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Zaungäste oder Zaunkönige? - Von der Komplexität und gleichzeitigen Berechenbarkeit interkultureller Kommunikation

Eine Rezension von Dr. Sabine Prechter

Apeltauer, Ernst (Hg.): Interkulturelle Kommunikation: Deutschland - Skandinavien - Großbritannien. Tübingen: Narr, 2002.

Der von Ernst Apeltauer herausgegebene Band Interkulturelle Kommunikation. Deutschland - Skandinavien - Großbritannien ist der um einen Aufsatz von Sabine Riedel ergänzte Abdruck der sieben Beiträge einer Ringvorlesung zum Thema Interkulturelle Kommunikation, die im Sommersemester 2000 im Rahmen des grenzüberschreitenden Studienganges Kultur- und Sprachmittler (Universität Flensburg/Süddänische Universität) an der Universität Flensburg gehalten wurde. Das Themenspektrum reicht dabei von schwerpunktmäßig linguistisch ausgerichteten Beiträgen über pragmatische Fragestellungen bis hin zur Analyse grenzüberschreitender Strategien im Arbeits- und Wirtschaftsleben.


 

Dieser Band präsentiert eine große Bandbreite interkultureller Themenstellungen, wobei der geographische Schwerpunkt - leicht abweichend vom Titel - auf dem skandinavischen Kulturraum bzw. den deutsch-skandinavischen Beziehungen liegt.
Nach einer Einleitung des Herausgebers liefert Hannes Kniffka mit "Sprach- und Kulturkontakt 'across the fence(s)'. Linguistische Perspektiven" den einzigen stark theorielastigen Beitrag, nämlich zur Theorie des Kulturkontaktes und Kulturkontrastes, in dem er Konzepte wie Ingroup oder Outgroup in ihrer ganzen Komplexität, auch anhand von Beispielen, zu erläutern und zu illustrieren sucht.

Dieter Krohn untersucht in seinem Beitrag "Der Sozialstaat und die Gleichstellung der Frauen in Schweden und Deutschland. Ein kultureller Werkstattbericht" Interkulturalität gleich auf zwei Ebenen, zum einen der gender-, zum anderen der Sprachgemeinschafts- oder auch Staatenebene. Krohns Schwerpunkt liegt sowohl auf dem Erwerb interkultureller Information als auch der damit möglichst einhergehenden Kompetenz im Rahmen universitären Lehrens. Er zieht Erfahrungen in Unterrichtsgesprächen mit schwedischen und deutschen Studenten zum Thema Sozialstaat heran, um daran zwei grundsätzliche Notwendigkeiten in der Vermittlung von landes- und kulturkundlichem Wissen zu exemplifizieren: zum einen die notwendige Einschränkung der zu be- und verarbeitenden Informationsmenge durch die Lehrkraft, zum anderen das Hinweisen auf stereotype Denk- und Verhaltensweisen und der Versuch, diese zu beseitigen. Dabei fällt jedoch für den gender-Aspekt auf, dass gerade dies der einzige Beitrag des Bandes ist, in dem sich der Autor gleich zu Beginn für die Verwendung des generischen Maskulinum entschuldigt, sie aber dennoch fortführt.

Mit Elin Fredsteds "Über verbale Herausforderungen in deutschen und dänischen Gesprächen" schließt sich ein weiterer linguistisch ausgerichteter Beitrag an, der durch sehr konkrete und konzise Erläuterungen verwendeter Fachbegriffe und verständliche und zugleich angemessene Illustrationen besticht. Gerade für Studierende erfreulich ist darüber hinaus die Tatsache, dass die Autorin Grice'sche Maximen, auf denen sie ihre Argumentation basieren lässt, nicht nur erwähnt, sondern auch in der Kurzform nochmals zitiert - und dass sie tatsächlich ihre eingangs gestellte Frage nach den Unterschieden zwischen deutschen und dänischen Reaktionsmustern unter Rückgriff auf die im Artikel analysierten Beispiele nochmals zusammenfassend beantwortet.

Sabine Riedels Studie zur deutsch-dänischen Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten ist der einzige Beitrag, der nicht der Ringvorlesung entstammt. Wie auch Fredsted versteht es die Autorin, die theoretische Unterfütterung ihrer Fragestellung - hier zu den Themen Arzt-Patienten-Gespräch und Interkulturelle Kommunikation - einfach und eben auch wieder präzise wiederzugeben.

Ernst Apeltauer befasst sich in "Deutschland und die Deutschen aus norwegischer Sicht, Stereotype als Voraussetzungen interkultureller Kommunikation" mit einer besonderen Herausforderung für die Forschung zum Thema Interkulturelle Kommunikation, den Stereotypen - die er als Voraussetzungen dafür ansieht, dass Interkulturelle Kommunikation überhaupt zustande kommt. Besonders interessant sind Apeltauers Ausführungen (die auf einer zahlenmäßig eher kleinen Befragung einer Gruppe basieren, die vor allem aus norwegischen Gymnasiasten mit Deutschunterricht bestand) für den - auch schulischen - Fremdsprachenunterricht, da er sich in seiner Arbeit eingehend mit den Auswirkungen von Stereotypen auf die Motivation von Fremdsprachenlernern befasst. Auch zeigen seine Ergebnisse eindrucksvoll, wie der Stellenwert der Schule als kulturwissenschaftliche Quelle kulturwissenschaftlichen Wissens bereits im Laufe der Sekundarschulzeit abnimmt und die Bedeutung von Medien, aber auch von Reisen immer mehr zunimmt. Dieser Punkt sollte im Schulbereich dahingehend Berücksichtigung finden, dass es nicht nur die klassischen Sprach- und Bildungsreisen sind, die hier prägend wirken, sondern auch 'normaler' Tourismus seine Spuren hinterlassen dürfte. Zudem unterstreichen Apeltauers Ergebnisse, dass direkte Kontakte immens wichtig für die Lernermotivation sind und eventuell schon bei der Gestaltung der Sprachenfolge stärker einbezogen werden sollten.

Karen Seago stellt in ihrem Beitrag die Problematik der Verbindung von Sprach- und Kulturunterricht im Hochschulunterricht dar. Zwar wählt sie die britische Hochschullandschaft als Beispiel, das zentrale Problem jedoch, nämlich die räumliche wie personelle Trennung von kulturwissenschaftlichen und sprachpraktischen Lehrveranstaltungen, trifft auch eine Vielzahl deutscher Hochschulen. Auch in Deutschland werden an vielen Hochschulen die Kulturwissenschaften in den jeweiligen Fachbereichen und Instituten, die Sprachpraxis aber in zentralen Sprachenzentren, die eben nicht nur die Philologien alleine bedienen, unterrichtet. Seago stellt darüber hinaus neuere Ansätze vor, innerhalb derer Sprachpraxis und Kulturwissenschaft unter Rückgriff auf das Identitätskonzept unterrichtet werden.

Werner Altmeyers Abschlussbeitrag "Herausforderungen interkultureller Kommunikation in den europäischen Arbeitsbeziehungen" nimmt dann sehr konkreten Bezug auf mögliche Berufsfelder der Absolventen des Studienganges. Er fasst die Ergebnisse von Geert Hofstedes Arbeit zu verschiedenen Aspekten des Arbeitslebens in unterschiedlichen Kulturen zusammen und erläutert dann kurz mögliche Probleme im Kontakt von deutschen mit britischen bzw. französischen Delegationen.

Alles in allem ist hier ein sehr 'runder' Band gelungen. So ist die Tatsache, dass fast alle Beiträge des Bandes sehr klar und erfreulicherweise vom Grundaufbau her ähnlich strukturiert sind - ausgehend von einer kurzen Hinführung zum Thema werden gegebenenfalls methodische Überlegungen sowie die Datenquellen erläutert; es folgen eine abschließende Ergebnispräsentation sowie mögliche Literaturhinweise - was dem Leser die Informationsaufnahme erleichtert, positiv hervorzuheben. Der Band eignet sich für den Einstieg in die Thematik Interkulturelle Kommunikation - durch seine sprachwissenschaftliche Ausrichtung gerade auch für Studierende der Linguistik - ebenso wie für die Vertiefung, nicht zuletzt durch die erfreulich "andere" Themenstellung, die einen Kulturraum in den Mittelpunkt rückt, der in deutschen Arbeiten zur Interkulturellen Kommunikation oft in Vergessenheit gerät und doch so viele Möglichkeiten gerade aus deutscher Sicht bietet.


Ernst Apeltauer (Hg.): Interkulturelle Kommunikation. Deutschland - Skandinavien - Großbritannien. Tübingen: Narr, 2002. ISBN 978-3-8233-5887-9

Inhaltsverzeichnis


Vorwort VII
Einleitung 1

Hannes Kniffka: Sprach- und Kulturkontakt "across the fence(s)". Linguistische Perspektiven 7
0. Einleitung 7
1. Konzepte und Gesichtspunkte zur Erforschung des Kulturkontaktes 8
2. Beispiele "gespiegelter" interkultureller Interaktion 17
3. "(Language) Attidudes [sic]" und Kulturkontakt 22
4. Ingroup-, Outgroup- und Nongroup-Verhaltensdimensionen "der zweiten Ordnung" 26
5. Literatur 28

Dieter Krohn: Der Sozialstaat und die Gleichstellung der Frauen in Schweden und Deutschland. Ein kultureller Werkstattbericht 31
1. Hintergrund 31
2. Methode 34
3. Vergleich I: Der Sozialstaat 35
4. Vergleich II: Gleichstellung der Frau 39
5. Schluss 41
6. Literatur 42

Elin Fredsted: Über verbale Herausforderungen in deutschen und dänischen Gesprächen 45
1. Abstract 45
2. Einleitung 45
3. Definition: Was ist eine Provokation oder eine Herausforderung? 46
4. Zusammenfassung 61
5. Anhang 64
6. Literatur 64

Sabine Riedel: "Auch für Sie muss alles verstanden sein." Grenz(en)überschreitende Arzt-Patient-Kommunikation: Fallstudien zur interkulturellen Kommunikation Deutschland-Dänemark 67
1. Zur Fragestellung der Untersuchung 67
2. Das theoretisch-methodische Vorgehen 68
3. Deutsch-dänische Arzt-Patient-Gespräche 76
4. Abschließende Überlegungen 87
5. Transkriptionskonventionen 88
6. Literatur 88

Ernst Apeltauer: Deutschland und die Deutschen aus norwegischer Sicht, Stereotype als Voraussetzungen interkultureller Kommunikation 91
1. Einleitung 91
2. Heterostereotype: Sichtweisen von Skandinaviern und Deutschen 93
3. Fragestellungen und Ziele 95
4. Probanden und Hypothesen 96
5. Methoden der Datenerhebung und -auswertung 97
6. Ergebnisse 98
7. Zusammenfassung 114
8. Literatur 119

Karen Seago: Die dritte Alternative? Interkulturelle Kommunikation und Modern Languages and britischen Hochschulen 123

Werner Altmeyer: Herausforderungen interkultureller Kommunikation in den europäischen Arbeitsbeziehungen 139
1. Grenzüberschreitende Unternehmensstrategien im Europäischen Wirtschaftsraum 139
2. Kulturelle Aspekte in der Arbeitswelt 140
3. Führungsstil im Ländervergleich 142
4. Die Systeme der Arbeitsbeziehungen 143
5. Interkulturelle Kommunikation in den Arbeitsbeziehungen 145
6. Fazit 148
7. Literatur 148

Autoren 151
Sachregister 153


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