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Transdisziplinäre und kosmopolitische Reflexionen über die Religions- und Kultursoziologie in Deutschland

Eine Rezension von Ursula Arning

Faber, Richard; Hager, Frithjof (Hg.): Rückkehr der Religion oder säkulare Kultur? Kultur- und Religionssoziologie heute. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2007.

Die Ringvorlesung "Rückkehr der Religion oder säkulare Kultur? Kultur- und Religionssoziologie heute" am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin (Sommersemester 2006) war Grundlage für den vorliegenden gleichnamigen Band. Die Autoren behandeln zunächst allgemeine soziologische Fragen in Bezug auf "Universalität und Territorialität", um sich dann spezifischer mit den Bereichen der Kultursoziologie, der Religionssoziologie und abschließend mit der Frage nach "Kultur und Religion – zu ihrem Sitz im Leben" zu beschäftigen. Trotz unterschiedlicher Themenschwerpunkte und Herangehensweisen ist allen Beiträgen die Fragestellung nach der Positionierung des Faches Soziologie in der Wissenschaft inhärent. Durch den Band wird es Studierenden der Kultur- und Religionssoziologie sowie Studierenden der Soziologie und Religionswissenschaften möglich, einen Überblick über die verschiedenen Themenfelder der Soziologie in Bezug auf Religion und Kultur zu bekommen, der bei Interesse anhand der ausführlichen Literaturangaben am Ende jedes Aufsatzes vertieft werden kann. 


Der Band "Rückkehr der Religion oder säkulare Kultur? Kultur- und Religionssoziologie heute" ist aus der gleichnamigen Ringvorlesung, gehalten am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin im Sommersemester 2006, entstanden. Die Ringvorlesung sowie der Band wurden von den (Kultur-)Soziologen Frithjof Hager und Richard Faber (beide Berlin) organisiert. Unter den Referenten und Beiträgern befinden sich überwiegend Professoren der Soziologie, aber auch der Sozialpolitik, der Kultursoziologie, der Literatur- und der Religionswissenschaft sowie ein freier Autor. Allen gemeinsam war die Frage nach der Positionierung der Soziologie in den Wissenschaften.

Nach der Einführung durch den Mitherausgeber Frithjof Hager steht im ersten Abschnitt des in fünf Teile untergliederten Bandes zunächst die Thematik "Universalität und Territorialität" im Vordergrund: Sozialwissenschaftliches Wissen bleibt nach Berking (S. 49) zwar aller Globalisierungsrhetorik zum Trotz "kulturell und lokal spezifisches Wissen", doch sind die moderne Gesellschaft und die moderne Kultur "Weltgesellschaft und Weltkultur" (Brunkhorst, S. 29), wobei sich die Menschen unbeirrbar "in ihrem Welt- und Selbstverständnis ausdrücklich und vollständig auf sich selbst als Menschen" stellen (Weiß, S. 12).

Im zweiten Teil des Bandes wird in den Beiträgen nach der ‚Kultursoziologie heute’ gefragt. Dabei ist der Aufsatz von Klaus Lichtblau über den "andauernden Streit um den Kulturbegriff in der Soziologie" von zentraler Bedeutung, finden sich doch auch in anderen Fachbereichen, wie zum Beispiel der Literaturwissenschaft, die unterschiedlichsten Definitionen zum Kulturbegriff und die kontinuierliche Debatte um dessen Schärfung. Wie sich die Entwicklung der deutschen Kulturwissenschaften und der cultural studies darstellt, betrachtet vergleichend Clemens Albrecht, während Heribert Tommek und Hans Zitko spezifizierter auf das Verhältnis von Literatur, Kunst und Soziologie eingehen.

Fragen der aktuellen Religionssoziologie werden schließlich im dritten Teil diskutiert. Dabei steht sowohl bei Wolfgang Eßbach als auch bei Hartmann Tyrell die Frage nach der Bedeutung der Religion in der heutigen Gesellschaft im Vordergrund. In seinem Aufsatz "Religion und Politik. Émile Durkheim und Max Weber", der wie in der Einführung gefordert zur Positionierung der Soziologie in den Wissenschaften beiträgt und auch der neueren Forschung gerecht wird, stellt Tyrell mit Blick auf den Forschungskontext fest, dass ein Vergleich des Verhältnisses von Religion und Politik bei Durkheim und Weber bis dato noch nicht geschehen ist, sich in vergleichender Perspektive jedoch eine "aufdringliche Diskrepanz zwischen den beiden gern klassisch genannten, jedenfalls zeitgenössischen Soziologien" (S. 192) andeutet. Tyrells Ziel ist zunächst ein französisch-deutscher Vergleich, in dem er Webers Begriffsbildung von Staat und Kirche mit Durkheims Religionsbegriff konfrontiert und dabei insbesondere auf die nationalstaatliche Prägung dieser Begrifflichkeiten eingeht: Durch Webers differenzierte Begriffsdefinition von Religion und Politik sei die moderne Trennung von Staat und Kirche angemessen beschreibbar worden. Nicht einverstanden ist er mit José Casanova, der 2001 Weber mit Blick auf die Globalisierung für nicht mehr relevant erklärte (vgl. S. 197). Diese – entgegen seiner Ankündigung dann doch nicht außer Acht gelassene – Diskussion dient als Aufhänger, um herauszustellen, dass für Weber ein Unterschied zwischen religious cults und religious communities besteht. Demgegenüber, so die Schlussfolgerung Tyrells, ist Durkheims Soziologie eine ganz andere, da für ihn der ‚Gemeinschaftskult’, das Zentrum des Religiösen ist und das bei Weber grundlegende Konfliktpotential nicht vorhanden sei.
Weiterhin geht Tyrell auf die Zusammenhänge von Durkheims Religionssoziologie und der Zivilreligion (im Sinne Jean-Jacques Rousseaus) ein. Am Beispiel Robert N. Bellahs stellt Tyrell ihre abweichende Konzeption in den USA heraus, um schlaglichtartig auf deren Diskussion in Deutschland unter dem Begriff der "politischen Religion" einzugehen. Die ‚religionspolitische’ Typologie von Juan Linz (1996) schließt sowohl die französisch ‚feindlich-laizistische’ als auch die amerikanisch-‚freundschaftliche’ Trennung (vgl. S. 205) ein, hat ihren Untersuchungsschwerpunkt jedoch auf den totalitären Beispielen des 20. Jahrhunderts, die von politischer Seite aus selbst den Heilsanspruch geltend machten.

Im dritten Teil diskutieren Detlef Pollak und Michael N Ebertz weiterhin das veränderte Selbstverständnis der (katholischen) Kirche, was von Volkhard Krech im vierten Teil aufgegriffen wird. Seiner Meinung nach beziehen sich Religion und Kultur dialektisch aufeinander. Diese gegenseitige Abhängigkeit, von Hager als "hermeneutisches Dilemma" (S. 11) bezeichnet, begleitete Richard Faber durch die 40 Jahre seines Schaffens, wie er im ‚intellektuellen Selbstportrait’ zum Abschluss dieses Bandes expliziert, und das seine und die Positionierung seiner Freunde im Fachbereich der Soziologie in sehr persönlicher Weise beleuchtet.

Der Band überzeugt optisch wie inhaltlich. Auch der Aufbau der Überkapitel von der zunächst eher allgemeinen Frage zu spezifischeren Fragen nach Kultur und Religion und ihrem "Sitz im Leben" ist überaus logisch und nachvollziehbar. Die Unterstrukturierung der einzelnen Beiträge erleichtert das Lesen und ist dem Format eines Ringvorlesungsbandes angemessen. Insbesondere ist die in fast allen Aufsätzen weiterführende Bibliographie hervorzuheben. Auch der letzte Teil mit den Angaben zu den Referenten, die die Einordnung der Autoren in ihr Fachgebiet erleichtern, ist sehr leserfreundlich, doch wäre eine Angleichung der Länge der Daten wünschenswert gewesen. Abgesehen von dieser Lappalie ist der Band jedoch allen Studierenden der (Kultur- und Religions-)Soziologie sowie der Religionswissenschaften und allen an diesen Themenbereichen Interessierten nur zu empfehlen.


Richard Faber und Frithjof Hager (Hg.): Rückkehr der Religion oder säkulare Kultur? Kultur- und Religionssoziologie heute. Würzburg: Könighausen & Neumann, 2008. 278 S., broschiert, 39,80 EUR. ISBN: 978-3-8260-3425-1


Inhaltsverzeichnis

Einleitende Bemerkungen. Die Kunst, Soziologie zu betreiben (Frithjof Hager) 7

Universalität und Territorialität 15
Die Kultur der Weltgesellschaft (Johannes Weiß) 16
Kapitalismus und Religion in der Weltgesellschaft. Die Integration der modernen Gesellschaft und die Globalisierung ihrer Funktionssysteme (Hauke Brunkhorst) 26
Territorialität: Grenzgänge zwischen Soziologie und Ethnologie (Helmut Berking) 45

Kultursoziologie heute 54
Der andauernde Streit um den Kulturbegriff in der Soziologie (Klaus Lichtblau) 55
Starke und schwache Wechselwirkung. Zur Genese der Nachkriegs- Kulturwissenschaften im internationalen Vergleich (Clemens Albrecht) 73
Am Rande des Soziologisierbaren? Bourdieus Literatursoziologie – ihre Bedeutung für die Feld- und symbolische Herrschaftsanalyse (Heribert Tommek) 90
Mediale Bedingungen der Wahrnehmung bildender Kunst (Hans Zitko) 108

Religionssoziologie heute 123
Varros drei Religionen und die soziologische Religionstheorie (Wolfgang Eßbach) 124
Vom Standort im Absoluten zur Bewegung ins Relative. Die Zivilisierung der christlichen Gottes- und Jenseitsvorstellungen und ihre Folgen (Michael N. Ebertz) 141
Religiöser Wandel in modernen Gesellschaften: Religionssoziologische Erklärungen (Detlef Pollak) 166
Religion und Politik. Émile Durkheim und Max Weber (Hartmann Tyrell) 192

Kultur und Religion – zu ihrem Sitz im Leben 209
Brauchen sich Kultur und Religion? (Volkhard Krech) 210
Vierzig Jahre Kultur- und Religionssoziologie. Versuch eines intellektuellen Selbstporträts (Richard Faber) 225

Angaben zu den Referenten 243

Transdisciplinary and Cosmopolitical Reflections on the Sociology of Religion and Culture in Germany

This volume is based on the eponymous lecture series ("Come-back of Religion or Secular Culture? Sociology of Culture and Religion Today") that took place at the Freie Universität Berlin's Institute of Sociology in summer 2006. After laying out some general issues pertaining to 'universality' and 'territoriality', the authors focus on specific challenges confronting the sociologies of culture and religion. Finally, they analyse the place of culture and religion in our lives. The articles cover a variety of themes and methodologies, but each addresses the inherent question: What is the position of sociology in the sciences?
This volume is recommended for students seeking an overview of current issues in the sociology of religion and culture, and includes bibliographies to guide more in-depth research.



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