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Artikelaktionen

Jugendmedienschutz zwischen Restriktion und Prävention

Eine Rezension von Dr. Anita Rösch

Dörken-Kucharz, Thomas: Medienkompetenz - Zauberwort oder Leerformel des Jugendmedienschutzes? Baden-Baden: Nomos, 2008.

Im April 2006 fand die dritte gemeinsame Tagung von ARD, ZDF und den Rundfunkreferaten der Evangelischen und Katholischen Kirche statt. Ziel war eine Bestandsaufnahme aktueller Erkenntnisse der Medienkompetenzvermittlung, aus der sich Perspektiven für die Zukunft ergeben sollten. Der Band
Medienkompetenz. Zauberwort oder Leerformel des Jugendmedienschutzes dokumentiert die Tagungsergebnisse in unterschiedlichen Formaten, sei es als Abschrift der Impulsvorträge oder Zusammenfassung der Workshopergebnisse. Leider fehlen ein durchgängiges Konzept sowie eine klar definierte Zielgruppe, so dass diese Sammlung sowohl Bildungsforscher als auch praxisorientierte Leser enttäuscht zurücklässt. 


Seit den neunziger Jahren ist der von Dieter Baacke (Medienpädagogik, 1997) definierte Begriff der Medienkompetenz in der Diskussion um Medienbildung grundlegend. Baackes Definition schließt Medienkritik, Medienkunde und Mediennutzung ebenso ein wie Mediengestaltung. Vor allem die drei erstgenannten Aspekte werden immer dann bemüht, wenn es nach Fällen wie dem Amoklauf von Winnenden wieder einmal darum geht, Ursachenforschung zu betreiben. Wenig differenziert werden Gewaltvideos und Gewalt verherrlichende Computerspiele als Schuldige identifiziert. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie ein kompetenter, d.h. kritischer Umgang Jugendlicher mit diesen Medien erreicht werden kann. In diesem Zusammenhang ist auch der Tagungsband Medienkompetenz. Zauberwort oder Leerformel des Jugendmedienschutzes zu lesen, auch wenn diese Tagung vor den Ereignissen von Winnenden stattfand.

Die verantwortlichen Organisatoren von Rundfunk und Kirchen, die geladenen Experten und die Teilnehmer der Workshops haben vor allem das Verhältnis von Jugendmedienschutz und Medienkompetenz zu klären versucht. Ziel der Veranstaltung war eine aktuelle Bestandsaufnahme ebenso wie die Entwicklung tragfähiger Perspektiven für Medienverantwortliche sowie im Bildungsbereich Tätige. Gefragt wurde, was Medienkompetenz leisten und wie sie erworben werden kann.
Die Antworten auf diese Fragen lassen sich exemplarisch an vier Beiträgen ablesen, die zudem die unterschiedlichen Formate des Bandes spiegeln:

Der Intendant des ZDF Markus Schächter erläutert die Brisanz des Themas in seiner "Begrüßung". Er versteht Medienkompetenz als Kultur- und Zivilisationstechnik und verweist auf die Digitalisierung, die einschneidende Veränderungen in der Informations- und Kommunikationstechnologie zur Folge hat. Da Jugendliche in diesen Bereichen viel versierter als ihre Eltern sind, konstatiert er vor allem einen Bedarf in der Erwachsenenbildung. Das ZDF arbeitet daran, durch medienpädagogische Initiativen wie Mitmachausstellungen und dem Kinder- und Jugendprogramm ZDFtivi Medienkritik, Medienkunde und Mediennutzung der Jugendlichen auszudifferenzieren. Doch ob diese Formate auch die Zielgruppen erreichen und welche Wirkung sie haben, bleibt offen.

In seinem Vortrag "Quo vadis Medienpädagogik? – Zum Verhältnis von Medienkompetenz und Jugendmedienschutz" erläutert der Erziehungswissenschaftler und Medienpädagoge Stefan Aufenanger verschiedene Dimensionen von Medienkompetenz. Dazu gehört die kognitive Fähigkeit, Medien zu verstehen, zu interpretieren und kreativ mit ihnen umzugehen, ebenso wie die Befähigung, Medien angemessen für die Kommunikation zu nutzen. Auch mit dem Erlebnischarakter von Medien müssen die Nutzer selbstkritisch umgehen können. Sie müssen in der Lage sein, sich von den Inhalten der rezipierten Medien emotional zu distanzieren. Vor dem Hintergrund dieser Dimensionen stellt der Autor Medienkompetenz als zentrale Bildungsaufgabe dar. Unser Bildungssystem muss, so fordert Aufenanger zu Recht, so gestaltet werden, dass alle Menschen Zugang zu den Medien bekommen.
Sinnvoll grenzt er Medienkompetenz von Jugendmedienschutz ab. Letzterer zielt zumeist auf den restriktiven Umgang mit Medien, d.h. er arbeitet mit Verboten und Altersbeschränkungen. Diese Vorgehensweise ist im Zeitalter der Digitalisierung allerdings leicht zu umgehen. Medienkompetenz, verstanden als durch Bildung reflektierte Medienerfahrung, kann dagegen eine wirksame Vorsorge sein. Hier ist dem Autor nur zuzustimmen. Leider bleibt er jedoch Vorschläge, wie diese Medienbildung konkret aussehe könnte, schuldig.

In einem Kurzbeitrag stellt Friederike Siller die Ergebnisse einer Podiumsdiskussion zum Thema "Online-Spiele im Visier!" dar, die eine Wissenschaftlerin, eine Hobby-Spielerin, einen Psychologen und einen Jugendschutzbeauftragte zusammenbrachte. Im Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass Spieler viel Zeit in Computerspiele investieren und damit ihre Möglichkeiten sozialer Kontakte einschränken. Da Kinder und Jugendliche noch nicht ausreichend über Medienkompetenz verfügen, fordert die Autorin Eltern und Lehrer auf, bei der Angleichung zwischen Realität und virtuellem Erlebnis zu helfen. Auf die Frage, wie dies geschehen kann, antwortet der Beitrag leider nicht.

Die besondere Rolle der Eltern in der Mediensozialisation hat die Diplompädagogin Hanne Walberg in ihrem Workshop "Wie erreichen wir die Eltern? Medienkompetenzvermittlung in ‚Problemfamilien’" erarbeitet. Gerade in ‚Problemfamilien’, die sich durch einen vernachlässigenden oder nachgiebigen Erziehungsstil auszeichnen, spielt das Fernsehen eine große Rolle. Es wird von Kindern und Eltern unkritisch konsumiert. Da diese Adressatengruppe nur schwer zu erreichen ist, schlägt die Autorin vor, Impulse über das Fernsehprogramm selbst zu setzen. Niedrigschwellige Prävention kann über Doku-Soap-Formate wie ‚Die Super Nanny’ initiiert werden, wenn die Sender Pädagogen in die Gestaltung des Programms mit einbeziehen. Damit zeigt die Autorin sicherlich einen gangbaren Weg für die Medienbildung auf, der jedoch – worauf sie zu Recht verweist – langwierig ist.

Zwar ordnen sich die vorgestellten Beiträge im Ansatz dem Ziel der Tagung, eine Bestandsaufnahme der aktuellen Diskussion zur Medienkompetenz zu liefern, unter. Es bleibt allerdings angesichts der unterschiedlichen Formate der Beiträge, die kein durchgängiges Konzept erkennen lassen, offen, wer die Adressaten dieses Bandes sein sollen. Wer an aktuellen Forschungsergebnissen interessiert ist, findet an anderer Stelle ausführlichere Informationen. Wer Antworten auf die hier aufgeworfenen Problemstellungen sucht, erhält in diesem Band leider nur wenig konkrete Lösungsvorschläge. Der mehrfach gegebene wichtige Hinweis auf Medienkompetenz als Bildungsaufgabe, die angesichts der geschilderten familiären Mediensituation vor allem von der Schule geleistet werden muss, wird nicht einer fundierten Auseinandersetzung unterzogen. Ob dieser wichtige Aspekt auf der Tagung explizit Thema war, lässt sich leider nicht nachvollziehen – unter anderem durch den Umstand, dass der im Inhaltsverzeichnis angekündigte Überblick über das Tagungsprogramm im Buch fehlt. So legt der Leser den Band letztlich mit einem unbefriedigenden Gefühl beiseite.


Dörken-Kucharz, Thomas (Hg.): Medienkompetenz. Zauberwort oder Leerformel des Jugendmedienschutzes. Baden-Baden: Nomos, 2008 (Jugendmedienschutz und Medienbildung Bd. 1). 143 S., kartoniert, 24,00€. ISBN: 978-3-8329-3287-9



Inhaltsverzeichnis

Vorwort zur Reihe "Jugendmedienschutz und Medienbildung"
Thomas Dörken-Kucharz, Frankfurt am Main
Norbert Neuß, Buchholz
7
Einleitung
Thomas Dörken-Kucharz, Frankfurt am Main 9

I. Hinführungen 21
Begrüßung
Markus Schächter, Mainz 23
Begrüßung
Bernd Merz, Hamburg 27
Begrüßung
Manfred Krupp, Frankfurt am Main 29
Grußwort
Michaela Noll, Berlin 31

II. Hauptvorträge 33
Jugendmedienschutz und Medienkompetenz: Kongruenz, Koexistenz, Konkurrenz
Helga Theunert, München 35
Medienkompetenz und Verantwortung Schlüsselbegriffe einer menschendienlichen Medienkommunikation
Karl Kardinal Lehmann, Mainz 47
Quo vadis Medienpädagogik? Zum Verhältnis von Medienkompetenz und Jugendmedienschutz
Stefan Aufenanger, Mainz 61

III. Workshops
69
Zugespitzt! - Zusammenfassung der Workshops vom ersten Tag
Gert Scobel, Mainz 71
"Gute Marken – Schlechte Marken. Markenbildung in Daily Soaps". Ein Blick in die Kommunikationsforschung
Ingrid Paus-Hasebrink, Salzburg 81
Online-Spiele im Visier!
Friederike Siller, Mainz 93
Wie erreichen wir die Eltern? Medienkompetenzvermittlung in "Problemfamilien"
Hanne Walberg, Mainz 97
Zappen, surfen, simsen – Jugendmedienschutz im Mediendschungel. Überlegungen aus der Perspektive der Mediennutzungsforschung
Uwe Hasebrink, Hamburg 109
Neue Wege durch die konvergente Medienwelt: Eine Untersuchung zur konvergenzbezogenen Medienaneignung von 11- bis 17-Jährigen
Helga Theunert & Ulrike Wagner, München 117
Visuelle Medien und unreife Gehirne
Henning Scheich, Magdeburg 129

IV. Anhang
137
Kurzbiographien der Autorinnen und Autoren 139
Programm der Tagung 145

Film Classification Standards: Between Restriction and Preventation

April 2006 marked the third joint conference of ARD, ZDF and the broadcast departments of the Protestant and Catholic Churches, whose goal was to assess current research on fostering media literacy and define directions for the future. The volume Medienkompetenz. Zauberwort oder Leerformel des Jugendmedienschutzes (Media Literacy: Magic Words, or Empty Phrase of Public Protection Laws?) documents the results in a range of formats, from lecture transcriptions to workshop outcome summaries. Regretably, the anthology lacks both a unifying concept and a well-defined target audience, and will likely disappoint readers with either a scholarly or practical interest in the issue.


© bei der Autorin und bei KULT_online