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Das Entstehen der Kulturwissenschaften und ihre interdisziplinären Grundthemen

Eine Rezension von Ursula Arning

Assmann, Aleida: Einführung in die Kulturwissenschaft. Grundbegriffe, Themen, Fragestellungen. Berlin: Erich Schmidt, 2006.

Die vorliegende Einführung von Aleida Assmann erläutert die wichtigsten Grundbegriffe, Themen und Fragestellungen der Kulturwissenschaft. Besonders hervorzuheben ist ihr Ansatz, die Theorien mit konkreten Textbeispielen zu verknüpfen. Durch die gleichzeitige Einführung in die kulturwissenschaftliche Theorie und die literaturwissenschaftliche Epochengeschichte werden die Zusammenhänge zwischen Literatur und Kultur prägnant und verständlich dargestellt. Zugleich wird der Leser dazu angeregt, sich weiter mit diesem Themenkomplex auseinanderzusetzen. 


Der vorliegende Band von Aleida Assmann, Dozentin für Amerikanistik an der Universität in Konstanz, gehört zu der Serie "Grundlagen der Anglistik und Amerikanistik" des Erich Schmidt Verlags. Assmanns Einführung erläutert die gattungsspezifischen Grundbegriffe, Themen und Fragestellungen der Kulturwissenschaft. Dabei hebt sie sich ab von den schon zahlreich vorliegenden Handbüchern der Kulturwissenschaft durch die konsequente Verknüpfung der theoretischen Ansätze mit Textbeispielen, vor allem aus der englischen und U.S.-amerikanischen Literatur. Dadurch gelingt es der Autorin, auch komplexere Theorien für Studienanfänger verständlich darzustellen und sie neugierig zu machen auf weiterführende kulturwissenschaftliche Fragen und ihre literaturwissenschaftlichen Zusammenhänge.

Das Buch ist in sieben Kapitel eingeteilt, in denen jeweils eines der von Assmann als zentrale thematische Felder identifizierten Stichworte Zeichen, Medien, Körper, Zeit, Raum, Gedächtnis, Identität behandelt werden. Andere wichtige Stichworte, wie zum Beispiel ‚Gender’, werden dort aufgezeigt, wo sie inhaltliche Bezüge zu den vorgestellten Themen aufweisen.

Vorangestellt ist den Kapiteln eine ausführliche Einleitung, die u.a. die Geschichte des Begriffes ‚Kultur’ erläutert: Von dem wertfreien, ursprünglich von ‚colere’ (pflegen) abzuleitenden Begriff, von dem wir heute noch ‚Kulturbeutel’ und ‚agriculture’ kennen, hat sich ‚Kultur’ zu einem werthaltigen Begriff entwickelt, der die soziale Verortung in einer Gesellschaft aufzeigt. Assmann gelingt es, die umfangreiche Geschichte des Begriffes und seinen Einfluss auf unsere Gesellschaft kurz und verständlich darzustellen. Dabei geht sie so geschickt vor, dass erste Fragen beantwortet werden, für den nachhaltig Interessierten aber gleichzeitig neue Themenfelder eröffnet werden, die ihn einladen, selber in diesem Bereich weiterzuforschen.
Ihre innovative These, dass die Kulturwissenschaften "nicht aus einer neuen M(eth)ode oder theoretischen Wende entstanden" sind (S. 14), sondern durch die Einwirkung gesellschaftlicher Veränderungen auf die Wissenschaft, begründet die Autorin überzeugend anhand der Entstehung und Entwicklung der Cultural Studies. Diese stellt sie vergleichend den Zielen, Theorien, Methoden und der Entstehungsgeschichte der deutschen Kulturwissenschaft gegenüber.

Nach dieser sehr differenzierten Einführung geht die Autorin auf jeweils ca. 30 Seiten auf die oben erwähnten thematischen Felder der Kulturwissenschaft ein. In den sieben Kapiteln werden die jeweiligen methodologischen Grundbegriffe und theoretischen Ansätze mit Lektüren literarischer Texte verbunden. Mit dieser Verknüpfung stellt Assmann einen neuen, begrüßenswerten Ansatz der Vermittlung kulturwissenschaftlicher Grundbegriffe vor. Dabei nimmt sie nicht nur auf neuere anglo-amerikanische Literatur Bezug, sondern untersucht auch Klassiker wie z.B. Shakespeare unter kulturwissenschaftlichen Aspekten neu. Assmann begründet dies damit, dass die Kulturwissenschaft zwar eine relativ junge Disziplin ist, sie aber rückwirkend ein neues Licht auf die Literaturgeschichte wirft (vgl. S. 8). Schon das vorliegende Buch zeigt in Ansätzen die reichhaltigen Erkenntnisse auf, die bei der Anwendung dieser Prämisse in den nächsten Jahren in diesem Bereich zu erwarten sind.
Assmanns Vorgehensweise, Begrifflichkeiten vorzustellen und die theoretischen Vorgaben an literarischen Beispielen zu belegen und weiterzuentwickeln, soll hier exemplarisch anhand des Kapitels "Gedächtnis" vorgestellt werden: In der Einleitung zeigt Assmann zunächst die transdisziplinäre Anschlußfähigkeit des Begriffs ‚Gedächtnis’ auf: Während die Neurologen sozusagen die ‚hardware’ des Gedächtnisses erforschen, beschäftigen sich die Psychologen mit den kognitiven und emotionalen Gedächtnis-Prozessen von Individuen. Neben den jeweils eigenen Zugängen zum Bereich der Gedächtnisforschung der Politologen, Soziologen und Historiker, untersuchen die Kultur- und Literaturwissenschaftler das ‚kulturelle Gedächtnis’, das sich aus Bildern, Texten und Praktiken langfristig aufbaut.

Die Vorstellung der grundlegenden begrifflichen Unterscheidungen, wie ‚aktives’ und ‚passives’ Gedächtnis, ‚verkörpertes’ und ‚ausgelagertes’ Gedächtnis usw., vermittelt einen ersten Überblick über das komplexe Forschungsgebiet der kulturellen Gedächtnisforschung. Konkretisiert werden diese Begriffe an Shakespeares Hamlet: Als Hamlet z.B. im letzten Akt des Stückes auf dem Friedhof einen Schädel aufgreift, der einem gewissen Yorick zuzuordnen ist, erinnert er sich, dass dieser als Narr am Hofe seines Vaters angestellt war und ihn als Kind auf dem Rücken herumgetragen hat. Diese autobiographischen Erinnerungen oder genauer ‚episodischen Mich-Erinnerungen’ werden in der Regel (wie auch hier) durch einen Gegenstand ausgelöst. Auf die Handlung des Dramas haben sie zwar in diesem Fall keinen Einfluss; durch die Lebhaftigkeit und Sinnlichkeit der Erinnerung verhelfen sie dem Stück aber zur Verdichtung der Atmosphäre und geben der Figur ‚Hamlet’ psychologische Tiefe.
Assmanns Einführung überzeugt aber nicht nur durch ihre enge Verknüpfung von Theorie und Text. Abschließend sei angemerkt, dass auch die kohärente Strukturierung und Gestaltung der Einführung besonders gelungen sind. So machen die Verweise zwischen den Kapiteln ein nochmaliges Nachschlagen möglich und verdeutlichen die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Themen. So wird im Kapitel 3 "Körper" z.B. auf Körper und "agency" eingegangen und in diesem Zusammenhang auf die Subjekt-Debatte im Kapitel 7 "Identität" verwiesen. Da die Kapitel jedes für sich gelesen werden können, sind die Bibliographien am Ende jedes Kapitels besonders wichtig und hilfreich. Aufgeteilt in ‚zitierte Literatur’ und ‚Auswahlbibliographie’ ermöglichen sie einen guten Überblick. Auch die Gesamtbibliographie (hier nur noch die Referenzwerke) am Ende des Bandes ist für die wissenschaftliche Nutzung von größter Relevanz und erleichtert das Weiterlesen und Studieren. Nur einige orthographische Fehler, die sich vor allem im ersten Teil des Buches finden und eine falsche Strukturierung im Text, wo statt der sechs angekündigten Unterpunkte nur fünf angezeigt werden (vgl. S. 65f.), sind ärgerlich, da sie den Lesefluss behindern. Das Buch hätte sicherlich ein aufmerksameres Lektorat verdient, wobei hinzuzufügen ist, dass das Layout durchaus ansprechend ist.
Von diesem kleinen Manko abgesehen, ist Aleida Assmanns Monographie insgesamt als überaus gelungen zu bezeichnen und erfüllt ihren Anspruch, Studierenden den Einstieg ins Studium der Kulturwissenschaft zu erleichtern und ihnen auch für eigene weiterführende Studien ein Hilfsmittel zu sein. Meines Erachtens ist der Band auch für allgemein an der Kulturgeschichte Interessierte zu empfehlen, da er verständlich geschrieben ist, ohne auf technische und wissenschaftliche Ausdrücke zu verzichten, wo sie notwendig sind.


Assmann, Aleida: Einführung in die Kulturwissenschaft. Grundbegriffe, Themen, Fragestellungen. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2006. (Grundlagen der Anglistik und Amerikanistik 27). 248 S., Paperback, € 20. ISBN 3-503-07977-7. 


  Inhaltsverzeichnis


Einleitung 7
Ziel und Aufbau dieses Bandes 7
Kulturbegriffe 9
Warum Kulturwissenschaften? 13
Cultural Studies und Kulturwissenschaften - zwei Entstehungsgeschichten 16
Auswahlbibliographie 26

1. Zeichen 27
Zeichengebrauch als anthropologische Grundlage 27
Literarische Kommunikationsstörungen 37
Zeichentypen 41
Sprache, Kultur, Gewalt 47
Zitierte Literatur und Auswahlbibliographie 53

2. Medien 55
Medien als Mittler? 55
Mündlichkeit und Schriftlichkeit 58
Schrift und Autorschaft im Spiegel der Mediengeschichte 66
Text und Bild 77
Zitierte Literatur und Auswahlbibliographie 85

3. Körper 89
Körperdiskurse 89
Körper, Sexualität und Gender 96
Menschenbilder - Historische Anthropologie 105
Körper-Inszenierungen 117
Zitierte Literatur und Auswahlbibliographie 118

4. Zeit 121
Kulturelle Grundlagen des Zeiterlebens 121
Literarische Inszenierungen von Gegenwart 133
Der Alptraum der Geschichte 141
Zitierte Literatur und Auswahlbibliographie 146

5. Raum 149
London - Das Labyrinth der Großstadt 152
Zentrum und Peripherie - F.J. Turner und Joseph Conrad 160
Mythische Landschaft - Leslie Marmon Silkos Ceremony 171
Zitierte Literatur und Auswahlbibliographie 176

6. Gedächtnis 179
Grundbegriffe der Gedächtnisforschung 180
Gedächtnisformen in Shakespeares Hamlet 190
Zitierte Literatur und Auswahlbibliographie 203

7. Identität 205
Individuelle Identität 206
Kollektive Identität - Ethnie, Nation, Kultur 219
Der Kampf um den Kanon - Identitätspolitik im Medium der Literatur 223
Wanderer zwischen den Kulturen 227
Zitierte Literatur und Auswahlbibliographie 232

Gesamtbibliographie 235

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