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Pontifex Politicus

Eine Rezension von René Schlott

Mörschel, Tobias: Papsttum und Politik. Eine Institution zwischen geistlicher Gewalt und politischer Macht. Freiburg: Herder, 2007.

Der Sammelband gibt die Beiträge einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung wieder, die im Frühjahr 2006 an der Politischen Akademie Berlin stattfand. In sieben Aufsätzen widmen sich die Autoren, die unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen (Geschichte, Politik, Kunstgeschichte, Theologie) angehören, dem spannungsreichen Verhältnis von Papsttum und Politik in Geschichte und Gegenwart. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach der stets ambivalenten Stellung der römisch-katholischen Kirche und ihres Oberhauptes zur Moderne.  


In der Einleitung zu dem vorliegenden Sammelband unterstreicht der Herausgeber Tobias Mörschel das gemeinsame Ziel der sieben historischen, kunsthistorischen, politikwissenschaftlichen und theologischen Beiträge: Ausgehend von der Frühen Neuzeit soll der Beitrag der Kirche zur Moderne erörtert werden, um anschließend "eine aktuelle Verhältnisbestimmung von Papsttum und Politik" (S.13) vorzunehmen.

Den Anfang machen daher die Aufsätze der Frühneuzeithistoriker Wolfgang Reinhard und Birgit Emich. Reinhard leitet seinen Aufsatz mit der provokanten Frage "Ist das Papsttum schuld an der Moderne?" ein. Er bejaht diese Frage, was keine Überraschung ist, wenn man seine früheren Veröffentlichungen kennt. Die römische Kirche habe, so Reinhard, u.a. durch die Tradierung des römischen Rechts im Kirchenrecht und durch den Aufbau eines differenzierten innerkirchlichen Beamtenapparates Einfluss auf die Entwicklung des modernen europäischen Staatswesens genommen. Der Beitrag Birgit Emichs widmet sich dem Verhältnis von Papsttum und Staatsgewalt und beleuchtet die ablehnende Haltung mit der die Päpste dem modernen Staat bis zum II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) gegenüberstanden. Hierfür macht die Autorin neben den antikirchlichen Exzessen der Französischen Revolution, auch die Herausbildung des souveränen Nationalstaates seit der Frühen Neuzeit verantwortlich, der jeden Versuch der päpstlichen Einflussnahme auf seine inneren Angelegenheiten abwehrte.

Die folgenden Beiträge des Historikers Volker Reinhardt und des Kunsthistorikers Horst Bredekamp beschäftigen sich nur noch mittelbar mit dem eigentlichen Thema des Bandes. Reinhardt widmet sich in seinem sprachlich erfrischenden Aufsatz dem Bild der römischen Kurie von den Deutschen im Lauf der Jahrhunderte. Bredekamp geht im originellsten Beitrag des Buches u.a. unter Heranziehung der verschiedenen päpstlichen Kopfbedeckungen auf das "Zusammenspiel von Kleidung, Körper und Papstwürde" ein. Darin erklärt er auch die letzen Lebenswochen Johannes Pauls II. mit dem von Ernst Kantorowicz aufgestellten und inzwischen klassischen Paradigma von den ,zwei Körpern des Königs’.

Mit Otto Kallscheuers Aufsatz zu den "Chancen und Medien des päpstlichen Internationalismus" beginnt die Reihe der drei abschließenden Beiträge, die die gegenwärtige Rolle des Papsttums in der internationalen Politik behandeln. Kallscheuer geht darin der Frage nach, warum gerade der Vatikan aus historischen Gründen dazu geeignet sei, in der heutigen Weltpolitik eine aktive Präsenz zu zeigen. Mit dem aktuellen Verhältnis vom Christentum zu den anderen Religionen beschäftigt sich der katholische Theologe Thomas Roddey in seinem eher apologetischen Beitrag zum Religionsdialog der Päpste seit dem Abschluss des II. Vatikanums. Der Journalist Matthias Dobrinski, Ressortleiter "Kirchen und Religionen" bei der Süddeutschen Zeitung, behandelt abschließend unter Verweis auf die Enzyklika "Deus caritas est" und die "Regensburger Rede" Benedikts XVI. die Rolle des gegenwärtigen Papstes als Weltpolitiker.

Leider fehlt dem Sammelband ein Stichwort- und Personenregister für den schnellen wissenschaftlichen Zugriff. Dafür schließt das Buch mit einer vollständigen, jedoch für den zeitlichen Umfang des Buches redundanten Papstliste, die zahlreiche Fehler enthält. (So taucht der Name Pius VI. gleich zweimal hintereinander auf, Pius IX. erscheint als Pius XIV. und das Pontifikat Pius’ X. wird bis 1913, statt richtig 1914, angegeben.) Trotz dieser Mängel ist es dem Herausgeber und den Autoren des Sammelbandes gelungen, einige interessante Aspekte des Verhältnisses von Papsttum und Politik zu beleuchten und deutlich zu machen, warum der Pontifex Maximus immer zugleich ein Pontifex Politicus war - und auch in der Gegenwart noch ist.


Tobias Mörschel (Hg.): Papsttum und Politik. Eine Institution zwischen geistlicher Gewalt und politischer Macht. Freiburg, Basel, Wien: Herder, 2007. 176 S.+ 24 Abb., geb., 19,90 €. ISBN: 978-3-451-29569-0


 Inhaltsverzeichnis

Tobias Mörschel: Papsttum und Politik. Eine Einführung 7

Wolfgang Reinhard: Ist das Papsttum schuld an der Moderne? 15

Birgit Emich: Papsttum und Staatsgewalt. Roms langer Weg in die Moderne 35

Volker Reinhardt: Sind Barbaren heilsfähig?
Oder: das Bild, das sich die Kurie von den Deut-schen macht(e) 59

Horst Bredekamp: Vom Birett zum Camauro.
Zum Zusammenspiel von Kleidung, Körper und Papstwürde 75

Otto Kallscheuer: Giraffen und Gespenster.
Chancen und Medien des päpstlichen Internationalismus 101

Thomas Roddey: Kampf der Religionen? Papsttum und interreligiöser Dialog 133

Matthias Drobinski: Wider die Diktatur des Relativismus. Roms Aufstand gegen die Moderne 157

Papstliste 170

Autorenverzeichnis 174

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