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Afroamerikanische Literaturgeschichte, überblicksartig in siebenundzwanzig Teilen

Eine Rezension von Daniel Holder

Jarrett, Gene Andrew (Hg.): A Companion to African American Literature (Blackwell Companions to Literature and Culture)San Francisco/Toronto/West Sussex: John Wiley & Sons, 2010.

Der von Gene Andrew Jarrett herausgegebene Companion to African American Literature versucht in siebenundzwanzig Einzelbeiträgen einen fundierten Überblick über die wichtigsten Themen der afroamerikanischen Literaturgeschichte zu geben, angefangen von ihrer Genese im 18. Jahrhundert während der Sklaverei bis hin zur afroamerikanischen Gegenwartsliteratur. Dabei weiß der Band vor allem durch die durchgängig hohe Qualität seiner einzelnen Beiträge zu überzeugen, konzeptionelle Mängel, vor allem im dritten Teil des Bandes, trüben den eigentlich positiven Gesamteindruck jedoch.


Der Herausgeber des vorliegenden Companion to African American Literature, Gene Andrew Jarrett, ist sich der Tatsache bewusst, nicht die erste überblicksartige, literaturhistorische Darstellung zur afroamerikanischen Literatur zu präsentieren. Dabei versucht er seinen Companion vor allem durch den methodischen Ansatz von aktuellen Konkurrenzveröffentlichungen wie z.B. The Concise Oxford Companion to African American Literature (William L. Andrews, Frances Smith Foster, Trudier Harris (Hg.), New York 2001) abzusetzen, denn statt dezidiert enzyklopädischen Charakter zu besitzen wie genannte Konkurrenzveröffentlichung, zeichnet sich Jarretts Companion vor allem durch seine inhaltliche Tiefe aus: In drei chronologisch aufgebaute Teile strukturiert, finden sich auf 488 Seiten siebenundzwanzig Essays, die in Länge und Umfang auch in jedem akademischen Journal hätten erscheinen können und demzufolge inhaltlich weit über einen enzyklopädischen Eintrag hinausgehen. Das Ziel des Bandes ist demnach ein zweigeteiltes: Durch die detaillierten Beiträge sollen zum einen überblicksartig verschiedene Fragestellungen und Thematiken afroamerikanischer Literatur eingehend besprochen werden, zum anderen soll die jedem Essay angehängte ausführliche Bibliographie für den Informationsgehalt einer Enzyklopädie sorgen (vgl. S. 2).

Der erste Teil des Bandes beschäftigt sich mit der Frühphase der afroamerikanischen Literatur und ihrer Genese im 18. Jahrhundert bis hin zur Abschaffung der Sklaverei, am Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges im Jahre 1865. Die hier kompilierten Essays setzen sich dabei im Anschluss an Paul Gilroys Konzept des 'Black Atlantic' vor allem mit transnationalen und transatlantischen Fragestellungen auseinander, ein Konzept, welches maßgeblich zu einem Neu-Denken insbesondere der afroamerikanischen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts geführt hat. So wirft z.B. Vincent Carretta in seinem Beitrag die Frage auf, inwiefern man in der afroamerikanischen Literatur des 18. Jahrhunderts überhaupt von einem 'afroamerikanischen' Subjekt sprechen kann, und konstatiert, dass ein solches zu dekonstruieren und durch ein Subjekt zu ersetzen sei, welches sich durch vielfältige trans- und supranationale 'roots and routes' auszeichnet.
Der zweite Teil befasst sich mit der afroamerikanischen Literatur im Zeitraum zwischen 1865 und 1940 und hier vor allem mit der Harlem Renaissance, dem Aufblühen afroamerikanischer Literatur und Kultur während der 1920er und 30er Jahre, dem damit verbundenen Konzept des 'New Negros' und afroamerikanischem Modernismus. William J. Maxwell z.B. expliziert in seinem Essay "African American Modernism and State Surveillance" die Verbindungslinien zwischen afroamerikanischer modernistischer Literatur und der geheimdienstlichen Überwachung afroamerikanischer Autoren durch das FBI, welche, wie Maxwell argumentiert, die Entwicklung dieser Literatur, wie z.B. das Werk Claude McKays, stark prägte.
Im letzten Teil werden schließlich Fragen der afroamerikanischen Gegenwartsliteratur ab 1940 aufgeworfen. Hier wird erneut auf literaturhistorische Aspekte eingegangen wie z.B. James Edward Smethurst in seinem Essay über das 'Black Arts Movement' der 1960er Jahre, zudem werden konkrete thematische Aspekte verhandelt so z.B. afroamerikanische Literatur und 'Jazz' bzw. 'Humor'.

Positiv hervorzuheben ist die durchgängig hohe Qualität der einzelnen Beiträge, welche den Companion zu einem inhaltlich fundierten und kompetenten Handbuch machen. Einige inhaltliche Lücken, die dem Konzept der siebenundzwanzig Einzelessays geschuldet sind, fallen auf, sind jedoch zu verschmerzen: Beispielsweise wäre ein ausführlicher Beitrag zur Bedeutung des Genres 'Autobiographie' als einem der wichtigsten literarischen Ausdrucksformen innerhalb der afroamerikanischen Literaturgeschichte wünschenswert gewesen.
Problematisch, gerade aus konzeptioneller Sicht, ist jedoch die literaturhistorische Dreiteilung des Bandes. Diese funktioniert zwar in den ersten beiden Teilen aufgrund der inhaltlichen Kongruenz der dort versammelten Beiträge; der letzte Teil, welcher sich der afroamerikanischen Gegenwartsliteratur widmet, wirkt diesbezüglich jedoch zu disparat. Einerseits werden hier nicht ausschließlich Themen der afroamerikanischen Gegenwartsliteratur besprochen (stattdessen z.B. 'Humor' in der afroamerikanischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert), andererseits werfen die letzten drei Essays plötzlich methodologische Fragen auf, so dass Verwirrung über Struktur und Ziel dieses Teils leider nicht ausbleibt. Dies hätte jedoch gerade bei einem solchen Companion vermieden werden sollen.

Abschließend bleibt zu konstatieren, dass die Beiträge des Bandes zwar durch ihre durchgängig hohe Qualität zu überzeugen wissen, die angesprochenen konzeptionellen Mängel jedoch den eigentlich positiven Gesamteindruck etwas trüben. Das ohnehin etwas hochgesteckt wirkende Ziel, ein "landmark achievement in academic literary studies" (S. 1) zu sein, erreicht der Band somit leider nicht.


Jarrett, Gene Andrew (Hg.). A Companion to African American Literature. Chichester, West Sussex: Wiley-Blackwell, 2010. 488 S., gebunden, 110,99 Euro. ISBN: 978-1-4051-8862-3 


Inhaltsverzeichnis


Notes on Contributors.
Introduction (Gene Andrew Jarrett, Boston University).

Part I: The Literatures of Africa, Middle Passage, Slavery, and Freedom: The Early and Antebellum Periods, c.1750–1865.

1. Back to the Future: Eighteenth-Century Transatlantic Black Authors (Vincent Carretta, University of Maryland).
2. Africa in Early African American Literature (James Sidbury, University of Texas at Austin).
3. Ports of Call, Pulpits of Consultation: Rethinking the Origins of African American Literature (Frances Smith Foster, Emory University; Kim D. Green, Emory University).
4. The Constitution of Toussaint: Another Origin of African American Literature (Michael J. Drexler, Bucknell University; Ed White, University of Florida).
5. Religion in Early African American Literature (Joanna Brooks, San Diego State University; Tyler Mabry, University of Texas at Austin).
6. The Economies of the Slave Narrative (Philip Gould, Brown University).
7. The 1850s: The First Renaissance of Black Letters (Maurice S. Lee, Boston University).
8. African American Literary Nationalism (Robert S. Levine, University of Maryland).
9. Periodicals, Print Culture, and African American Poetry (Ivy G. Wilson, Northwestern University).

Part II: New Negro Aesthetics, Culture, and Politics: The Modern Period, 1865–c.1940.

10. Racial Uplift and the Literature of the New Negro (Marlon B. Ross, University of Virginia).
11. Racial Uplift and the Dialect of New Negro Literature (Gene Andrew Jarrett, Boston University).
12. African American Literary Realism, 1865–1914 (Andreá N. Williams, Ohio State University).
13. Folklore and African American Literature in the Post-Reconstruction Era (Shirley Moody Turner, Penn State University).
14. The Harlem Renaissance: The New Negro at Home and Abroad (Michelle Ann Stephens, Colgate University).
15. Transatlantic Collaborations: Visual Culture in African American Literature (Cherene Sherrard-Johnson, University of Wisconsin–Madison).
16. Aesthetic Hygiene: Marcus Garvey, W.E.B. Du Bois, and the Work of Art (Mark Christian Thompson, Johns Hopkins University).
17. African American Modernism and State Surveillance (William J. Maxwell, Washington University, St Louis).

Part III: Reforming the Canon, Tradition, and Criticism of African American Literature: The Contemporary Period, c.1940–Present.

18. The Chicago Renaissance (Michelle Yvonne Gordon, University of Southern California-Los Angeles).
19. Jazz and African American Literature (Keith D. Leonard, American University, Washington DC).
20. The Black Arts Movement (James Edward Smethurst, University of Massachusetts Amherst).
21. Humor in African American Literature (Glenda R. Carpio, Harvard University).
22. Neo-Slave Narratives (Madhu Dubey, University of Illinois–Chicago).
23. Popular Black Women's Fiction and the Novels of Terry McMillan (Robin V. Smiles, University of Maryland).
24. African American Science Fiction (Jeffrey Allen Tucker, University of Rochester).
25. Latino/a Literature and the African Diaspora (Theresa Delgadillo, Ohio State University).
26. African American Literature and Queer Studies: The Conundrum of James Baldwin (Guy Mark Foster, Bowdoin College).
27. African American Literature and Psychoanalysis (Arlene R. Keizer, University of California–Irvine).
Index.


African American Literary History, an Overview in Twenty-Seven Parts

The in-depth contributions to the Companion to African American Literature, edited by Gene Andrew Jarrett, attempt to give an overview of African American literary history, outlining its most crucial issues and problems from its genesis in the 18th century during slavery, to post-antebellum literature, the Harlem Renaissance and the 'New Negro', up to the present. Although the essays themselves, written by renowned experts in the field of African American Studies, are of a high quality throughout, the third part of the Companion is flawed by conceptual deficiencies, and thus diminishes the overall positive impression the book leaves.


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