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Macht und Reflexion: Die Tafelrunde der deutschen Medienlandschaft wird befragt

Eine Rezension von Berenike Schröder

Schröter, Friederike; Claus Gerlach (Hgg.): Die Vierte Gewalt. Im Gespräch mit Friederike Schröter und Claus Gerlach. Berlin: Kulturverlag Kadmos, 2008.

Die Medien im 21. Jahrhundert informieren über alles und jeden – außer über sich selbst. Das Interview-Buch Die Vierte Gewalt enthält Gespräche mit 26 der einflussreichsten JournalistInnen, die Deutschland aufzuweisen hat. Sie stammen aus den Bereichen Printmedien, Hörfunk und Fernsehen und geben im Dialog mit Friederike Schröter und Claus Gerlach Auskunft über ihr Verständnis von Journalismus, ihren Werdegang und ihre persönliche Weltanschauung. 


"Dieser Schnitt quer durch die Medienlandschaft", so Schröter und Gerlach im Vorwort zu Die Vierte Gewalt, "legt somit den Blick ins Innere frei und lässt die Vierte Gewalt nicht nur als Berichterstatterin, sondern auch als Handelnde im Zeitgeschehen erkennbar werden." (S. 5)
Der Ansatz hinter der Sammlung von Interviews im vorliegenden Buch ist in der Tat bemerkenswert: Wer sind eigentlich die Agierenden in Radio, Zeitung und Fernsehen, die uns jeden Tag wieder die Welt erklären? Sie müssen sich hier Fragen nach ihren ethischen Grundsätzen, ihrer Berufspraxis und auch ihrem Privatleben stellen lassen – und in manchen Fällen machen sie auch von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Dass Bascha Mika, Chefredakteurin der taz, ihr Interview am ersten Oktober nachträglich per einstweiliger Verfügung für die Veröffentlichung gesperrt hat, ist allerdings das einzige drastische Beispiel.

Schröter und Gerlach, die die Interviews führen, haben sorgfältig recherchiert, um auf jede befragte Person intensiv und detailreich eingehen zu können. Durch die individuell zugeschnittenen Gespräche ziehen sich als roter Faden nur zwei Fragen, mit der ausnahmslos jede/r konfrontiert wird: "Sind Sie ein religiöser Mensch?" und: "Was tun Sie so alles, um Ihre Allgemeinbildung auszubauen?" Die Antworten fächern ein schillerndes Spektrum auf, das der Auswahl der prominenten Befragten entspricht. Die Vielfalt der politischen Meinungen, Arbeitsweisen, Lebensformen und Institutionszugehörigkeiten geht einher mit den verschiedensten Ansichten über die Aufgaben der JournalistInnen heute und die deutsche Medienlandschaft. Denn natürlich wird in den Interviews auch kräftig aus dem Nähkästchen der berichterstattenden Szene geplaudert.

Aber das ist bei weitem nicht der einzige Grund dafür, dass Die Vierte Gewalt ein gleichzeitig unterhaltsames und anspruchsvolles Buch geworden ist. Bei aller Leichtigkeit der Gesprächsführung scheuen Gerlach und Schröter regelmäßig auch vor bohrenden und mutigen Fragen an ihre GesprächspartnerInnen nicht zurück und provozieren, wo sie es für sinnvoll halten: etwa dann, wenn Claus Strunz, Chefredakteur der Bild am Sonntag mit der Frage "Viele Menschen, die sich aufrichtig Sorgen um unsere Gesellschaft machen, halten die Bild für das Übel schlechthin […]. Wie gehen Sie damit um?" konfrontiert wird. Der Umgang mit solchen Provokationen wird den Interviewten überlassen, und das Herausgeberteam nimmt generell von Wertungen und Kommentaren ausdrücklich Abstand. Sie geben in einem letzten Interview selbst über ihre Erfahrungen mit ihrem Buch Auskunft.

Das Buch soll offenbar eine Abbildung sein, keine Kolumne. Und dass aufklärerischer Impetus zum Thema Macht der Medien auch eine Rolle gespielt hat, zeigt sich unter anderem an dem Interview mit der umstrittenen ehemaligen NDR-Moderatorin Eva Herman. Herman wird hier auf neutrale Weise die Gelegenheit gegeben, nicht ihre verquere Weltanschauung, sehr wohl aber ihre Sicht auf das Verhalten der Medien in der Affäre Herman 2007 darzulegen.

Die Vierte Gewalt ist ein so aufschlussreiches wie gut zu lesendes Buch, das in der Tat das Desiderat, führende Köpfe der deutschen Medien besser kennenzulernen, behebt. Und in vielen Fällen trägt es auch dazu bei, Vorurteile gegenüber JournalistInnen abzubauen: Nicht wenige der interviewten Mediengrößen zeigen sich im Gespräch als auf angenehme Weise reflektierte, informierte und verantwortungsbewusste Intellektuelle.


Friederike Schröter, Claus Gerlach (Hgg.): Die Vierte Gewalt. Im Gespräch mit Friederike Schröter und Claus Gerlach. Berlin: Kulturverlag Kadmos, 2008. 300 S., broschiert, 17,50 Euro. ISBN: 978-3-86599-069-3
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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Tissy Bruns
Über das langsame Bohren dicker Bretter

Sven Kuntze
Zur Idee des Nebenbei-Fernsehens

Tilman Krause
"Ich bin ein Konservativer"

Henryk Modest Broder
"Das Leben ist voller Widersprüche"

Peter Rásonyi

Die unerträgliche Leichtigkeit des liberalen Denkens

Marie Sagenschneider
Über die Kunst ein Interview zu führen

Helmut Markwort

Im Focus der Hubert Burda Media Holding

Christine Ellinghaus
Kann ein Minirock ein Freund sein?

Claus Strunz

…nicht immer ganz bis zum Anschlag…

Günter Schabowski
Über die plötzliche Entdeckung der Realität

Wolfram Weiner

Auf der Suche nach dem Heiligen Gral

Peter Kloeppel
Vom Ferkelstall ins Fernsehstudio

Maybrit Illner
Im Gespräch mit dem Salz der Erde

Jolyon Brettingham Smith

"Möchten Sie wirklich Phil Collins sein?"

Cathrin Kahlweit
"Ich habe einen tollen Job"

Hans Leyendecker

Hänschen klein

Gerhard Delling
"Ich kann ja nur über mich sprechen"

Christoph Amend

Zur Kultur des Unpolitischen

Claus Kleber

Das Alpha-Tier im Rennstall des ZDF

Philipp Krohn
Der Sender mit der ernsten Anmutung

Anke Kapels

Einmal Hollywood und zurück

Karin von Faber
Mit einem Rosenstrauß für Golda Meir

Markus Schächter

Der Brückenbauer aus Hääschde

Dirk Kurbjuweit

"Wir machen diese Leute ja erst zu Königen"

Eva Herman

Die verlorene Ehre der Eva Herman

Nachwort
Vom Konflikt zweier Eitelkeiten und anderen interessanten Überraschungen

Power and Reflection: Die Vierte Gewalt Questions a Panel of Media Protagonists

The 21st century media covers everything and everyone – except itself. This volume dealing with the Fourth Power consists of conversations with 26 of the most influential print, radio, and television journalists working in Germany. In interviews with Friederike Schröter and Claus Gerlach, these luminaries discuss their personal concepts of journalism, their career histories, and individual world views.


© bei der Autorin und bei KULT_online