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Intermedialität - Ein weites Feld

Eine Rezension von Jens Zwernemann (Braunschweig)

Rajewsky, Irina O.: Intermedialität. Tübingen: Francke, 2002.

Nach wie vor ist Intermedialität nicht nur "in", sondern auch, wie Werner Wolf 2002 konstatierte, "ein weites Feld und eine Herausforderung für die Literaturwissenschaft". All jene, die sich dieser Herausforderung stellen wollen oder im fast unüberschaubaren Feld der Intermedialitätsforschung nach Orientierung suchen, zählen zur erklärten Zielgruppe der Studie Irina Rajewskys. Am Beispiel der unterschiedlichen Rekursverfahren literarischer Werke auf die audiovisuellen Medien Film und Fernsehen entwickelt die Verfasserin eine Typologie intermedialer Bezüge, die eine terminologisch und methodisch fundierte Analyse intermedialer Phänomene ermöglichen soll.


Wie in ihrer 2003 erschienenen Dissertation zum intermedialen Erzählen in der italienischen Literatur der Postmoderne, [die Ingo Carboch in Ausgabe 2 von KULT_online rezensierte], beschäftigt sich Irina Rajewsky auch in der vorliegenden Studie mit Fragen medialer Grenzüberschreitungen. Dabei entwickelt sie ihre Systematik intermedialer Bezüge fast ausschließlich im Sinne einer literaturzentrierten Intermedialität, indem sie das Zusammenspiel von Werken der italienischsprachigen Literatur der 1980er und 1990er Jahre mit Film und Fernsehen analysiert. Die auf dieser Grundlage erstellte Typologie sei jedoch, so die Verfasserin, prinzipiell auch auf andere Medien übertragbar - "freilich mit medial bedingten Einschränkungen und Besonderheiten" (S. 5).

Im ersten Teil ihres Buches gibt Rajewsky eine Einführung in den Intermedialitätsbegriff und unterscheidet diesen von den benachbarten Termini "Trans-" und "Intramedialität". Dabei fungiert "Intermedialität" für sie als "Hyperonym für die Gesamtheit aller Mediengrenzen überschreitenden Phänomene" (S. 12). Darüber hinaus skizziert sie sehr prägnant die Entwicklung der Intermedialitäts- aus der Intertextualitätsforschung und unterstreicht die Notwendigkeit, Intermedialität als eigenständiges Paradigma anzusehen, das sie gegen Disziplinen wie Komparatistik, Einflussforschung und interarts studies abgegrenzt wissen möchte.

Im zweiten Teil des Bandes gilt Rajewskys Interesse dem Bereich der intermedialen Bezüge, den sie, neben den Phänomenen der Medienkombination (etwa in Film und Oper) und des Medienwechsels (v.a. in Literaturverfilmungen), als primäres Gebiet intermedialer Forschung beschreibt. Intermediale Bezüge werden hierbei als Verfahren der Bedeutungskonstitution definiert, genauer als "(fakultative[r]) Bezug, den ein mediales Produkt zu einem Produkt eines anderen Mediums oder zum anderen Medium qua System herstellen kann." (S. 17) Diese Bezugnahme, so die These der Verfasserin, zeichne sich aufgrund des unüberbrückbaren "intermedial gap" (S. 70), d.h. der grundlegenden medialen Differenz zwischen kontaktnehmendem und -gebendem Medium, stets durch ihren "'Als ob'-Charakter" (S. 39) aus.

An diese Überlegung anschließend legt Rajewsky die Notwendigkeit dar, eine Typologie aufzustellen, mittels derer sich die verschiedenen Formen und Funktionen intermedialer Bezüge präzise beschreiben lassen. Die Ausdifferenzierung dieser Typologie erfolgt im fünften und längsten Kapitel. Die Verfasserin unterscheidet zunächst zwischen den Kategorien "fremdmediale Einzelreferenz" (etwa das Sprechen über einen bestimmten Film in einem literarischen Werk) und "intermediale Systemreferenz", wobei letztere zusätzlich in weitere Unterkategorien aufgegliedert wird.

Insgesamt ist v.a. die weitgehend klare und leserfreundliche Gestaltung des Bandes hervorzuheben: Relevante Termini sind gekennzeichnet und werden in einem abschließenden Glossar erläutert, Marginalien erleichtern die Orientierung im Text und zahlreiche Schemata und Texttafeln geben einen schnellen Überblick über die wichtigsten Begriffe und Definitionen.

Durch die starke Fokussierung auf den Themenbereich "Film und Literatur", der lediglich durch einige Bemerkungen zur Klangkunst und zum Tanztheater erweitert wird, bleibt abzuwarten, inwieweit sich die von der Verfasserin entwickelte Typologie auch für die Analyse von Beziehungen zwischen anderen Medien operationalisieren lässt. Davon hängt aber letztlich ab, ob der Band tatsächlich einen Beitrag zur Entwicklung "einer allgemeinen Intermedialitätstheorie" (S. 4, m. Hervorh.) zu leisten vermag.

Fazit: Aufgrund der sehr komplexen Argumentation, die trotz der Textbeispiele häufig recht abstrakt bleibt, dürfte die Lektüre dieses Bandes den lediglich "Intermedialitäts-Interessierten" (S. 4, m. Hervorh.) nicht immer ganz leicht fallen. Unbedingt zu empfehlen ist Irina Rajewskys Buch jedoch v.a. Literaturwissenschaftlern, die sich für die unterschiedlichen Arten der literarischen Bezugnahme auf das Medium Film interessieren.


Irina O. Rajewsky: Intermedialität. Tübingen: A. Francke Verlag, 2002. 216 S., Broschiert, 19,30 Euro. ISBN 3-8252-2261-6


Inhaltsverzeichnis


1 Einleitung

2 Was heißt "Intermedialität"?
2.1 Intermedialität: Ein termine ombrello(ne)
2.2 Inter-, Intra- und Transmedialität
2.3 Der Gegenstandsbereich intermedialer Forschung
2.4 Erkenntnisziele der Intermedialitätsforschung

3 Intermediale Bezüge - Grundlagen, Probleme und Lösungsversuche
3.1 'Film und Literatur': Eine Einführung
3.2 Probleme der Analyse intermedialer Bezüge
3.2.1 Historizität
3.2.2 Identifizier- und Nachweisbarkeit
3.2.3 Der 'Als ob'-Charakter filmbezogenen Schreibens
3.3 Entwicklung und Stand der Forschung
3.3.1 Die Forschung der 60er bis 80er Jahre: 'Filmische Schreibweisen' und der 'Einfluss' des Films auf die Literatur
3.3.2 Der Neuansatz der 90er Jahre: 'Intermedialität' und 'Intertextualität'
3.3.2.1 Intertextualität: Positionen und Polaritäten
3.3.2.2 Von der Intertextualität zur Intermedialität

4 "Intertextualität" und "Intermedialität" revisited
4.1 Prämissen
4.2 Exkurs: Einflussforschung versus Intertextualität
4.3 'Interxtualität' und 'Systemrefernz' als Ausgangsbasis für eine Systematik intermedialer Bezüge
4.4 Intra- versus intermediale Bezüge

5 Intermediale Bezüge - ein systematischer Neuansatz
5.1 Intermediale Systemreferenzen (1): Die 'Systemerwähnung'
5.1.1 Die 'explizite Systemerwähnung' als erster Grundtypus der intermedialen Systemerwähnung
5.1.2 Die 'Systemerwähnung qua Transposition' als zweiter Grundtypus der intermedialen Systemerwähnung: 'Evokation', 'Imitation' und '(Teil-)Reproduktion'
5.1.2.1 Die illusionsbildende Qualität des zweiten Grundtypus der Systemerwähnung
5.1.2.2 Die 'evozierende Systemerwähnung'
5.1.2.3 Die 'simulierende Systemerwähnung'
5.1.2.4 Die '(teil-)reproduzierende Systemerwähnung'
5.1.3 Zusammenfassung: 'Explizite Systemerwähnung' und 'Systemerwähnung qua Transposition'
5.2 Intermediale Systemreferenzen (II): Die 'Systemkontamination'
5.2.1 Die 'Systemkontamination qua Translation'
5.2.2 Die 'teilaktualisierende Systemkontamination'
5.2.3 Zusammenfassung: 'Systemkontamination qua Translation' und 'teilaktualisierende Systemkontamination'
5.3 Die intermediale Einzelreferenz
5.4 Zusammenfassung: Intermediale Bezüge im Kontext der Intermedialitätsforschung
5.4.1 Schematische Darstellung
5.4.2 Systematik intermedialer Bezüge: Definition und Erläuterungen
5.4.3 Literatur und andere Medien als kontaktnehmende Systeme
5.4.4 Intermediale Bezüge und Medienwechsel: Intermediale Systemreferenzen im Verhältnis von Text und Verfilmung

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis
Glossar
Sachregister
Personen- und Titelregister

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