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Work in progress: junge und interdisziplinäre Forschung in der Deutschdidaktik

Eine Rezension von Lisa Schüler

Boelman, Jan; Frickel, Daniela; Rupp, Gerhard (Hg.): Aspekte literarischen Lernens. Junge Forschung in der Deutschdidaktik. Hamburg: Lit, 2010.

Die vorliegende Herausgeberschaft von Gerhard Rupp, Jan Boelmann und Daniela Frickel entstand im Nachklang einer vom Fachdidaktischen Doktorandenkolloquium Germanistik der Ruhr-Universität Bochum initiierten Tagung zu dem Thema "Aspekte sprachlichen und literarischen Lernens", die 2010 stattfand. Durch die Auswahl der abgedruckten Beiträge liegt der Fokus nun auf Seiten des literarischen Lernens. Rupp, Boelmann und Frickel bieten mit diesem in der Reihe "Leseforschung" vorgelegten 2. Band einen vielseitigen Einblick in junge Forschung der Deutschdidaktik: Theoretische Modellierungen finden sich hier ebenso wie konkrete Unterrichtsforschung; Interventionsstudien (z.B. zur Verbesserung von Lesestrategien) folgen auf Überlegungen zu diagnostischen Verfahren. Der Sammelband ist interdisziplinär angelegt: Neben eher literaturwissenschaftlich, -soziologisch oder -didaktisch fundierten Projekten stehen solche, die dezidiert pädagogisch-psychologisch ausgerichtet sind.
 


Womit beschäftigen sich junge Forscherinnnen und Forscher in der Deutschdidaktik derzeit? Was sind aktuelle Probleme und Herausforderungen? Auf diese Fragen gibt der vorliegende Sammelband überzeugende Antworten. Darin wird Neues erschlossen, ein Seitenblick auf Außergewöhnliches und ein etwas anderer Blick auf Grundsätzliches geworfen. Die Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen präsentieren ihre Projekte dabei in ganz unterschiedlichen Phasen des Forschungsprozesses. Der Stand der konzeptionellen Überlegungen ist ebenso vertreten, wie der Bericht über erste Ergebnisse oder die fast abgeschlossene Dissertation. Dadurch bekommt der Leser Einblick in Vorgänge und Überlegungen des Forschungsprozesses, die bei der Veröffentlichung abgeschlossener Projekte verloren gehen würden. Die insgesamt elf Beiträge sind in drei thematische Teile gegliedert:

Für den ersten Teil, der sich mit "Neuen Problemfeldern und Perspektiven in der Deutschdidaktik" beschäftigt, können exemplarisch die Beiträge von Jan Boelmann, Nicole Abstiens und Daniela Walden angeführt werden. Walden beschäftigt sich mit der identitätsbildenden Funktion des Deutschunterrichts. Sie stellt mit dem Ansatz transkulturellen Lernens ein Unterrichtskonzept vor, das auf den inhomogenen Charakter und die Pluralisierung heutiger Gesellschaften reagiert.
Boelmann erschließt den bisher wenig beachteten Bereich des computerspielbasierten literarischen Lernens analog zum printbasierten literarischen Lernen, ermöglicht so einen Transfer von Bewährtem auf ein neues Gebiet und zeigt damit das Lernpotential der Spiele auf.
Das Dissertationsprojekt von Abstiens macht Goethes Idee "Wer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande gehen" zum Prinzip einer neuen Perspektive für die Vermittlung von Literatur. In der von ihr vorgestellten "Outdoordidaktik" werden textaffine Landschaften aufgesucht, um das Erleben von Literatur und Lesefreude zu ermöglichen und dadurch ein tieferes bzw. anderes literarisches Verstehen zu erreichen.

Der zweite Teil beinhaltet Artikel, die sich schwerpunktmäßig mit den Forschungsbereichen "Textverstehen und Leseförderung" beschäftigen. Jessica Gahn skizziert z.B. ihr Projekt zum Thema "literarästhetische Verstehensleistungen bei Texten, die die Kohärenzetablierung erschweren". Den Verstehensleistungen von Schülerinnen und Schülern eines 8. Jahrgangs beim Lesen solcher literarischen Texte, die einander widersprechende Einzeldeutungen erfordern und die dadurch Kohärenzetablierung erschweren, nähert sich Gahn über die Methode des lauten Denkens.
Sabine Stegemanns Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, überschaubare und vor allem praktikable Fördermaßnahmen im Bereich Lesestrategien für sogenannte Risikoschülerinnen und -schüler zu entwickeln. Erste Ergebnisse aus ihrer qualitativen Einzelfallstudie zeigen einerseits, dass die konsequente Anwendung ausgewählter Lesestrategien (z.B. "Fragen stellen", "Zusammenfassen von Textinformationen") in Kombination mit einer Förderung der Leseflüssigkeit zu einer Verbesserung der individuellen Lesekompetenz führen kann. Andererseits wird aber auch deutlich, dass es besonders schwierig ist, jene Schülerinnen und Schüler zu fördern, die ohnehin als sehr leseschwach gelten.

Der dritte Abschnitt wird als "Literaturwissenschaftliche Ansätze" angekündigt, besteht allerdings nur aus einem Beitrag: Im Fokus der Arbeit von Sebastian Moska steht mit der Feldtheorie von Pierre Bourdieu ein soziologischer Ansatz, dessen Anwendungspotential für die Literaturwissenschaft er aufzeigen möchte. Die Feldtheorie eigne sich insbesondere für die Analyse von Positionskämpfen, wie Moska an einem Text von Gruppe 47-Mitglied Martin Walser darlegt.

Insgesamt überzeugend ist die thematische Darbietung des Bandes in den genannten Überschriften "Neue Problemfelder und Perspektiven in der Deutschdidaktik" sowie "Textverstehen und Leseförderung". Der letzte Teil "Literaturwissenschaftliche Ansätze" hingegen bleibt isoliert: Ohne expliziten Didaktikbezug wirkt dieser den Schluss bildende, vereinzelte Artikel etwas auf verlorenem Posten, auch wenn er beispielhaft für weitere Beiträge der dem Band zugrundeliegenden Tagung steht.
Obwohl das Herausgreifen spezieller Abschnitte aus dem Forschungsgroßkontext für die Artikelveröffentlichung in den Beiträgen sehr unterschiedlich realisiert wird und teilweise eine ausschnitthafte Wirkung entsteht, liegt mit dem Sammelband insgesamt eine Publikation vor, die eine inspirierende Zusammenschau aktueller Forschungsfragen liefert. Ein besonderer Mehrwert der Publikation resultiert aus der den Beiträgen zugrunde liegenden Textsorte: Veröffentlichungen, die aus Qualifikationsarbeiten hervorgehen, bieten ausgezeichnete Zusammenfassungen zum aktuellen Forschungsstand, bei denen Vorausgegangenes aufgearbeitet, neu strukturiert, kombiniert und verdichtet wird. Z.B. zu den Themen "Textverstehen", "Leseförderung" und "identitätsstiftende Funktion des Deutschunterrichts" findet man im vorliegenden Band hervorragende Überblicke und verständliche Darstellungen, die am je individuellen Forschungsgegenstand konkretisiert werden. Sie sind zudem eingängig zu lesen und bieten so einen guten Zugang zu den einzelnen Thematiken.


Gerhard Rupp, Jan Boelmann und Daniela Frickel (Hg.): Aspekte literarischen Lernens. Junge Forschung in der Deutschdidaktik. Berlin: LIT Verlag Dr. W. Hopf, 2010 (Leseforschung; Bd. 2). 208 S., broschiert, 19.90 EUR. ISBN: 978-3-643-10765-7


Inhaltsverzeichnis


Vorwort ... 7

I. Neue Problemfelder und Perspektiven in der Deutschdidaktik Matthias Pauldrach: "Ich bin viele" – Ein Plädoyer für die Neukonzeption einer identitä̈tsorientierten Deutschdidaktik ... 13
Daniela Walden: Transkulturelles Lernen im Deutschunterricht ... 29
Julia Knopf: Über die Wirkungsweise des gymnasialen Literaturunterrichts ... 43
Jan Boelmann: Narrative Computerspiele als Gegenstand des Literaturunterrichts – Computerspielbasiertes literarisches Lernen mit dem Adventure-Spiel Ceville ... 61
Nicole Abstiens: Outdoordidaktik. Die Schweiz als Vermittlungsfeld von Literatur ... 77

II. Textverstehen und Leseförderung
Julia Klossek: Modellierung von globalem Leseverstehen ... 95
Daniela A. Frickel: Textschwierigkeit als Parameter literarischen Textverstehens. Erörtert am Beispiel Kleiner Prosa ... 113
Jessica Gahn: "Ich mag Geschichten mit Magie und Geheimnissen!"
–Kognitionswissenschaftliche Erfassung literarischer Verstehensleistung bei Texten, die die Kohärenzetablierung erschweren ... 129
Miriam Lotz: Kognitiv aktivierende Leseübungen im Anfangsunterricht der Grundschule. Eine Videostudie ... 145
Sabine Stegemann: Förderung der Lesekompetenz leseschwacher Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 einer Gesamtschule. Eine Interventionsstudie ... 165

III. Literaturwissenschaftliche Ansätze
Sebastian Moska: Anwendungsmöglichkeiten der Bourdieuschen Feldtheorie in der Literaturwissenschaft am Beispiel der Gruppe 47 ... 187
Autorenverzeichnis ... 199


Work in Progress: Young and Interdisciplinary Research in German Didactics

This volume, edited by Gerhard Rupp, Jan Boelmann and Daniela Frickel, contains the proceedings of a graduate conference at Ruhr University Bochum in 2010. It is the second volume of the series "Leseforschung" (Research in Reading) and presents a versatile insight into current work by young German didactic researchers: the contributions extrapolate on new aspects and take a sidelong glance at strange ones, while also paying attention to the basics. In this book you can find theoretical work as well as concrete classroom research, intervention studies, and diagnostic procedures. It is an interdisciplinary anthology which contains studies of German literature, didactics, and sociology in addition to pedagogy- and psychology-based studies.



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