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Reflexionen über die Moral

Eine Rezension von Hehn-Chu Ahn

Murray, Julia K.: Mirror of morality. Chinese narrative illustration and Confucian ideology. Honolulu: University of Hawai’i Press, 2007.

Der Kunsthistorikerin Julia Murray ist es mit der Monographie
Mirror of morality gelungen, an vielen konkreten Fallbeispielen Bilder mit konfuzianischem Inhalt in den jeweiligen Nutzungszusammenhängen zu kontextualisieren. Die Stärke dieses Bandes liegt darüber hinaus in dem breiten Materialkorpus und der damit einhergehenden Medienvielfalt, derer sich die Autorin bedient. Die zeitliche Spanne reicht vom zweiten Jahrhundert v. Chr. bis zur Qing Dynastie (1644-1911) und von Malereien auf Hänge- sowie Querrollen bis zu Illustrationen in Moralhandbüchern. Murray bietet unter der zentralen Fragestellung des narrativen Potentials eines jeden Bildes eine umfassende Überblicksdarstellung zu narrativen Illustrationen des Konfuzianismus während der chinesischen Kaiserzeit.
 

Die lange Tradition an Darstellungen verschiedener konfuzianischer Erzählungen unter der kunsthistorischen Perspektive der "Narrativität" zu untersuchen ist sehr naheliegend, schließlich wurden die Geschichten früh und reich in vielen Variationen illustriert. Dennoch wurde dieser Gesichtspunkt lange Zeit stiefmütterlich von der Forschung behandelt. Mit dem breit ausgewählten Material von Malereien bis hin zu Drucken aus zwei Jahrtausenden und den folgenden ikonographischen Untersuchungen bietet Murray nicht nur einen Überblick über narrative Illustrationen des Konfuzianismus aus der chinesischen Kaiserzeit, sondern beleuchtet darüber hinaus deren Vorbilder und Rezeption sowie Gebrauch und Bedeutung.

Die Studie Mirror of morality gliedert sich in Einleitung und acht Kapitel. In der Einführung erläutert Murray, dass narrative Illustrationen nach der Tang Dynastie (618-906) von traditionellen Sinologen als kaum erwähnenswert gehandelt wurden, da sie gerne als Lektüre für ein nicht-elitäres Publikum (yufu yufu/dumme Männer und Frauen) heruntergestuft wurden. Diesem Einwand tritt Murray mit zahlreichen Bildobjekten entgegen. Schließlich setzten insbesondere die Literaten Darstellungen von konfuzianischen Erzählungen nicht einfach als ästhetische oder formale Unzulänglichkeit herab, sondern nahmen im Gegensatz zu den Ästhetikern (wie etwa die Connoisseure des Eleganten und Raren) diese Art der visuellen Kultur ernst und bewerteten sie als Träger der konfuzianischen Lehre mit hohem didaktischem Potential.

Im ersten Kapitel versucht Murray das Konzept von ostasiatischer (wie zum Teil westlicher) narrativer Illustration vorzustellen, das schwer zu fassen ist, da keine hinreichende Definition existiert. Wie die Verfasserin ausführt, gebe es bereits seit dem achten Jahrhundert in China die formale Klassifikation des gushi hua, das heute (voreilig) als "narrative Illustration" oder "narrative Malerei" übersetzt wird. Im wörtlichen Sinne heiße es "Malerei mit Inhalt aus dem Altertum" oder "Geschichten-Malerei"; dies hänge von den verschiedenen Lesarten des chinesischen Zeichens shi ab. Illustrationen von vorbildlichen Lebensweisen und von historischen Ereignissen zählt die Autorin hingegen zu der "ästhetischen" Kategorie tu. Dieses Schriftzeichen tu stehe für visuelle Repräsentation, die ein Phänomen in seinem gegenständlichen Sein darstelle, wobei gleichzeitig ein öffentlich-feudales Anliegen dem Begriff inhärent sei. Trotz ihres interessanten Ansatzes lässt sich Murrays methodischer Anspruch, eine überarbeitete Definition von narrativer Illustration zu liefern, die sie auf gushi hua aufbaut, in Frage stellen. Denn weder in der Kunstkritik noch in den gängigen Traktaten war der Begriff verbreitet, so dass es zweifelhaft erscheint, ob er den postulierten normativen Charakter jemals besaß. Das Konzept der narrativen Illustration muss vielmehr als eine moderne konstruktivistische Brille aufgefasst werden, die mit der westlichen Kunstwissenschaft Eingang im Reich der Mitte gefunden hat und heute lediglich den Forschern neue methodische Perspektiven auf das Material eröffnet. Von Kapitel zwei bis fünf werden die frühen Pfade der narrativen Illustrationen von der Han (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) bis zur Song-Dynastie (960-1279) behandelt. Dabei dienen Funktion, kompositorische Strukturen und das Format als die bestimmenden Parameter in den Bildanalysen. In diesem Kontext werden im Besonderen die großen Einflüsse des Buddhismus, mit seinen verfeinerten rhetorischen sowie repräsentativen Bildtechniken auf die narrative Illustration deutlich gemacht.

Die letzten Kapitel des Buches konzentrieren sich auf Typen von Bildern, die Ideale des Betragens für Herrscher und Beamte bis zur Qing Zeit (1644-1911) darstellen. Der Fokus liegt hierbei auf dem Gebrauch von Illustrationen mit einem konfuzianischen Hintergrund. Murray untersucht hauptsächlich die Praxis der gebildeten Elite im Kaiserreich, die Bilder und Bücher in Auftrag gab, Kunst förderte sowie Werke zum Teil beschriftete oder mit Siegel versah. Mit den vielen chinesischen Literaturquellen ist ein starkes historisches Interesse an den Objekten zu erkennen. Diese Herangehensweise ist wohl dem interdisziplinären Hintergrund der Autorin geschuldet; denn sie lehrt neben Kunstgeschichte für China auch Ostasien- und Religionswissenschaften an der Universität von Wisconsin. Nach der Monographie Ma Hezhi and the Illustration of the Book of Odes folgt also mit dieser Studie eine Kulmination von Murrays langjährigem Forschungsinteresse an chinesischer Malerei, Druckkunst, narrativer Illustration und dem Kult um Konfuzius.

Mirror of morality
zeichnet sich durch Stärken und Schwächen aus. Die ansehnliche Auswahl an vornehmlich gemalten und gedruckten Bildobjekten zu dem Themenkomplex der narrativen Illustrationen im Konfuzianismus sowie die anschauliche Aufarbeitung der Inhalte bereichern die Arbeit ungemein. Aufgrund der allgemeinen Vernachlässigung der konfuzianischen Druckgraphik in kunsthistorischen Untersuchungen kommt dieser Monographie außerdem eine grundlegende Bedeutung zu. In der methodischen Ausführung des westlichen Plastikbegriffs der narrativen Illustration bzw. an Murrays überarbeiteter Version, die sie aus dem Begriff des gushi hua ableitet, überzeugt die Autorin leider nicht durchgehend. Weder in Maltraktaten noch in der Kunstkritik wird es als ein normativ-klassischer Genrebegriff in der chinesischen Malerei begriffen. Daher stellt sich die Frage, ob das Gewicht des Konzeptes des gushi hua von der Autorin nicht überstrapaziert wird. Im Gegenzug beweisen aber die Analysen ihre Expertise in chinesischer Kunst sowie Literatur. Denn Aspekte wie Produktion, Praxis sowie visuelle Kultur von Darstellungen mit konfuzianischem Inhalt werden von ihr berücksichtigt. Trotz der methodischen Schwächen empfiehlt sich diese wichtige Lektüre für jeden interessierten Leser, der einen Einstieg in das weite Feld der konfuzianischen Bildkultur sucht.


Julia K. Murray: Mirror of morality. Chinese narrative illustration and Confucian ideology. Honolulu: University of Hawai’i Press, 2007. 194 S., kartoniert, 57,94 Euro. ISBN: 978-0-8248-3001-4


Inhaltsverzeichnis


List of Illustrations
Acknowledgments

Introduction
The Social Status of Narrative Illustration in China

Chapter 1
Redrawing the Concept of Chinese Narrative Illustration

Chapter 2
Early Narrative Illustration and Moral Suasion

Chapter 3
New Strategies for Narrative Illustration in the Post-Han Period

Chapter 4
Institutionalizing Narrative Illustration under the Tang Dynasty

Chapter 5
Turning Points and Competing Values

Chapter 6
Later Narrative Illustration at Court: Legitimation, Remonstrance, and Indoctrination

Chapter 7
Later Narrative Illustration Outside the Court: Persuasion, Pleasure, Prestige, and Piety

Chapter 8
Epilogue

Notes
Chinese Character Glossary
Bibliography
Credits for Figures and Plates
Index

Reflections on Confucian Morality

In the monograph Mirror of Morality art historian Julia Murray explicates the particular historical and cultural contexts of images of Confucianism. The primary strength of this work lies in its case studies of a broad and diverse corpus of subject material. The study explores works from the second century B.C. to the Qing Dynasty (1644-1911) and makes use of everything from paintings on hanging scrolls to woodcut illustrations in textbooks of morality. Delving into the narrative potential of each image, Murray gives a comprehensive review of illustrations of Confucianism from China's imperial age.


© bei der Autorin und bei KULT_online