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Wie Kriminalserien politische Bilder vermitteln

Eine Rezension von Dr. Benjamin Drechsel

Taş, Mehmet: Die Konstruktion 'politischer Bilder' und ihre Vermittlungsstruktur im TV-Unterhaltungsprogramm. Stuttgart: ibidem, 2005.

Die von Mehmet Taş an der Justus-Liebig-Universität Gießen vorgelegte Dissertation Die Konstruktion ‚politischer Bilder’ und ihre Vermittlungsstruktur im TV-Unterhaltungsprogramm analysiert einzelne Folgen von insgesamt vier Kriminalserien und berücksichtigt sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Sender. Der Autor verbindet seine medienwissenschaftliche Methodik mit terminologischen Anleihen bei der Politikwissenschaft.



Die transdisziplinäre Erforschung politischer Bildlichkeit hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. So legte etwa Marion G. Müller - neben mehreren einschlägigen Sammelbänden, die sie gemeinsam mit Thomas Knieper veröffentlicht hat - ein Lehrbuch unter dem Titel Grundlagen der visuellen Kommunikation (Konstanz 2003) vor, das sich insbesondere auch dem Forschungsstand zur visuellen politischen Kommunikation widmet. Das hier abgesteckte Feld beinhaltet zum einen eher abstrakte Problemstellungen wie das Verhältnis zwischen Herrschaft und visueller (Re-)Präsentation; zum anderen wirdpolitische Kommunikation bisweilen in konkreten bildmedialen Formaten sichtbar - man denke etwa an die Websites vonParteien, an Pressefotografien oder auch an Monumente.

Einige Überlegungen zu den bildmedialen Formaten, in denen sich Politik sichtbar niederschlägt, liefert nun auch Mehmet Taş’ Dissertation Die Konstruktion ‚politischer Bilder’ und ihre Vermittlungsstruktur im TV-Unterhaltungsprogramm. Wie der Untertitel verrät, handelt es sich um eine medienwissenschaftliche Analyse ausgewählter Kriminalserien in den öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern. Diese ausführliche Untersuchung von je vier Folgen der Serien "Balko", "Der Alte", "Der Fahnder" sowie "Kommissar Rex" nimmt den Hauptteil der Arbeit ein (vgl. S. 45-300), wobei weitere Kontextinformationen (z.B. zu Produktionsfirmen, Schauspielern, etc.) interessant gewesen wären. Als wesentliches Auswahlkriterium wird genannt, dass alle Folgen "im Frühjahr 1998 mit großem Erfolg ausgestrahlt wurden" (S. 30); ihr Marktanteil lag jeweils zwischen 10% und über 30% (vgl. S. 420f). Der inhaltsanalytische Teil der Arbeit wird dann fortgesetzt durch die "Detailanalyse" einer Kommissar-Rex-Folge mit dem Titel "Der Mann mit den tausend Gesichtern" (S. 301-344) sowie durch einige Sequenzpläne (vgl. S. 381-409). Grundlegend ist bei all diesen aufwändigen Analysen die Idee, dass die untersuchten popkulturellen Bilderwelten Rückschlüsse auf politische Weltbilder ermöglichen, auch wenn diese nur auf einer latenten Ebene in den Kriminalserien angelegt sind. Mehmet Taş gelangt denn auch mittels seiner Analyse zu interessanten Schlussfolgerungen. So hält er etwa die Betonung eines positiven Bildes der staatlichen Exekutive für zentral (vgl. S. 345), findet konservative Männer-/Frauen-Klischees in den Serien (vgl. S. 358f) und beleuchtet die Konfrontation von Kriminalität und dem Idealbild einer öffentlichen Ordnung, wie sie in den einzelnen Filmen konstruiert wird (vgl. S. 364f).

Dabei hat der Autor ein sehr weites Feld bearbeitet. Die Politikwissenschaft definiert ihren zentralen Gegenstand heute zumeist als Herstellung kollektiv verbindlicher Entscheidungen. Mehmet Taş aber weitet diesen ohnehin schon recht offenen Politikbegriff noch aus und beansprucht "eine pragmatische Sichtweise der Politik, in der fast alles politisch sein kann, was den Menschen in seinem alltäglichen Leben zu einer Entscheidung forciert" (S. 30) für sich. Zudem ist sein Bildbegriff nicht ausschließlich auf visuelle Kommunikation bezogen, sondern eher auf abstrakte Images. Deshalb ist auch der Hauptgegenstand seiner Untersuchung, das ‚politische Bild’, sehr offen definiert: Damit sind "alle Zusammenhänge gemeint, die in der Rezeption auf den Alltag der Zuschauer einen Sozialisationseffekt ausüben können." (S. 30) Folgerichtig spielen visuelle Stilmittel in der Inhaltsanalyse eher eine Nebenrolle.

Gegenüber dem inhaltsanalytischen Teil nehmen methodische Fragen und theoretische Grundlagen deutlich weniger Raum in der Dissertation ein (vgl. S. 1-44). Trotzdem ist die Methodik der Arbeit weitgehend klar begründet - unklar bleibt lediglich, warum der Autor sie als "quantitativ-qualitative Inhaltsanalyse" (S. 45) bezeichnet, obwohl er mit Ausnahme der Dauer einzelner Sequenzen keine Quantifizierungen vornimmt. Mehmet Taş legt zu Recht sehr viel Wert darauf zu betonen, dass er nicht die tatsächliche Rezeption der einzelnen Serien untersucht, sondern lediglich das "Wirkungspotential" (S. 1) ihrer manifesten wie auch latenten Merkmale. Sein Bezug auf politikwissenschaftliche Methoden bzw. Termini bleibt demgegenüber recht kurz gefasst. Weitere Ausführungen wären deshalb interessant gewesen, weil sein Ansatz, die begriffliche Trias ‚polity/policy/politics’ für die Bildmedienanalyse fruchtbar zu machen, sehr viel versprechend ist. Zudem wäre zumindest ein kurzer Überblick über einschlägige Arbeiten aus dem Bereich der politischen Kommunikationsforschung hilfreich gewesen. Stellvertretend sei Andreas Dörners Bändchen Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft (Frankfurt am Main 2001) genannt, in dem der Autor nicht nur theoretische Anmerkungen macht, die für Mehmet Taş’ Fragestellung sicher zielführend gewesen wären, sondern das auch ein eigenes Kapitel "Politik im Kriminalfilm" (vgl. S. 189-213) enthält.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Mehmet Taş in seiner detaillierten Analyse anregende Hinweise auf die Vermittlung ideologischer Inhalte durch die untersuchten Kriminalserien liefert. Den Eigensinn visueller Stilmittel (und damit ‚politischer Bilder’ im engeren Sinne) könnten künftige Studien im Schnittfeld von (Bild-)Medienwissenschaft und politischer Kommunikationsforschung allerdings noch viel deutlicher herausarbeiten.


Mehmet Taş: Die Konstruktion "politischer Bilder" und ihre Vermittlungsstruktur im TV-Unterhaltungsprogramm. Eine medienwissenschaftliche Analyse ausgewählter Kriminalserien in den öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern. Stuttgart: ibidem, 2005. 444 Seiten, broschiert, 29,90 €. ISBN 3-89821-500-8


  Inhaltsverzeichnis


I. Einleitung und theroetische Grundlagen 1
1. Text und Film 3
2. Verfahren der quantitativ-qualitativen Inhaltsanalyse
(Multi-Methoden-Design) 6
2.1 Die Erweiterung der zugrundeliegenden Methodik.
Ein interdisziplinärer Ansatz 10
3. Genre "Krimi" 13
4. Medien, Politik und Wirkungsdiskussion 17
5. Serie und Stereotype 24
6. Verfahren der systematischen Erhebung 30
7. Die Herleitung der Kategorien 37

II. Quantitativ-qualitative Inhaltsanalyse 45

1. Die Serie "Der Alte" 45
1.1 Dramaturgisch inhaltliche Einführung 45
1.2 Manifeste Merkmale 52
1.3 Latente Merkmale 75
1.4 Zielorientierte filmsprachliche Lenkung 80
1.5 Stereotype 85
1.6 Charakterstudie 110
1.7 Dramaturgisch inhaltliches Ende 116
1.8 Schlussfolgerungen 120

2. Die Serie "Balko" 128
2.1 Dramaturgisch inhaltliche Einführung 128
2.2 Manifeste Merkmale 133
2.3 Latente Merkmale 150
2.4 Zielorientierte filmsprachliche Lenkung 158
2.5 Stereotype 164
2.6 Charakterstudie 184
2.7 Dramaturgisch inhaltliches Ende 187
2.8 Schlussfolgerungen 192

3. Die Serie "Der Fahnder" 198
3.1 Dramaturgisch inhaltliche Einführung 198
3.2 Manifeste Merkmale 202
3.3 Latente Merkmale 216
3.4 Zielorientierte filmsprachliche Lenkung 221
3.5 Stereotype 224
3.6 Charakterstudie 241
3.7 Dramaturgisch inhaltliches Ende 246
3.8 Schlussfolgerungen 249

4. Die Serie "Kommissar Rex" 254
4.1 Dramaturgisch inhaltliche Einführung 254
4.2 Manifeste Merkmale 257
4.3 Latente Merkmale 266
4.4 Zielorientierte filmsprachliche Lenkung 271
4.5 Stereotype 275
4.6 Charakterstudie 286
4.7 Dramaturgisch inhaltliches Ende 295
4.8 Schlussfolgerungen 297

III. Detailanalyse 301
1. Die Folge: "Der Mann mit den tausend Gesichtern" 301
1.1 Dramaturgisch inhaltliche Einführung 301
1.2 Manifeste Merkmale 304
1.3 Latente Merkmale 321
1.4 Zielorientierte filmsprachliche Lenkung 324
1.5 Stereotype 331
1.6 Charakterstudie 338
1.7 Dramaturgisch inhaltliches Ende 340
1.8 Schlussfolgerungen 341

IV. Schlussfolgerungen und Diskussion 345
1. Konstruktion politischer Bilder 347
2. Vermittlungsstruktur 351
3. Befunde und Diskussion 355

V. Die Sequenzpläne ausgewählter Folgen der Serien 381
1. Der Alte 381
1.1 Rivalen 381
2. Balko 390
2.1 Der Drachentöter 390
3. Der Fahnder 398
3.1 Foulspiel 398
4. Kommissar Rex 405
4.1 Der Mann mit den tausend Gesichtern 405

VI. Literatur 410

VII. Anhang 418
1. Ausstrahlungstermine 418
2. Rezeptionsdaten der Serien 420


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