermediale Kunstformen der Gegenwart. Sie konzentriert sich dabei auf die 'Sprachräume' Barbara Köhlers, um sowohl poetisches Konzept als auch Installationspraxis einer genauen Analyse zu unterziehen. Unter dem Begriff der 'performativen Poesie' werden dabei adäquate Kategorisierungsmöglichkeiten für verschiedene Text-Raumvorstellungen gefunden und in Beziehung zu aktuellen ästhetischen Handlungskonzepten gesetzt. 


Ausgehend von der Annahme, dass Lyrik als Gattungsform prädestiniert wäre, um intermedialen Grenzüberschreitungen Raum zu geben, versuchte Anneka Metzger sprachreflexiven Aspekten experimenteller Poesie der Gegenwart nachzugehen. Da sie diesen jedoch bestenfalls „affirmativ interaktive, technoutopische Spielerei“ (S. 14) attestieren kann, konzentriert sie sich in ihrer nun publizierten Dissertation auf die 'Sprachräume' Barbara Köhlers und unterzieht diese einer genauen Analyse in Hinblick auf poetisches Konzept und Installationspraxis. Unter dem Begriff der 'performativen Poesie' werden dabei die aus der exklusiven Sphäre des Sprachlichen heraus in den sozialen und situativen 'Raum' eintretenden Arbeiten zusammengefasst.

Das erste Kapitel soll Grundlagen und mögliche Ausgangspunkte für Köhlers Textinstallationen untersuchen. Metzger nähert sich zu Beginn einer Definition des 'Sprachraums', indem sie wissenschaftstheoretische Unterscheidungen von 'Ort' und 'Raum' mit poetologischen Aussagen Köhlers untermauert. Im Anschluss wird über einige Beispiele aus dem weit gefassten Bereich der sprachreflexiven Lyrik und über Ausführungen zu Performanz- und Spielraumbegriff, der Bogen von Sprachmaterial zu Raumkonzeptionen und Ansatzpunkten prozessorientierter Installationskunst gespannt. Der letzte Bereich der 'Perspektiven' widmet sich kurz grundlegenden Überlegungen zur Unmöglichkeit weiblicher Autorschaft. Theoretische Ansätze und Grundlagen zur Sprach- und Subjektproblematik, die sich in Köhlers Konzept einer "Grammatik der Differenz" spiegeln, werden angesprochen um den notwendigen Schritt zu neuen künstlerischen Strategien zu begründen.

Diese werden anhand konkreter Arbeiten mit 'ortsgebundenem Kontext' im zweiten Kapitel dargestellt. Zunächst geht die Verfasserin jedoch auf den sozialen Rahmen, in dem sich Köhlers erste künstlerische Aktivitäten entwickelten, ein. Die alternative Kunstszene der späten achtziger Jahre in der DDR prägte Köhler in zwei für diese Arbeit wichtigen Aspekten: in der auf Befreiung und Dialog hin orientierten Sprache einerseits und durch die dort praktizierte produktive Zusammenarbeit von KünstlerInnen verschiedenster Disziplinen andererseits. In Texten über Kunst sieht Metzger einen möglichen Ausgangspunkt für Köhlers raumorientierte Arbeiten, die sich, bevor der 'reale Raum' beschritten wurde, jenen schon als Bildfläche, Gewebe oder Sprachraum erschufen. Anschließend kategorisiert die Verfasserin die 'Sprachräume' in Texträume, Textinstallationen und textuelle Kooperationen und illustriert sie anhand von im Anhang dokumentierten Beispielen.

Das letzte Kapitel greift diese Kategorien auf und setzt sie in den Kontext aktueller ästhetischer Diskurse. Dafür blickt Metzger auf Autorin, Text und RezipientIn, um das "Handlungspotential performativer Poesie" zu untersuchen und zu hinterfragen, welche Rolle Kunst im öffentlichen Raum spielen kann.

Metzgers Arbeit setzt die Textinstallationen Barbara Köhlers in Zusammenhang mit sprachreflexiver Lyriktradition und Installationskunst, indem sie theoretische Grundlagen mit poetischem Konzept und Analyse einzelner Werke verbindet. Wie die untersuchten Texte Köhlers bewegt sich auch die Arbeit von Metzger zwischen den Disziplinen, daher sind die wechselnden theoretischen Bezugsrahmen und die bisweilen erweiterbaren Referenzen auf Sekundärliteratur (beispielsweise in Bezug auf experimentelle/konkrete Poesie oder Performanz) erklärbar. Der Aufbau der Arbeit hätte ein wenig klarer gestaltet, das letzte Kapitel vertieft und um eine zusammenfassende, abschließende Stellungsnahme erweitert werden können. Auch eine Einordnung der Textinstallationen in den Werkzusammenhang wäre wünschenswert gewesen. Dennoch bietet Metzgers Arbeit neue, weiterführende Einsichten, insbesondere bei der konkreten Analyse (Kapitel II, S. 105 ff.) und als Auseinandersetzung mit hybriden Kunstformen. Diese rücken zu Recht in den Fokus und sind, wie Metzger fordert, als „souveräne und adäquate Positionen wahrzunehmen“ (S. 17), für die angemessene Dokumentations- und wissenschaftliche Zugangsformen gefunden werden müssen.


Metzger, Anneka: Zur Rede stellen. Die performativen Textinstallationen der Lyrikerin Barbara Köhler. Bielefeld: Aisthesis Verlag, 2011. 239 S., broschiert, 34,80 €. ISBN 978-3-89528-834-0


Inhaltsverzeichnis

Prolog: Der Raum der Schriftstellerin S. 9

Einleitung S. 13

Perspektiven S. 27
Der Sprachraum als dichterisches Wirkungsfeld S. 27
Raumkonzeption als bildende Kunst S. 65
Ortlosigkeit. Von der Unmöglichkeit weiblicher Autorschaft S. 81

Barbara Köhlers situationserzeugende Text-/Raum-Strategien S. 105
Beschreiben: Texte zur Kunst S. 107
Evozieren: Texträume S. 120
Einrichten: Texte im Raum S. 129
Kooperieren: Semiloge S. 150

Auf die Probe gestellt. Handlungspotential performativer Poesie S. 161
Zwischen "Stimmführung" und Feld (ein)räumen S. 163
Text als Raumerfahrung S. 171
Mit Sprache handeln? Zwischen Kunst und Leben S. 178

Anhang S. 189
Dokumentation der Projekte und Kooperationen S. 191
Werkverzeichnis S. 224

Literaturverzeichnis S. 229
Siglenverzeichnis S. 238
Dank S. 239

Hybrid Border Crossing

In her PhD thesis, Anneka Metzger examines Barbara Köhler's text installations as an example of current experimental intermedial art forms. Based on the hypothesis that lyric as a genre would be predestined to allow border crossings between different forms of art, Metzger focuses on reflexive aspects of experimental poetry. She concentrates on the 'linguistic spaces' of Barbara Köhler to analyse poetic concept as well as practical installation. Köhler's work, which in some cases escapes the exclusive sphere of the linguistic and leaps into the social and situative space, is described under the concept of 'performative poetry.' Metzger finds adequate possibilities of categorization for different text-space images and compares them with current aesthetic discussions.


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