Benutzerspezifische Werkzeuge

Sektionen

Benutzerspezifische Werkzeuge

Information zum Seitenaufbau und Sprungmarken fuer Screenreader-Benutzer: Brotkrumen-Navigation | Direkt zur Navigation | vertikale linke Navigationsleiste | Website durchsuchen | Direkt zum Inhalt | vor rechter Kolumne mit zusaetzlichen Informationen | Aktionen/Tools: Drucken, Permanent Link, to the English version, zur deutschen Version | Fussbereich: Sitemap, Barrierefreiheit, Hilfe und Login fuer Redakteure

Artikelaktionen
  • Permanent Link

Daniel Hopfer – Werkverzeichnis und Münchner Bestandskatalog

Eine Rezension von Andreas Uhr

Metzger, Christof: Daniel Hopfer. Ein Augsburger Meister der Renaissance. Eisenradierungen - Holzschnitte - Zeichnungen - Waffenätzungen. Ausstellungs-Katalog. München: Pinakothek der Moderne [5.11.2009 - 31.1.2010]. Berlin: Deutscher Kunstverlag, 2009.

Mit dem Münchner Bestandskatalog zu Daniel Hopfer (1470–1536) hat Christof Metzger zugleich ein Werkverzeichnis vorgelegt, das über die bisherigen Erkenntnisse deutlich hinausgeht. Metzger präzisiert das bisher aktuelle Verzeichnis zur Hopfer-Werkstatt in der Bearbeitung von Robert Zijlma; es erschien 1986 als Band 15 und 15A in der gründlich recherchierten Reihe: Hollstein's German engravings, etchings and woodcuts: ca. 1400–1700. Anhand eines neu aufgefundenen Blattes, das mit vollem Namen signiert ist, konnte Daniel Hopfer überzeugend die älteste bekannte Ätzradierung zugeschrieben werden. Dieses um 1494 entstandene Blatt zeigt Die Schlacht vor Thérouanne (Kat.-Nr. 72) in einer für seine frühen Eisenradierungen typischen Linie. Neben diesem Blatt werden weitere Blätter erstmals für die Hopfer-Werkstatt benannt, womit zugleich ein wenig bekannter Hopfer-Bestand vorgestellt wird, der sich heute in Bologna befindet. Bisher unpubliziertes Material wird erstmals überzeugend präsentiert.  


Zur Erstellung eines Werkverzeichnisses braucht man ein kritisches Auge, Scharfsinn und Zeit. Christof Metzger wurde durch ein Stipendium der Hypo-Kulturstiftung die Erarbeitung des vorliegenden Bestandskatalogs der Arbeiten der Hopfer-Werkstatt in der Staatlichen Graphischen Sammlung München (SGSM) ermöglicht. Zu der Werkgruppe gehören Blätter von Daniel Hopfer, seinen Söhnen Lambrecht und Hieronymus sowie deren Nachfolger, dem Monogrammisten CB. Bereits die Ausstellung in der Pinakothek der Moderne in München, welche für den Katalog titelgebend war, zeichnete sich durch intensives Studium der Originale aus. In der Verbindung von Forschung und Ausstellungsbetrieb konnten alle Hopfer-Blätter restauriert werden. Hierbei erfolgte zugleich eine repräsentative Untersuchung der verwendeten Papiere, was insbesondere zu einer Neubewertung der Datierung der Abzugsdaten führte.

Metzgers eingehendes Verständnis der Radiertechnik stellt sein einleitender Aufsatz unter Beweis. In klaren, knapp gehaltenen Worten erklärt er die technischen Unterschiede der Strich- und Flächenätzung sowie die Möglichkeiten der Stufenätzung; aussagekräftige Detailabbildungen erleichtern das Verständnis. Ferner legt Metzger die Unterscheidungskriterien für mindestens fünf Druckkampagnen dar. Es handelt sich hierbei um größere Auflagen, die ab dem ausgehenden 15. Jahrhundert bis 1802 von den Eisenplatten der Hopfer-Werkstatt gedruckt wurden. Aufgrund dieses drei Jahrhunderte umspannenden Zeitraums, in dem Abzüge von den Platten der Werkstatt genommen wurden, besteht Metzger mit Recht auf eine klare terminologische Unterscheidung von Auflagen- und Zustandsdrucken. Eine notwendige Unterscheidung, da ein Druckzustand eine durch den Künstler selbst vorgenommene Überarbeitung der Druckplatte nach dem Andruck angibt. Ein solches Vorgehen konnte jedoch nur für drei Blätter nachgewiesen werden (S. 27; Kat.-Nr. 25, 103, 107). Zu beobachten sind vielmehr Nachauflagen, die später von den originalen Platten abgezogen wurden.

Die Aufschlüsslung dieser Einzelauflagen ist das Hauptverdienst des Katalogs (S. 26–34), wodurch er zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel bei der Einzelblatt-Bestimmung wird. Ging die Forschung bisher davon aus, dass die Hopfer-Blätter weitgehend in vier Auflagen gedruckt wurden, so ist durch die Papieruntersuchungen nunmehr klar, dass mindestens fünf Auflagen sowie neuzeitliche Abzüge existieren. Dies ist der Papierforschung zu verdanken, welche bei den einschlägigen Werkverzeichnissen (Bartsch/TIB, Hollstein) kaum Beachtung fand. Daher konnte Metzger die Gruppe der Abzüge vor der 1684 durch den Nürnberger Verleger David Funck hinzugefügten Plattennummerierung auf Grundlage des Papiers in zwei Auflagen unterteilen. Neben den Werkstattabzügen handelt es sich dabei um eine Auflage aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts; wahrscheinlich erfolgte der Druck noch in Augsburg durch die ortsansässige Drucker-Familie Kilian (S. 27 f.).

Der Kernbestand der SGSM geht auf die Sammlung am Mannheimer Hof zurück. Aus dieser gelangten 1780 drei eigentlich von der Hofbibliothek München erworbene Klebebände mit Arbeiten von Israhel van Meckenem, Martin Schongauer und Daniel Hopfer in den Besitz eines Conte Savioli Fontana Corbelli (1751–1788). Sie befinden sich heute in Bologna (Pinacoteca Nationale, Gabinetto dei Disegni e delle Stampe) und wurden von der Forschung nur wenig beachtet. Gegenüber den Hollstein-Angaben konnten im vorliegenden Band vielfältige Ergänzungen vorgenommen werden (vgl. S. 533–537), unter anderem wurde das Œuvre Daniel Hopfers um drei Radierungen (alle Bologna) und fünf Einträge der xylographischen Buchillustration ergänzt. Das Verzeichnis der bekannten Arbeiten von Lambrecht und Hieronymus Hopfer wurde um jeweils zwei Arbeiten (Bologna und Paris, Bibliothèque Nationale) bereichert (vgl. S. 555).

Der Katalog zielt klar auf Dokumentation ab und ermöglicht den raschen Zugriff auf vielfältige Informationen. Für die Arbeit in der Praxis ist die komprimierte Zusammenstellung der grundlegenden Informationen im Anhang entscheidend, wodurch er zu einem effektiven Hilfsmittel wird. Gelistet sind charakteristische Papierbeschreibungen der einzelnen Druckkampagnen (S. 538–540), der Verbleib von Druckplatten (S. 541), Abhängigkeiten der Kompositionen (S. 542 f.) sowie sämtliches Quellenmaterial zur Hopfer-Werkstatt (S. 544–551). Herauszuheben sind hierbei die als Q24 abgedruckten Familien-Stammtafeln der Hopfer aus dem Stadtarchiv Augsburg. Den Abschluss des Bandes bilden Konkordanzen, die eine zielgenaue Suche innerhalb des Katalogs erlauben. Zur Verfügung stehen Tabellen, die einen Abgleich von Bartsch/TIB zu Metzger (S. 552 f.), Hollstein zu Metzger (S. 554 f.) sowie der Nummerierung nach Funck im Abgleich mit Metzger und Hollstein (S. 556 f.) ermöglichen.

Aus heutiger Sicht war nur der Vater, Daniel Hopfer selbst, künstlerisch innovativ, doch wusste die in Augsburg ansässige Werkstatt einen breiten Markt mit Reproduktionsgraphik zu bedienen. In diesem Sinne stellt Metzger heraus, dass die Werkstatt gezielt auf die bestehende Nachfrage am Markt reagierte. Insofern unterzieht er die alte Fachliteratur einer kritischen Prüfung und bindet selbst jüngst abgeschlossene Dissertationen in seinen Aufsatz ein (vgl. S. 51 Anm. 42 und S. 55 Anm. 110). Achim Riether legt in seinem Beitrag die stilistischen Besonderheiten der Daniel Hopfer zugeschriebenen Zeichnungen dar. Die Einbeziehung weiterer aktueller Forschungsergebnisse erfolgte in Form von ergänzenden Essays durch Tobias Güthner und Freyda Spira; diese arbeiteten schon vor dem Ausstellungsprojekt zu Daniel Hopfer (vgl. S. 47 Anm. 5). Darüber hinaus konnten ausgewiesene Fachvertreter für die Übernahme einzelner Katalogkommentare gewonnen werden.

Insgesamt kann der Katalog somit überzeugen. Ungewöhnlich ist, dass sich im Katalogteil wichtige Angaben zu Signaturen und Provenienzen der vorhandenen Exemplare lediglich in den Fußnoten finden. Hat man sich aber an dieses System gewöhnt, lernt man es durchaus zu schätzen, da sowohl die Einheit des Kerntextes, als auch die Übersichtlichkeit der Zuordnung zu den Druckkampagnen gegeben ist.


Metzger, Christof: Daniel Hopfer. Ein Augsburger Meister der Renaissance. Eisenätzungen – Holzschnitte – Zeichnungen – Waffenätzungen. Mit Beiträgen von Tobias Güthner, Achim Riether und Freyda Spira sowie Katalogkommentaren von Stephan Brakensiek, Stefan Heinz, Ulrich Heiß, Annette Kranz, Birgit Ulrike Münch und Andreas Tacke. [Katalog zur Ausstellung der Staatlichen Graphischen Sammlung München; München, Pinakothek der Moderne, 5. November 2009 bis 31. Januar 2010]. Berlin/München: Deutscher Kunstverlag, 2009. 566 S., broschiert, 49.90 Euro. ISBN: 978-3-422-06931-2


Inhaltsverzeichnis

6 Michael Semff: Vorwort
8 Christof Metzger: Daniel Hopfer
60 Achim Riether: Daniel Hopfers Zeichnungen
68 Freyda Spira: "Wie man schrifft vn gemalde auf stäheline eysene Waffen etzen soll". Daniel Hopfer und die geätzte Dekoration von Rüstungen
86 Tobias Güthner: Von Künstlern und Kaufleuten. Lambrecht und Hieronymus Hopfer
105 Abbildungen

Katalog
Christof Metzger unter Mitarbeit von Stephan Brakensiek, Tobias Güthner, Stefan Heinz, Ulrich Heiß, Annette Kranz, Birgit Ulrike Münch, Achim Riether und und Andreas Tacke
316 Eisenradierungen
478 Holzschnitte
504 Zeichnungen
522 Goldschmiedearbeit
524 Waffenätzungen
532 Addenda und Corrigenda zu Bartsch und den Hollstein-Bänden

Anhang
538 Papiere und Wasserzeichen
541 Druckplatten
542 Nachgewiesene Vorlagen und vermutete Abhängigkeiten der Hopfer-Werkstatt
544 Quellen
552 Konkordanzen
558 Bibliographie
564 Impressum, Bildnachweis, Dank

The Munich Collection – A Catalogue of Works by Daniel Hopfer

The catalogue of works by Daniel Hopfer (1470–1536) preserved by the Munich collection, as presented by Christof Metzger, is, at last, a catalogue raisonné. The content is much more comprehensive than that of the earlier edition, Hollstein's German engravings, etchings and woodcuts: ca. 1400–1700. Based on a new-found etching that shows the Battle of Thérouanne (Cat.-no. 72), it is clearly pointed out that about 1494 Daniel Hopfer was the first to use this technique. But this is not the only newly discovered sheet of the Hopfer atelier. Because of a former connection, an album with etchings by Hopfer and his atelier was discovered in a collection in Bologna. This unpublished material is presented for the first time in the current catalogue raisonné.


© beim Autor und bei KULT_online